Quelle: Blätter 1979 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ANSPRACHE JIMMY CARTERS ANLÄSSLICH DER UNTERZEICHNUNG
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       DES SALT II-VERTRAGES AM 18. JUNI 1979
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       (Wortlaut)
       
       Unglücklicherweise waren  in der  Vergangenheit die machtvollsten
       Strömungen der Geschichte oft diejenigen, die die Völker in einen
       Krieg trieben.
       Wenn wir  jedoch auf die Ursachen so vieler Kriege zurückblicken,
       dann können  wir Zeiten  erkennen, in  denen  ein  vorsichtigerer
       Kurs, ja  nur eine  kleine, sorgfältige Kursänderung die Nationen
       um vieles  besser und  um vieles  weiter auf dem Weg des Friedens
       geleitet hätte.  Das ist auch der Sinn dessen, was wir heute hier
       in Wien durch die Unterzeichnung dieses Vertrags getan haben.
       Auch heute  noch - wie schon seit über 30 Jahren- bedroht uns die
       Gefahr der nuklearen Vernichtung. Unsere beiden Länder sind heute
       mit Tausenden von Kernwaffen ausgerüstet, und eine jede davon ist
       in der  Lage, Zerstörungen zu verursachen, die über jedes Maß und
       jede Vorstellung  hinausgehen.  Mehrere  andere  Länder  verfügen
       heute ebenfalls  über Kernwaffen,  und noch  mehr Länder besitzen
       die Fähigkeit,  diese zerstörerischen  Waffen zu  entwickeln. Die
       Waffentechnologie schreitet  weiter fort und damit die Gefahr und
       die offensichtliche  Notwendigkeit, dieses Wettrüsten zu kontrol-
       lieren und Regeln zu unterwerfen.
       Die Gespräche  über die  Begrenzung der  strategischen Rüstungen,
       die sich  ohne Unterbrechung  über nahezu zehn Jahre erstreckten,
       sind Ausdruck  der Erkenntnis,  daß ein nukleares Wettrüsten ohne
       gemeinsame Regeln,  ohne verifizierbare Begrenzungen und ohne an-
       haltenden Dialog  die Einladung  zu einer  Katastrophe wäre.  Ein
       solch zügelloser  Wettstreit wäre  eine Versuchung des Schicksals
       und der  Zukunft, und er würde unsere Intelligenz ebenso beleidi-
       gen wie die Existenz der Menschheit bedrohen.
       Diese Aussicht ist eine Herausforderung an unseren Mut und an un-
       sere schöpferische  Fähigkeit. Wenn  wir die Macht der Zerstörung
       nicht kontrollieren  können, dann  können wir weder unser eigenes
       Schicksal meistern noch unsere eigene Zukunft erhalten.
       Wie SALT I,  der ABM-Vertrag  und  das  Teststoppabkommen  vorher
       stützt sich  auch dieser  SALT II-Vertrag auf  die echten Sicher-
       heitserfordernisse unserer  beiden Länder.  Er wird  die  weitere
       Notwendigkeit militärischer  Stärke und  Einsatzbereitschaft  auf
       beiden Seiten  nicht aufheben.  Aber SALT II  setzt wichtige neue
       Begrenzungen sowohl  hinsichtlich der  Zahl als auch der Qualität
       der Kernwaffen  fest. Und  der Vertrag  ermöglicht es  uns, einen
       Kurs einzuhalten  auf eine sicherere Welt mit noch wesentlicheren
       Begrenzungen und  Verminderungen im Rahmen von SALT III. Wir dür-
       fen diesen Prozeß weder unterbrechen noch gefährden.
       Ich bin  als Präsident mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten
       von Amerika betraut.
       Ich würde niemals etwas tun, was dieses geheiligte Vertrauen aufs
       Spiel setzen könnte. Präsident Breschnew, wir haben beide Kinder,
       und wir wollen, daß sie leben - in Frieden leben. Wir haben beide
       hart gearbeitet, um unseren eigenen Kindern und den Kindern unse-
       rer Völker diese Sicherheit zu geben.
       Wir sind  uns darüber  im klaren,  daß kein Vertrag, kein Treffen
       allein die  sichere Zukunft  unserer  beiden  Länder  garantieren
       kann. Letztlich kann Frieden nur dadurch erreicht werden, daß wir
       uns ständig  um ihn bemühen und hartnäckig darum kämpfen, ihn im-
       merfort zu  erhalten. Aber  gerade dieser  Kampf um  den  Frieden
       schien oft genug am schwersten zu gewinnen zu sein.
       Hier und  heute setzen  wir den  Ängsten voreinander eine Grenze,
       indem wir unserer Macht sorgfältige Grenzen setzen. Indem wir an-
       fangen, unsere  Ängste zu beherrschen, können wir auch unsere Zu-
       kunft besser sichern.
       Jetzt können wir fortfahren, die Planeten zu erforschen. Wir kön-
       nen das  Wesen der Materie entdecken. Wir können die Macht zu un-
       serer eigenen Erhaltung und zur Erhaltung unserer Erde finden.
       Jeder von  uns hat  nur eine Nationalität. Aber wir leben in der-
       selben Welt.
       Keine einzige Nation dieser Erde, kein einziges Volk, kein einzi-
       ger Mensch  wird durch diesen Sieg in der Schlacht um den Frieden
       verletzt, bedroht oder beraubt. Es ist ein Sieg für alle.
       Zu unseren Lebzeiten haben wir gelernt, Krieg zu führen durch die
       Entfesselung des Atoms - der Macht der Schöpfung selbst. Um Frie-
       den zu  bekommen, müssen  wir die Nutzung dieser Kraft einschrän-
       ken, indem wir gemeinsam unseren Mut, unsere Weisheit und unseren
       Glauben einsetzen.
       Diese fundamentalen  Stärken der  menschlichen  Rasse  haben  uns
       heute hier an diesem Tisch zusammengebracht.
       Indem wir diesen Vertrag unterzeichnen, bringen wir unsere Natio-
       nen auf einen sichereren Kurs.
       Wir haben  lange daran gearbeitet, aus SALT II einen sicheren und
       nützlichen Wegweiser für die Zukunft zu machen.
       Lassen Sie  uns nun  zusammen versprechen, diesen Vertrag zu nut-
       zen, wenn wir unseren Weg zum Frieden fortsetzen.
       

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