Quelle: Blätter 1979 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER KUNDGEBUNG ZUM ANTIKRIEGSTAG
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       AM 1. SEPTEMBER 1979 IN BONN
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       (Wortlaut)
       
       Nie wieder Krieg! Das ist Mahnung und Auftrag der Millionen Opfer
       des Zweiten Weltkrieges.
       Uns, die  über 25 000  Teilnehmer der  Bonner Demonstration am 1.
       September 1979,  eint der feste Wille, alles zu tun, um Krieg aus
       dem Leben  der Völker  zu verbannen.  Vierzig Jahre  nach dem  im
       deutschen Namen  begonnenen Weltkrieg  erklären wir: Frieden muß,
       Frieden kann durchgesetzt werden. Frieden darf keine Utopie blei-
       ben. Die  Entspannungspolitik hat gute Anfänge für die Verständi-
       gung und  die friedliche Zusammenarbeit zwischen Ost und West ge-
       schaffen. Heute,  vierzig Jahre  nach Beginn  des  Zweiten  Welt-
       krieges, werden  wir jedoch  daran erinnert,  daß der Frieden ge-
       fährdet bleibt, solange das Wettrüsten dauert.
       Diese Gefahr durch Maßnahmen der Rüstungsbegrenzung und Abrüstung
       zu bannen, ist das friedenspolitische Gebot unserer Zeit. Deshalb
       treten wir  ein für  die Beendigung des Wettrüstens und vor allem
       dafür,
       - daß das Abkommen zwischen der UdSSR und den USA (SALT II) rati-
       fiziert und weitere Rüstungsbegrenzungen zügig vereinbart werden;
       - Daß die  Staaten der Helsinki-Konferenz ihrer Verpflichtung ge-
       recht werden,  Schritte zur  allgemeinen und  vollständigen Abrü-
       stung einzuleiten;
       - daß über den Abbau der Atomwaffen in Europa verhandelt wird und
       alle europäischen  Staaten auf  den Ersteinsatz  von atomaren und
       konventionellen Waffen verzichten.
       Von der Regierung unseres Landes fordern wir,
       - daß sie  auf alle  neuen Rüstungsprogramme  verzichtet und nein
       sagt zur Neutronenbombe und zu atomaren Mittelstreckenraketen;
       - daß sie bei den Wiener Verhandlungen über die Kürzung von Trup-
       pen und Rüstungen endlich eine konstruktive Haltung einnimmt, da-
       mit ein erstes Abkommen möglich wird;
       - daß sie  ihren Rüstungshaushalt  nicht weiter  erhöht,  sondern
       vielmehr die  Rüstung entsprechend der UNO-Resolution zunächst um
       zehn Prozent  senkt, um die frei werdenden Gelder für wirtschaft-
       liche und soziale Aufgaben bei uns und in den Entwicklungsländern
       zu verwenden.
       Gemeinsam für  diese Ziele  und ihre  Verwirklichung einzutreten,
       ist notwendiger  denn je.  Denn gerade  mit der Kanzlerkandidatur
       von Strauß sind der Entspannung ernste neue Gefahren entstanden.
       Dieser Machtanspruch entspannungsfeindlicher Kreise und ihr Griff
       nach eigenen  Atomwaffen stellen  eine Herausforderung  der Frie-
       denskräfte dar.  Wir sind  nicht bereit, diesen Gefahren tatenlos
       zuzusehen. Wir  appellieren an alle Bürger unseres Landes, zusam-
       menzustehen, wie bei dem erfolgreichen Kampf für die Ostverträge,
       und Frieden und Demokratie zu verwirklichen.
       Für eine  sichere und  sozial gerechte Zukunft braucht unser Volk
       Abrüstung, Zusammenarbeit und Erziehung zum Frieden.
       Im Ringen darum sind wir uns einig mit allen, die in diesen Tagen
       in unserem  Land für Frieden und Abrüstung eintreten und die sich
       gegen jede weitere Militarisierung unserer Gesellschaft wehren.
       Gemeinsam mit  Millionen Menschen auf allen Kontinenten haben wir
       die Kraft,  die Entspannung  zu sichern  und die Abrüstung durch-
       zusetzen.
       Wir rufen  auf, gemeinsam  zu handeln  und aktiv  zu bleiben  für
       diese Ziele.
       Keine Rückkehr zum kalten Krieg.
       Das Wettrüsten beenden.
       Den Frieden sichern.
       Bonn, den 1. September 1979
       

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