Quelle: Blätter 1979 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "NIE WIEDER KRIEG - NIE WIEDER AUSCHWITZ - FÜR FREUNDSCHAFT
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       MIT POLEN." AUFRUF ZUM 40. JAHRESTAG DES ÜBERFALLS AUF POLEN
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       (Wortlaut)
       
       Vor 40 Jahren marschierten deutsche Truppen unter dem Zeichen des
       Hakenkreuzes in Polen ein. Ein Deutschland, das nicht mit und ne-
       ben anderen  Völkern diese  Welt bewohnen, sondern über sie herr-
       schen wollte,  brachte Millionen  Menschen den  Tod. Mit  der Ab-
       sicht, Polen  auch als  Nation zu vernichten, nahm der Völkermord
       des II.  Weltkrieges seinen Anfang. Beim Zusammenbruch des staat-
       lichen Machtapparats der Nazis hatte Polen ein Fünftel seiner Be-
       völkerung verloren.
       Die schrecklichsten  Stätten dieser Barbarei, die Konzentrations-
       und Tötungslager  Auschwitz/Birkenau, Majdanek und andere, wurden
       auf polnischem Boden errichtet. Der Name Auschwitz wurde zum Sym-
       bol der  planvollen Menschenvernichtung. Die Leiden und Opfer des
       polnischen Volkes sind Mahnung, alles dafür zu tun, daß von unse-
       rem Land nie wieder Gefahren für andere Völker ausgehen.
       Im Widerstand einer ganzen Nation, im Warschauer Getto und in den
       Armeen der Alliierten haben Polen und Antifaschisten aller Länder
       für die humanistischen Prinzipien gekämpft, die zu geltendem Völ-
       kerrecht geworden  und nach  denen heute die Beziehungen zwischen
       den Völkern  zu gestalten  sind. Daraus  resultiert  insbesondere
       auch die  Verpflichtung, das  friedliche Zusammenleben  mit Polen
       und die Freundschaft mit dem polnischen Volk zu pflegen.
       Die in  den Verträgen  mit der  Volksrepublik Polen  und  anderen
       Staaten anerkannten Grenzen dürfen von niemandem und durch nichts
       in Zweifel  gezogen werden  - auch  nicht durch  die  Formel  vom
       "Offenhalten der  deutschen Frage". Die innerstaatliche Gesetzge-
       bung muß mit den internationalen Verträgen in Übereinstimmung ge-
       bracht werden.
       Der jungen Generation muß die Geschichte der Beziehungen zwischen
       Deutschland und Polen wahrheitsgetreu vermittelt werden. Die Emp-
       fehlungen der  Schulbuchkommission beider Länder müssen in Schul-
       büchern und  im Unterricht  Platz finden  und vertragsgetreu wei-
       terentwickelt werden.  Die auf  polnische Initiative  von der UNO
       beschlossene Deklaration "Über die Erziehung der Völker im Geiste
       des Friedens" soll ihre Verwirklichung finden.
       Die Gesetze,  die die Verherrlichung von Naziverbrechen und Krieg
       unter Verbot  stellen, müssen  sich auch auf dem Büchermarkt aus-
       wirken. Revanchistischen  Forderungen darf  in unserem  Land kein
       Raum gegeben werden.
       Alle Bestrebungen,  die der  Entspannung dienen und die Abrüstung
       fördern, sind zu unterstützen, eingedenk der Tatsache, daß sowohl
       Polen als auch die Bundesrepublik in einem künftigen Krieg - des-
       sen Gefahr  durch die  jüngsten Veränderungen der weltpolitischen
       Situation erneut  heraufbeschworen wurde - das zentrale Schlacht-
       feld sein würden.
       Die Verjährung  von Kriegsverbrechen  und  Verbrechen  gegen  die
       Menschlichkeit darf nicht zugelassen werden. Wer einer Verjährung
       von Auschwitz  zustimmt, stimmt  dem Vergessen zu und würde unser
       sich positiv  entwickelndes Verhältnis  zu Polen erneut moralisch
       und politisch schwer belasten. Es geht nicht um Rache oder um das
       unmögliche Abmessen  unermeßlicher Schuld, sondern um das Einste-
       hen des  deutschen Volks  für seine historische Verantwortung und
       seinen Beitrag  zur Sicherung der ganzen Welt vor jeder Rückfall-
       gefahr.
       Die Bundesrepublik  soll daher der UNO-Konvention über die Nicht-
       verjährbarkeit von  Verbrechen gegen die Menschlichkeit beitreten
       und damit  unzweideutig die  Glaubwürdigkeit ihres Bruchs mit al-
       lem, was die von Deutschen und im deutschen Namen begangenen Ver-
       brechen der Vergangenheit ermöglicht hat, dartun.
       Die Unterzeichner dieses Aufrufs bekunden dem polnischen Volk:
       Wir wollen  den Verträgen  über Zusammenarbeit zur vollen Geltung
       verhelfen.
       Wir wollen mit dem polnischen Volk in Frieden und in Freundschaft
       zusammenleben.
       Wir wollen,  daß unsere Jugend, wenn sie der polnischen begegnet,
       um diesem  Ziel zu  dienen, sich  ihres Landes  nicht zu  schämen
       braucht.
       Die Unterzeichneten  wenden sich mit diesem Aufruf an die Öffent-
       lichkeit und bitten alle, die ihn unterstützen können und wollen,
       um ihre Unterschrift.
       Prof. Dr.  Helmut Ridder, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Ge-
       sellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V. - Prof. Dr. Walter
       Fabian, Ehrenpräsident  der Deutsch-Polnischen  Gesellschaft  der
       Bundesrepublik Deutschland  e.V. -  Leszek Ormicki,  Vorsitzender
       der Deutsch-Polnischen  Gesellschaft Augsburg  e.V.  -  Kurt  Vo-
       gelsang, Vorsitzender  der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Biele-
       feld e.V. - Heinz Udo Rötzel, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen
       Gesellschaft Dortmund  - Hans-Joachim  Lehmann, Vorsitzender  der
       Deutsch-Polnischen Gesellschaft  Göttingen - Steffi Fischer, Vor-
       sitzende der  Deutsch-Polnischen Gesellschaft  Heidenheim e.V.  -
       Hans-Georg Wagner,  Vorsitzender der  Deutsch-Polnischen  Gesell-
       schaft im  Saarland e.V.  -  Werner  Feldmann,  Vorsitzender  der
       Deutsch-Polnischen Gesellschaft Waldbröl - Dr. med. E. van Aaken,
       Sportmediziner und  Trainer -  Inge Aicher-Scholl  - Heinrich Al-
       bertz, Pfarrer - Alfred Andersch, Schriftsteller - Kurt Bachmann,
       Mitglied des Präsidiums der DKP, Mitglied der Federation Interna-
       tionale de  Resistance -  Prof. Dr. Christof Bäumler, Universität
       München -  Prof. Dr.  H.-W. Bartsch D.D. - Rolf Berghorn, Vorsit-
       zender des  Sozialistischen Hochschulbundes - Dr. Günther Berndt,
       Pfarrer -  Erik Bettermann, Geschäftsführer des Deutschen Bundes-
       jugendrings -  Lenelotte von Bothmer, MdB - Manfred Coppik, MdB -
       Günter Döding,  Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gast-
       stätten -  Prof. Dr.  Fritz Eberhard,  Staatssekretär a.D. - Gerd
       Eckhard, Vorsitzender des AStA der Carl-von-Ossietzky-Universität
       Oldenburg -  Erich Eltzner,  Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
       der Evangelischen  Jugend in  der Bundesrepublik  Deutschland und
       Berlin-West e.V.  - Erich  Frister, Vorsitzender der Gewerkschaft
       Erziehung und  Wissenschaft -  Norbert Gansel, MdB - Kurt Georgi,
       Vorsitzender der  Gewerkschaft Holz  und Kunststoff - Paulus Gra-
       fenberger, Vorsitzender des AStA der Universität Düsseldorf - Dr.
       Franz v.  Hammerstein, Direktor  der Evangelischen Akademie West-
       berlin -  Karl-Wolfgang Hanne, Pastor -  Karl-Heinz Hansen, MdB -
       Karl Hemfler, Staatsminister a.D. - Heinz Hoffmann, Bundesjugend-
       leiter der  Naturfreundejugend Deutschlands  -  Hilmar  Hoffmann,
       Kulturdezernent -  Horst Jungmann,  MdB -  Dr. Heinz  Kloppenburg
       D.D., Oberkirchenrat i.R. - Prof. Dr. Ulrich Klug, Senator a.D. -
       Doris Kluge, Vorsitzende des AStA der Gesamthochschule Duisburg -
       Dr. Helga Koppel, Publizistin - Prof. D. Walter Kreck - Franz Xa-
       ver Kroetz,  Schriftsteller -  Beate Landefeld,  Vorsitzende  des
       Marxistischen Studentenbundes  Spartakus - Dieter Lattmann, MdB -
       Friedrich Leidinger,  Student -  Karlheinz Lenz, Vorsitzender der
       Sozialistischen Jugend  Deutschlands -  Die Falken  - Willi Loje-
       wski, Vorsitzender  der Gewerkschaft  Gartenbau, Land- und Forst-
       wirtschaft -  Dr. Arno Lubos, Literaturhistoriker - Pastor Konrad
       Lübbert, Vorsitzender  des Versöhnungsbundes e.V. - Ascan Lutter-
       roth, Pfarrer  i.R. -  Egon Lutz, MdB - Leonhard Mahlein, Vorsit-
       zender der  Industriegewerkschaft Druck  und  Papier  -  Dorothee
       Mehr, Vorsitzende  des AStA der Fachhochschule Düsseldorf - Erich
       Meinike, MdB  - Pastor  Dr. h.c.  Herbert Mochalski,  Christliche
       Friedenkonferenz - Hans-Richard Nevermann, Direktor des Paul-Ger-
       hardt-Stifts Berlin-West  - Martin  Niemöller, Pastor  - Dr. jur.
       Wolfgang Plat,  Historiker -  Annegret Richter, Olympiasiegerin -
       Prof. Dr. Renate Riemeck - Dr Josef Rossaint, Präsident der VVN -
       Bund der  Antifaschisten - Heide Simonis, MdB - Horst Symanowski,
       Pfarrer -  D. Kurt  Scharf, Altbischof  - Sylvia Schenk, Deutsche
       Meisterin im  Hürdenlauf -  Helmut Schirrmacher, Vorsitzender der
       Gewerkschaft der  Polizei -  Gerhard Schröder,  Vorsitzender  der
       Jungsozialisten in der SPD - Dr. theol. Hannelis Schulte - Walter
       Schulze, Generalsekretär der International Sonnenberg Association
       - Dr. Olaf Schwencke, MdB - Dorothee Stapelfeldt, Vorsitzende des
       AStA der  Universität Hamburg - Christoph Strasser, Bundesvorsit-
       zender der Deutschen Jungdemokraten - Werner Stürmann, Vorsitzen-
       der der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend - Norbert Thimm,
       Diplom-Psychologe, Basketball-Nationalspieler  -  Klaus  Thüsing,
       MdB -  Karsten D. Voigt, MdB - Prof. Dr. H. Vorgrimler, Universi-
       tät Münster  - Ernst Waltemathe, MdB - Jürgen Wasmann, Vorsitzen-
       der des  AStA der  Ruhr-Universität Bochum  -  Dr.  Peter  Weiss,
       Schriftsteller -  Jochen Zimmer,  stellvertretender Landesvorsit-
       zender der  Jungsozialisten in  der SPD,  Baden-Württemberg - Dr.
       Christa Zinn  - Prof Dr. Eberhard Schomburg Ehrenvorsitzender der
       Lebenshilfe, Ehrenpräsident des Deutschen Kinderschutzbundes
       

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