Quelle: Blätter 1979 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DRINGENDER APPELL: "JETZT VERHANDELN - NICHT AUFRÜSTEN!"
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       Der Öffentlichkeit vorgelegt am 20. November 1979 in Bonn
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       (Wortlaut)
       
       Die weltweiten  Bemühungen um  Abrüstung haben einen neuen Impuls
       erhalten: das sowjetische Staatsoberhaupt Leonid Breschnew hat am
       6. Oktober  in Berlin  einseitige Maßnahmen  zur Verringerung der
       militärischen Stärke  der UdSSR in Mitteleuropa angekündigt. Ohne
       Gegenleistung sollen  in den nächsten zwölf Monaten 20 000 Solda-
       ten und  1000 Panzer  aus der DDR abgezogen werden. Die UdSSR be-
       kundete ihre  Bereitschaft, die  Zahl der  Atomwaffenträger mitt-
       lerer Reichweite  im europäischen Teil ihres Landes zu verringern
       - vorausgesetzt,  die NATO bringt keine neuen Mittelstreckenrake-
       ten in Westeuropa in Stellung.
       Diese Ankündigungen  haben große  Hoffnungen geweckt.  Sie bieten
       die Möglichkeit,  eine neue  Eskalation der Rüstung zu verhindern
       und entscheidende Schritte der Rüstungsverminderung zu gehen.
       Die ersten  Stellungnahmen verantwortlicher Politiker in Bonn und
       anderen Hauptstädten  haben bei  uns wie bei vielen anderen Sorge
       hervorgerufen, daß  diese Chance für mehr Sicherheit und Entspan-
       nung nicht  genutzt wird.  Es muß vielmehr befürchtet werden, daß
       durch die noch für Dezember dieses Jahres geplante NATO-Entschei-
       dung über neue Atomraketen "vollendete Tatsachen" geschaffen wer-
       den.
       Bei der  vorgesehenen Produktion  und Stationierung neuer Mittel-
       streckenraketen mit  kontinentaler Reichweite  geht  es  um  eine
       schwerwiegende Veränderung  der strategischen Lage. Erstmals sol-
       len in  unserem Land und bei unseren Nachbarn Raketen stationiert
       werden, mit  denen der westliche Teil der UdSSR atomar vernichtet
       werden könnte.  Die US-amerikanischen Mittelstreckenraketen wären
       ein zusätzliches  Potential der  NATO gegenüber der UdSSR. Es ist
       daher nicht  gerechtfertigt, sie mit der Modernisierung vorhande-
       ner sowjetischer  Mittelstreckenwaffen zu begründen. Ihre Einfüh-
       rung würde  das SALT II-Abkommen unterlaufen, durch das das stra-
       tegische Gleichgewicht zwischen den USA und UdSSR festgeschrieben
       wird.
       Dies hätte unabsehbare Folgen für die Entspannung. Die Gefahr der
       Auslösung eines "begrenzten Atomkrieges" in Europa würde wachsen.
       Unser Land würde ganz eindeutig zum ersten Ziel für Atomschläge.
       Angesichts dieser  Risiken spricht  alles dafür,  jetzt nichts zu
       überstürzen. Das neue sowjetische Abrüstungs- und Verhandlungsan-
       gebot verdient eine konstruktive Antwort.
       Ist es politisch zu verantworten, die Vorleistungen der UdSSR mit
       einem Beschluß  über neue  Atomraketen zu erwidern? Hierbei kommt
       es auf die Haltung der Bundesregierung entscheidend an!
       Es geht  um die  Möglichkeit realer  Rüstungsverminderung, um die
       Zukunft der  Entspannung. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit
       des Willens  zur Abrüstung.  Es darf einfach nicht zu einer neuen
       unheilvollen Eskalation des Wettrüstens kommen.
       Wir appellieren an die Bundesregierung: Jetzt muß verhandelt wer-
       den! Auf  der bevorstehenden  NATO-Tagung darf es keinen Beschluß
       über neue Raketen geben!
       Wir appellieren  an alle,  die Verantwortung tragen, an die Abge-
       ordneten des Bundestages, an die Parteien, an die Kirchen und Ge-
       werkschaften, wir  appellieren an alle Bürger: Laßt nicht zu, daß
       diese Chance vertan wird!
       
       Prof Dr.  Wolfgang Abendroth  - Prof.  Dr. H.-W.  Bartsch, D.D. -
       Prof. Dr.  Karl Bechert - Heinz Bennent, Schauspieler - Prof. Lu-
       ise Berthold  - Prof. Dr. Klaus Brake - Carin Braun, Schauspiele-
       rin - Paul Bresgen, Gewerkschaftssekretär - Klaus Bretthauer, Be-
       triebsratsvorsitzender - Prof. Egbert Brieskorn - Werner Buchner,
       Betriebsrat -  Helmut Buck, Gewerkschaftssekretär - Dr. Ernst Bu-
       sche, Sprecher der Bürgeraktion Garlstedter Heide - Martha Busch-
       mann, Mitglied  des Präsidiums  der DKP  - Peter  O.  Chotjewitz,
       Schriftsteller -  Franz Josef  Degenhardt, Schriftsteller - Prof.
       Dr. Frank  Deppe - Dr. Karlheinz Deschner, Schriftsteller - Prof.
       Dr. Walter  Dirks - Prof. Dr. Andreas Dress - Pastor Hartmut Dre-
       wes -  Burkhard Driest,  Filmautor - Dr. Heinz Düx, Richter - Dr.
       Konrad Elsässer, Vorsitzender des Christlichen Friedensdienstes -
       Pater Anatol  Feid -  Richard Förster, Betriebsratsvorsitzender -
       Helmut Friedrich,  Betriebsratsvorsitzender -  E.-F.  Fürbringer,
       Schauspieler -  Prof. Dr.  Wolfgang Gleissberg  - Klaus  Goehrke,
       Hauptpersonalratsvorsitzender - Prof. Dr. Helmut Gollwitzer - HAP
       Grieshaber -  Herbert Haas,  Betriebsratsvorsitzender  -  Manfred
       Haas,  stellvertretender  Betriebsratsvorsitzender  -  Prof.  Dr.
       Friedrich Hahn  - Heinrich  Hannover, Rechtsanwalt  - Dr. Michael
       Hatry, Dramaturg  - Prof.  Dr. Helmut Heinemann - Kurt Heinzmann,
       Betriebsratsvorsitzender - Prof. Dr. Horst Herrmann - Hansgünther
       Heyme, Staatsschauspieldirektor  - Helga Hirsch, stellvertretende
       Betriebsratsvorsitzende -  Rainer Hirsch, Autor - Prof. Dr. Horst
       Holzer -  Prof. Dr. Klaus Horn - Hans Dieter Hüsch, Kabarettist -
       Günter Hütter, Personalratsvorsitzender- Prof Dr. Jörg Huffschmid
       - Mechtild  Jansen -  Prof. Dr.  Gerhard Kade  - Helmut  Wolfgang
       Kahn, Autor  -  Werner  Kandlbinder,  Personalratsvorsitzender  -
       Christine Kaufmann,  Schauspielerin  -  Werner  Kiesewetter,  Be-
       triebsratsvorsitzender -  Heinar Kipphardt,  Schriftsteller - Dr.
       Heinz Kloppenburg  DD, Oberkirchenrat  i.R. -  Herbert Knapp, Be-
       triebsratsvorsitzender, und  weitere 14  Betriebsräte  der  Firma
       Mannesmann  -  Rolf  Knecht,  Betriebsratsvorsitzender  -  Lorenz
       Knorr, Mitglied des Direktoriums der DFU - Horst Kohfink, Gewerk-
       schaftssekretär -  Prof. D.  Walter Kreck  - Franz  Xaver Kroetz,
       Schriftsteller - Prof. Dr. Hans Jürgen Krysmanski - Prof. Dr. Re-
       nate Krysmanski  - Pastor  Konrad Lübbert  - Karl Lutz, Betriebs-
       ratsvorsitzender -  Albert Mangelsdorff,  Musiker -  Klaus  Mann-
       hardt, Bundesvorsitzender  der DFG-VK - Hansjörg Martin, Schrift-
       steller - Achim Maske - Gunnar Matthiessen - Dr. Jutta Menschik -
       Dr. h.c.  Herbert Mochalski - Pfarrer Friedhelm Meyer, Vorsitzen-
       der Kirchliche  Bruderschaft im  Rheinland  -  Naturfreundejugend
       Deutschlands, Bundesjugendleitung  - Pastor D. Martin Niemöller -
       Prof. Dr. Norman Paech - Egbert Pfalzgraf, Betriebsratsvorsitzen-
       der -  Prof. Dr.  theol. Uta  Ranke-Heinemann - Dr. Josef Reding,
       Schriftsteller - Prof. Dr. med. Michael Regus - Heinz Reichwaldt,
       Staatssekretär a.D.  - Prof.  Dr. Helmut  Ridder - Werner Riedel,
       Stadtrat -  Werner Rieß,  Gewerkschaftssekretär -  Luise  Rinser,
       Schriftstellerin -  Klaus Rogner,  Betriebsratsvorsitzender - Ru-
       dolf Rolfs,  Schriftsteller -  Dr. Joseph Rossaint, Präsident der
       VVN-BdA -  Prof. Dr.  H.J. Sandkühler - Ernst Spät, Betriebsrats-
       vorsitzender - Dieter Süverkrüp, Graphiker - Heinrich Schirmbeck,
       Schriftsteller - Horst Schoß, Vertrauenskörperleitung - Prof. Dr.
       F. Steffensky  - Prof.  Dr. Dorothea Steffensky-Sölle - Christoph
       Strässer, Bundesvorsitzender  für die  Deutschen Jungdemokraten -
       Prof. Dr.  Fritz Straßmann  - Prof. Dr. Gerhard Stuby - Prof. Dr.
       Karl Hermann  Tjaden -  Prof. Dr.  Margarete Tjaden-Steinhauer  -
       Horst Trapp  - Gösta  v. Uexküll, Publizist - Vereinigte deutsche
       Studentenschaften (VdS)  - Prof.  Dr. Herbert  Vorgrimler- Konrad
       Wagner, Betriebsratsvorsitzender  - Prof.  Dr. Roderich Wahsner -
       Gerhard Weber,  Generalsekretär CVJM  Hamburg - Gabriele Wohmann,
       Schriftstellerin - Heinz Werner Wurstius, Gewerkschaftssekretär -
       Romek Zora, Betriebsrätin.
       

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