Quelle: Blätter 1979 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       APPELL, VERABSCHIEDET AUF DEM ZWEITEN BUNDESWEITEN KONGRESS
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       "CHRISTEN FÜR DIE ABRÜSTUNG", AM 17. NOVEMBER 1979 IN DORTMUND
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       (Wortlaut)
       
       440 Theologen  und Gemeindemitglieder nahmen am 17. November 1979
       in Dortmund am zweiten bundesweiten Kongreß "Christen für die Ab-
       rüstung" teil. Der Kongreß beschäftigte sich in vier Arbeitskrei-
       sen mit  Themen zum  Beitrag von  Christen für die Friedenssiche-
       rung, z.B. mit dem Thema "Friedensarbeit am Ort: Börse der Erfah-
       rungen und  der Anregungen".  Die Mitte  Dezember 1979 anstehende
       NATO-Ratsentscheidung über  die Produktion  von  Atomraketen  und
       ihre Stationierung  in Westeuropa  veranlaßte die  Teilnehmer des
       Kongresses, den nachstehend dokumentierten Appell sowie eine ent-
       sprechende Botschaft  an die Regierungen der potentiellen Statio-
       nierungsländer und einen Offenen Brief an den Bundesparteitag der
       SPD zu verabschieden. D. Red.
       
       Als Christen,  die für den Frieden, die Entspannung und die Abrü-
       stung wirken, fühlen wir uns am Vorabend des Volkstrauertages mit
       Millionen Menschen in dem schmerzlichen Gedenken an die Opfer und
       an das Leid verbunden, die vor allem der Zweite Weltkrieg anderen
       Völkern, aber  auch unserem  Volk abverlangt hat. Doch in unseren
       Schmerz mischt  sich Zorn,  weil wir heute wissen: Nicht für Volk
       und Vaterland, sondern für egoistische Interessen und Ziele einer
       Minderheit wurden Tod und Zerstörung über große Teile der Mensch-
       heit gebracht.  Viele haben  es damals gewußt, wenige dagegen ge-
       kämpft, die meisten geschwiegen und mitgemacht. Wir müssen einge-
       stehen, daß  auch die  Kirchen und  die Christen in ihrem Glauben
       und ihrer Verantwortung weitgehend versagt haben.
       Diese bitteren  Erfahrungen bestärken uns in dem Willen, alles zu
       tun, um  eine Wiederholung zu verhindern. Heute stehen wir wieder
       an einem  Kreuzweg unserer Geschichte: Es steht zur Entscheidung,
       ob der  Rüstungswettlauf unsere  Erde weiter  an den Rand des Ab-
       grunds führt  oder ob  die Abrüstung  uns den Weg zum Frieden si-
       chert. Einen  Schritt zum  Frieden hat  die Sowjetunion jetzt ge-
       macht, indem  sie den  Beschluß faßte, Truppen und Panzer aus dem
       Gebiet der  DDR zurückzuziehen. Jetzt muß die NATO in Abrüstungs-
       verhandlungen eintreten  und darf  nicht falsche  Weichen für die
       Zukunft stellen,  indem sie sich für die Einführung neuer Atomra-
       keten in Europa entscheidet.
       Es hat  sich gezeigt,  daß die Entscheidung darüber vor allem von
       unserem Land  und unserer  Regierung abhängt.  In ihrer und damit
       auch in  unserer Verantwortung  liegt es, ob der Rüstungswettlauf
       beendet, der  Entspannungsprozeß fortgesetzt  und  zur  Abrüstung
       führen wird.
       In dieser  Frage vermissen  wir jetzt ein konkretes und unmißver-
       ständliches Engagement  der Kirchen gegen immer neue Aufrüstungs-
       projekte und  für Abrüstungsbemühungen. Es gibt keine Gründe, die
       eine Enthaltsamkeit  in dieser  lebenswichtigen Frage rechtferti-
       gen. Als  Mitglieder unserer Kirchen beziehen wir ihre grundsätz-
       lichen Erklärungen zu Frieden und Abrüstung auf unsere Situation.
       Deshalb fordern  wir von  unserer Regierung:  Verzichtet auf  die
       Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in unserem Land und
       tretet statt  dessen unverzüglich für Verhandlungen mit der UdSSR
       ein.
       Wir wollen diese Forderungen in unsere Gemeinden tragen, sie dort
       diskutieren und  zum Engagement  für Frieden und Abrüstung aufru-
       fen. Da  Kriege von Menschen vorbereitet und geführt werden, fra-
       gen wir  dabei nach den Ursachen des Rüstungswettlaufs und wider-
       setzen uns  den Kräften,  die an  Rüstung interessiert sind. Nach
       dem Wort  unseres Herrn  Jesus Christus wird uns allein die Wahr-
       heit frei  machen, frei dafür, gemeinsam mit allen Menschen guten
       Willens eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens zu bauen.
       

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