Quelle: Blätter 1980 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DES KOMITEES FÜR FRIEDEN, ABRÜSTUNG UND ZUSAMMENARBEIT
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       VOM 17. DEZEMBER 1979: "DEN NATO-BESCHLUSS NICHT VERWIRKLICHEN -
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       DAS WETTRÜSTEN BEENDEN"
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       (Wortlaut)
       
       Wir rufen zum Widerstand.
       Gegen das  Interesse der  Völker hat  sich die NATO für eine ver-
       schärfte Aufrüstung mit neuartigen amerikanischen Mittelstrecken-
       raketen in  Europa entschieden.  Das Angebot  der Sowjetunion  zu
       alsbaldigen Verhandlungen  mit dem  Westen wurde  nicht beachtet.
       Diese große Chance wurde vertan. Das ist ein schwarzer Tag im Be-
       mühen um Entspannung und Abrüstung auf unserem Kontinent.
       Mit dem  Plan, unser Land und das Territorium unserer Nachbarn zu
       Abschußrampen weitreichender  amerikanischer Atomraketen  zu  ma-
       chen, wird  eine äußerst gefährliche Wende in der militär-strate-
       gischen Entwicklung  Europas eingeleitet. Mit diesen Raketen soll
       eine militärische  Überlegenheit erzielt  und ein  europäisch be-
       grenzter Atomkrieg ermöglicht werden.
       35 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist es wieder denkbar,
       daß von deutschem Boden ein neuer Krieg ausgehen könnte, ein ato-
       mares Inferno,  in dem  unser Volk  als erstes  vernichtet werden
       wurde.
       Das ist  keine Politik der Sicherheit, sondern eine Strategie des
       Selbstmords. Dieser  Kurs der  NATO  führt  Europa  in  eine  der
       schwersten Krisen der Nachkriegszeit. Er geht ab vom Weg der Ent-
       spannung und  den Vereinbarungen der gesamteuropäischen Konferenz
       von Helsinki.  Er erzeugt  erneut Konfrontation und Mißtrauen. Er
       treibt zu  einem Wettrüsten  in nie  gekanntem Ausmaß und muß das
       militärische Gleichgewicht  untergraben, das  im SALT II-Abkommen
       zwischen den USA und der UdSSR vereinbart wurde. Zukünftige Abrü-
       stungsverhandlungen werden damit unerträglich belastet. Denn Ver-
       handlungen, die  nach NATO-Vorstellungen  aus einer  Position der
       militärischen Überlegenheit  und  nicht  auf  der  Grundlage  der
       Gleichheit geführt  werden sollen,  tragen nicht  zur Beendigung,
       sondern zur  Verschärfung des  Wettrüstens bei.  Solche  Angebote
       dienen einzig der Rechtfertigung der eigenen Hochrüstung. Die Ri-
       siken und Kosten dieser Politik soll unser Volk tragen.
       Unter dem Beifall der CDU/CSU hat die Bundesregierung in völliger
       Irreführung der  Öffentlichkeit und  entgegen allen Mahnungen und
       Warnungen diesen  Beschluß gemeinsam  mit der  Regierung der  USA
       durchgedrückt. Sie hat sich gegen ihren Auftrag gestellt, Schaden
       vom deutschen  Volk abzuwenden.  Mehr denn je hängt damit die Er-
       haltung des  Friedens und  die Zukunft unseres Landes vom aktiven
       Engagement seiner  Bürger ab.  An der Nahtstelle von Ost und West
       gibt es  für uns keine Alternative zu Entspannung, Zusammenarbeit
       und Abrüstung.  Es gilt  daher, Widerstand  zu leisten gegen eine
       gefährliche Politik der militärischen Stärke.
       Wir fordern:
       Die NATO-Beschlüsse  dürfen nicht  verwirklicht, die  Atomraketen
       nicht in Westeuropa stationiert werden.
       Handeln wir daher gemeinsam, gemeinsam auch mit den Friedensbewe-
       gungen in  unseren Nachbarländern.  Wie gegen  die Neutronenbombe
       müssen auch  Erfolge im Kampf gegen Mittelstreckenraketen möglich
       sein.
       

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