Quelle: Blätter 1980 Heft 07 (Juli)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Kommentare und Berichte
       
       MOSKAUER SPIELE NACH US-GESCHMACK
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       Ein Dokument des Kalten Krieges
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       Moskau ist  in diesen  Tagen Gastgeber der XXII. Olympischen Som-
       merspiele. Seit  die Vergabe  dieser Spiele  an  die  sowjetische
       Hauptstadt nicht länger verhindert werden konnte, hat sich in den
       USA eine  beispiellose Kampagne  entwickelt, die 1980 im Olympia-
       Boykott Präsident  Carters gipfelte.  Allerdings besitzt die Ver-
       knüpfung der  Olympischen  Spiele  mit  der  Politik  des  Kalten
       Krieges, ja  mit offener Kriegsvorbereitung, im Milieu der ameri-
       kanischen Propagandaapparate ihre Tradition - wie das nachstehend
       erstmals seit  der Originalpublikation  im Jahre 1951 (im Vorfeld
       der Olympischen  Spiele 1952 in Helsinki!) wieder veröffentlichte
       Zeitdokument schockierend  deutlich werden  läßt. Es handelt sich
       um eine  fiktive Reportage  der seinerzeit fahrenden (1957 einge-
       stellten) amerikanischen  Illustrierten "Collier's"  vom 27.  Ok-
       tober 1951.  Ihr Thema  ist die  Eröffnung Olympischer  Spiele in
       Moskau, die  "Collier's" damals  für den 22. Juli 1960 prognosti-
       zierte - den 7. Jahrestag der Zerstörung der Hauptstadt der mitt-
       lerweile besiegten  und besetzten Sowjetunion durch amerikanische
       Atombomben!
       Dieser ungeheuerliche - aus der Sicht des heutigen Verhaltens der
       USA doppelt  makabre - "Beitrag zur olympischen Idee" ist nur ei-
       nes der  Resultate, die die Phantasie amerikanischer Kalter Krie-
       ger 1951  angesichts der  Aufgabe, den  Dritten Weltkrieg und die
       anschließende westliche  Besatzungspolitik in  der Sowjetunion im
       Detail auszumalen, zu Papier bringen konnte. Was dem heutigen Le-
       ser einfach  unfaßbar oder  wie  eine  geschmacklose  Satire  er-
       scheint, war 1951 das Thema einer ganzen, 132 Seiten starken Aus-
       gabe der "seriösen" US-Zeitschrift, die unter der Liste prominen-
       ter Mitarbeiter  des fraglichen  Hefts Namen wie Arthur Koestler,
       J. B.  Priestley oder  den Gewerkschaftsführer Walter Reuther und
       als Verantwortlichen  den Militärexperten der "New York Times" H.
       W. Baldwin aufführt, dazu "die besten der US-Kriegsberichterstat-
       ter", wie der "Spiegel" am 7. November 1951 in einem Bericht über
       das "Collier's"-Atomkriegsheft  schrieb. 40 000  US-Dollar  seien
       als Sonderhonorare ausgeworfen und die Auflage um 500 000 auf 3,9
       Mio. erhöht worden.
       Was dem  "Spiegel" damals als journalistisches Kriegsspiel "unter
       Mitarbeit  der   Elite  der   US-Publizistik"  erschien,   obwohl
       "Collier's" selbst  im Editorial die intensive Beratung durch das
       Pentagon rühmte, erweist sich im Lichte seither bekanntgewordener
       US-Regierungsdokumente über  Atomkriegsplanungen  gegen  die  So-
       wjetunion (vgl. den Bericht in Heft 5/1980 der "Blätter", S. 589-
       598) als  noch viel schlimmer: als die popularisierte Fassung re-
       aler Militärplanungen, als psychologische Einstimmung der Öffent-
       lichkeit auf  einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion und deren an-
       schließende "Befreiung"  in Gestalt militärischer Besetzung durch
       westliche Truppen  (unter der  Flagge der  damals  US-dominierten
       UNO, nach  dem Beispiel der 1951 in Korea kämpfenden US-Verbände,
       deren oberster  militärischer Chef niemand anders als jener Gene-
       ral Omar  Bradley war, der bei "Collier's" bezeichnenderweise als
       künftiger IOC-Präsident in Erscheinung tritt).
       Detaillierte Dokumente,  darunter der  berüchtigte US-Atomkriegs-
       plan "Dropshot",  erscheinen im  Herbst 1980 unter dem Titel "Auf
       dem Weg  zum 3.  Weltkrieg? Amerikanische  Kriegspläne gegen  die
       UdSSR" im Pahl-Rugenstein Verlag, herausgegeben von Bernd Greiner
       und Kurt  Steinhaus. Auf  den folgenden  Seiten dokumentieren wir
       den vollständigen  Olympia-Artikel, eine  Vision des Atomangriffs
       auf Moskau  sowie das  Titelblatt der  Zeitschrift (alles aus der
       "Collier's" Ausgabe vom 27. Oktober 1951) - Bilder, die in diesen
       Wochen sehr nachdenklich stimmen.
       Nachstehend  Auszüge  aus  dem  umseitig  faksimilierten  Artikel
       "Moscow Olympics" in deutscher Übersetzung.
       
       D. Red.
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