Quelle: Blätter 1981 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER INITIATOREN DES "KREFELDER APPELLS"
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       VOM 9. FEBRUAR 1981 (BETR.: NEUTRONENBOMBE)
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       (Wortlaut)
       
       Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger hat, ohne sich
       mit den  Verbündeten der USA vorher auch nur zu verständigen, die
       Aufnahme der  Produktion von  Neutronenbomben angekündigt.  Damit
       widerruft die  neue amerikanische Regierung den vom früheren Prä-
       sidenten Carter  angeordneten Stopp  der Entwicklung einer Waffe,
       die der  ehemalige SPD-Bundesgeschäftsführer Egon Bahr einmal als
       eine Perversion  menschlichen Denkens  gekennzeichnet hat. Später
       will Washington dann mit den Regierungen jener Länder verhandeln,
       für die  diese neuartige  Nuklearwaffe vorgesehen  ist. Nicht  zu
       bezweifeln ist, daß die Bundesrepublik zu diesen Ländern gehört.
       Wenn die  Bundesregierung je  daran geglaubt  haben  sollte,  der
       Brüsseler Beschluß  zur Stationierung von 527 Cruise missiles und
       Pershing-II-Raketen diene  nur der  Herstellung  eines  Gleichge-
       wichts und  insbesondere der Beschleunigung von Rüstungskontroll-
       verhandlungen, dann kann nach Ankündigung der Produktion von Neu-
       tronenbomben davon  keine Rede  mehr sein.  Die Aussicht auf eine
       Eindämmung des  nuklearen Rüstungswettlaufs  rückt damit  in noch
       weitere Ferne.  Das Potential  zur Führung eines auf Mitteleuropa
       begrenzten Nuklearkrieges  wächst im Gegenteil ins Unkontrollier-
       bare.
       Wir wiederholen  mit Nachdruck unsere Aufforderung an die Bundes-
       regierung, den  unter überholten Voraussetzungen zustandegekomme-
       nen "Nachrüstungsbeschluß" aufzukündigen und klar und überzeugend
       von der  amerikanischen Vorstellung  abzurücken,  demnächst  auch
       noch Neutronenwaffen in der Bundesrepublik zu stationieren.
       Das Risiko,  das mit  einer derartigen Entwicklung gerade unserem
       Lande aufgebürdet  wurde, kann nicht übersehen werden. Die Bevöl-
       kerung der  Bundesrepublik darf sich nicht ablenken und verwirren
       lassen. Wir fordern sie erneut auf, angesichts der wachsenden Be-
       drohung zur  Erhaltung des  Friedens zusammenzustehen,  und  dies
       ohne Rücksicht auf unterschiedliche politische Überzeugungen.
       
       Gert Bastian,  Würzburg - Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Bechert, Weil-
       münster - Petra K. Kelly, Nürnberg - D. Martin Niemöller, Wiesba-
       den -  Prof. Dr. Helmut Ridder, Gießen - Christoph Strässer, Mün-
       ster - Gösta v. Uexküll, Hamburg - Josef Weber, Köln
       

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