Quelle: Blätter 1981 Heft 05 (Mai)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DRINGENDER APPELL DER WELTVERSAMMLUNG VON KIRCHEN-
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       UND RELIGIONSVERTRETERN FÜR NUKLEARE UND ALLGEMEINE
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       ABRÜSTUNG IN TOKIO AN DIE VORSITZENDEN DES RATES DER
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       EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND (EKD) UND DER DEUTSCHEN
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       KATHOLISCHEN BISCHOFSKONFERENZ VOM 24. APRIL 1981
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       (Wortlaut)
       
       Vom 22. bis 24. April 1981 fand auf Initiative der Buddhistischen
       Friedensbewegung Japans  in Tokio  die erste "Weltversammlung von
       Kirchen- und  Religionsvertretern für nukleare und allgemeine Ab-
       rüstung" statt.  568 Vertreter aus 58 Ländern nahmen an der Bera-
       tung und  ihren drei  Arbeitskreisen teil.  Der Arbeitskreis  zur
       Frage der  atomaren Abrüstung richtete den "dringenden Appell" an
       die Vorsitzenden der beiden großen Kirchen in der Bundesrepublik,
       Bischof Lohse und Kardinal Höffner, klar und öffentlich gegen die
       Stationierung neuer  Atomwaffen in der Bundesrepublik Stellung zu
       nehmen. Nachstehend der Wortlaut des Appells. D. Red.
       
       W i r,   d i e   U n t e r z e i c h n e r,  Kirchen- und Religi-
       onsvertreter aus aller Welt, in Tokio versammelt, um die Möglich-
       keit nuklearer und allgemeiner Abrüstung zu diskutieren,
       d a v o n   a u s g e h e n d,   daß als  Konsequenz des NATO-Be-
       schlusses vom  Dezember 1979  die Stationierung  nuklearer Waffen
       (Pershing-II-Raketen und  Cruise Missiles) in West-Deutschland im
       Jahre 1983  immer wahrscheinlicher  wird, insbesondere,  weil  es
       seit der  NATO-Entscheidung  keine  substantiellen  Verhandlungen
       mehr zwischen den USA und der UdSSR gibt,
       i n  d e m  B e w u ß t s e i n,  daß durch die Stationierung von
       Pershing II  und Cruise  Missiles nicht  nur die Zahl der bereits
       jetzt in  ihrem Lande  gelagerten Waffen  zunehmen würde, sondern
       das Wettrüsten eine neue Qualität bekäme, weil
       a) zum  ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg das Territorium der
       UdSSR mit atomaren Waffen von deutschem Boden aus bedroht wurde,
       b) das  Risiko der  Selbstvernichtung der USA durch Nuklearwaffen
       vermindert und auf diese Weise ein "begrenzter Atomkrieg" in Mit-
       teleuropa denkbar und möglich würde,
       a u s g e h e n d   d a v o n,   daß es in Ihrem Lande eine wach-
       sende Friedensbewegung gibt und ebenso in Ihren Kirchen, die for-
       dert, die neuen Waffen nicht zu stationieren,
       d a v o n   a u s g e h e n d,   daß die  Regierung Ihres  Landes
       aufmerksam und  sensibel auf  das hört und reagiert, was die Kir-
       chen sagen,
       a p p e l l i e r e n   w i r   m i t    N a c h d r u c k    a n
       S i e   a l s   d i e  V o r s i t z e n d e n  I h r e r  K i r-
       c h e n,   s i c h   d e u t l i c h   u n d  ö f f e n t l i c h
       g e g e n   d i e   S t a t i o n i e r u n g   d e r   n e u e n
       n u k l e a r e n    W a f f e n    i n    I h r e m    L a n d e
       a u s z u s p r e c h e n,  b e v o r  e s  z u  s p ä t  i s t.
       

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