Quelle: Blätter 1981 Heft 05 (Mai)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       WAS HEISST HIER VERANTWORTUNGSETHIK?
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       Kritische Anmerkungen zu einem Kanzler-Interview über
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       die politische Verantwortung der Christen und Kirchen *)
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       Von Walter Kreck
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       1. Gesinnungs- und Verantwortungsethik
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       2. Zur Gleichgewichtsthese
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       3. Zum Demokratieverständnis
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       *) Nach Helmut  Schmidt hat sich auch der Bundespräsident ähnlich
       wie der  Kanzler geäußert.  Am 19.  April 1981 erklärte Karl Car-
       stens in  einer Ansprache  anläßlich der  Wiedereröffnung des St.
       Petri-Doms in  Bremen u.a.:  "Ich bin  auf die Geschichte von St.
       Petri aber  auch eingegangen,  weil ich die Sorge vieler heutiger
       Mitchristen über  das teile, was sie als Mißbrauch des seelsorge-
       rischen Amtes  für politische  Zwecke empfinden.  Ich  weiß,  daß
       diese Erscheinungen  für das  Gesamtbild der Kirche nicht typisch
       sind, daß  sich die  große Mehrheit unserer Pfarrer in der Erfül-
       lung ihrer  Berufung als Seelsorger bis über das Maß ihrer Kräfte
       hinaus einsetzen.  Aber die  anderen, uns beunruhigenden Erschei-
       nungen  treten   in  der  Publizistik  oft  in  den  Vordergrund,
       merkwürdigerweise unter kräftiger Mitwirkung kirchlicher Informa-
       tionsdienste. So  lesen wir  mit Sorge Äußerungen einzelner Amts-
       träger, die  bestimmte subjektive  politische Auffassungen wider-
       spiegeln, aber  mit dem Anspruch auf christliche Wahrheit verkün-
       det werden.  Gewiß respektieren wir das Recht der Kirche, sich zu
       Fragen des  gesellschaftlichen und  politischen Lebens  zu äußern
       und, wo  ihr dies  nötig erscheint, Stellung zu nehmen, auch wenn
       dadurch Kontroversen  entfacht werden.  Wir lesen  und hören  mit
       großer Aufmerksamkeit die Verlautbarungen der Organe unserer Kir-
       che. Ich respektiere solche Verlautbarungen auch da, wo ich ande-
       rer Meinung  bin als  sie und  auch da, wo ich sie für bedenklich
       halte. So  zum Beispiel, wenn von kirchlicher Seite Vorleistungen
       auf dem Gebiet der Abrüstung verlangt werden, oder wenn das Prin-
       zip des  politischen und  militärischen Gleichgewichts  verworfen
       wird, das nach meiner Überzeugung und nach historischer Erfahrung
       eine Garantie  für Sicherheit  und Frieden  darstellt. Ich  halte
       diese Thesen  für falsch,  und ich halte es für besonders bedenk-
       lich, wenn  zu ihrer  Begründung auf  die  Bergpredigt  verwiesen
       wird. Die  Bergpredigt ist eine uns tiefbewegende Mahnung zur Ge-
       waltlosigkeit, und  der Christ,  der sich  für seine  Person ent-
       scheidet, Gewalt  hinzunehmen und  Unrecht widerstandslos zu dul-
       den, kann  sich gewiß auf die Bergpredigt berufen. Aber eine ganz
       andere Frage ist es doch, ob derjenige, der für andere Verantwor-
       tung trägt, diese schutzlos der Gewalt überantworten darf oder ob
       es nicht  vielmehr gerade  seine christliche Pflicht ist, die ihm
       Anvertrauten vor Gefahr, vor Unrecht, vor Gewalt oder vor Aggres-
       sion zu  schützen. Oder sollte etwa ein Vater seine Familienange-
       hörigen, ohne Widerstand zu leisten, Gewalttätern ausliefern?..."
       (Anmerkung d. Red.)
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