Quelle: Blätter 1981 Heft 05 (Mai)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       SCHREIBEN VON GENERALMAJOR A.D. GERT BASTIAN AN SPD-
       ====================================================
       BUNDESGESCHÄFTSFÜHRER PETER GLOTZ VOM 11. APRIL 1981
       ====================================================
       
       (Wortlaut)
       
       Im Namen  der Initiatoren  des Krefelder Appells hat General a.D.
       Bastian an  den Bundesgeschäftsführer der SPD, Glotz, einen Brief
       gerichtet, in  dem eindringlich Abrüstungsverhandlungen gefordert
       werden. Im Mittelpunkt des Schreibens steht die Zurückweisung von
       Verdächtigungen der  Motive der Initiatoren. Glotz hatte in einem
       Brief an  führende Parteifunktionäre  dazu aufgefordert, daß sich
       SPD-Mitglieder von  dieser Aktion  zurückziehen sollten. Nachste-
       hend der Wortlaut des Schreibens von General a. D. Bastian an den
       SPD-Bundesgeschäftsführer. D. Red.
       
       Für den  7.4.1981 hatten  Sie mehrere Kritiker der "Nachrüstung",
       darunter auch  mich, zu  einem Gespräch ins Erich Ollenhauer-Haus
       eingeladen, an dem von ihrer Partei u.a. Herr Bahr und Herr Voigt
       teilgenommen haben.  Sinn des  Gesprächs sollte, Ihren Worten zu-
       folge, der  offene Dialog  mit besorgten  Staatsbürgern und  eine
       vertrauensbildende Diskussion  der kontroversen  Meinungen  sein.
       Tatsächlich bin  ich mit  dem Eindruck  nach Hause  gefahren, daß
       dieser Gedankenaustausch ein besseres Verständnis der jeweils an-
       deren Standpunkte erleichtert haben mochte.
       Umso unangenehmer  überrascht war ich deshalb am nächsten Tag vom
       Inhalt Ihrer  am 8.  4.1981 an die gesamte Parteiorganisation ge-
       richteten Warnung vor dem "Krefelder Appell". In erster Linie be-
       fremdet mich,  daß mit  dieser Warnung der unzutreffende Eindruck
       erweckt werden soll, die Krefelder Initiative sei in Wahrheit ein
       Instrument der  DKP und ihr nahestehender Organisationen, mit dem
       ganz andere  Ziele verfolgt  würden, als  es die veröffentlichten
       Aufrufe erkennen ließen.
       Darüber hinaus  ist mir  unverständlich, weshalb  Sie am 7.4.1981
       Ihre Gesprächspartner über diese Meinung im Unklaren gelassen ha-
       ben, obwohl  doch die  meisten von ihnen den Krefelder Appell un-
       terzeichnet hatten  und ich selbst zu den Initiatoren dieser Mei-
       nungssammlung gehöre, was Ihnen bekannt gewesen sein muß.
       Ich glaube nicht, daß mit dieser Taktik, dem von Ihnen angeregten
       "offenen" Dialog  gedient ist.  Wichtiger ist allerdings, daß Ihr
       Schreiben vom  8.4.1981 als einer jener Diffamierungsversuche ge-
       wertet werden muß, die bisher der Rechtspresse vorbehalten waren,
       und daß  es sie  in peinliche Nähe zu Herrn Löwenthal bringt, der
       am selben  Tag im  ZDF-Magazin ähnlich  Unzutreffendes  verkündet
       hat.
       Über die  in dieser  Sendung üblichen  Verzerrungen kann man hin-
       wegsehen. Gegenüber dem Bundesgeschäftsführer einer Partei, deren
       Mitglieder und Unterorganisationen den Krefelder Appell in beson-
       derem Maß  unterstützen, muß  jedoch im  Namen aller  Initiatoren
       dieses Aufrufs  und sicher  auch mit Zustimmung des Großteils der
       vielen  hunderttausend  Unterzeichner  unmißverständlich  klarge-
       stellt werden:
       1. Der  Krefelder Appell ist ohne Anstoß durch eine der von Ihnen
       genannten Parteien  und Organisationen einzig und allein von Bür-
       gern ins Leben gerufen worden, die in erster Linie vom Engagement
       unseres inzwischen  verstorbenen Vorkämpfers  Professor Karl  Be-
       chert, der  Mitglied Ihrer  Partei gewesen  ist, zum  gemeinsamen
       Handeln angeregt worden sind.
       2. Auch in der Folge hat keine dieser Parteien und Organisationen
       eine   Möglichkeit    gehabt,   die   Krefelder   Initiative   zu
       "vereinnahmen", Ihre  Entwicklung zu steuern, oder auf die veröf-
       fentlichten Aufrufe Einfluß zu nehmen.
       3. Die  Initiatoren des Krefelder Appells verfolgen keine anderen
       Ziele, als die in den einzelnen Aufrufen eindeutig und für jeder-
       mann verständlich mitgeteilten.
       4.  Sie  verurteilten  selbstverständlich  auch  die  sowjetische
       SS 20-Aufstellung, sehen in ihr jedoch - wie führende Sozialdemo-
       kraten auch - keine überzeugende Begründung für die Stationierung
       eines nur zum Erstschlag geeigneten Nuklearpotentials der NATO in
       Europa, zumal  das Bündnis  dem sowjetischen Mittelstreckenpoten-
       tial auch  ohne landgestützte Systeme Gleichwertiges entgegenset-
       zen kann.
       5. Sie wenden sich allein in die Bundesregierung, weil deren Hal-
       tung für den Beschluß zur 'Nachrüstung' entscheidend. gewesen ist
       und weil  vor der  eigenen Regierung am ehesten Verständnis dafür
       erhofft werden  kann, daß es unserer Sicherheit nicht dient, wenn
       auf das törichte Rüstungsverhalten des Osten in noch bedenkliche-
       rer Weise geantwortet wird.
       Bei dieser Sachlage wäre zu wünschen, daß die SPD-Führung im Kre-
       felder Appell  nicht länger  eine "Kriegserklärung", sondern eine
       Unterstützung ihrer  eigenen Bemühungen  erblicken würde,  die in
       der Bevölkerung  vorherrschende Meinung noch besser einzuschätzen
       und den USA die Dringlichkeit von Abrüstungsverhandlungen im Hin-
       blick auf die offenkundige Abneigung der Deutschen gegen jede Art
       nuklearer Überrüstung noch nachdrücklicher vor Augen zu führen.
       

       zurück