Quelle: Blätter 1981 Heft 05 (Mai)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF DES "HAMBURGER FORUMS" VOM 24./25. APRIL 1981
       =====================================================
       
       (Wortlaut)
       
       Am 24.  und 25.  April 1981  fand in Hamburg unter dem Motto "Der
       Atomtod bedroht  uns alle, keine neuen Atomraketen in die Bundes-
       republik Deutschland" auf Einladung von 148 Initiatoren, darunter
       auch  23   SPD-Bürgerschaftsabgeordneten  das  "Hamburger  Forum"
       statt. An den 15 Arbeitskreisen und Werkstätten sowie der Plenar-
       veranstaltung nahmen  über 4 000 Hamburger teil. Es sprachen u.a.
       die Mitinitiatoren  des "Krefelder Appells" Gösta von Uexküll und
       Oberst a.  D. Josef Weber, der katholische Religionspädagoge Pro-
       fessor Missalla, Roland Vogt vom BBU-Bundesvorstand, Horst Meyer,
       Hamburger HBV-Vorsitzender,  Gerhard Weber,  Klaus Thüsing,  MdB,
       Pastor H.  J. Benedict  und Professor  Fried aus den USA, Völker-
       rechtssachverständiger der  UNO und  juristischer Konsultant  der
       Nürnberger US-Militärtribunale.
       Das "Hamburger  Forum" richtete  den  nachstehend  dokumentierten
       "Aufruf an die Hamburger Bevölkerung". D. Red.
       
       Die geplante Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenra-
       keten in Westeuropa erhöht die Kriegsgefahr.
       Wir sind  entsetzt, wenn  US-Außenminister  Haig  sagt:  Es  gäbe
       Schlimmeres als Krieg und Wichtigeres als den Frieden.
       Auf dem  Boden  der  Bundesrepublik  sollen  atomare  US-Raketen,
       "Pershing-II" und  "Cruise Missile",  stationiert  werden.  Damit
       würde die  gesamt militärstrategische Situation dramatisch verän-
       dert. Ein  Atomkrieg erscheint manchen US-Strategen jetzt auf Eu-
       ropa begrenzbar und auch gewinnbar. Unser Land würde mit der Sta-
       tionierung neuer Mittelstreckenraketen, die bis weit in die UdSSR
       hineinreichen, zur  Abschußrampe - und damit auch zur Zielscheibe
       atomarer Gegenschläge.  Der frühere Stellvertreter des NATO-Ober-
       kommandierenden in  Europa für Kernwaffen, General a. D. Nino Pa-
       sti, sprach  es offen  aus: Die Vernichtung Europas ist der Preis
       für die Verteidigung der Vereinigten Staaten.
       Der sogenannte  Nachrüstungsbeschluß vom  Dezember 1979  forciert
       das Wettrüsten, bewirkt die Militarisierung weiter Lebensbereiche
       und die  zunehmende Verschleuderung immer größerer Summen für Rü-
       stungszwecke, obwohl  die sozialen Gegensätze zwischen Europa und
       der Dritten Welt wachsen und auch in der Bundesrepublik Unsicher-
       heit und Arbeitslosigkeit zunehmen. Der Abbau sozialer Leistungen
       schreitet rapide fort.
       Wir erklären:  Wir fühlen  uns bedroht,  für uns  gibt es  nichts
       Wichtigeres als den Frieden, nichts Schlimmeres als den Krieg!
       Deshalb fordern  wir die Bundesregierung auf, ihre Zustimmung zum
       Nato "Nach"-Rüstungsbeschluß  und zur Stationierung neuer Atomra-
       keten auf dem Boden der Bundesrepublik zurückzuziehen.
       Gerade aufgrund  der deutschen  Verantwortung für zwei Weltkriege
       muß die  Bundesregierung verstärkt  dazu beitragen,  durch konse-
       quente Verfolgung  der Entspannungspolitik und durch konstruktive
       Beiträge zu  internationalen Verhandlungen,  den Frieden  zu  si-
       chern.
       Alle Bürger,  ob jung  ob alt,  müssen in die Diskussion und Ent-
       scheidung über diese lebenswichtige Frage einbezogen werden.
       Laßt uns  dieses Forum als einen Schritt begreifen, das Trennende
       zurückzustellen, das  begonnene Gespräch  zu vertiefen, gemeinsam
       alles zu  tun, um die Stationierung neuer Atomraketen in der Bun-
       desrepublik Deutschland zu verhindern.
       Wir rufen die Hamburger Bevölkerung auf:
       - Macht die Frage des Friedens zu Euerer eigenen Sache
       - Tragt die  Idee dieses  Forums, tragt  die Diskussion  über die
       Probleme von  Frieden und Abrüstung in die Kirchen und Gemeinden,
       in die  Gewerkschaften, in  die Schulen  und Hochschulen,  in die
       Parteien, Jugend- und Sportverbände, in Familien und in die Nach-
       barschaft.
       - Unterstützt die  Unterschriftenkampagnen, die  Aktionen und In-
       itiativen, die überall entstehen, um darauf hinzuarbeiten, daß um
       den 1. September, den Antikriegstag, die vielfältigen Initiativen
       zu einer  großen gemeinsamen  Manifestation ihres Willens kommen:
       Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen!
       Keine neuen Atomraketen in die Bundesrepublik Deutschland!
       Nie wieder Krieg!
       

       zurück