Quelle: Blätter 1981 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       WARUM ICH DEN KREFELDER AUFRUF UNTERSTÜTZE
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       SCHREIBEN VON PROF. D. HELMUT GOLLWITZER
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       AN OBERST A.D. JOSEF WEBER VOM 25. APRIL 1981
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       (Wortlaut)
       
       Lieber Herr Weber!
       Warum ich den Krefelder Aufruf unterstütze?
       Der Atomtod  bedroht uns  alle. Also  müssen uns alle recht sein,
       von links bis rechts und von rechts bis links, die sich zusammen-
       tun, um den Rüstungswahnsinn zu beenden.
       Glotz' Warnung  vor dem Krefelder Aufruf macht nicht diesen, son-
       dern die Abrüstungsbekenntnisse der SPD unglaubwürdig.
       Die heute  in unserem  Lande gegen den Brüsseler Beschluß aufste-
       hen, sind  der wache  Teil unserer Bevölkerung, der Teil, auf den
       eine sozialliberale  Koalition, die  ihren Namen  verdient,  sich
       stützen müßte.
       Die Bonner  Regierung mit  ihrem gegenwärtigen Kurs mag friedens-
       willig sein,  friedensfähig ist sie nicht. Friedensfähig ist nur,
       wer abrüstungsfähig  ist, und  dies nicht mit Worten, sondern mit
       Taten.
       An die  Stelle des  Brüsseler Doppelbeschlusses,  bei dem  der 2.
       Teil nur  das Alibi  für den 1. Teil abgibt, muß der einfache Be-
       schluß treten: abrüsten, keinen Zentimeter weiter aufrüsten, ver-
       handeln statt aufrüsten.
       Unser Ziel:  durch Mobilisierung  der Bevölkerung  es so  weit zu
       bringen, daß die Bundesregierung - wie einst Albrecht in Hannover
       zum Gorlebenprojekt  - ihren amerikanischen Auftraggebern mittei-
       len muß:  der "Nachrüstungs"-Beschluß  ist in  der Bundesrepublik
       politisch nicht  durchsetzbar. Mit  dem Wunsche  einer  wirkungs-
       vollen Pressekonferenz am 14.5.
       
       Ihr gez. Helmut Gollwitzer
       

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