Quelle: Blätter 1981 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       KÖLNER ANZEIGENAKTION GEGEN NATO-MITTELSTRECKENRAKETEN
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       (Wortlaut)
       
       In den letzten Monaten haben engagierte Bürger in der Lokalpresse
       verschiedener Städte  der Bundesrepublik Großanzeigen publiziert,
       um gegen die Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in der
       Bundesrepublik zu  protestieren. Inzwischen hat diese Aktionsform
       mit berufsspezifischen Anzeigen neue Kreise erschlossen. Als Bei-
       spiel dokumentieren wir im folgenden vier Anzeigen aus der Kölner
       Presse. D. Red.
       
       Kölner Lehrer gegen Nato-Mittelstreckenraketen
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       Der Nato-Ministerratsbeschluß  vom Dezember  1979,  nach  dem  in
       Westeuropa, insbesondere auch in der Bundesrepublik, über 500 mo-
       derne amerikanische  Mittelstreckenraketen bzw.  Marschflugkörper
       stationiert werden  sollen, stellt  eine ernste  Gefahr  für  den
       Frieden in unserem Land dar, vor der wir nicht schweigen dürfen.
       Wir protestieren  auf diesem  Wege gegen  die  Stationierung  von
       Cruises missiles- und Pershing-II-Raketen,
       - weil eine  sogenannte "Nachrüstung" auf Grund eines längst aus-
       gewogenen atomaren  Kräfteverhältnisse zwischen  den Supermächten
       (das sofortige,  wirksame Abrüstungsschritte  erlaubte) nicht ge-
       rechtfertigt ist.  Im Gegenteil  würde der  aberwitzige Rüstungs-
       wettlauf zwischen Nato und Warschauer Pakt weiter vorangetrieben,
       - weil die  neuen Waffen  als  zielgenaue  Erstschlagwaffen  eine
       deutliche Herabsetzung  der atomaren  Kriegsschwelle bedeuten und
       den Atomkrieg wieder "führbar" machen sollen,
       - weil die Bundesrepublik auf diese Weise zum sicheren Schauplatz
       eines atomaren infernos wird.
       Aus unserer  Verantwortung für die Jugend und die Zukunft unseres
       Landes heraus,  aus tiefer Besorgnis über die Bedrohung des Frie-
       dens in  Europa appellieren  wir an die Bundesregierung, alles zu
       unternehmen. um  die Installierung  der  neuen  Waffensysteme  in
       Westeuropa zu  verhindern. Statt  dessen müssen  unverzüglich ein
       nie und konkrete Schritte zur Rüstungskontrolle und Abrüstung ge-
       rade in Europa ergriffen werden.
       
       "Kölner Stadt-Anzeiger" v. 21.5.1981
       
       
       Wir, die unterzeichnenden
       
       KÖLNER PFARRER/INNEN, PRESBYTER/INNEN
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       UND KIRCHLICHEN MITARBEITER/INNEN
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       stellen uns  an die  Seite derer,  die gegen  die Nachrüstung mit
       Mittelstreckenraketen protestieren.  Wir haben  erlebt,  daß  das
       "Gleichgewicht des  Schreckens" den  unverantwortlichen Rüstungs-
       wettlauf in Ost und West vorangetrieben hat.
       Wir haben  die große  Sorge, daß  durch die  Einführung der neuen
       Waffen ein  begrenzter Atomkrieg  in Deutschland  als führbar und
       verantwortbar erscheint.
       Als Christen  treten wir  dafür ein,  selber einen ersten Schritt
       zur Abrüstung  zu wagen.  Deshalb sind wir für einen Verzicht auf
       die  geplante  Stationierung  der  Nato-Mittelstreckenraketen  in
       Westeuropa.
       
       "Kölner Stadt-Anzeiger" v. 17./18.6.1981
       
       
       RESERVISTEN VERWEIGERN ÖFFENTLICH
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       Ehemalige Soldaten gegen die Nato-Rüstung
       
       Wir, Reservisten  der Bundeswehr,  wenden uns an alle Menschen in
       dieser Stadt.
       Wir wurden  zur Bundeswehr  eingezogen, um als Soldat "Dienst für
       den Frieden  zu leisten". Uns wurde gesagt, die defensive Strate-
       gie und  Bewaffnung der Bundeswehr diene dem Erhalt des militäri-
       schen Gleichgewichts und somit der Abschreckung. Das atomare Patt
       sollte nach  dem Motto  funktionieren: Wer  als erste,  angreift,
       stirbt als zweiter.
       Mit dem  Nato-"Nachrüstungsbeschluß erweist sich diese Konzeption
       als makabrer  Wahnsinn.  Die  geplanten  atomaren  Angriffswaffen
       Pershing II  und Cruise  missile sind Teil einer Strategie, Ziele
       in der  Sowjetunion schnell  und genau  zu treffen. daß ihr wenig
       Zeit und  Waffen bleiben,  zurückzuschlagen. Gleichgültig, ob man
       die Sowjetunion  für aggressiv hält oder nicht muß man sich unter
       diesen Umständen  überlegen, einem  solchen Schlag zuvorzukommen.
       Ziel dieses  Präventivangriffs aber wäre die Bundesrepublik, weil
       sie den  Hauptatomwaffenträger der USA darstellen. Dies bedeutete
       die endgültige Zerstörung Deutschlands und Europas.
       Mit unseren  Wehrpässen und  -nummern in  einen solchen  Wahnsinn
       hineinverplant zu  sein, können  wir vor  unserem Gewissen  nicht
       mehr verantworten.  Am 27. Juni werden wir gemeinsam unsere Wehr-
       pässe zurückgeben  und öffentlich  erklären, daß  wir uns verwei-
       gern.
       
       "Kölner Stadt-Anzeiger" v. 24.6.1981
       
       
       Der Atomtod bedroht uns alle
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       Kölner Journalisten,  Schriftsteller und  Künstler gegen  Mittel-
       streckenraketen
       
       Im Dezember  1979 wurde in Brüssel die Stationierung von amerika-
       nischen Mittelstreckenraketen in Westeuropa beschlossen. Sie rei-
       chen bis  weit auf  das Territorium der Sowjetunion. Damals wurde
       eine neue Runde des Wettrüstens eingeleitet, die mit der angebli-
       chen militärischen  Überlegenheit der Sowjetunion begründet wird.
       Experten sagen  jedoch, daß insgesamt zwischen den Militärblöcken
       ein annäherndes Gleichgewicht herrscht.
       Die Stationierung  von Pershing II  und Cruise  Missiles bedeutet
       Westeuropa wird zu einer vorgeschobenen Raketenbasis für die USA.
       Damit sind  Westeuropa und  insbesondere die BRD Schauplatz eines
       zukünftigen atomaren Krieges.
       DER ATOMTOD BEDROHT UNS ALLE!
       Gegen diese  Entwicklung hat sich schon eine Million Bundesbürger
       mit ihrer Unterschrift unter den "Krefelder Appell" gewandt. Rund
       15 000 Sozialdemokraten  richteten in der "Bielefelder Erklärung"
       einen Abrüstungsappell  an die  Bundesregierung.  Die  DGB-Jugend
       kündigte bundesweit Aktionen tut Frieden und Abrüstung an.
       Wir Kölner  Journalisten, Schriftsteller und Künstler wollen dazu
       unseren Beitrag  leisten und  alle Mitbürger  die wachsende Frie-
       densbewegung zu unterstützen.
       Wir fordern:
       Beendet das Wettrüsten in Ost und West!
       Keine neuen Atomraketen für Europa!
       Sofortige Aufnahme von Abrüstungsverhandlungen!
       Verwendung der Rüstungsmilliarden zur Beseitigung des Hungers und
       der Not in der Welt!
       
       "Kölner Stadt-Anzeiger" v. 1. Juli 1981
       

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