Quelle: Blätter 1981 Heft 07 (Juli)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER KREFELDER INITIATIVE
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       "DER ATOMTOD BEDROHT UNS ALLE -
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       KEINE ATOMRAKETEN IN EUROPA!" VOM 23. JUNI 1981
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       (Wortlaut)
       
       Die Initiatoren  des Krefelder  Appells haben  in einer Erklärung
       zur verstärkten  Unterschriftensammlung gegen  die  Stationierung
       amerikanischer Atomraketen  aufgerufen. Sie teilten zugleich mit,
       daß am 21. November d.J. in Dortmund das zweite Forum der Krefel-
       der Initiative stattfinden wird. D. Red.
       
       Am 14.5.1981  hat die  Krefelder Initiative  "Der Atomtod bedroht
       uns alle  - keine  Atomraketen  in  Europa",  gestützt  auf  über
       800 000 Bürger,  den Bundeskanzler  aufgefordert, die Genehmigung
       zur Stationierung  von Pershing-II-Raketen  und Marschflugkörpern
       auf deutschem  Boden zurückzuziehen.  Seitdem hat  sich die  Lage
       weiter verschärft, weil,
       1. der  Bundeskanzler sein  Versprechen, bei Präsident Reagan auf
       einen schnellen  Verhandlungstermin zu  drängen,  nicht  gehalten
       hat;
       2. der amerikanische Präsident und seine engsten Mitarbeiter kei-
       nen Zweifel daran gelassen haben, daß sie die Stationierung neuer
       Nuklearwaffen in Europa für wichtiger halten als Verhandlungen;
       3. die  USA inzwischen  auch die  Produktion von  Neutronenwaffen
       eingeleitet haben;
       4. die UdSSR einschneidende Gegenmaßnahmen angekündigt hat;
       5. das Verständnis des amerikanischen Präsidenten auf den Präven-
       tivschlag Israels  gegen ein  Kernkraftwerk im  Irak auf eine be-
       denkliche Disposition  zur präventiven  Gewaltanwendung schließen
       läßt.
       Unter dem  Eindruck dieser  Entwicklung ist  der Widerstand gegen
       jede "Nachrüstung"  nicht nur in den Niederlanden und in Belgien,
       sondern auch in Großbritannien und in unserem Land weiter gewach-
       sen.
       Mehr als  eine Million Deutsche bekennen sich jetzt zum Krefelder
       Appell und immer mehr kommen hinzu! Auch im Zentrum des Evangeli-
       schen Kirchentages  in Hamburg  stand das entschiedene "Nein" von
       weit über Hunderttausend Christen zum "Nachrüstungsbeschluß". Im-
       mer offensichtlicher  erweist sich diese verhängnisvolle Fehlent-
       scheidung als  politisch nicht durchsetzbar. Der Krefelder Appell
       hat mit der Forderung, die Zustimmung zur Stationierung neuer Nu-
       klearwaffen in  Europa zurückzuziehen,  eine auf  den jetzt  ent-
       scheidenden Sachverhalt  ausgerichtete Orientierung  gegeben  und
       mit der  Aufforderung zur  Unterschriftensammlung eine demokrati-
       sche Willensäußerung  ermöglicht, deren Ergebnis die Bundesregie-
       rung nicht mehr lange ignorieren kann.
       Der Jahresbericht  1981 des Internationalen Friedensforschungsin-
       stituts in Stockholm (SIPRI) stellt fest, daß sich die Gefahr ei-
       nes "europäisierten"  Nuklearkrieges vergrößert  und die  einzige
       Hoffnung in der wachsenden Friedensbewegung in Westeuropa liegt.
       Wir rufen  deshalb dazu auf, die Unterschriftensammlung verstärkt
       fortzusetzen und das zweite Forum der Krefelder Initiative am 21.
       November 1981  in Dortmund  in der Westfalenhalle zu einer macht-
       vollen Manifestation gegen den Wahnsinn des nuklearen Wettrüstens
       zu machen.
       

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