Quelle: Blätter 1981 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DGB: FRIEDEN DURCH ABRÜSTUNG!
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       FRIEDENSAUFRUF UND UNTERSCHRIFTENAKTION ZUM ANTIKRIEGSTAG 1981
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       (Wortlaut)
       
       Der Deutsche  Gewerkschaftsbund startet laut Pressemitteilung vom
       14. August  1981 am 1. September eine Friedensinitiative. Der An-
       tikriegstag bildet  den Auftakt  einer Unterschriftenaktion unter
       der Überschrift "DGB: Frieden durch Abrüstung!" Zu den Erstunter-
       zeichnern des Aufrufs gehören neben dem DGB-Vorsitzenden Heinz O.
       Vetter die  übrigen Mitglieder  des geschäftsführenden Bundesvor-
       standes, die  Vorsitzenden der Gewerkschaften und der DGB-Landes-
       bezirke. Nachstehend dokumentieren wir den Aufruf im Wortlaut. D.
       Red.
       
       In diesem  Jahrhundert haben  zwei Weltkriege  unermeßliches men-
       schliches Leid  gebracht und  Millionen von Opfern gefordert. Be-
       sonders die Arbeitnehmer und ihre Familien haben die verheerenden
       Folgen dieser Kriege erfahren und tragen müssen.
       Die Arbeitnehmer wissen: Frieden ist die Grundlage für die Besei-
       tigung von  Hunger und  Elend und die Erreichung sozialer Sicher-
       heit in allen Teilen der Welt.
       Frieden ist  eine elementare  Voraussetzung für den wirtschaftli-
       chen, sozialen  und kulturellen Fortschritt und für die Schaffung
       einer menschenwürdigen Gesellschaft.
       Nur im  Frieden kann das Lebens- und Selbstbestimmungsrecht aller
       Nationen verwirklicht  und die Verständigung zwischen den Völkern
       gefördert werden.
       Nur im  Frieden können  sich die  Grund- und  Freiheitsrechte der
       Menschen entfalten und demokratische Strukturen entwickeln.
       Nur im  Frieden können freie und unabhängige Gewerkschaften ihren
       Antrag erfüllen.
       In diesem  Bewußtsein haben  sich die  Gewerkschaften  stets  für
       einen dauerhaften  Völkerfrieden eingesetzt. Die Gewerkschaftsbe-
       wegung ist immer auch eine Friedensbewegung.
       Heute ist  der Frieden  mehr denn  je gefährdet.  Überall auf der
       Welt wachsen  die Spannungen. Konflikte werden immer häufiger mit
       militärischer Gewalt ausgetragen:
       Die Besetzung  Afghanistans verletzt  das  Selbstbestimmungsrecht
       dieses Volkes  und versetzte der Entspannungspolitik einen schwe-
       ren Schlag.  Weitere militärische Aktionen dieser Art könnten das
       Ende jeder Verständigungsbereitschaft bedeuten.
       Die wirtschaftliche  und politische  Bedeutung des  Nahen  Ostens
       läßt die  militärischen Konfrontationen in diesem Gebiet zu einer
       ständigen Bedrohung des Weltfriedens werden.
       Bürgerkriege und  militärische Unterdrückung,  wie in El Salvador
       oder wie in der Türkei, fordern täglich neue Opfer an Menschenle-
       ben. Die  Unterstützung der  regierenden Militärs  verlängert die
       Leiden der unterdrückten Völker.
       Politische Auseinandersetzungen  in Asien,  Afrika,  Mittel-  und
       Südamerika fordern täglich unzählige Menschenleben, führen oft zu
       Massenvernichtungen und selbst zum Völkermord.
       Der Deutsche  Gewerkschaftsbund und  seine Gewerkschaften  lehnen
       die Anwendung  militärischer Gewalt  zur Lösung  politischer  und
       wirtschaftlicher Probleme  ab. Sie  fordern, daß  Friedenspolitik
       Vorrang vor  allen anderen  politischen Aufgaben hat. Die einzige
       Chance für eine dauerhafte Friedenssicherung besteht in der Fort-
       setzung der  Entspannungspolitik. Internationale Konflikte können
       nur durch Verhandlungen abgebaut und gelöst werden.
       Eine wirkliche Entspannung kann nur auf der Grundlage gegenseiti-
       gem Vertrauens  gedeihen. Die  Gewerkschaften erwarten,  daß alle
       Möglichkeiten ausgeschöpft  werden, um  durch  vertrauensbildende
       Maßnahmen ein  Klima der  Verständigung zwischen  den Völkern  zu
       schaffen. Hierzu  gehören insbesondere  die Beendigung der Beset-
       zung Afghanistans und die Ratifizierung des SALT-II-Abkommens.
       Die weltweit angehäuften Rüstungspotentiale beschwören die Gefahr
       herauf, daß  ein  Krieg  alles  Leben  vernichtet.  Ein  weiteres
       Wettrüsten macht das militärische Risiko nicht kalkulierbarer. Es
       steigert die Gefahr militärischer Auseinandersetzungen. Der Deut-
       sche Gewerkschaftsbund  verurteilt mit  aller Entschiedenheit die
       jede menschliche Existenz bedrohende Vorstellung eines begrenzba-
       ren atomaren  Krieges. Der  Deutsche Gewerkschaftsbund  und seine
       Gewerkschaften fordern  eine allgemeine, ausgewogene und kontrol-
       lierte Abrüstung,  um der  lebensbedrohenden Gefährdung insbeson-
       dere durch  Massenvernichtungswaffen Einhalt zu gebieten. Sie er-
       warten, daß  zwischen den  Regierungen alle  Gesprächschancen ge-
       nutzt werden,  um zu einer Reduzierung der Rüstungen zu gelangen.
       Besondere Verantwortung  tragen hierbei  die großen  Militärpakte
       und insbesondere die beiden Supermächte.
       Die Gewerkschaften  fordern, daß  umgehend Verhandlungen  mit dem
       Ziel aufgenommen  werden, eine weitere Stationierung von atomaren
       Mittelstreckenraketen in  Ost und West zu verhindern und die vor-
       handenen abzubauen. Dies liegt im gemeinsamen europäischen Inter-
       esse.
       Unvereinbar mit  der Politik der Friedenssicherung ist der Export
       von Waffen  in Spannungsgebiete  und Entwicklungsländer.  Dadurch
       werden enorme Mittel gebunden, die für die Überwindung von Hunger
       und Not notwendig sind.
       Eine stabile Friedensordnung setzt deshalb auch die weltweite Be-
       seitigung von Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit, Analphabetentum
       und Unterdrückung  voraus. Die  Gewerkschaften verlangen, daß die
       Industriestaaten in  West und  Ost ihrer  politischen und morali-
       schen Verpflichtung nachkommen, ihren Einsatz für die Entwicklung
       der Dritten  Welt zu  verstärken. Die  Gewerkschaften bekräftigen
       ihren unerschütterlichen  Willen, mit  ihren  Mitteln  die  wirt-
       schaftlichen und sozialen Voraussetzungen für ein friedliches Zu-
       sammenleben der Völker zu ermöglichen.
       Wir, die  Unterzeichner dieses Aufrufs, fordern die Regierung der
       USA und  der Sowjetunion auf, unverzüglich Verhandlungen über Rü-
       stungsbegrenzungen und  Rüstungsabbau aufzunehmen.  Der  Deutsche
       Bundestag und  die Bundesregierung werden aufgefordert, alle ihre
       Möglichkeiten zur  schnellen Ingangsetzung  solcher Verhandlungen
       zu nutzen.
       Ziel dieser Verhandlungen muß sein:
       auf die Stationierung weiterer Mittelstreckenraketen in Europa zu
       verzichten,
       die Produktion von Atomwaffen einzustellen,
       die bereits stationierten Mittelstreckenraketen abzubauen.
       Dies sind  die unerläßlichen  Voraussetzungen für  Vereinbarungen
       über das Verbot
       der Entwicklung
       der Herstellung
       der Lagerung
       der Weitergabe und der Anwendung
       atomarer  Waffen   und  anderer  Vernichtungsmittel  sowie  neuer
       Waffentechnologien, mit  dem Ziel  einer allgemeinen und kontrol-
       lierten Abrüstung.
       Dafür trete ich ein!
       
       (Hinweis: Beachten Sie die Druckfehlerkorrektur von Heft 10/81)
       

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