Quelle: Blätter 1981 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ABSCHLUSSERKLÄRUNG DES KONGRESSES
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       "DIE ÜBERLEBENDEN WERDEN DIE TOTEN BENEIDEN -
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       MEDIZINISCHER KONGRESS GEGEN DEN ATOMKRIEG"
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       (Wortlaut)
       
       Auf dem Kongreß "Die Überlebenden werden die Toten beneiden - Me-
       diziner gegen  Atomkrieg am 19./20. September 1981 in Hamburg ha-
       ben sich  1500 Mediziner aus der Bundesrepublik mit einem gemein-
       samen Appell,  den wir  nachfolgend dokumentieren, an die Öffent-
       lichkeit gewandt. Sie fordern, die Stationierung neuer Atomwaffen
       in der Bundesrepublik nicht zuzulassen. D. Red.
       
       Das Atomwaffenpotential  in Ost  und West hat ein unvorstellbares
       Ausmaß  erreicht.  Trotzdem  beschließt  die  NATO  eine  weitere
       Nachrüstung mit  Raketen bisher  ungekannter Treffsicherheit. Der
       amerikanische Außenminister  Haig sagt,  es gäbe wichtigere Dinge
       als den Frieden und Schlimmeres als den Krieg und bestätigt damit
       Aussagen namhafter Wissenschaftler und ehemaliger Militärs:
       - Es geht  nicht mehr um "Frieden durch nukleares Gleichgewicht".
       Man plant schon Einzelheiten eines nuklearen Krieges in Europa.
       Ein Atomkrieg  ist die  letzte Katastrophe  für Mensch und Natur.
       Wir sehen  es als unsere notwendige ärztliche Aufgabe an, die Be-
       völkerung darauf  hinzuweisen, daß der einzig wirksame Schutz die
       Verhinderung des Atomkrieges ist.
       Im medizinischen  Bereich sollen Fortbildungsveranstaltungen über
       Katastrophenschutz und  Gesetzesvorlagen zur  Zwangsverpflichtung
       von Ärzten  und Krankenpflegepersonal  auf einen  möglichen Atom-
       krieg vorbereiten.  Wir sind  davon betroffen, wie bedenkenlos in
       diesen Planungen  menschliche und ärztliche Grundsätze aufgegeben
       werden. Im  Atomkrieg würden  nur noch  diejenigen behandelt, bei
       denen es  sich noch "lohnt" und Schwerstverletzte, alte Menschen,
       Behinderte und  schon vorher chronisch Kranke nicht mehr versorgt
       werden. Selektion  statt medizinischer  Versorgung für  alle soll
       dazu beitragen,  eine atomare  Katastrophe zu "beherrschen". Doch
       auch ein  "begrenzter" Atomkrieg  wird in  seinen Folgen  für die
       Menschen nicht begrenzt bleiben:
       - Im unmittelbaren  Katastrophengebiet wird  der Sauerstoff durch
       die Explosion  auf die  entstehenden Großfeuer verbraucht, so daß
       selbst die Menschen in den Bunkern ersticken.
       - Selbst in einer Entfernung von 300 km wird der radioaktive Nie-
       derschlag so  viel tödliche  Strahlung abgeben,  daß man  -  wenn
       überhaupt - dort erst nach Jahren wieder leben kann.
       - Durch die Vielzahl der atomaren Explosionen wird die Atmosphäre
       so verändert,  daß auch  auf anderen  Kontinenten das  Leben  von
       Mensch und Natur gefährdet ist.
       - Die radioaktive  Strahlung außerdem zur Verseuchung der Lebens-
       mittel,  des  Trinkwassers  und  der  gesamten  Umwelt;  bei  den
       Überlebenden zu Krebserkrankungen, Siechtum und Erbschäden.
       Millionen von  Menschen würden  an den unmittelbaren und langfri-
       stigen Folgen  der atomaren  Explosionen qualvoll zugrunde gehen,
       ohne daß die überlebenden Ärzte helfen könnten. Blutplasma, Medi-
       kamente und medizinische Geräte wären ohnehin vernichtet. Es gibt
       keine wirksame  Hilfe gegen die Vielzahl von Krankheiten und Ver-
       letzungen, insbesondere  keine gegen  die Strahlenkrankheit. Alle
       "Vorkehrungen" für  einen Atomkrieg,  Gesetzesvorlagen und Zivil-
       schutz können  daran nichts  ändern; dies weckt nur ungerechtfer-
       tigte Hoffnungen  und erhöht  die Bereitschaft der politisch Ver-
       antwortlichen zum tödlichen Risiko.
       - Wir setzen  uns dafür  ein, die Atomwaffen insgesamt abzuschaf-
       fen.
       - Unser erster  Schritt zu  diesem Ziel ist es, die Stationierung
       der neuen  Atomwaffen in  Europa und besonders in der Bundesrepu-
       blik nicht zuzulassen.
       

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