Quelle: Blätter 1982 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       RESOLUTION 36/155 DER GENERALVERSAMMLUNG DER VEREINTEN NATIONEN
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       BETREFFEND DIE SITUATION IN BEZUG AUF DIE MENSCHENRECHTE UND
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       GRUNDFREIHEITEN IN EL SALVADOR VOM 16. DEZEMBER 1981
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       (Wortlaut)
       
       Die Generalversammlung  der Vereinten Nationen beschloß auf ihrer
       101. Sitzung  am 16. Dezember 1981 die folgende Resolution mit 69
       Ja-Stimmen, 22 Nein-Stimmen und 53 Enthaltungen. D. Red.
       
       Die Generalversammlung,
       A n e r k e n n e n d   die  permanente  Gültigkeit  der  in  der
       Charta der  Vereinten Nationen  und in  der Allgemeinen Erklärung
       der Menschenrechte verankerten Prinzipien 131).
       I m   B e w u ß t s e i n   ihrer Verantwortung für die Förderung
       und Bewahrung  dieser Prinzipien und zur Leistung eines Beitrages
       zur Sicherung der Respektierung der Menschenrechte und Grundfrei-
       heiten für jedermann,
       E r n e u t   b e k r ä f t i g e n d,   daß alle Mitgliedstaaten
       verpflichtet sind,  die  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  zu
       schützen und  in dieser Hinsicht die Verpflichtungen zu erfüllen,
       die sie  in den  verschiedenen völkerrechtlichen  Dokumenten  auf
       diesem Gebiet eingegangen sind,
       E r i n n e r n d   a n   ihre Resolution 35/192 vom 15. Dezember
       1980, wo  sie unter anderem die tiefe Besorgnis über Verletzungen
       von Menschenrechten  und Grundfreiheiten in El Salvador besonders
       angesichts des  Todes von  Tausenden Menschen  und des Klimas der
       Repressalien und  der Unsicherheit, das in diesem Land weiter be-
       steht, ausgedruckt  hat und die Meuchelmorde, Verschleppungen und
       anderen ernsten  Verletzungen der  Menschenrechte in  El Salvador
       bedauerte,
       E r n e u e r n d   den in  dieser Resolution  enthaltenen Appell
       der Vollversammlung  zur Beendigung der Gewalt und der Wiederher-
       stellung der  vollständigen Achtung der Menschenrechte in El Sal-
       vador und  den Aufruf  an die Regierungen aller Länder, unter den
       gegenwärtigen Umständen  von der Lieferung von Waffen und der Ge-
       währung anderer militärischer Unterstützung Abstand zu nehmen,
       U n t e r   B e r ü c k s i c h t i g u n g   von  Resolution  32
       (XXXVII) der  Menschenrechtskommission vom 11. März 1981, die vom
       Wirtschafts- und  Sozialrat im  Mai 1981  gebilligt wurde und die
       ein Weiterbestehen  des Klimas der Gewalt und der Unsicherheit in
       El Salvador feststellt,
       U n t e r s t ü t z e n d  den in Resolution 32 (XXXVII) ergange-
       nen Aufruf der Menschenrechtskommission an die beteiligten salva-
       dorianischen Parteien,  zu einer  friedlichen Lösung  zu gelangen
       und der Gewalt ein Ende zu setzen, damit weitere Verluste an Men-
       schenleben verhindert  und die  Leiden des Volkes von El Salvador
       gemindert werden,
       Z u r   K e n n t n i s   n e h m e n d  die von der Unterkommis-
       sion über  die Bekämpfung  von Diskriminierung und den Schutz von
       Minderheiten angenommene  Resolution 10  (XXXIV), in  der festge-
       stellt wird, daß nur die Respektierung des Artikels 25 der Inter-
       nationalen Konvention  über Zivile und Politische Rechte 132) der
       salvadoreanischen Nation  bei Beteiligung  all ihrer  politischen
       Kräfte die  volle Ausübung ihrer fundamentalen Rechte in Form der
       Errichtung einer  demokratisch gewählten  Regierung sichern wird,
       stellt jedoch  ebenfalls fest, daß gegenwärtig solche Bedingungen
       in El Salvador nicht existieren,
       N a c h   P r ü f u n g   des Zwischenberichts über die Situation
       bezüglich der  Menschenrechte und Grundfreiheiten in El Salvador,
       der durch  den von der Menschenrechtskommission ernannten Sonder-
       vertreter vorgelegt wurde 133) und in dem bestätigt wird, daß die
       in El  Salvador herrschende Lage ernst ist, und der unter anderem
       Beweise erbringt  für die  allgemeine Haltung  der Passivität und
       Inaktivität der  gegenwärtigen Behörden El Salvadors in bezug auf
       die permanenten Menschenrechtsverletzungen in diesem Land,
       F e s t s t e l l e n d,   daß die  Situation in El Salvador, wie
       es auch  klar im  Zwischenbericht des Sonderbeauftragten zum Aus-
       druck kommt,  ihre Wurzeln  in inneren politischen, wirtschaftli-
       chen und gesellschaftlichen Faktoren hat,
       1.   B e k r ä f t i g t   ihre tiefe Beunruhigung über die in El
       Salvador herrschende Situation und das Leid des salvadoreanischen
       Volkes;
       2.  E r s u c h t  e r n e u t  die beteiligten salvadoreanischen
       Parteien, zu einer politischen Lösung auf dem Verhandlungswege zu
       gelangen, um  in einer  Atmosphäre frei von Einschüchterungen und
       Terror eine demokratisch gewählte Regierung zu bilden;
       3.   B e d a u e r t   t i e f   alle Akte  der Gewalt  und  alle
       schwerwiegenden Verletzungen  von Menschenrechten  und Grundfrei-
       heiten und  bedauert insbesondere  das Fortbestehen  einer Situa-
       tion, wo paramilitärische Organisationen der Regierung und andere
       bewaffnete Gruppen  weiterhin das  Leben, die  Sicherheit und die
       Ruhe der Zivilbevölkerung mißachten;
       4.   L e n k t   d i e  A u f m e r k s a m k e i t  aller betei-
       ligten Seiten  auf die Tatsache, daß die Bestimmungen des Völker-
       rechts gemäß  Artikel 3  der Genfer  Konventionen vom  12. August
       1949 anwendbar sind auf bewaffnete Konflikte, die nicht einen in-
       ternationalen Charakter  besitzen, und  ersucht  die  beteiligten
       Parteien, der betroffenen Bevölkerung ein Mindestmaß an Schutz zu
       gewähren;
       5.  W i e d e r h o l t  ihren Appell an alle Staaten, sich nicht
       in die  inneren Verhältnisse in El Salvador einzumischen und alle
       Waffenlieferungen sowie  jedwede Art von militärischer Unterstüt-
       zung zu  suspendieren, um  den politischen Kräften in diesem Land
       die Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit zu erlauben;
       6. B e k r ä f t i g t   e r n e u t,  daß es nur dem salvadorea-
       nischen Volk  obliegt, sein Recht auf freie Bestimmung seines po-
       litischen Status  auszuüben und  frei für  seine wirtschaftliche,
       soziale und kulturelle Entwicklung zu arbeiten sowie ohne jedwede
       äußere Einmischung  als ein  Volk und  als eine Nation die seinen
       Bestrebungen am besten entsprechenden Bedingungen zu schaffen und
       die entsprechenden Veränderungen vorzunehmen;
       7.   E r s u c h t   n a c h d r ü c k l i c h   die Regierung El
       Salvadors, die  erforderlichen Maßnahmen  zu  ergreifen,  um  die
       volle Achtung der Menschenrechte in all ihren Formen der Bevölke-
       rung in  erster Linie  durch die Schaffung solcher Bedingungen zu
       sichern, die  durch die  volle Beteiligung  aller repräsentativen
       politischen Kräfte in diesem Land zu einer politischen Lösung der
       gegenwärtigen Krise führen könnten;
       8.   E r s u c h t   n a c h d r ü c k l i c h   die  beteiligten
       Parteien, kooperativ  zu sein und nicht die auf die Erleichterung
       der Leiden  der Zivilbevölkerung El Salvadors gerichteten Aktivi-
       täten humanitärer Organisationen zu behindern;
       9.   E r s u c h t   die Menschenrechtskommission,  auf ihrer 38.
       Tagung die  Situation in  El Salvador  auf der  Grundlage des ab-
       schließenden Berichtes des Sonderbeauftragten der Menschenrechts-
       kommission sorgfältig zu untersuchen;
       10.  B e s c h l i e ß t,  auf ihrer 37. Tagung die Situation be-
       züglich der  Menschenrechte und  Grundfreiheiten in  El  Salvador
       weiter zu  verfolgen, um diese Situation erneut im Lichte zusätz-
       licher von  der Menschenrechtskommission und dem Wirtschafts- und
       Sozialrat beigebrachter Elemente zu untersuchen.
       
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       131) Resolution 217 A (III) der Generalversammlung.
       132) Resolution 2200 A (XXI), Annex, der Generalversammlung.
       133) A/36/608, Annex.
       

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