Quelle: Blätter 1982 Heft 02 (Februar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER INITIATOREN DES KREFELDER APPELLS ZUR
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       FRIEDENSBEWEGUNG 1982 VOM 25. JANUAR 1982
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       (Wortlaut)
       
       In diesem Jahr werden die Weichen für oder gegen eine Aufstellung
       neuer nuklearer  Mittelstreckenraketen der  USA in Europa, haupt-
       sächlich in unserem Land, endgültig gestellt.
       In diesem  Jahr muß  deshalb der  Krefelder Appell, den weit mehr
       als zwei  Millionen Menschen unterzeichnet haben, zu einer Volks-
       abstimmung gegen  die Stationierung  von Pershing-II-Raketen  und
       Marschflugkörpern auf deutschem Boden werden.
       Darum dürfen  wir nicht erlauben, daß die Tragödie des polnischen
       Volkes, für  das wir  eine aus  schwerer Schuld  entstandene  ge-
       schichtliche Verantwortung  tragen, dazu mißbraucht wird, die ei-
       gentliche Schicksalsfrage  der europäischen  Völker zu verdecken.
       Nämlich die Frage, ob wir zulassen oder verhindern, daß mit immer
       mehr Nuklearwaffen  in Europa der Untergang unseres Kontinents in
       einem nuklearen Krieg wahrscheinlicher wird.
       Unsere Verantwortung  für die Zukunft des eigenen Volkes und sei-
       ner Nachbarn,  unsere Verbundenheit  mit den osteuropäischen Völ-
       kern und die Notwendigkeit eines friedlichen Zusammenlebens aller
       in einem  freien und unabhängigen Europa im Geiste der Schlußakte
       von Helsinki  erfordern unsere Entscheidung gegen jede Mitwirkung
       an der  Fortsetzung des  nuklearen Wettrüstens. Denn mehr Rüstung
       muß die  Spaltung Europas  in zwei gegeneinanderstehende Militär-
       blöcke vertiefen.  Nur durch  Rüstungsverzicht und Abrüstung kann
       diese Blockbildung  letztlich überwunden  werden. Polen  bedauern
       und gleichzeitig  mehr Rüstung  fordern, ist darum blanke Heuche-
       lei. Polen  helfen, heißt  Bedingungen schaffen, die die Nato und
       den Warschauer  Pakt ebenso  unnötig machen wie fremde Truppen in
       den Ländern Ost- und Westeuropas.
       Die Verweigerung  neuer Nuklearwaffen  auf unserem  Boden ist nur
       ein erster,  aber gerade darum unerläßlicher Schritt auf dem lan-
       gen Weg zu diesem Ziel.
       Mitbürgerinnen und Mitbürger!
       Tragen Sie  durch die unüberhörbare Bekundung dieses Willens dazu
       bei, daß  dieser Schritt von unserer Regierung in diesem Jahr ge-
       tan und  nicht in  blindem Vertrauen  auf einen Erfolg der Genfer
       Verhandlungen noch länger aufgeschoben wird!
       Machen Sie den Krefelder Appell mit Ihrer Unterschrift zur Volks-
       abstimmung gegen  eine für unsere Sicherheit nicht erforderliche,
       jedoch mit  untragbaren Risiken  für die europäischen Völker ver-
       knüpfte "Nachrüstung"!
       Beteiligen Sie  sich an den Ostermärschen 1982, mit denen im gan-
       zen Land  gegen Nuklearwaffen  auf  deutschem  Boden  protestiert
       wird! Beweisen Sie bei allen Veranstaltungen der Friedensbewegung
       Ihre Entschlossenheit,  eine nukleare  Aufrüstung unseres  Landes
       nicht zuzulassen!
       
       Gert Bastian, Petra K. Kelly, D. Martin Niemöller, Helmut Ridder,
       Christoph Strässer, Gösta von Uexküll, Josef Weber
       

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