Quelle: Blätter 1982 Heft 10 (Oktober)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "DIE ZEIT DRÄNGT. WEHRT EUCH!" ERKLÄRUNG DER "KREFELDER
       =======================================================
       INITIATIVE", VERKÜNDET AUF DER GROSSVERANSTALTUNG "KÜNSTLER
       ===========================================================
       FÜR DEN FRIEDEN" AM 11. SEPTEMBER 1982 IN BOCHUM
       ================================================
       
       (Wortlaut)
       
       Über 200 000 Menschen nahmen am 11. September an der Protestmani-
       festation gegen Atomraketen im Bochumer Ruhrstadion teil, auf der
       die  nachstehend  dokumentierte  Erklärung  der  Initiatoren  des
       "Krefelder Appells" verkündet wurde. D. Red.
       
       Mehr als  drei Millionen Deutsche bekennen sich heute zum Krefel-
       der Appell vom November 1980. Sie fordern von der Bundesregierung
       die sofortige  Aufkündigung der  NATO-Entscheidung  vom  Dezember
       1979, neuartige nukleare Mittelstreckenraketen der USA ab 1983 in
       Europa, vorwiegend in unserem Land, in Stellung zu bringen.
       Diese Forderung  ist heute  wichtiger als je zuvor. Denn die ver-
       gangenen zwei Jahre, in denen die Krefelder Initiative unablässig
       auf die  für Europa  verheerenden Folgen  der amerikanischen  Rü-
       stungspolitik hingewiesen und vor der wachsenden Gefahr eines Nu-
       klearkrieges gewarnt  hat, bestätigen unsere schlimmsten Befürch-
       tungen. Die  vom amerikanischen  Präsidenten forcierte Aufrüstung
       der USA  dient mit  ihren  ungeheuerlichen  Programmen  eindeutig
       nicht der  Kriegsverhinderung, sondern  der künftigen  Kriegsfüh-
       rung. Studien  des amerikanischen Verteidigungsministeriums brin-
       gen ungeschminkt  zum Ausdruck,  daß mit den neuen amerikanischen
       Nuklearwaffen auch  ein Atomkrieg über mehrere Monate hin geführt
       und von  den USA ohne untragbare Schäden im eigenen Land gewonnen
       werden kann.
       Den Preis für einen amerikanischen "Sieg" müßten wir Europäer mit
       der Vernichtung  unseres Kontinents  bezahlen. Mit  einem solchen
       "Sieg" kann  nur rechnen, wer zur Kriegseröffnung mit einem Erst-
       schlag der eigenen Nuklearwaffen bereit ist. Pershing-II-Raketen,
       wie sie bei uns aufgestellt werden sollen, sind Erstschlagwaffen.
       Sie dürfen deshalb nicht in unser Land kommen.
       Wie lange  noch will sich die Bundesregierung um diese Erkenntnis
       herumdrücken? Wie  lange noch  will sie  sich zwingen lassen, die
       amerikanische Aufrüstung  gegen die Interessen der eigenen Bevöl-
       kerung zu unterstützen und unser Land als Abschußrampe für ameri-
       kanische Erstschlagwaffen zur Verfügung zu stellen?
       Wir sagen  nein zu  dieser Unsicherheitspolitik, die Mitteleuropa
       zum nuklearen  Schlachtfeld machen  kann. Wir sagen nein zu neuen
       Nuklearwaffen in  unserem Land.  Und nein auch zur Aufrüstung mit
       chemischen Waffen.  Auch alle  jetzt schon bei uns lagernden Mas-
       senvernichtungsmittel müssen  vom deutschen  Boden  verschwinden,
       damit endlich ein erster Schritt zu einem atomwaffenfreien Europa
       getan wird.  Die jüngste  Geschichte verpflichtet  vor allem  uns
       Deutsche, diesen  ersten Schritt zu tun und ihn nicht von anderen
       zu erwarten.  Damit Deutsche endlich einmal in diesem Jahrhundert
       ein Beispiel geben für Vernunft und Menschlichkeit und eine Poli-
       tik, die  den tödlichen Zusammenhang von Macht und Rüstung durch-
       bricht.
       Nur wenige Monate bleiben uns noch, das Unheil zu verhindern, das
       mit neuen  Mittelstreckenraketen der  USA unwiderruflich in unser
       Land kommen  würde. Laßt  uns darum  alles tun, um noch viel mehr
       Mitbürger von  der Wichtigkeit unseres Kampfes gegen diese Waffen
       zu überzeugen!  Unterstützen wir  die vielfältigen  Aktionen  der
       Friedensbewegung für Abrüstung in Ost und West!
       Bis zum  Antikriegstag 1983  müssen wir  gemeinsam erreichen, daß
       der Krefelder  Appell mit  Millionen neuer Unterschriften unüber-
       hörbar wird als Abstimmung des Volkes gegen den Krieg und für das
       Überleben.
       

       zurück