Quelle: Blätter 1982 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "NIE WIEDER FASCHISMUS - NIE WIEDER KRIEG!" AUFRUF ZU
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       KUNDGEBUNGEN AM 29. JANUAR 1983 ANLÄSSLICH DES
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       50. JAHRESTAGES DES FASCHISTISCHEN MACHTANTRITTS
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       (Wortlaut)
       
       Zu Kundgebungen  am Vorabend  des 50.  Jahrestages des faschisti-
       schen Machtantritts in Deutschland rufen die Unterzeichner des im
       folgenden dokumentierten  Aufrufs vom 15. Juli 1982 auf. Zu ihnen
       gehören u.a.  Heinrich Albertz,  Kurt Georgi,  Leonhard  Mahlein,
       Walter Fabian,  Ingeborg Drewitz,  Bernt Engelmann, Luise Rinser,
       Emil Carlebach,  Franz-Josef Degenhardt,  Ulrich  Klug,  Reinhard
       Kühnl, Norman  Paech, Josef  C. Rossaint,  Walter Kreck und Josef
       Weber. Die Kundgebungen sollen mit der Forderung: "Nie wieder Fa-
       schismus -  nie wieder  Krieg!" darauf  aufmerksam machen, daß es
       heute, angesichts  der drohenden Stationierung neuer Mittelstrec-
       kenraketen in  der Bundesrepublik  und der  Konfrontationspolitik
       der Reagan-Administration,  darum geht,  alles zu  tun, damit nie
       wieder von deutschem Boden ein Krieg ausgehen kann. Die "Blätter"
       werden im  Novemberheft Aktionsbeispiele und -vorschläge zur Vor-
       bereitung des 50. Jahrestages vorstellen. D. Red.
       Am 30.  Januar 1983  jährt sich  zum 50.  Mal der Tag, an dem auf
       Drängen rechtskonservativer  Kreise, nicht zuletzt von Vertretern
       der Schwerindustrie,  der Hochfinanz  und der Generalität, Hitler
       zum Reichskanzler ernannt wurde.
       Er zerschlug  als erstes  die Arbeiterbewegung  und ihre  Gewerk-
       schaften,  beseitigte  die  parlamentarisch-demokratische  Regie-
       rungsform und unterdrückte alle demokratischen Bestrebungen.
       Damit wurden  die Voraussetzungen geschaffen für die sogleich be-
       ginnende Kriegsrüstung  und die  Vorbereitung des  geplanten  An-
       griffs zur Eroberung des "Ostraums".
       Die Fackelzüge am 30. Januar 1933 waren das Fanal für den Zweiten
       Weltkrieg.
       Wenn wir  heute dazu aufrufen, dieses schicksalsschweren Tages zu
       gedenken, so  vor allem, um der möglichen Wiederholung eines sol-
       chen Verhängnisses entgegenzuwirken. Unser Volk hat gegenüber der
       kommenden Generation  und den  anderen Völkern die Verpflichtung,
       alles zu tun, damit von deutschem Boden nie wieder ein Krieg aus-
       geht.
       Das in Europa, in West und Ost, heute schon stationierte Atomwaf-
       fenpotential reicht  aus, alles Leben auf unserem Planeten auszu-
       löschen. Jede  weitere Stationierung  neuer, noch  gefährlicherer
       Atomraketen, insbesondere  in unserem Land, erhöht das Risiko to-
       taler Vernichtung.
       Heute, wie in den dreißiger Jahren, begründen die Befürworter der
       Aufrüstung ihre Politik mit demagogischen Phrasen und propagieren
       ein antikommunistisches Feindbild.
       In diesem  Klima gedeiht der Neonazismus, wächst sein Einfluß auf
       eine durch Arbeits- und Perspektivlosigkeit verunsicherte Jugend.
       38  Jahre   nach  der  Zerschlagung  des  Hitler-Regimes  schüren
       neonazistische Gruppen  Ausländerfeindlichkeit und Rassenhaß, or-
       ganisieren Terror und Mord, derweil die Behörden nur zögernd, oft
       zu spät eingreifen und die Gefahr von rechts sträflich verharmlo-
       sen.
       Der 30.  Januar 1933  mahnt uns,  dem wiedererwachenden  Nazismus
       entgegenzutreten und zugleich in unserem Widerstand gegen die Po-
       litik des Rüstungswahnsinns nicht nachzulassen.
       Wir rufen  deshalb auf,  am Samstag, dem 29. Januar 1983, in Ham-
       burg, Köln,  Frankfurt am Main und München in machtvollen Kundge-
       bungen zu demonstrieren:
       - für sofortigen Rüstungsstopp in West und Ost,
       - gegen die Stationierung neuer Atomwaffen in unserem Land,
       - gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassenhetze,
       - für das Verbot aller neonazistischen Parteien und Gruppierungen
       einschließlich der  HIAG und  die Unterbindung jeglicher nazisti-
       scher Propaganda und Kriegsverherrlichung,
       - für die Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten,
       - für Abrüstung und Friedenspolitik!
       Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!
       
       Kontaktadresse: Heinz-Werner  Wurstius,  Eleonore-Sterling-Straße
       24, 6000 Frankfurt/M.
       

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