Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983


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       POLITISCHE DIFFERENZIERUNG IM GROSSBETRIEB: ZUR HERAUSBILDUNG
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       LINKSOPPOSITIONELLER BETRIEBSRATLISTEN
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       Klaus Pickshaus
       
       I. Die betriebliche Interessenvertretung als Feld der politischen
       Formierung der  Arbeiterklasse - II. Politische Differenzierungs-
       prozesse in  der betrieblichen  Interessenvertretung -  ein Über-
       blick -  III. Zur  Entwicklung linksoppositioneller  Listen - IV.
       Neue Probleme im Kampf um gewerkschaftliche Autonomie und Einheit
       
       I. Die betriebliche Interessenvertretung als Feld
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       der politischen Formierung der Arbeiterklasse
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       I.1 Der Betrieb als Basis der politischen Formierung
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       und Differenzierung
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       Für die  Arbeiterbewegung besaßen und besitzen die Betriebe, ins-
       besondere die  Großbetriebe, zentrale Bedeutung. 1) Auf den kapi-
       talistischen Betrieb  bezieht sich  vorrangig das  Wirken der Ge-
       werkschaften als  umfassendster Klassenorganisation,  aus ihm be-
       ziehen sie  ihre eigentliche  Kraft, und in seinem Rahmen entwic-
       keln sich  die  rudimentären  Formen  des  Klassenbewußtseins  im
       "Guerillakrieg zwischen Kapital und Arbeit".
       Zu den  Besonderheiten eines  Großbetriebes gehören u.a. folgende
       Charakteristika:
       - Die  Klassenverhältnisse  sind  stark  polarisiert,  die  Herr-
       schaftsverhältnisse weitgehend entpersonalisiert.
       - Die gewerkschaftliche  Klassenorganisation besitzt  ein tiefge-
       staffeltes System.  Mehrere hundert ehrenamtliche Funktionäre um-
       fassende Vertrauensleutekörper  (VK) können  eine potentiell  im-
       mense Kraft aufweisen.
       - Der Großbetrieb  hat seine  eigene "Öffentlichkeit", in der Be-
       triebszeitungen politischer Gruppen und der Gewerkschaft, Mittei-
       lungen der  betrieblichen Interessenvertretung  usw. eigenes  Ge-
       wicht besitzen.
       Innerhalb des Betriebes reflektieren sich die politisch-ideologi-
       schen Strömungen  in der Arbeiterbewegung und im sozialen Umfeld.
       Ob dieses  durch die politische Kultur einer Metropole oder durch
       einen ländlichen  Einzugsraum geprägt  wird, kann wichtige Unter-
       schiede markieren,  ebenso Stärke  und Traditionen der Strömungen
       der Arbeiterbewegung.  Schon infolge  der quantitativen Zusammen-
       ballung werden sich die politischen Kräfte am deutlichsten in ei-
       nem Großbetrieb ausdrücken.
       Die politischen Strukturen und Kräfteverhältnisse im Betrieb, wie
       sie sich  in der  Zusammensetzung des  Betriebsrates, des gewerk-
       schaftlichen Vertrauensleutekörpers, dem eigenständigen Auftreten
       politischer Betriebsgruppen  usw.  zeigen,  widerspiegeln  jedoch
       nicht unmittelbar  die allgemeinen  politischen Strömungen in der
       Gesellschaft oder gar im parlamentarischen Raum. Zur Realität des
       kapitalistischen Betriebes gehört der Dauerkonflikt mit dem Kapi-
       tal, der  alle Kräfte zumindest beim offenen Konflikt zu einheit-
       lichem Handeln  drängt. Diese  Besonderheit, die sich aus der un-
       mittelbaren Nähe  zu den  Klasseninteressen auf  ökonomischem und
       sozialem Gebiet  ergibt, gilt  auch  insgesamt  für  die  Gewerk-
       schaftsbewegung und  die Ausformung  der in  ihr präsenten  poli-
       tisch-ideologischen Strömungen.  2) Deshalb  hat  sich  auch  die
       stark vorherrschende sozialdemokratische Richtung in eine sozial-
       partnerschaftliche und eine reformistisch-sozialistische Strömung
       differenziert, wobei  letztere im  betrieblich-gewerkschaftlichen
       Milieu bedeutend  stärker ist  als in der Sozialdemokratie insge-
       samt. Ein Indiz für die Verschiebung des politischen Spektrums im
       Betrieb ist auch der größere Einfluß der Kommunisten sowie links-
       sozialistischer Kräfte  und die  Bedeutungslosigkeit der  FDP auf
       der anderen Seite.
       
       I.2 Betriebsrat und gewerkschaftliche Betriebspolitik
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       Für die Belegschaften ist in der Regel der BR das wichtigste Ver-
       tretungsgremium. Der  BR steht  von daher auch im Mittelpunkt der
       Bemühungen aller im Betrieb wirkenden Kräfte, politischen Einfluß
       geltend zu machen. Der zentrale Stellenwert dieses Gremiums hängt
       mit dem  für die  Bundesrepublik typischen "dualen System" zusam-
       men: Trennung  von BR  und Gewerkschaft; Verpflichtung des BR auf
       partnerschaftliche Austragungsformen  ("Betriebsfrieden");  wenig
       verallgemeinerter Inhalt von Betriebsvereinbarungen (im Gegensatz
       zu Tarifverträgen).
       In der  Bundesrepublik haben  mehrere Faktoren die Verselbständi-
       gung der  BR gegenüber  den Gewerkschaften  in den  50er und 60er
       Jahren begünstigt:  Die lange wirtschaftliche Aufschwungphase er-
       möglichte dem  Kapital in den Betrieben erhebliche materielle Zu-
       geständnisse in  Form von Lohnzulagen und betrieblicher Sozialpo-
       litik, die die Position der BR als Vertretungsorgane stärkten und
       dem gewerkschaftlichen  Schutz durch Tarifverträge einen geringe-
       ren Stellenwert  zu geben  schienen. Der weitgehende Verzicht der
       Gewerkschaftsbewegung auf  Arbeitskämpfe konnte  diesen  Eindruck
       noch verstärken.  Durch den Konzentrationsprozeß wurden die BR in
       den Großkonzernen  aufgewertet und  konnten oft gewerkschaftliche
       Gremien beherrschen.  3) Hinzu kommt häufig die Einbeziehung füh-
       render BR-Mitglieder in die politischen Herrschaftsstrukturen auf
       lokaler und regionaler Ebene.
       Wegen dieser  Verselbständigung der BR ist der Haupthebel der Ge-
       werkschaften im  Betrieb der  VK (Vertrauensleutekörper). Er kann
       ein Organ  der Kontrolle  und gewerkschaftlichen Einflußnahme auf
       den BR  sein und bei der Überwindung integrationistischer Fesseln
       des Betriebsverfassungsgesetzes  helfen. In  vielen  Fällen  üben
       aber die  im BR  dominierenden Kräfte auch die Kontrolle über den
       VK aus.
       Eine gewerkschaftliche  Vertrauensleutearbeit mit dem Ziel, wirk-
       same Gegenmacht  und Kontrolle  aufzubauen,  blieb  im  genannten
       Zeitraum eher  die Ausnahme. Ablösungsprozesse von sozialpartner-
       schaftlicher Politik  fanden dennoch  am ehesten in den VK statt,
       selbst wenn diese von sozialpartnerschaftlichen Kräften in den BR
       beherrscht wurden.  Daraus ergab sich in der weiteren Entwicklung
       häufig ein  Spannungsverhältnis zwischen  VK und  BR, das zu Kon-
       flikten bei  der Kandidatenaufstellung  zu den  BR-Wahlen und  in
       manchen Fällen  zur Veränderung der politischen Mehrheiten in den
       BR führte.
       
       I.3 Veränderung der Problemstellung durch die Krise
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       Die Möglichkeiten  der Interessenvertretung der BR und' die Rolle
       der gewerkschaftlichen  Betriebspolitik haben  sich seit den Kri-
       senprozessen ab Mitte der 70er Jahre grundlegend verändert. Sozi-
       alpolitische Manövrierspielräume  sind mit Ausnahme weniger Bran-
       chen und Betriebe geschrumpft, eine betriebliche Lohnpolitik, die
       wesentlich über das tariflich abgesicherte Niveau hinausgeht, ist
       kaum noch möglich. Im Gegenteil: Viele der nur durch Betriebsver-
       einbarungen gesicherten  Errungenschaften konnten  selbst in  den
       Großbetrieben nicht verteidigt werden.
       Die Stärke  der BR während der Hochkonjunktur erweist sich in der
       Krisensituation als spezifische Schwäche, ohne daß damit aber dem
       Betriebsegoismus der  Boden entzogen  wäre. In der Krise wird die
       Konkurrenz innerhalb  der Arbeiterklasse  immens aktiviert:  zwi-
       schen Beschäftigten  und Arbeitslosen,  zwischen den Branchen und
       Betrieben, innerhalb  der Betriebe zwischen den verschiedenen Ka-
       tegorien der Lohnabhängigen. Dies hat zu einer erheblichen Verun-
       sicherung geführt  und unterschiedliche, ja widersprüchliche Ten-
       denzen freigesetzt.
       Im Massenbewußtsein der Arbeiterklasse wurden einmal die Elemente
       der Individualisierung  und Entsolidarisierung  gestärkt. 4)  Auf
       der anderen  Seite werden  auch Bedürfnisse  nach Solidarität und
       Orientierung sichtbar,  wobei das  Empfinden, daß Selbsttätigkeit
       mehr denn  je notwendig  ist, auch  die Unsicherheit enthält, wie
       und in  welcher Richtung  man denn aktiv werden soll. Welche Ten-
       denzen im praktischen Verhalten vorherrschen, hängt in hohem Maße
       davon ab, ob die Gewerkschaften und die im Betrieb agierenden po-
       litischen Kräfte  eine orientierende  und  strukturierende  Rolle
       wahrnehmen wollen  und können.  Das Fehlen  einer solchen verein-
       heitlichenden Initiative  durch die  Gewerkschaftsbewegung in den
       letzten Jahren  erklärt das  insgesamt recht  niedrige Niveau der
       Gegenwehr, die sich in erster Linie in partikularen betrieblichen
       Kämpfen formieren konnte.
       Weil das  Kapital in  der Krise häufig den sozialpartnerschaftli-
       chen Konsens (bzw. sein bisheriges Niveau) durch Diktat selbst in
       Frage stellt,  kann sozialpartnerschaftliche BR-Politik von links
       her in  Frage gestellt  werden. Vielfach  haben sich  - verstärkt
       seit 1975,  jedoch zahlenmäßig kaum erfaßbar - dadurch Polarisie-
       rungen innerhalb  von BR  vollzogen, wo  sozialpartnerschaftliche
       Mehrheiten zwar noch nicht gebrochen, aber doch unter den Heraus-
       forderungsdruck einer  sich entschiedener artikulierenden Minder-
       heit geraten  sind. In  nicht wenigen  Fällen wurden alte BR-Füh-
       rungsgruppen abgewählt. In einigen Betrieben nahmen die BR-Wahlen
       den Charakter  von Protestwahlen an, wo starke und oftmals unter-
       privilegierte Belegschaftsgruppen oppositionelle linke Listen un-
       terstützten. In  all diesen Formen drückt sich das Bedürfnis nach
       einer interessen- und aktionsorientierten BR-Politik aus, die zur
       Keimform einer Klassenpolitik werden kann.
       Auf der  anderen Seite  sind  Polarisierungen  der  betrieblichen
       Kräfteverhältnisse auch darin zu sehen, daß auf dem Resonanzboden
       von durch Krisendruck belebten korporatistischen und reaktionären
       Tendenzen in  Teilen der Belegschaften separate, ständisch orien-
       tierte Angestelltengruppen  sowie offen reaktionäre und unterneh-
       mergeförderte Listen  zunahmen. Das Fehlen einer konsequenten ge-
       werkschaftlichen Betriebspolitik  und vor  allem einer  betriebs-
       übergreifenden Gegenwehr  erleichtert  die  Isolierung  einzelner
       Gruppen. In  vielen Fällen  schlägt der Betriebsegoismus sogar in
       eine direkte Konfrontation der Belegschaften gegeneinander um.
       Prozesse der Ablösung von sozialpartnerschaftlicher Politik voll-
       ziehen sich unter solchen Bedingungen gewerkschaftlicher Schwäche
       nicht selten als Konzentration von Initiative und Forderungen bei
       einzelnen Teilgruppen  besonders von  der Krise  Betroffener  wie
       Ausländer, Unqualifizierte usw. Der jeweilige betriebliche Rahmen
       wird hier als Schranke des eigenen Wirkens hingenommen. Blockiert
       die im Betrieb dominierende sozialpartnerschaftliche Mehrheit das
       Auftreten solcher  neuen Kräfte, so wird die Suche nach einem op-
       positionellen Durchbruch  leicht außerhalb der gewerkschaftlichen
       Strukturen gelenkt.
       
       II. Politische Differenzierungsprozesse in der betrieblichen
       ------------------------------------------------------------
       Interessenvertretung - ein Überblick
       ------------------------------------
       
       II.1 Neue Tendenzen bei den Betriebsratswahlen
       ----------------------------------------------
       der 70er und 80er Jahre
       -----------------------
       
       Die BR-Wahlen  1972, '75, '78 und '81 waren durch neue politische
       Differenzierungen,   Ablösung    sozialpartnerschaftlicher    BR-
       "Fürstentümer", eine generell starke Listenzunahme und Herausbil-
       dung linksoppositioneller  BR-Listen geprägt.  Diese Tendenz  zur
       Politisierung und Polarisierung war 1981 ausgeprägt und wird 1984
       bei den  BR-Wahlen eher  noch stärker spürbar werden. Statistisch
       exakt lassen  sich diese politischen Differenzierungen und parti-
       ellen Positionsgewinne  linker Kräfte kaum belegen. Erstens geben
       die offiziellen  Statistiken der  Gewerkschaften  darüber  keinen
       Aufschluß, zweitens  vollzieht sich  ein Großteil der politischen
       Verschiebungen innerhalb  der gewerkschaftlichen  Strukturen. Der
       Überblick muß  sich deshalb neben den offiziellen Angaben auf die
       wenigen Analysen  in der  Gewerkschaftsliteratur, eine Presseaus-
       wertung und eigene Beobachtungen und Interviews stützen. 5)
       Die Zahl  der Betriebe mit BR stieg bis 1981 auf über 36 000, die
       der BR-Mitglieder  auf fast  200 000. Das bedeutet seit 1965 eine
       Zunahme von  ca. 13 000 Betrieben und fast 60 000 BR-Mitgliedern.
       Dieses Anwachsen konzentriert sich auf die neuen Sektoren der Ar-
       beiterklasse, insbesondere den Dienstleistungsbereich (HBV). 6)
       Dominierend sind  die Anteile  der großen Industriegewerkschaften
       (IGM, IGCPK)  und der  "Unorganisierten" an  den BR-Mandaten; sie
       liegen bei  über 80  bzw. 14  bis 15 Prozent. Als "unorganisiert"
       gelten sowohl  linksoppositionelle Listen  - sofern sie nicht als
       zweite Gewerkschaftsliste  anerkannt wurden - wie auch Listen der
       CDA (CDU-Sozialausschüsse)  und ständisch orientierter Angestell-
       tengruppen, außerdem Ausländerlisten in Großbetrieben.
       Bei der  sozialen Zusammensetzung  der BR  sind Frauen  stark und
       Ausländer völlig unterrepräsentiert. Die Fluktuationsquote in den
       BR liegt  bei der IG Metall in den drei letzten Wahlen bei durch-
       schnittlich 38  Prozent, 1972 sogar bei 51 Prozent; im DGB-Durch-
       schnitt ist  es ähnlich. 1981 waren 14,2 Prozent der neugewählten
       IGM-BR-Mitglieder zwischen 18 und 30 Jahre, 51,3 Prozent zwischen
       31 und  45 Jahre. Neue politische und ideologische Orientierungen
       vermitteln sich vor allem über die jüngeren Generationen. Es kann
       davon ausgegangen  werden, daß  die Gruppen,  für die  der  Kalte
       Krieg, Wirtschaftswunderillusionen  und erfolgreiche  Sozialpart-
       nerschaftspolitik prägende  Erfahrungen waren, stark zurückgehen,
       während die  Generationen, die  durch die  APO-Politisierung, die
       Reformphase der  sozialliberalen Regierung,  die  streikintensive
       Periode 1969  bis 1974 und die Erfahrungen der Dauerkrise seither
       beeinflußt wurden, heute in den BR ein größeres Gewicht besitzen.
       7) Darunter sind die durch die klassenorientierte Jugend- und Er-
       wachsenenbildungsarbeit der  IG Metall  geprägten Kräfte, die zum
       Teil selbst  als Aktivisten  in der Streikorganisation eigene Er-
       fahrungen sammeln konnten, am stärksten vertreten.
       Es liegt  auf der  Hand, daß der in erster Linie über den Genera-
       tionenwechsel vermittelte  Ablösungsprozeß in den BR mit Konflik-
       ten verbunden  ist. So  waren gerade die BR-Wahlen 1975 - die er-
       sten Wahlen  nach den  spontanen Streiks  in der  Metallindustrie
       1973 - durch ein höheres Maß an Politisierung, intensiver Diskus-
       sion schon  bei der  Kandidatenaufstellung und das Auftreten kon-
       kurrierender Listen gekennzeichnet. In Großbetrieben ist die Neu-
       wahlquote geringer,  die Verweildauer  in der BR-Funktion länger.
       8) Durch  die komplizierteren und differenzierteren politisch-or-
       ganisatorischen Strukturen und Willensbildungsprozesse in Großbe-
       trieben ist  die Position  der führenden  BR-Gruppe oftmals  sehr
       stabil. Der  Wechsel politischer  Mehrheitsverhältnisse ist  dort
       deshalb ein seltener und dann oft spektakulärer Vorgang.
       Mit der  Größe des  Betriebes nimmt die Häufigkeit von Listenwahl
       (statt Persönlichkeitswahl) 9) und die Anzahl von Listen zu - ein
       Ausdruck der  stärkeren politischen  Differenzierung  im  Großbe-
       trieb. 10)  Hier findet  auch sehr  viel häufiger  eine getrennte
       Gruppenwahl von  Arbeitern und Angestellten statt. Im Organisati-
       onsbereich der  IG Metall und der IG Chemie-Papier-Keramik fanden
       in   über   90   Prozent   der   Betriebe   Persönlichkeitswahlen
       (Mehrheitswahl) statt; in Betrieben ab 1000 Beschäftigte (IGM-Be-
       reich) kam  es hingegen  1981 in ca. 21 Prozent der Fälle zur Li-
       stenwahl, in  Betrieben über 5000 Beschäftigte sogar in der Mehr-
       heit (56,6  Prozent). 11)  Die Großbetriebe  (IGM-Sektor)  machen
       zwar nur  6,9 Prozent  aller Betriebe  aus, in  ihnen sind jedoch
       54,7 Prozent aller Beschäftigten konzentriert.
       
       II.2 Konkurrierende Listen mit ständischen
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       und rechten Orientierungen
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       Die stagnierende  Entwicklung von  DAG und CGB in den Statistiken
       vermittelt kein  zutreffendes Bild  über das  Problem ständischer
       Listen im  Angestelltenbereich und  das Auftreten  extrem sozial-
       partnerschaftlicher, unternehmerfreundlicher  sowie  reaktionärer
       Listen. Vielmehr  ist seit 1975 eine zunehmende Aktivität solcher
       Gruppen zu  registrieren. Dabei  sind folgende Trends zu beobach-
       ten:
       - Die "Christlichen  Gewerkschaften" treten aggressiver gegen die
       angeblich "sozialistischen" DGB-Gewerkschaften auf.
       - Zum Teil  als Ergebnis einer Konfrontation zwischen streikenden
       Angestellten und nicht streikenden Angestellten (1978) sind sepa-
       rate Angestellten-Listen  neben der  DAG ("freie",  "unabhängige"
       Wählergemeinschaften usw.) aufgestellt worden.
       - Seit 1975  bilden sich  separate  Listen  von  Mitgliedern  der
       "Christlichen Sozialausschüsse  in der CDU" (CDA bzw. CSA in Bay-
       ern). Vor allem 1978 kam es in zahlreichen Großbetrieben zu eige-
       nen CDA-Listen mit DGB-Gewerkschaftsmitgliedern, gegen die selten
       von den  DGB-Gewerkschaften mit  Ausschluß  oder  Funktionsverbot
       vorgegangen wurde. 12) Seit dem Bonner Regierungswechsel 1982 ist
       eine erneute  Intensivierung der  Fraktionsbildung der CDU-Kräfte
       in den DGB-Gewerkschaften zu registrieren, die von der DGB-Spitze
       stärker als früher toleriert wird. 13)
       - Nach  einer  Ablösung  sozialpartnerschaftlicher  BR-Mehrheiten
       durch zumeist  aus den  VK hervorgegangene  neue linke Mehrheiten
       versuchen die alten Kräfte in einigen Betrieben, ihre verlorenge-
       gangene Position  durch das  Aufstellen eigener Listen zu behaup-
       ten. 14)
       
       II.3 Linksoppositionelle Listen
       -------------------------------
       
       Politische Kräfteverschiebungen  in den Betrieben vollziehen sich
       zu einem großen Teil innerhalb der gewerkschaftlichen Strukturen.
       Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Frage, inwieweit es den vor-
       wärtsdrängenden gewerkschaftlichen Kräften gelingt, Basisveranke-
       rung und  demokratische Strukturen in der entscheidenden Klassen-
       organisation im Betrieb, dem VK, und hierdurch geprägte Verfahren
       der Kandidatennominierung  und des  Wahlverfahrens durchzusetzen.
       Dies soll vorweg anhand zweier Beispiele konkretisiert werden.
       In den Betrieben mit Listenwahl können zwei entgegengesetzte Ten-
       denzen  beobachtet  werden.  In  Auswertung  der  BR-Wahlen  1975
       schreibt die  IG Metall:  "Die Modalitäten der Kandidatenaufstel-
       lung variieren: Lupenreine Anwendung der Richtlinien für Vertrau-
       ensleute mit Vorabstimmung über die Kandidaten im Abteilungs- und
       Blockvertrauenskörper  mit   schließlicher  Placierungsabstimmung
       über den  Listenplatz einerseits;  andererseits haben auch amtie-
       rende Betriebsräte  selber über die Kandidatenliste und ihre Pla-
       cierungen entschieden." 15) Die erfolgreiche Ablösung der sozial-
       partnerschaftlichen Mehrheit  bei Opel  Rüsselsheim 1975  ist auf
       die Durchsetzung  des ersteren  Verfahrens im  VK zurückzuführen.
       Sie war  das Ergebnis  einer systematischen Vertrauensleutearbeit
       seit den  60er Jahren, getragen von linken Sozialdemokraten, Par-
       teilosen und  einigen Kommunisten.  Bei den  BR-Wahlen 1975 aner-
       kannte die  IG Metall neben der VK-Liste noch die Liste der alten
       BR-Gruppe als offizielle gewerkschaftliche Liste. 16)
       Als Reaktion  auf verfestigte  politische Strukturen  und sozial-
       partnerschaftliche Stellvertreterpolitik,  aber auch als Ergebnis
       einer Aktivierung gewerkschaftlicher Kerne werden auch in Großbe-
       trieben verstärkt  Formen direkter  Demokratie, insbesondere Per-
       sönlichkeitswahlen,  gefordert.   Viele  sozialpartnerschaftliche
       Kräfte bevorzugen  bei einer geschwächten eigenen Position demge-
       genüber eine Listenwahl, da sie auf diesem Wege vom Bonus für die
       Gewerkschaftsliste profitieren und bessere Kontrolle über die ge-
       werkschaftlichen  Kandidaten   und  ihre  Nominierungsreihenfolge
       ausüben können.
       Auch bei  Persönlichkeitswahl ergeben sich notwendigerweise poli-
       tische Differenzierungen und zum Teil auch Gruppierungen, die den
       Wahlkampf bestimmen.  In der Klöckner-Hütte Bremen (7000 Beschäf-
       tigte), einem Betrieb mit traditionell starker Verankerung linker
       Kräfte, wurde 1981 - wie schon früher - eine alphabetische Beleg-
       schaftsliste gebildet,  auf der alle im Betrieb vertretenen Grup-
       pen -  die verschiedenen Flügel innerhalb der IG Metall, der CMV,
       RGO usw.  - vertreten  waren. Während  dieser Persönlichkeitswahl
       traten bis zu zehn verschiedene Kandidatengruppen oder Einzelkan-
       didaten mit eigener Wahlwerbung auf. Dennoch waren die Ergebnisse
       eindeutig: Von den 25 Sitzen im Arbeiterbereich erhielt die linke
       IG Metall-Gruppe  mit Kommunisten,  Mitgliedern der linkssoziali-
       stischen Gruppe "Arbeiterpolitik" und linken Sozialdemokraten 22,
       eine weitere IG Metall-Gruppe mit eher rechten Sozialdemokraten 3
       Sitze.
       Die seit 1972 auftretenden linksoppositionellen BR-Listen entwic-
       keln sich in der Regel in Betrieben, in denen ein relevantes Pro-
       testpotential gegen eine vorherrschende Sozialpartnerschaftspoli-
       tik vorhanden  ist, dessen  Artikulation  innerhalb  der  gewerk-
       schaftlichen Strukturen  - also  vor allem im VK - blockiert wird
       und das  dann zumeist  (zum Teil  aber auch von Beginn an und aus
       grundsätzlichen Überlegungen, z. B. bei den RGO-Listen) auf einen
       politischen Durchbruch mit eigener Listenbildung setzt. Den Anlaß
       für eigene  Listen bildet am häufigsten das Aufstellungsverfahren
       der gewerkschaftlichen Kandidaten.
       Unter dem  Begriff "linksoppositionelle Listen" sollen diejenigen
       Gruppen erfaßt werden, die ihrem Selbstverständnis nach gegen so-
       zialpartnerschaftliche Politik  opponieren, den  Konflikt mit der
       Gewerkschaft bis  zum Ausschluß einkalkulieren und faktisch über-
       wiegend außerhalb  der gewerkschaftlichen Strukturen agieren. Da-
       bei kann  sich das  Verhältnis solcher Gruppen bzw. Listen zu den
       offiziellen gewerkschaftlichen Strukturen verändern - zumal dann,
       wenn die  gewerkschaftliche Politik  im Betrieb  oder am Ort sich
       umorientiert. So  konnten im Einzelfall aus "linksoppositionellen
       Listen" auch  die Mehrheitsträger  der gewerkschaftlichen Politik
       im Betrieb werden.
       Die ersten  Listen mit  spektakulären Erfolgen  traten  1972  bei
       Daimler-Benz in  Stuttgart-Untertürkheim und  bei Opel Bochum auf
       (beide werden weiter unten analysiert). 1975 hatte sich die oppo-
       sitionelle Listenbildung  erheblich ausgeweitet,  darunter  waren
       mehrere reine  Ausländerlisten und  vor allem von der sogenannten
       RGO, die der maoistisch orientierten KPD/ML (inzwischen: KPD) na-
       hesteht, getragene  oder beeinflußte  Listen. Durch diese Erfolge
       konnte die  sogenannte RGO stark das öffentliche Bild von opposi-
       tionellen Listen  bestimmen. Ab 1978 nehmen Listen zu - unter an-
       derem in  Chemiebetrieben -,  die  von  linkssozialdemokratischen
       Kräften getragen werden. 1981 gelang es erstmals einer oppositio-
       nellen Liste, auf Anhieb die Mehrheit in einem Großbetrieb zu er-
       ringen (HDW Hamburg). In den letzten Jahren wurden oppositionelle
       Listen zunehmend  von den Gewerkschaften toleriert oder nicht mit
       Ausschluß sanktioniert.
       In der ersten Phase ging der Anstoß im wesentlichen von linkssek-
       tiererischen, meist  maoistischen  Gruppen  und  nur  selten  von
       linkssozialistischen Kräften  (plakat Stuttgart)  aus. Nach einer
       Phase der  Konsolidierung und  der Duldung vor allem rechter Kon-
       kurrenzlisten durch  die Gewerkschaften geht die Initiative heute
       meist  von  linkssozialdemokratischen  Gewerkschaftern  oder  von
       Kräften, die zur grünalternativen Bewegung tendieren, aus.
       Die Dunkelziffer der nicht erfaßten Listen, insbesondere linksop-
       positioneller Gruppen  bei Persönlichkeitswahlen, ist mit Sicher-
       heit beachtlich.  Schwerpunkte lassen  sich jedoch  erkennen. Die
       fast 40  Listen sind 1981 auf den Organisationsbereich der IG Me-
       tall und in zweiter Linie auf den der IG Chemie konzentriert. Me-
       tallverarbeitung, hier vor allem Elektroindustrie, Automobil- und
       Chemieindustrie sind die Wirtschaftsbereiche mit der höchsten Li-
       stenanzahl. Etwas  über 50  Prozent der  Listen haben mehr als 20
       Prozent Stimmenanteil erzielt.
       
       Tabelle 1:
       Linksoppositionelle Listen nach gewerkschaftlichen Organisations-
       bereichen und  Branchen 1981  in der  BRD und  Westberlin  (incl.
       linke Kandidatenblockbildung bei Persönlichkeitswahl)
       
       Organisationsbereich/    Anzahl der Betriebe mit opp. Liste
       Branche                 insgesamt  davon mit über  davon Stimmen-
                                          20-Prozent-     mehrheit
                                          Anteil
       
       Bereich IGM: insges.      25         12              4
        Autoindustrie                 6             3              -
        Metallverarb. Industrie      13             5              2
        Schiffbau                     3             3              2
        Stahlindustrie                3             1              -
       Bereich IG Chemie: insges. 7          -              -
        Mineralölindustrie            1             -              -
        Chemieindustrie               6             -              -
       Bereich IG Bergbau         2          -              -
       Bereich ÖTV: insges.       2          1              1
        Hafen                         1             -              -
        Gesundheitswesen              1             1              1
       Bereich NGG                1          1              -
       Bereich Gew. Leder         1          1              -
       Insgesamt:                38         15              5
       _____
       Quelle: eigene Zusammenstellung nach Presseberichten
       
       Die regionale  Konzentration ist eindeutig: Mehr als zwei Drittel
       der Listen  sind in Westberlin (8), Ruhrgebiet (8) - darunter die
       Städte Dortmund,  Bochum, Gelsenkirchen,  Duisburg und  Essen  -,
       Hamburg (6)  und Rhein-Main-Raum  (5) - darunter in Frankfurt 3 -
       zu finden. Zu den Schwerpunkten gehören also Großstädte wie West-
       berlin, Hamburg 17) und Frankfurt, in denen sich begünstigt durch
       hohe Studenten-  und Intelligenzanteile  seit den 60er Jahren ein
       politisch-kulturelles Milieu  herausgebildet hat, in dem zahlrei-
       che linke  Gruppen wirkten  und wirken  - darunter  zu Beginn der
       70er Jahre  viele mit  einer Orientierung auf Positionsgewinne in
       der Arbeiterklasse  (so maoistische  Parteigründungen, aber  auch
       linkssozialistische Gruppen wie das "Sozialistische Büro"). Ange-
       stoßen durch  diese Kräfte,  haben sich  zahlreiche Einflußkanäle
       auch zu  politisch aktiven Gruppen in Großbetrieben der materiel-
       len Produktion ergeben. Etwa ein Fünftel der linksoppositionellen
       Listen gehört zum RGO-Einflußbereich, der einzigen überregionalen
       Gruppe mit einem festen Konzept zur Listenbildung. Das politische
       Spektrum der anderen Listen ist sehr buntscheckig und soll weiter
       unten charakterisiert werden.
       Linksoppositionelle Listen  sind eindeutig ein Phänomen der Groß-
       betriebe. Sie sind also ein Ausdruck der politischen Differenzie-
       rung im Kern der Arbeiterklasse.
       
       III. Zur Entwicklung linksoppositioneller Listen
       ------------------------------------------------
       
       Entstehungsbedingungen, Basis,  Profil,  politische  Orientierung
       und Entwicklungsrichtung  linksoppositioneller Listen  sollen  im
       folgenden am  Beispiel von  5 Großbetrieben untersucht werden, in
       denen jeweils  unterschiedliche Typen  der Listenbildung zu beob-
       achten waren.  Es handelt  sich dabei um die beiden ersten Listen
       von 1972,  beide aus  der Automobilbranche,  nämlich die  plakat-
       Gruppe mit  dem Listenführer  Willi Hoss  bei Daimler-Benz Unter-
       türkheim und  die "Gruppe  oppositioneller Gewerkschafter"  (GOG)
       bei Opel Bochum. Ferner wird die "Liste für einen Internationalen
       Betriebsrat" aus  dem Frankfurter  Metallunternehmen VDO einbezo-
       gen, die 1978 das erste Mal antrat. Beispiele aus den Wahlen 1981
       sind die "Kollegen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" im
       Chemie-Konzern Hoechst  und die  Liste "Aktive  Metaller" aus dem
       Hamburger Werk der "Howaldts-Werke - Deutsche Werft" (HDW).
       Die folgende  Tabelle  vermittelt  einen  Überblick  über  Größe,
       Struktur und  Organisationsgrad der  Belegschaften sowie über den
       Umfang des von den Oppositionslisten erreichten Potentials.
       
       Tabelle 2:
       Strukturdaten zu den untersuchten Betrieben
       
       Betrieb      Beleg-   Anteil der   Wahlanteil   Gew.        Größe
                    schaft   Ausländer    der opp.     Organisa-   des
                                          Liste bei    tionsgrad   VK
                                          BR-Wahlen
                                          1981
       
       Daimler-Benz 34400      22,6%         30,6%        73%      600
       Untertürkheim         (im Arbeiter- (9 Sitze) 1) (Arbeiter:
                             bereich: 41,6%)            90%)
       Opel Bochum  18600      17,4%         19,9%      ca. 86%    600
                                           (7 Sitze -
                                           GOG) 1)
                                              5,5%
                                           (2 Sitze -
                                           Liste Werk 2)
                                           1)
       Hoechst      30000      ca. 10%     16% (7 Sitze)  34,4%    370
       Frankfurt                                        (Arbeiter:
                                                        50%)
       HDW Hamburg   4500      23,4%       50,5% (14      80%      250
                                           Sitze - "Ak-
                                           tive Metal-
                                           ler") 5,0%
                                           (1 Sitz -
                                           RGO) 1)
       VDO Frankfurt 2200      50%         7 Sitze (Per-  38,6%     90
                                           keitswahlen -
                                           insges. 19 Sitze)
       _____
       1) Die Anteilsangaben  beziehen sich nur auf den Arbeiterbereich,
       in dem diese Listen kandidiert haben.
       
       In allen  Betrieben außer  den Farbwerken  Hoechst bestehen  hohe
       Ausländeranteile. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist mit
       Ausnahme von Hoechst und VDO überdurchschnittlich. Dabei sagt der
       Organisationsgrad wenig  über die  Bindung der Mitglieder an ihre
       betriebliche Gewerkschaftsführung  aus. Zumindest in drei Betrie-
       ben ist  der Mitgliederstand  sehr viel  höher als die Wählerzahl
       für die  offizielle Gewerkschaftsliste.  Nur eine  oppositionelle
       Liste -  die "Aktiven Metaller" bei HDW - konnte die Mehrheit der
       Sitze erringen.
       
       III.1 Geschichte der einzelnen Listen
       -------------------------------------
       
       Bei Daimler-Benz  Untertürkheim war  in den  fünfziger Jahren die
       kommunistische BR-Mehrheit  durch eine stark sozialpartnerschaft-
       liche abgelöst  worden. In Opposition hiergegen entstand aus kri-
       tischen Gewerkschaftern  und Kräften  aus  der  Studentenbewegung
       Ende der sechziger Jahre die "plakat"-Gruppe (seit 1969 gleichna-
       mige Betriebszeitung). 18) Willi Hoss und Hermann Mühleisen - die
       Initiatoren - waren DKP-Mitglieder, wurden aber wegen prinzipiel-
       ler Meinungsverschiedenheiten und der späteren Listenbildung aus-
       geschlossen. 1972  kandidierten sie mit einem Italiener auf einer
       eigenen BR-Liste und erhielten 28 Prozent; von den 8 Sitzen konn-
       ten sie  nur 3 wahrnehmen. Trotz massiver Gegenpropaganda erhielt
       die Liste  1975   18,7Prozent (5 Sitze). 1978 mußte die Wahl wie-
       derholt werden  ("plakat" sprach  von Wahlbetrug)  und die  Hoss-
       Gruppe erhielt  fast 40  Prozent (12  Sitze). Das 1981er Ergebnis
       (30,6 Prozent,  9 Sitze)  markiert den festen Wählerstamm und die
       Einflußgrenzen. Die Wählerbasis waren anfangs Ausländer und Unge-
       lernte; 1978 reichte der Einfluß auch tief in die deutsche Stamm-
       belegschaft.
       Opel Bochum  ist ein Betrieb ohne Tradition (1960 errichtet), die
       Belegschaft ist  jung und  bunt zusammengewürfelt,  die Einflüsse
       linker Gruppen aus der Universitätsszene sind vielfältig, die po-
       litische Differenzierung  in der  Belegschaft groß (bis zu 11 BR-
       Listen). Der  BR ist rechtssozialdemokratisch dominiert mit einer
       Minderheit aus  linken SPD-  und DKP-Mitgliedern.  Die "GOG" ent-
       stand 1972  teilweise aus  dem maoistischen  Milieu und wurde von
       studentischen Kräften  unterstützt; sie erhielt 5 Sitze. 19) 1975
       stieg der  Anteil auf  36 Prozent  (12 Sitze), gestützt besonders
       auf die  Forderung nach  Persönlichkeitswahl. Nach  verschiedenen
       Wandlungs- und  Spaltungsprozessen sank  der Anteil  auf 9  Sitze
       1978 und  7 Sitze  1981; die politische Aktivität der Gruppe geht
       seither weiter  zurück. Ihre Rolle in jüngeren betrieblichen Kon-
       flikten (z.B. Personalinformationssystem) ist gering.
       Bei den  BR-Wahlen 1981  hat eine  weitere oppositionelle  "Liste
       Werk II"  zwei Sitze  bekommen, die  eher linkssozialdemokratisch
       geprägt ist und sich an der "Revier"-Gruppe orientiert.
       Bei VDO  Frankfurt sind  mehr als 50 Prozent der Belegschaft Aus-
       länder, die  bis 1978 weder im BR (Vorsitzender ist CDU-Mitglied)
       noch im (damals eingesetzten) VK nennenswert vertreten waren. 20)
       1978 kandidierte  eine "Internationale Liste", die von zwei Deut-
       schen angeführt  wurde, die später bei den "Demokratischen Sozia-
       listen" mitarbeiteten.  Sie erhielten  vom benachbarten SPD-Orts-
       verein Unterstützung.  Mit 42  Prozent (8  Sitze)  erzielten  sie
       einen durchschlagenden  Erfolg, weshalb  die IG Metall (im Gegen-
       satz zu  Daimler-Benz und  Opel) nicht mit Ausschluß, sondern mit
       Funktionssperre reagierte.  Nach 1978  wurde die  VK-Arbeit akti-
       viert und 1981 eine gemeinsame Kandidatur der internationalen und
       der IGM-Liste  als Kandidatengruppen  auf einer Belegschaftsliste
       der IG Metall mit Persönlichkeitswahl erreicht. Die Oppositionel-
       len erhielten  7 Sitze  (darunter für  einen ihrer Kandidaten die
       meisten Stimmen). Sie stellen einen freigestellten BR und die VK-
       Vorsitzenden. Die  Gruppe bildet heute den Kern der betrieblichen
       Gewerkschaftsarbeit.
       Hoechst Frankfurt  ist neben Bayer Leverkusen eine sozialpartner-
       schaftliche Hochburg  in der  IG Chemie. Der BR-Vorsitzende - ein
       sozialdemokratischer  und  gewerkschaftlicher  Multifunktionär  -
       "regiert" mit  harschen Methoden.  Gewerkschaftlicher Organisati-
       onsgrad und  Kampfkraft im  Betrieb sinken.  Mitte der  siebziger
       Jahre bildete  sich eine informelle Oppositionsgruppe aus Gewerk-
       schaftsfunktionären und  einem BR-Mitglied,  die seit 1975 eigene
       Flugblätter verteilte; sechs ihrer Mitglieder wurden 1977 aus der
       IG Chemie  ausgeschlossen. 21) Nach dem erfolgreichen Abschneiden
       einer oppositionellen  Liste 1978 bei Bayer Leverkusen wurde 1981
       bei Hoechst auch eine eigene Liste aufgestellt. 22) Von 22 Kandi-
       daten waren 20 Gewerkschaftsmitglieder (8 Vertrauensleute und ein
       Tarifkommissionsmitglied); sie  wurden ausgeschlossen.  Die Liste
       erhielt 16 Prozent, wird aber von der BR-Mehrheit bekämpft (u. a.
       wurde ein oppositioneller BR mit Zustimmung der Mehrheit fristlos
       entlassen, weil er in Umweltfragen den Konzern angriff).
       Auf HDW  Hamburg wurde  der früher mehrheitlich kommunistische BR
       seit den  50er  Jahren  sozialpartnerschaftlich-antikommunistisch
       dominiert - mit der SPD-Betriebsgruppe als politischer Schaltzen-
       trale. Im VK entwickelte sich in den 70er Jahren ein Oppositions-
       potential aus  linken Sozialdemokraten, Parteilosen und der star-
       ken DKP-Betriebsgruppe,  was bei der Wahl 1978 z.T. einer RGO-Li-
       ste (3 Sitze) zugute kam. Als 1981 im VK der Vorschlag für Kandi-
       daten-Vorwahlen abgelehnt  wurde, traten die Oppositionsvertreter
       aus der  Leitung aus  und bereiteten  eine eigene  Liste vor. Die
       Kommunisten unterstützten  dies vorbehaltlich  einer  Anerkennung
       durch die  IG Metall (die unterblieb). Die "Aktiven Metaller" er-
       hielten die  Mehrheit und  stellen den  BR-Vorsitzenden; die  RGO
       schrumpfte auf einen Sitz. 23) Im VK setzte sich dieser Trend bei
       den Neuwahlen nur teilweise fort, weil die "Aktiven Metaller" aus
       der IGM ausgeschlossen waren oder Funktionsverbot hatten.
       
       III.2 Inhaltliches Profil, soziale Basis und personelle Träger
       --------------------------------------------------------------
       
       Kristallisationspunkt aller  linksoppositionellen Listen  ist das
       Verlangen nach  innergewerkschaftlicher Demokratie, nach Transpa-
       renz der BR-Arbeit und nach einem demokratischeren Wahlverfahren,
       das in  erster Linie  in  der  Persönlichkeitswahl  gesehen  wird
       (einige Listen  fordern auch eine stärkere Basiskontrolle der ge-
       werkschaftlichen Kandidatenaufstellung). Jedoch wurde nur von ei-
       nem Teil der oppositionellen Kandidaten die Auseinandersetzung um
       eine Demokratisierung in den VK geführt, andere setzten unmittel-
       bar auf einen schnellen Erfolg durch eigene Listenbildung, darun-
       ter die GOG aus grundsätzlichen Erwägungen, da sie in den Gewerk-
       schaften keine Gegenmacht mehr sieht.
       Bei der  GOG ist  der maximalistische Charakter ihrer Tagesforde-
       rungen am stärksten ausgeprägt; sie stellt z.B. einer sozialpart-
       nerschaftlichen  Stellvertreterpolitik   unmittelbar  Forderungen
       nach jederzeitiger  Abwählbarkeit der BR, Aufhebung der Schweige-
       und Friedenspflicht,  Beseitigung  des  "arbeiterfeindlichen  Be-
       triebsverfassungsgesetzes" usw.  entgegen. Bei fast allen opposi-
       tionellen Listen  tritt die Betonung basisdemokratischer Elemente
       in den  Vordergrund gegenüber  der  Aufgabe,  soziale  Interessen
       durchzusetzen.
       Insbesondere die  erste Generation  der Listen, also "plakat" und
       "GOG" (aber  auch die  "Internationale Liste"  bei VDO),  konzen-
       triert sich  in Forderungen,  Kandidatenzusammensetzung,  Öffent-
       lichkeitsarbeit (generell mehrsprachig) sowie Wählerbasis auf die
       spezifischen Interessen  der ausländischen und unqualifizierteren
       Belegschaftsgruppen, also jener in der Produktion Tätigen, die in
       der sozialpartnerschaftlichen BR-Politik am offensten unterreprä-
       sentiert sind.
       Schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Bandarbeiter, Pro-
       bleme der  unteren Lohngruppen  und der Schichtarbeiter sowie Ur-
       laub an einem Stück für Ausländer sind einige Konfliktthemen, die
       z.T. in  Form von Maximal-Forderungsprogrammen in den Vordergrund
       gestellt, jedoch  nicht in einen grundsätzlichen klassen- und ge-
       werkschaftspolitischen Kontext  eingefügt werden, der die Verein-
       heitlichung der  Interessen aller  Gruppen der Arbeiterklasse zum
       Ziel hat.  Charakteristisch für  die Lohnpolitik  sind  ebenfalls
       Forderungen, die  sich auf  eine Besserstellung der besonders be-
       nachteiligten Gruppen  richten und stark von egalitären Gesichts-
       punkten ausgehen  (Festgeldbetrag, Mindestlohn,  Beseitigung  un-
       terer Lohngruppen etc.).
       Probleme des  betrieblichen Herrschaftssystems  und der Diszipli-
       nierung sind  ein Bereich,  der oft  von  Anfang  an  eine  Rolle
       spielte, durch  die Einführung von Personalinformations- oder an-
       derer Datenspeicherungssysteme  in einigen Betrieben aktualisiert
       wurde und damit zugleich prinzipielle Fragen der Haltung zu neuen
       Technologien aufwarf.  Die plakat-Gruppe hatte seit 1977 kontinu-
       ierlich über  ein geplantes  Personalinformationssystem bei Daim-
       ler-Benz aufgeklärt  und es als Machtinstrument der Unternehmens-
       leitung, das persönliche Freiheitsrechte beschneidet, charakteri-
       siert. 24)  Dadurch waren  Diskussions- und  Differenzierungspro-
       zesse unter  den IGM-BR-Mitgliedern  verstärkt worden,  so daß es
       nach der  Wahl 1978 zu einem partiellen Zusammengehen in der For-
       mulierung konkreter  Mobilisierungsschritte kam.  Dieses  Abgehen
       von einer  reinen Oppositionsrolle  hatte politische Kontroversen
       innerhalb der plakat-Gruppe ausgelöst, zugleich aber ihren tradi-
       tionellen Einflußbereich erweitert.
       In einem  ähnlichen Konflikt bei Opel Bochum war die GOG nicht in
       der Lage, über die blanke Ablehnung eines Personalinformationssy-
       stems hinaus  konkrete Argumentations- und Mobilisierungsschritte
       zu entwickeln, so daß die betriebliche Initiative im wesentlichen
       bei der linken Gruppe der IGM-BR-Mitglieder lag.
       Ökologisch beeinflußte  Fragestellungen spielen  in zwei  Gruppen
       eine Rolle: Die Thematisierung der Umweltprobleme durch die oppo-
       sitionelle Liste, die im konkreten Fall Hoechst sogar die Entlas-
       sung eines  BR-Mitglieds zur Folge hatte, findet in einem Chemie-
       Großkonzern zumindest unter den jüngeren und qualifizierteren Be-
       legschaftsgruppen Widerhall. Fragen des Sinns und der Perspektive
       der Autoproduktion  wurden von  der plakat-Gruppe im Zusammenhang
       mit der  ökologisch umstrittenen Daimler-Benz Teststrecke Boxberg
       öffentlich diskutiert  und mit  Vorschlägen für  eine an  moderne
       technologische Produktionsverfahren  gekoppelte Produktdiversifi-
       kation in  Richtung gesellschaftlich sinnvollerer und weniger um-
       weltbelastender  Gebrauchsgüter   verknüpft.  25)  Innerhalb  der
       Gruppe ergab  sich dabei  eine politische  Differenzierung an der
       Frage, welche Bedeutung der Zusammenhang solcher Probleme mit ka-
       pitalistischen Machtstrukturen noch besitze.
       Die zweite Generation oppositioneller Listen ist sehr viel grund-
       legender durch  den Bruch mit der alten Sozialpartnerschaftspoli-
       tik und  die Notwendigkeit  aktiver Interessenvertretung  in  der
       Krise geprägt.  Dies trifft  in erster  Linie auf  die Gruppe der
       "Aktiven Metaller"  in der  Schiffbauindustrie zu,  wo durch  die
       akute Krise  und Bedrohung der Arbeitsplätze eine neue Bestimmung
       der BR-Politik  auf die  Tagesordnung gesetzt  wurde.  Personelle
       Träger und  Basis der  Liste reichen  am weitesten in den gewerk-
       schaftlichen Kernbereich  hinein,  ja,  sie  repräsentiert  einen
       großen Teil  des kämpferischen jüngeren gewerkschaftlichen Kaders
       im Betrieb.  Dies war auch eine Grundvoraussetzung dafür, bei den
       BR-Wahlen eine Mehrheit zu erringen.
       Auch die  oppositionelle Gruppe  bei Hoechst entwickelte sich aus
       dem (sehr  viel schwächer  vertretenen) jüngeren Teil der gewerk-
       schaftlichen Aktivisten,  die eine relativ hohe berufliche Quali-
       fikation aufweisen. Die Listen des ersteren Typus waren demgegen-
       über in  der Regel  von intellektuellen, durch die Studentenbewe-
       gung und  ihr folgende Linksgruppen und maoistische Zirkel beein-
       flußten Kadern getragen (im Falle plakat durch ehemalige Kommuni-
       sten), zu  denen dann verschiedene Ausländerrepräsentanten gesto-
       ßen waren.
       Unabhängig von  der unterschiedlichen  sozialen  und  politischen
       Struktur der oppositionellen Listen und ihrem inhaltlichen Profil
       zeigen sich ähnliche Grundprobleme:
       - Insbesondere die  Entstehungsphase der  Listen ist  durch  eine
       starke Personalisierung  der Konflikte  mit  den  Vertretern  der
       "alten"    BR-Politik     und    eine     oft     ausschließliche
       "Entlarvungstaktik" geprägt,  die die argumentative Herausbildung
       unterschiedlicher  Grundsatzpositionen  zur  Interessenvertretung
       überlagert, bei einzelnen Gruppen sich sogar zu einem sektiereri-
       schen Konzept verselbständigt. Insofern verkörpert diese Entwick-
       lung nur  allererste, meist  negativ bestimmte Loslösungsschritte
       von einer Sozialpartnerschaftspolitik.
       - Das Verhältnis von Oppositionsrolle und notwendiger Interessen-
       vertretung und  -durchsetzung bleibt  oft ungeklärt. Die Aufstel-
       lung maximalistischer Forderungskataloge, die zwar zur Markierung
       von grundsätzlich  unterschiedlichen Positionen,  nicht aber  zur
       Mobilisierung der  Belegschaft für  reale  Teilschritte  geeignet
       ist, zielt  lediglich -  so eindeutig  bei der  GOG - auf ein be-
       grenztes Proteststimmenpotential,  das damit  zeitweise  erreicht
       werden kann.  Sobald oppositionelle  BR-Mitglieder auf reale Ent-
       scheidungen Einfluß  nehmen können  - wie die Hoss-Gruppe ab 1978
       und von  Beginn an die "Aktiven Metaller" -, stellen sich die ei-
       gentlichen Grundfragen  jeder klassenorientierten  BR-Arbeit  für
       sie: nämlich  in der  Praxis das  Verhältnis von institutioneller
       Vertretung, von  breiter Öffentlichkeitsarbeit  und Mobilisierung
       der Betroffenen  und der  Gesamtbelegschaft richtig zu bestimmen.
       Hieran entzündeten  sich in  der "plakat-Gruppe" wie auch bei den
       "Aktiven Metallern" inhaltliche Auseinandersetzungen. 26)
       - Bei allen  linksoppositionellen Listen,  aber sicherlich  nicht
       nur bei ihnen, ist eine starke betriebssyndikalistische Grundten-
       denz feststellbar.  Den entscheidenden  Bezugsrahmen der Ablösung
       von einer Sozialpartnerschaftspolitik bilden der Betrieb als Kon-
       fliktfeld und der BR als Gremium politischer Einflußnahme. Selbst
       bei oppositionellen  Gruppen wie  "plakat", deren politischer An-
       spruch einmal  auf eine sozialistische Neuorientierung der Arbei-
       terbewegung zielte, ist das Themenspektrum der betrieblichen Ver-
       öffentlichungen seit mehreren Jahren fast ausschließlich auf Kon-
       flikte in  der Fabrik  oder mit  der Gewerkschaft reduziert, ohne
       politische Fragen oder auch nur die vielfältigen Einbindungen des
       Großbetriebs in  den gesamtgesellschaftlichen Reproduktionsprozeß
       aufzugreifen, geschweige denn andere gesellschaftspolitische Fra-
       gen. Damit  wird der  traditionelle Betriebsegoismus, der ein we-
       sentlicher Bestandteil  sozialpartnerschaftlicher BR-Politik ist,
       nicht wirklich überwunden.
       
       III.3 Verhältnis zu den Gewerkschaften,
       ---------------------------------------
       "Vernetzungen" und politische Orientierung
       ------------------------------------------
       
       Dieser Betriebssyndikalismus  linksoppositioneller BR-Listen wird
       noch durch das zwangsläufige Konfliktverhältnis gegenüber der ge-
       werkschaftlichen Organisation  gefördert. In  allen  untersuchten
       Fällen haben  die Gewerkschaftsorgane  auf die  Listenbildung mit
       disziplinarischen Maßnahmen  reagiert. Wo  nur  ein  zeitweiliges
       Funktionsverbot ausgesprochen  wurde (bei  VDO Frankfurt) konnten
       die oppositionellen  Kräfte später entscheidenden Einfluß auf den
       VK gewinnen.  In allen  anderen Fällen  waren sie durch Ausschluß
       (zumindest der  führenden Vertreter)  von der betrieblichen Klas-
       senorganisation abgeschnitten.  Vertreter der  plakat-Gruppe  und
       der "Aktiven  Metaller" haben  gegen  den  Ausschluß  juristische
       Schritte eingeleitet.
       Da die  Listenbildung eine Eigengesetzlichkeit der Abgrenzung der
       Fronten und Profilierung der eigenen Position hervorbringt, waren
       immer eine  scharfe Konfrontation und eine Erschwerung einheitli-
       chen Handelns  im BR  die Folge.  Als die HDW-Unternehmensleitung
       unter Ausnutzung  dieser Spaltung ein offensives Arbeitsplatzver-
       nichtungskonzept durchzusetzen  versuchte, waren es vor allem die
       Kommunisten im  Betrieb, die  für  eine  einheitliche  Kampffront
       eintraten, als  deren zeitweilige  informelle Führungsgruppe sich
       dann gemeinsam  der Vorsitzende des VK (ein Vertreter der abgelö-
       sten BR-Spitze),  der neue  BR-Vorsitzende der "Aktiven Metaller"
       und der profilierteste Repräsentant der DKP-Betriebsgruppe erwie-
       sen. Ein informeller Gesprächskreis soll Kommunikation und Zusam-
       menarbeit zwischen  den "Aktiven Metallern" im BR und Kräften des
       VK erleichtern.  Die klassenorientierten  Kräfte versuchen, einer
       stets drohenden  Verfestigung der Fraktionen im Betrieb durch Ak-
       tionsorientierung auf  Grundlage eines gemeinsamen Kampfprogramms
       entgegenzuwirken.
       Die eigene Logik der Listen- bzw. Gruppenprofilierung bewirkt zu-
       meist eine  unzureichende Orientierung auf überbetriebliche Mobi-
       lisierung, vor allem aber auf die Herstellung der Einheit der Be-
       legschaft und  die Einbeziehung der gewerkschaftlichen Klassenor-
       ganisation, insbesondere des VK im Betrieb. Die Bildung einer ei-
       genen Betriebsgruppe  ist nach  einer Listenbildung, die den Aus-
       schluß von der Gewerkschaft zur Folge hat, fast unvermeidlich, da
       das für  eine kontinuierliche  Arbeit erforderliche organisatori-
       sche "Hinterland"  ansonsten fehlt. In den meisten Fällen bildete
       sich damit  - oder  schon vor der Listenaufstellung - eine Gruppe
       mit entweder stabilen Strukturen ("plakat") oder nur lockerem Zu-
       sammenhalt ("Aktive Metaller"), sofern auf eine rasche Reintegra-
       tion in die Gewerkschaft gesetzt wird.
       Die politischen  Differenzierungsprozesse im Betrieb und die Ent-
       wicklung von  Gegenkräften zur  Sozialpartnerschaftspolitik voll-
       ziehen sich  nicht in einem politisch-ideologischen Vakuum. Sepa-
       rate Listen  werden dort begünstigt, wo unter Bedingungen sozial-
       partnerschaftlicher Dominanz  die klassenorientierten  Kräfte in-
       nerhalb der  Einheitsgewerkschaft schwach sind oder eine unzurei-
       chende politischideologische Orientierungskraft entwickeln.
       Auf die  Herausbildung linksoppositioneller  Listen nehmen unter-
       schiedliche politische Kräfte Einfluß:
       - Mit einem festen Konzept und einer überregionalen Struktur wir-
       ken maoistische  Kräfte  (KPD,  früher  KPD/ML)  unter  dem  Fir-
       menschild RGO  auf die Bildung einer sektiererischen Separatorga-
       nisation. Auf die Ausweitung oppositioneller Listen reagieren sie
       in jüngster  Zeit mit einem flexibleren Konzept, das ihre Isolie-
       rung verhindern soll. Die beachtlichen, oftmals aus dem Stand er-
       reichten RGO-Anteile (20-30 Prozent) verweisen auf das recht hohe
       Protestpotential in vielen Großbetrieben, das bei Auftreten einer
       linken Alternative  der RGO  wieder entzogen  werden  kann  (vgl.
       HDW). Listen  anderer maoistischer  Gruppen wie des ehemaligen KB
       spielen bundesweit nur eine untergeordnete Rolle.
       - Das Bedürfnis nach überregionalen Kommunikationsstrukturen wird
       für viele  eher linkssozialistisch geprägte oppositionelle Listen
       durch  Publikationsorgane   und  Konferenzen   im  Spektrum   des
       "Sozialistischen Büros"  aufgegriffen. Einflüsse  bestehen  dabei
       bis hin  zu Listen mit Beteiligung linker Sozialdemokraten insbe-
       sondere in  der Chemieindustrie,  deren Engagement im übrigen von
       der SPD toleriert wird.
       - Auch wenn  einzelne Repräsentanten  wie Willi Hoss von "plakat"
       oder sogar  einzelne Gruppen  (wie bei  TEXACO in Hamburg) inzwi-
       schen politisch  in der  Partei der Grünen eingebunden sind, kann
       von einer  systematischen und organisierten Einflußnahme auf die-
       ses Milieu  z. Zt. noch nicht gesprochen werden. Dennoch besitzen
       die Grünen  eine  politisch-ideologische  Ausstrahlungskraft  auf
       dieses gesamte Linksspektrum. Daß den Grünen der Aufbau eines or-
       ganisatorischen Unterbaus  in diesem  Bereich gelingt  ("AfA" der
       Grünen), erscheint z. Zt. eher unwahrscheinlich.
       Bevor wir  diese Frage erneut aufgreifen, muß auf eine in der Di-
       mension neue  Entwicklung hingewiesen  werden: die  Herausbildung
       eines oppositionellen Milieus in vielen gewerkschaftlichen Berei-
       chen, von  dem linksoppositionelle  BR-Mitglieder nur eine Kompo-
       nente bilden. Ein solches Milieu entsteht auf der Grundlage hori-
       zontaler Strukturen  des Erfahrungsaustausches  über betriebliche
       Kämpfe und politische Bewegungen, falls diese durch die Krise ak-
       tualisierten Bedürfnisse durch die lokalen und regionalen Gewerk-
       schaftsorgane nicht  aufgegriffen werden. Die Entstehungsursachen
       sind also  ähnlich denen  der oppositionellen Listen: sozialpart-
       nerschaftliche Dominanz,  Verlust der  Führungsinitiative der Ge-
       werkschaftsorgane in  den Abwehrkämpfen, Einschränkung der inner-
       gewerkschaftlichen Willensbildung  usw. Dieses oppositionelle Mi-
       lieu umfaßt  viele der  durch die  Abwehrkämpfe politisierten be-
       trieblichen Funktionäre ebenso wie Vertreter von traditionell auf
       politische Betriebsarbeit orientierten Gruppen, darunter linksso-
       zialistische (SB,  Revier, Arbeiterpolitik),  trotzkistische  und
       ehemalige  maoistische  Kader.  Organisatorische  Ausdrucksformen
       sind lokale "Metaller-Stammtische", unregelmäßig erscheinende In-
       formationsorgane  wie   der  "Metall-Kurier"   in  Hamburg,   der
       "Frankfurter  Metallbote",  Gruppierungen  um  Zeitschriften  wie
       "revier" und  "express", gelegentliche regionale oder bundesweite
       Konferenzen und ähnliche vorwiegend lockere Zusammenschlüsse. 27)
       Solche vom skizzierten politischen Amalgam beeinflußten informel-
       len Strukturen einer "Vernetzung" tragen immer auch die Keime ei-
       ner Verselbständigung  in sich.  Wenn in  Situationen des offenen
       Kampfes gewerkschaftliche  Führungsorgane passiv  bleiben, können
       sie zu wichtigen Trägern der Initiative und Verbreiterung der Be-
       wegung werden; 28) dies macht ihre eigentliche Bedeutung aus.
       Der größte  Teil dieses linksoppositionellen Milieus stellt heute
       einen aktiven  Sektor innerhalb  der Arbeiterklasse - und zwar in
       ihren Kernbereichen - dar, der sich außerhalb der politisch-ideo-
       logischen Hegemonie  der Sozialdemokratie  entwickelt  hat.  Dies
       kann sich  in Zukunft dadurch quantitativ verschieben, daß zuneh-
       mend auch  linkssozialdemokratisch geprägte oppositionelle Listen
       entstehen, deren  Führungskerne z.T. wie bei HDW in Hamburg sogar
       innerhalb der SPD-Betriebsgruppe organisiert sind. Man kann davon
       ausgehen, daß  der weitaus überwiegende Teil dieses oppositionel-
       len Gesamtmilieus  unter den  derzeitigen Bedingungen zum Wähler-
       kreis der  Grünen gehört.  Übernehmen sie  aber auch  deren poli-
       tisch-ideologische Orientierung,  wirken sie als Einflußkanal der
       Grünen bis  in den  Kern der  Arbeiterklasse? Die Frage ist schon
       deshalb schwerer  zu beantworten,  weil vieles noch im Flusse er-
       scheint.
       Nur ein  sehr geringer  Teil hat  sich bisher organisatorisch und
       aktiv den  Grünen angeschlossen.  Zweifellos besitzen  politisch-
       ideologische Orientierungen  der grünalternativen Bewegung inner-
       halb des  oppositionellen Milieus  im betrieblich-gewerkschaftli-
       chen Bereich  Einfluß, jedoch nicht in ungebrochener Form. Solche
       ideologischen Orientierungen werden konfrontiert mit den im Groß-
       betrieb gesammelten  Erfahrungen, die den Konflikt zwischen Lohn-
       arbeit und  Kapital widerspiegeln. Sozialistisch geprägte Auffas-
       sungen sind  bei den Kadern dieser Gruppen stark verbreitet, aber
       nicht in einer geschlossenen Form.
       Diese politisch  oft noch vage bleibende Haltung drückt sich auch
       in der Offenheit für das Wirken der verschiedenen Linksgruppen in
       diesem Milieu aus. Wo grüne Positionen der Technologie- und Indu-
       strialismus-Kritik relevanten  Einfluß gewinnen, ist es nicht un-
       wahrscheinlich, daß  sich wie in der "plakat-Gruppe" zwei Flügel,
       darunter ein sozialistisch geprägter, herausbilden.
       Das Verhältnis  zu den Grünen ist gegenwärtig eher taktischer Na-
       tur und  bestimmt dadurch, daß diese die relevanteste linke Oppo-
       sitionskraft mit  parlamentarischer Verankerung  auf  Bundesebene
       darstellen. In  den konkreten  Bewegungen sind  sie ein zentraler
       Ansprech- und  Bündnispartner, wenngleich  eine Führungsrolle der
       Grünen und eine Vereinnahmung der Bewegung auf starken Widerstand
       stoßen. 29)
       Die DKP  erscheint innerhalb  dieses politischen Spektrums im be-
       trieblichen und gewerkschaftlichen Bereich überhaupt nur dort als
       ein beachtenswerter Faktor, wo es ihr gelingt, trotz aller Diffe-
       renzen insbesondere in gewerkschaftspolitischen Fragen eine akti-
       onsorientierende und  einigende Rolle in den praktischen Bewegun-
       gen einzunehmen.  Die bisherigen  Erfahrungen des Kampfes im Ham-
       burger Werftenbereich  belegen, daß  eine solche  Zusammenführung
       aller Kräfte  einschließlich der  "Aktiven Metaller" und des RGO-
       BR-Mitglieds in  Aktionen  möglich  ist,  ohne  eine  Verwischung
       grundsätzlicher Differenzen  und  ohne  Aufgabe  der  Aktionsein-
       heitsorientierung. Zweifellos  wird das  Zusammengehen  der  ver-
       schiedenen betrieblichgewerkschaftlichen  Linksgruppen durch eine
       aktive Bündnispolitik  der DKP  in den anderen außerparlamentari-
       schen Bewegungen  und in  der Wahlbündnisdiskussion  erleichtert.
       Ähnlich scheint  das Beispiel des "Betrieblich-Alternativen Bünd-
       nisses" (BAB)  in Bremen  - ein Zusammenschluß von fortschrittli-
       chen betrieblichen  Vertretern als  Kern eines  Wahlbündnisses  -
       eine große  Ausstrahlung bundesweit auf das oppositionelle Milieu
       zu haben.
       
       III.4 Zusammenfassung
       ---------------------
       
       In der starken Zunahme linksoppositioneller Listen werden soziale
       Strukturveränderungen im Kern der Arbeiterklasse und neue politi-
       sche Differenzierungen in einem Teil des betrieblichen Kaders re-
       flektiert. Insbesondere der für die erste Phase charakteristische
       Typ von Listen basiert auf dem Aufgreifen der spezifischen Inter-
       essen und  Vertretungsprobleme des stark angestiegenen Ausländer-
       anteils in  der materiellen  Großproduktion und generell der Pro-
       bleme von Nichtfacharbeiter-Gruppen, die in den betrieblichen Or-
       ganen unterrepräsentiert sind. 30) Als Sprachrohr dieser sozialen
       Gruppen erwiesen sich politisch sensibilisierte Kerne.
       Der zweite  Typ der Listen hat als politischen Hauptausgangspunkt
       den Bruch  mit der alten Sozialpartnerschaftspolitik, die den Er-
       fordernissen einer  Interessenvertretung in  der Krise nicht mehr
       gerecht wird. Diese Listen stützen sich in weitaus stärkerem Maße
       auf einen neuen Typ junger gewerkschaftlicher Aktivisten, den die
       gewerkschaftlichen Kämpfe  der 70er Jahre und die gewerkschaftli-
       che Bildungsarbeit  geprägt haben;  er rebelliert  nun gegen  die
       Blockade sozialpartnerschaftlicher "Fürsten" und betrachtet dabei
       den innergewerkschaftlichen  Weg der  Ablösung  als  aussichtslos
       oder zu langwierig. Durch den schnellen Erfolg vieler Listen wird
       diese Tendenz verstärkt. Politisch ist dieser Typ von Listen häu-
       fig linkssozialdemokratisch  orientiert und  kann seine Basis bis
       weit in  die deutsche  Stammbelegschaft und damit auch in den be-
       trieblich-gewerkschaftlichen Kern  hinein  erweitern.  Dies  sind
       auch die einzigen Listen (bei HDW und bei Hoechst), die einen re-
       levanten Wählerkreis  unter den  Angestellten erschließen  und zu
       deren Trägern auch Angestellte gehören.
       Zahlreiche Kader  der oppositionellen Listen rekrutieren sich aus
       Intelligenz-Angehörigen, die  schon mit starker politischer Moti-
       vation in  den Betrieb gegangen sind, und aus anderen Gruppen mit
       einem hohen  allgemeinen Bildungsniveau. Dies ermöglicht eine oft
       beachtliche öffentliche Darstellungsfähigkeit der oppositionellen
       Gruppen. In  erster Linie  über diese  Kader vermitteln  sich die
       Orientierungen der  politischen Strömungen, die in diesem Bereich
       wirken.
       Zugleich zeigt  das soziale  und politische Profil der Kader, daß
       sie in hohem Maße die in den neuen sozialen Bewegungen virulenten
       sozialen Bedürfnisse  thematisieren.  Dazu  gehören  Fragen  nach
       Selbstbestimmung in stark bürokratisierten Großorganisationen wie
       den DGB-Gewerkschaften,  nach den  Bedingungen, unter denen gear-
       beitet wird,  nach dem  gesellschaftlichen Bedarf  für die produ-
       zierten Gebrauchswerte  und ökologischen  Folgen usw.  Dies  sind
       Tendenzen, die in vielen Sektoren der Gewerkschaftsbewegung, ins-
       besondere unter den jüngeren Aktivisten, heute sichtbar sind, die
       aber aufgrund  enger sozialer  und politischer Wechselbeziehungen
       zwischen dem  betrieblich-gewerkschaftlichen oppositionellen  Mi-
       lieu und  den neuen sozialen Bewegungen hier konzentriert und oft
       in radikal formulierter Form auftreten. 31)
       Die Erfolge  der linksoppositionellen Listen machen Ablösungspro-
       zesse von  einer Sozialpartnerschaftspolitik öffentlich sichtbar;
       sie geben noch keine Perspektive für die Bewältigung der betrieb-
       lichen und  gewerkschaftlichen Kampfanforderungen. In der Heraus-
       bildung eines oppositionellen Milieus über die Listen hinaus zei-
       gen sich  Keimformen von Klassenbewußtsein, die auf der gegenwär-
       tigen Entwicklungsstufe  allerdings aufbrechende betriebliche und
       innergewerkschaftliche Konflikte  zu Fraktionierungen  und  nicht
       zur Einheit  treiben und  die sich  stark betriebssyndikalistisch
       ausdrücken.
       Die im  oppositionellen Milieu sich vollziehenden Bewußtseinspro-
       zesse werden  von den  politisch-ideologischen  Konzeptionen  der
       dort gezielt  agierenden politischen  Kräfte beeinflußt,  d.h. in
       erster Linie von linkssozialistischen, trotzkistischen und links-
       sektiererischen (ehemals  maoistischen) Gruppen;  sie können Iso-
       lierungsund Spaltungstendenzen  verfestigen. Die  Frage  ist,  ob
       sich dieses  Milieu (zu dem ja durch die Konflikte selbst ständig
       Neupolitisierte gestoßen  werden) nur  unter dem  Einfluß  dieser
       Kräfte entwickelt  oder  ob  die  klassenbewußten,  marxistischen
       Kräfte eine  auf die  übergreifenden  Klasseninteressen  bezogene
       Ausrichtung und vor allem die Orientierung auf einheitliches Han-
       deln vermitteln können.
       
       IV. Neue Probleme im Kampf um gewerkschaftliche Autonomie
       ---------------------------------------------------------
       und Einheit
       -----------
       
       BR-Wahlen wirken wie Seismographen. Auch wenn es Erfolge linksop-
       positioneller Listen  quantitativ nur  in  einem  kleinen  Sektor
       selbst der  Großbetriebe gibt,  besitzen sie doch große Ausstrah-
       lungskraft und  Beispielwirkung. Sie zeigen insgesamt eine beach-
       tenswerte neue  politische Tendenz innerhalb des Kerns der Arbei-
       terklasse.
       Wenn diese Radikalisierung den Kernbereich der gewerkschaftlichen
       Organisation erreicht, bekommt die Entwicklung eine ungleich grö-
       ßere Dynamik.  Die Entstehung  der "Aktiven Metaller" auf der HDW
       deutet dies  an. Die  Herausbildung eines oppositionellen Milieus
       in manchen  gewerkschaftlichen Bereichen mit sozialpartnerschaft-
       licher Dominanz weist in dieselbe Richtung. Eine bewußtere Ableh-
       nung sozialpartnerschaftlicher  Politik in  einigen Sektoren  der
       Einzelgewerkschaften, durch  Funktionärsstäbe  und  selbst  durch
       Führungsgruppen zeigt,  daß dieser  Prozeß nicht nur an der Basis
       wirksam ist.
       Die Bedeutung  oppositioneller Kerne an der Basis liegt trotz ih-
       rer Minderheitsposition  in ihrer  überdurchschnittlichen Aktivi-
       tät, Qualifikation, Radikalität und Konsequenz im Handeln, so daß
       sie bei  der Auslösung und Forcierung von betrieblichen und poli-
       tischen Bewegungen oft eine Initiativrolle übernehmen. Da vor al-
       lem in  Handlungssituationen die Chance besteht, daß die Kämpfen-
       den neue politische Orientierungen annehmen, ist es entscheidend,
       wer bei  den Initiativkräften  politisch präsent  ist. Oppositio-
       nelle Kerne mit der geschilderten politischen Zusammensetzung hat
       es neben  den Kommunisten und anderen klassenorientierten Kräften
       immer gegeben. In der Situation erhöhten Orientierungsbedarfs für
       die Entwicklung  von Gegenwehr in der Krise gewinnt dieser Faktor
       größere Bedeutung.
       Die Geschichte  der Arbeiterbewegung  kennt zahlreiche Belege für
       die Gefahr,  daß sich einzelne radikalisierte Teile der Arbeiter-
       klasse isolieren.  Selbst wenn  die Radikalisierung innerhalb der
       Arbeiterklasse zum  Massenphänomen wird wie gegen Ende der Weima-
       rer Republik, besteht die Aufgabe einer Klassenpolitik darin, das
       Kräfteverhältnis und das Bewußtseinsniveau in der gesamten Arbei-
       terklasse zu  analysieren und  auf die  Einheit aller  Teile  und
       Strömungen zu  orientieren, die  vor allem die sozialdemokratisch
       dominierten Massenorganisationen  einschließen muß. Ein Grundfeh-
       ler der RGO-Politik dieser Periode lag im Überwiegen einer ultra-
       linken Spontaneität, indem begrenzte Erfahrungen und die in Teil-
       bereichen radikalen,  keineswegs für die Gesamtheit der Arbeiter-
       klasse repräsentativen  Bewußtseinsformen zum  Ausgangspunkt  für
       Strategie und Organisationsmodelle gemacht wurden. 32) Solche Er-
       fahrungen haben auch heute Bedeutung.
       Es wäre falsch, bei der Analyse der Ablösungsprozesse von Sozial-
       partnerschaftspolitik in  wenigen, wenngleich  wichtigen Sektoren
       zu übersehen,  daß die vorherrschende Tendenz im Massenbewußtsein
       nach wie  vor eine Sozialpartnerschaft auf niedrigerem Niveau ak-
       zeptiert und  sich politische  Polarisierungsprozesse verstärken.
       Klassenpolitik muß in Strategie und Taktik so elastisch sein, daß
       eine Aufnahme der spontanen Impulse und neuen politischen Zugänge
       in die Lernprozesse aller aktiven Kräfte in der Arbeiterbewegung,
       in die Totalität der Klassenerfahrungen möglich ist und nicht die
       politische Fraktionierung gefördert wird.
       Einige Gesichtspunkte  gewerkschaftlicher Klassenpolitik 33) sol-
       len hervorgehoben werden:
       - Autonome Politik  beginnt mit  dem entschlossenen  Kampf in den
       Betrieben. Solche  Gegenwehr wird, wie die Abwehrkämpfe der letz-
       ten Jahre  zeigen, mit  den staatsmonopolistischen Strukturen auf
       allen  Ebenen   konfrontiert.  Um  eine  betriebssyndikalistische
       Einengung zu  vermeiden, müssen Forderungen auf allen Kampfebenen
       einschließlich der  politisch-staatlichen entwickelt  und auf die
       Mobilisierung der  meist brachliegenden  Kampfkraft der  gesamten
       gewerkschaftlichen Organisation orientiert werden.
       - Über die  Intensivierung der gewerkschaftlichen Ausländerarbeit
       wird zwar  seit dem eigenständigen Auftreten von Ausländergruppen
       in den  Streiks 1973  diskutiert. Eine entscheidende Verbesserung
       ohne politische  Schranken hat  sich jedoch bisher nicht durchge-
       setzt. Durch  die mit der Krise aktualisierten und von rechts ge-
       zielt geschürten  ausländerfeindlichen Stimmungen  gewinnt  diese
       Frage an Brisanz.
       - Gerade durch  die linksoppositionellen Gruppen wurden neue Kon-
       fliktfelder wie  betrieblicher Datenschutz,  ökologische Probleme
       etc., auf denen sich in hohem Maße neue soziale Bedürfnisse arti-
       kulieren, schon  sehr früh im betrieblich-gewerkschaftlichen Rah-
       men des Kerns der Arbeiterklasse thematisiert. Für die klassenge-
       werkschaftlichen Kräfte ist ein profilierteres Engagement zu die-
       sen Problemen  wichtig, um ein Zusammengehen mit den neuen sozia-
       len Bewegungen zu erleichtern.
       - Probleme der innergewerkschaftlichen Demokratie und Bedürfnisse
       nach Formen direkter Demokratie haben größeren Stellenwert gewon-
       nen.  Prinzipien   der   Arbeiterbewegung   wie   "Einheit"   und
       "Disziplin" werden  anders bewertet. Während für die ältere Gene-
       ration solche  Werte auch aus eigenem Klassenerlebnis heraus sehr
       stark emotional  besetzt sind, werden sie in der jüngeren Genera-
       tion mehr  rational "hinterfragt", zumal diese Prinzipien oft als
       Legitimationsformeln für  sozialpartnerschaftliche Politik dienen
       mußten.
       Ein geringerer  Stellenwert solcher  gewerkschaftlichen Werte ist
       bei wichtigen  personellen Trägergruppen der linksoppositionellen
       Listen wie den sich aus der Intelligenz rekrutierenden Kadern und
       den Ausländern festzustellen. Dies erfordert eine intensivere in-
       haltliche Begründung  gewerkschaftlicher Einheit,  zugleich  aber
       auch hohe  Sensibilität gegenüber  allen Einschränkungen innerge-
       werkschaftlicher Demokratie  und administrativem  Vorgehen  gegen
       kritische Kräfte.
       Nach Ansicht  der Kommunisten  gehört der  Kampf um  innergewerk-
       schaftliche Demokratie  zu den  Prinzipien einer  Politik der ge-
       werkschaftlichen Einheit  und Autonomie. "Nur durch die Sicherung
       eines demokratischen  Willensbildungsprozesses und  die Einbezie-
       hung aller Mitglieder unabhängig von ihrer politischen Zugehörig-
       keit kann  ein Höchstmaß  an Erfahrungen  mobilisiert werden  und
       wirkliche Einheit  in der  Aktion entstehen.  Dies ist zweifellos
       eine wichtige  Voraussetzung für eine autonome Gewerkschaftspoli-
       tik." 34)
       Kommunistische Gewerkschafter  haben deshalb  gegen jede  admini-
       strative Ausgrenzung  von Mitgliedern nach politischen Zugehörig-
       keitskriterien ebenso  Stellung bezogen  wie gegen  Versuche  der
       Formalisierung innergewerkschaftlicher Demokratie nach Proporzge-
       sichtspunkten. 35)  Die Zunahme  linksoppositioneller Listen wird
       von den Kommunisten unter anderem darauf zurückgeführt, "daß oft-
       mals sozial-partnerschaftlich  orientierte Betriebsratsmitglieder
       ihre Funktionen  als 'Erbhöfe'  betrachten und neue vorwärtsdrän-
       gende und  kritische Gewerkschaftsmitglieder entgegen einheitsge-
       werkschaftlichen Prinzipien von der Willensbildung ausschließen."
       36) Die  Hauptkraft aller kritischen Gewerkschafter bei der Über-
       windung sozialpartnerschaftlicher  Konzepte und Mehrheiten sollte
       sich auf  den gewerkschaftlichen  VK richten, um eine Aufspaltung
       der gewerkschaftlichen  Kräfte zu  verhindern. Aus  diesem Grunde
       halten die Kommunisten gewerkschaftliche Einheitslisten, also den
       demokratisch legitimierten  entscheidenden Einfluß des VK auf die
       Aufstellung der Kandidaten, für den besten Weg.
       Die Verteidigung  des Prinzips der gewerkschaftlichen Einheitsli-
       ste darf  aber nicht  zu einer Isolierung von den Kräften führen,
       die eine  sozialpartnerschaftliche Praxis  mit anderen  Konzepten
       der Listenbildung  überwinden wollen. Dies schließt ein, daß Aus-
       schluß und  administratives Vorgehen der Vorstände abgelehnt wer-
       den. 37)
       Träger und  Basis  der  linksoppositionellen  Listen  können  zum
       großen Teil  für eine  kämpferische Gewerkschaftspolitik  mobili-
       siert werden.  Die Untersuchung der IG Metall über Oppositionsli-
       sten in Westberlin schlußfolgert: "Der größte Teil der Wähler und
       Unterstützer der  linken Oppositionslisten ist gewerkschaftliches
       Potential, das  auf aktivere Gegenwehr gegen die Folgen von Krise
       und Rationalisierung drängt und wieder für die IG Metall gewonnen
       werden muß." 38)
       Es wird  in erster  Linie von  der gewerkschaftlichen Politik und
       den Kämpfen  der nächsten Zeit abhängen, ob dies gelingt. Politi-
       sche Differenzierungsprozesse  werden sich  im nächsten  Zeitraum
       eher verstärken,  gerade angesichts  der bevorstehenden Auseinan-
       dersetzungen um die 35-Stunden-Woche. Bei den BR-Wahlen 1984 kann
       dies die  Ablösung  sozialpartnerschaftlicher  BR-Mehrheiten  be-
       schleunigen.
       
       _____
       1) Hier kann  an die  Überlegungen im  Beitrag von  Heinz Jung in
       diesem Band angeknüpft werden.
       2) Vgl. zur Spezifik gewerkschaftlicher Politikbestimmung und der
       Problematik politisch-ideologischer Strömungen ausführlicher Gert
       Hautsch/Klaus  Pickshaus,  Klassenautonomie  und  Einheitsgewerk-
       schaft -  Zur gewerkschaftlichen Klassenpolitik heute, in: Marxi-
       stische Studien.  Jahrbuch des IMSF 3, Frankfurt 1980, S. 98 ff.,
       insbesondere S. 108-113.
       3) Nach einer  empirischen Untersuchung setzen sich durchschnitt-
       lich 70  Prozent der Verwaltungsstellenvorstände und Tarifkommis-
       sionen aus  BR-Mitgliedern zusammen.  Vgl. Hermann  Kotthoff, Zum
       Verhältnis von Betriebsrat und Gewerkschaft. Ergebnisse einer em-
       pirischen Untersuchung,  in: Joachim  Bergmann (Hrsg.),  Beiträge
       zur Soziologie  der Gewerkschaften,  Frankfurt 1979,  S. 298-323,
       hier S.  300. Die unteren und mittleren gewerkschaftlichen Struk-
       turen werden  erheblich von  ihnen beeinflußt.  In einer  Verwal-
       tungsstelle der  IG Metall wie Stuttgart mit ca. 108 000 Mitglie-
       dern üben  die BR-Vorsitzenden  der drei Konzernbetriebe Daimler-
       Benz Untertürkheim  (15000 Mitglieder), Daimler-Benz Sindelfingen
       (33000 Mitglieder) und Bosch (7500 Mitglieder) den entscheidenden
       Einfluß aus.
       4) Vgl. den Bericht über wichtige Ergebnisse empirischer Untersu-
       chungen zum Arbeiterbewußtsein während der Krise in: Josef Esser,
       Gewerkschaften in der Krise, Frankfurt 1982, S. 196-219.
       5) Regelmäßige Analysen  und Berichte über einzelne Betriebe fin-
       den sich  in den  von Otto Jacobi/Walther Müller-Jentsch/Eberhard
       Schmidt  herausgegebenen  "Kritischen  Gewerkschaftsjahrbüchern",
       insbesondere in  denen der  Jahrgänge  1973,  1975,  1978/79  und
       1981/82; bis  1975 Frankfurt/Main,  danach Westberlin.  Zurückge-
       griffen wurde  ferner  auf  Gewerkschaftsveröffentlichungen,  die
       Zeitschriften "Nachrichten"  und "Arbeiterkampf"  und die  Veröf-
       fentlichung    des    Instituts    der    deutschen    Wirtschaft
       "gewerkschaftsreport". Bis heute gibt es keine repräsentative so-
       zialwissenschaftliche  Untersuchung  dieser  Entwicklungen.  1979
       verfaßte Bodo  Zeuner für  die IG  Metall eine  Untersuchung, die
       sich auf  Westberlin beschränkt  und nicht  veröffentlicht wurde:
       "Ursachen gewerkschaftlicher  Einbrüche bei  der Betriebsratswahl
       1978. Auswertung  einer Analysekonferenz  der IG Metall Berlin im
       Auftrag der  Verwaltungsstelle Berlin".  Vgl. hierzu: Der Gewerk-
       schafter 7/79,  S. 19/20.  Hier auch ein gekürzter Auszug aus den
       abschließenden Thesen B. Zeuners.
       6) Zu den  statistischen Angaben  vgl. Gewerkschaftliche  Monats-
       hefte 11/1981,  S. 650ff.;  IG Metall  (Vorstand), Ergebnisse der
       Betriebsratswahlen 1975,...  1978,... 1981, (Frankfurt) o.J.; ei-
       gene Berechnungen.
       7) Zu den  verschiedenen Generationengruppen innerhalb der Arbei-
       terklasse vgl. den Beitrag von Heinz Jung in diesem Band.
       8) Dies belegt  eine Untersuchung  des  Instituts  der  deutschen
       Wirtschaft  im  Auftrag  der  Unternehmerverbände.  Vgl.  gewerk-
       schaftsreport, Köln,  Dezember 1981.  Die Untersuchung zu den BR-
       Wahlen 1981  wurde von den Gewerkschaften als eine Form der poli-
       tischen Aushorchung kritisiert.
       9) Das BetrVG  sieht beide Wahlmöglichkeiten vor, begünstigt aber
       die Listenwahl dadurch, daß, sobald eine weitere Gruppe neben der
       DGB-Gewerkschaft einen  Listenvorschlag einreicht, dieses Verfah-
       ren - auch Verhältniswahl genannt - Anwendung findet. Bei Persön-
       lichkeitswahlen -  auch Mehrheitswahlen genannt - entscheiden die
       Wähler nach der Anzahl der Stimmen unmittelbar, welche Kandidaten
       gewählt sind.
       10) Die politische  Differenzierung ist  aus der Untersuchung des
       Instituts der  deutschen Wirtschaft ersichtlich, bei der nach der
       parteipolitischen  Zugehörigkeit   von  BR-Vorsitzenden   gefragt
       wurde. Allerdings  sind die Ergebnisse mit der gebotenen Vorsicht
       zu bewerten, die sich aus dem erwähnten Charakter der Umfrage er-
       gibt.
       Die Tabelle  verdeutlicht, daß insbesondere die BR vieler Großbe-
       triebe sozialdemokratisch  "regiert" werden,  wobei  dies  nichts
       über die  gewerkschaftspolitische Differenzierung  aussagt.  Auch
       der Anteil der "Linken" liegt in den größeren Betrieben etwas hö-
       her (unter  "alte" Linke  faßt das  Unternehmerinstitut die DKP).
       Nach Parteibindungen an die Grünen ist nicht gefragt worden.
       
       Parteipolitische Zugehörigkeit der Betriebsratsvorsitzenden
       - differenziert nach Betriebsgrößen -
       
       Betriebsgröße  CDU/  SPD  F.D.P.  "Alte  "Neue"  keine Mit-
                      CSU                Linke" Linke   gliedschaft 1)
                      Pro-  Pro- Pro-    Pro-   Pro-    Pro-
                      zent  zent zent    zent   zent    zent
       
          5-  49      1,6    7,0   0,0    0,8    0,8     89,8
         50-  99      3,7    6,1   0,4    0,4    0,3     89,1
        100- 499      2,2   16,2   0,1    0,3    0,1     81,1
        500-1999      2,7   33,8   0,0    1,4    0,8     61,3
       2000-7999      4,5   42,7   0,0    0,9    0,7     51,2
       8000 und mehr  0,9   48,1   0,0    1,1    0,7     49,2
       insgesamt      2,6   26,6   0,1        1,1        69,6
       _____
       1) bzw. nicht bekannt oder keine Angaben.
       Quelle: Reinhard Jühe/Horst-Udo Niedenhoff/Wolfgang Pege, Gewerk-
       schaften in der Bundesrepublik Deutschland, Köln 19822, S. 198.
       
       11) IG Metall (Vorstand), Ergebnisse der Betriebsratswahlen 1981,
       a.a.O., S. 25; eigene Berechnungen.
       12) Bei Opel Bochum, wo 1978 eine CDA-Liste sieben Sitze erringen
       konnte, wurde  die Gruppe 1981 unter Anerkennung ihrer Proporzan-
       sprüche in die IG Metall-Liste reintegriert.
       13) So bildete  sich erstmals  eine "Arbeitsgemeinschaft der CDU-
       Gewerkschafter im  DGB". Ein  ähnlicher Vorstoß  1977 war  damals
       noch in  der HBV untersagt worden. Bisherige parteipolitische Zu-
       sammenschlüsse  von   CDU-Gewerkschaftern  waren  im  Rahmen  der
       "Sozialausschüsse" geblieben.  Vgl. Frankfurter  Rundschau v. 13.
       November 1982.
       14) Beispiel einer solchen politischen Polarisierung sind die BR-
       Wahlen 1978  bei Opel  Rüsselsheim: Nachdem es 1975 einer auf den
       VK sich  stützenden Gruppe von linken Sozialdemokraten, Parteilo-
       sen und  Kommunisten gelungen  war, die  sozialpartnerschaftliche
       Koalition von  rechten Sozialdemokraten, CDA-Mitgliedern und DAG-
       Vertretern abzulösen,  bildete sich  1978 aus  der alten Mehrheit
       eine Liste "Alternative 78" mit rechten Sozialdemokraten und CDU-
       Vertretern, die  jedoch nur vier Sitze erringen konnte (gegenüber
       40 für  die IGM-Liste).  Die Sanktionen  der IG  Metall gegenüber
       dieser rechten Liste beschränkten sich auf Funktionsverbote.
       15) IG  Metall  (Vorstand),  Ergebnisse,  der  Betriebsratswahlen
       1975, a.a.O., S. 12.
       16) Der Wahlmodus  einer gewerkschaftlichen  Einheitsliste  durch
       den VK  bei Opel  Rüsselsheim (über  30 000 Beschäftigte) für den
       Fall des  Nichtzustandekommens  einer  Persönlichkeitswahl  sieht
       folgendermaßen aus: Die Kandidaten werden von VI in den Betriebs-
       bereichen ausgewählt  und von  der VKL  in alphabetischer Reihen-
       folge zusammengestellt.  Diese Liste  wird dann wieder in den Be-
       reichen diskutiert. Aus den daraus resultierenden Vorschlägen er-
       stellt die  VKL einen  "Nominierungsvorschlag", der,  nachdem  er
       wiederum in  den Bereichen diskutiert ist, von der Vertrauensleu-
       tevollversammlung verabschiedet  wird. Dieses Verfahren wurde von
       der IG  Metall als  beispielhaft propagiert. Vgl. Metall-Extra v.
       25. Februar 1981.
       Zur Entwicklung  bei Opel  Rüsselsheim vgl. Dietmar Düe/Jörg Hen-
       trich, Krise  der Automobilindustrie - Das Beispiel des Multi Ge-
       neral Motors/Opel AG, Informationsbericht des IMSF Nr. 35, Frank-
       furt 1981, S. 109-114.
       17) Zu diesen  Wechselwirkungen im sozialen und politischen Groß-
       stadtmilieu vgl. die Analyse von Lothar Bading, Beispiel Hamburg:
       Soziale Bewegungen  - politische Strömungen und Verallgemeinerun-
       gen -  Wahlen, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF  5,
       Frankfurt 1982, S. 107 ff.
       18) Zur Entwicklung  der plakat-Gruppe  vgl. Peter Grohmann/Horst
       Sackstetter (Hrsg.), plakat, Westberlin 1979, und die "Kritischen
       Gewerkschaftsjahrbücher" 1973,  S.  43  ff.,  1975,  S.  72  ff.,
       1978/79, S. 96 ff., 1981/82, S. 130 f.
       19) Zur Entwicklung der GOG vgl. ebenda 1975, S. 49-58.
       20) Vgl. Cristian  Kuls, Erfolge  von Ausländerlisten bei VDO und
       Adler, Frankfurt a.M., in: ebenda, 1978/79, S. 121 ff.
       21) Vgl. Heinz Günter Lang, Gewerkschaftsausschlüsse in Hoechst -
       Die IG  Chemie statuiert  ein Exempel,  in:  ebenda  1977/78,  S.
       176ff.
       22) Vgl. ebenda 1981/82, S. 138ff.
       23) Vgl. ebenda, S. 134 ff.
       24) Vgl. hierzu  Grohmann/Sackstetter (Hrsg.), plakat, a.a.O., S.
       112 ff.  sowie Jörg  Hofmann, Personalinformationssysteme, Frank-
       furt 1982, S. 44 ff.
       25) Vgl. Jochen  Sonn, Auf der Suche nach alternativer Industrie-
       arbeit, in:  Kritisches Gewerkschaftsjahrbuch 1981/82, a.a.O., S.
       58 ff. J. Sonn ist BR-Mitglied bei Daimler-Benz.
       26) Vgl. hierzu den aufschlußreichen Bericht von Dieter Marcello,
       einem  ehemaligen   BR-Mitglied  bei   Daimler-Benz,  in:   Groh-
       mann/Sackstetter, plakat,  a.a.O., S.  112-120. Marcello:  "Nicht
       nur die  Diskussion über einen Einzelfall, sondern jeder Versuch,
       kollektive Interessen  der Belegschaft mit dem Unternehmer zu re-
       geln, ist für eine Gruppe zwiespältig, die wie plakat immer Oppo-
       sition war, immer parteilich, die nie versucht hat, objektiv oder
       im Interesse  der Sache den Kompromiß vor das Ziel zu setzen" (S.
       118).
       27) Im Juni  1983 fand z.B. eine bundesweite "Metaller-Konferenz"
       in Frankfurt  statt, auf  der Kollegen  aus besetzten  Betrieben,
       Vertreter linksoppositioneller  BR-Listen und  andere über Gegen-
       wehr bei  Arbeitsplatzvernichtung diskutierten.  Vgl. den Bericht
       in: Nachrichten 7/1983, S. 28.
       28) Dies zeigen  Gert Hautsch  und Bernd  Semmler am Beispiel der
       Frankfurter Betriebskämpfe in ihrem Beitrag in diesem Band.
       29) Die Versuche  der GAL in Hamburg, sich zum politischen "Dach"
       einer alternativen  Werftenkonferenz anzubieten, wurden zurückge-
       wiesen. Stattdessen wurde die "Memorandum-Gruppe" in Bremen gebe-
       ten, sich als Träger zur Verfügung zu stellen.
       30) Diese Schlußfolgerung  wird auch  durch Bodo Zeuners Untersu-
       chung der  BR-Wahlen in  Westberlin 1978  bestätigt. Vgl. Der Ge-
       werkschafter 7/1979, S. 20.
       31) Diese Tendenzen  hat Witich  Roßmann ausführlich  analysiert.
       Vgl. ders., Arbeiterklasse, soziale Bedürfnisse und gewerkschaft-
       liche Politik,  in: Marxistische  Studien. Jahrbuch  des IMSF  5,
       Frankfurt 1982, S. 42 ff.
       32) Vgl. hierzu  Georg Fülberth, Zur historischen Entwicklung der
       marxistischen  Gewerkschaftstheorie,  in:  Marxistische  Studien.
       Jahrbuch des  IMSF 3/1980, S. 96. Ebenso Lothar Peter, Überlegun-
       gen zur  Analyse der  RGO-Politik am  Ende der Weimarer Republik,
       in: Frank Deppe/Willi Gerns/Heinz Jung (Hrsg.), Marxismus und Ar-
       beiterbewegung, Frankfurt 1980, S. 40 ff.
       33) Zur  Bestimmung  gewerkschaftlicher  Klassenpolitik  generell
       vgl. Gert Hautsch/Klaus Pickshaus, Klassenautonomie und Einheits-
       gewerkschaft..., a.a.O.
       34) Ludwig Müller/Klaus  Pickshaus, Aktuelle  Probleme  der  Ein-
       heitsgewerkschaft  und   gewerkschaftlicher  Klassenpolitik,  in:
       Deppe/Müller/Pickshaus/Schleifstein, Einheitsgewerkschaft.  Quel-
       len - Grundlagen - Probleme, Frankfurt 1982, S. 40.
       35) Instrument  einer   Ausgrenzung  sind  z.B.  die  sogenannten
       "Unvereinbarkeitsbeschlüsse" in  vielen  DGB-Gewerkschaften,  die
       sich in erster Linie gegen maoistische Gruppen richteten. Auf dem
       11. ord. Gewerkschaftstag der IG Druck und Papier, Augsburg 1977,
       wurde mit  Erfolg u.a.  von Manfred  Balder dagegen argumentiert,
       daß die Anwendung des Organisationskriteriums statt eines konkre-
       ten Praxiskriteriums  für den Gewerkschaftsausschluß Manipulatio-
       nen weiten  Spielraum läßt  und dem  Prinzip der  Einheitsgewerk-
       schaft widerspricht.  Vgl. Protokoll  des Gewerkschaftstages,  S.
       443/4.
       36) Ludwig Müller/Klaus Pickshaus, a.a.O., S. 41.
       37) Die DKP-Betriebsgruppe  auf der HDW erklärte in ihrer Zeitung
       "Werft-Echo" zur Einleitung von Verfahren der IG Metall gegen die
       "Aktiven Metaller":  "Ausschlußverfahren würden die gewerkschaft-
       liche Kraft unterminieren und nicht erhöhen. Die betroffenen Kol-
       leginnen und  Kollegen sind zum größten Teil als Betriebsräte und
       als IG  Metall-Vertrauensleute von ihren Kolleginnen und Kollegen
       gewählt, um  aktiv und  konsequent deren Interessen zu vertreten.
       Gewerkschaftsausschlüsse und  Funktionsverbote treffen also nicht
       nur die  Gemaßregelten, sondern  insbesondere auch deren Kollegen
       in den Werkstätten und Büros."
       38) Der Gewerkschafter 7/1979, S. 20.
       

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