Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       UMBRUCHPERIODE UND ZUKUNFT DER GEWERKSCHAFTEN
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       Klaus Pickshaus
       
       1. Umbruchsituation  und Zukunftsdiskussion - 2. Klassen- und So-
       zialstrukturveränderungen und  neue Organisationsprobleme der Ge-
       werkschaften -  2.1. Soziale Umschichtungen in der Arbeiterklasse
       - 2.2. Die Zielgruppen der Angestellten - 2.3. Neue Anforderungen
       an die  Gewerkschaftspolitik -  3. Betrieb  oder Reproduktionsbe-
       reich als  Basis gewerkschaftlicher  Arbeit? -  3.1. Verliert der
       Betrieb an  Bedeutung? -  3.2. Neue Organisationsformen im Repro-
       duktionsbereich und die Erneuerung gewerkschaftlicher Betriebspo-
       litik - 4. Gewerkschaftszukunft und politische Perspektiven
       
       1. Umbruchsituation und Zukunftsdiskussion
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       Nahezu alle  Analysen, die sich in den letzten Jahren mit der Si-
       tuation und Perspektive der Gewerkschaften beschäftigten, rückten
       die grundlegenden Veränderungen ihrer Handlungsbedingungen in den
       Mittelpunkt. Politikmuster,  die dem Modell eines prosperierenden
       Kapitalismus verhaftet  blieben, wurden  zunehmend in  Frage  ge-
       stellt. Es  wurde auch  offensichtlich, daß  die  einschneidenden
       Veränderungen nicht  nur durch  zyklische Krisenprozesse bedingt,
       sondern mit  einem "Epochenwechsel  von einer ungewöhnlich langen
       Periode der relativen kapitalistischen Prosperität und Stabilität
       zu einer  längeren Stagnations- bzw. Depressionsperiode des Kapi-
       talismus verbunden  sind". 1)  Diese neuen  Konstellationen,  die
       sich seit  Mitte der  70er Jahre  abzeichnen, bestimmen  auch die
       Ausgangslage für den nächsten überschaubaren Zeitraum.
       Mit diesem  Wandel sind Merkmale eines neuen Entwicklungstyps des
       Kapitalismus erkennbar  geworden, der  in der Diskussion als pri-
       vatmonopolistische Entwicklungsvariante des SMK bezeichnet wurde.
       2) Dabei  geht es im Kern um einen neuen monopolistischen Akkumu-
       lationstyp unter  der Bedingung  eines wachsenden Internationali-
       sierungsgrades und  des Wirksamwerdens der wissenschaftlich-tech-
       nischen Revolution.  Bei der  Durchsetzung dieses  Kurses besitzt
       die weltmarktorientierte Modernisierungsstrategie eine Schlüssel-
       rolle.
       Die Auswirkungen  dieser bereits  unter der SPD/FDP-Regierung be-
       triebenen, durch die konservative Regierung aber rigoros forcier-
       ten Entwicklung  für die  Arbeiterklasse und  ihre Gewerkschaften
       sind gravierend.  Zu Recht wird schon heute von einem Umbruch des
       Produktions- und  gesamten Produktivkraftsystems gesprochen, des-
       sen Dimensionen  erst in  den nächsten Jahrzehnten - insbesondere
       für die  gewerkschaftliche Organisationskraft und Handlungsfähig-
       keit - vollends absehbar sind. Mit der breiten Anwendung elektro-
       nischer, informationsverarbeitender Technologien werden nicht nur
       manuelle Arbeitsfunktionen, sondern zunehmend auch geistige, spe-
       ziell informationsverarbeitende Funktionen auf technische Systeme
       und Maschinen  übertragen, wodurch  sich die Anforderungen an die
       Beschäftigten und  die Proportionen zwischen den einzelnen beruf-
       lichen und  Qualifikationsgruppen rasch verändern. Dies beschleu-
       nigt die  Umstrukturierung im  gesellschaftlichen  Gesamtarbeiter
       mit dem  breiten Wachstum  höher und  hochqualifizierter  Lohnar-
       beitskräfte und  Gruppen der  lohnabhängigen Mittelschichten bzw.
       Intelligenz; zugleich  werden unter  kapitalistischen Bedingungen
       die Tendenzen  der Freisetzung  und Entwertung  lebendiger Arbeit
       und Arbeitskraft verstärkt und so die Existenzbedingungen der ar-
       beitenden Klasse verschlechtert.
       Der Umbruch des Produktions- und Produktivkraftsystems, der durch
       die Modernisierung  vorangetrieben wird,  bewirkt neben  den  Um-
       schichtungen in der Klassenstruktur massive Tendenzen der sozial-
       strukturellen Polarisierung,  die durch den zyklischen Krisenpro-
       zeß noch verschärft werden.
       Vertreter des Kapitals und der Konservativen knüpfen an diese Um-
       brüche in Produktion, Klassenstruktur und Lebensweise der Lohnab-
       hängigen Hoffnungen auf eine generelle Schwächung gewerkschaftli-
       cher Gegenmacht. Ihre strategischen Konzepte zielen nicht nur auf
       eine repressive  Einschränkung von  Gewerkschaftsrechten, sondern
       auf eine  Aushöhlung kollektiver Schutzrechte durch Flexibilisie-
       rung und  Deregulierung von  Normalarbeitsverhältnissen  und  Ar-
       beitszeiten. Die  Auseinandersetzung mit  diesen Plänen ist nicht
       nur ein zentrales tarifpolitisches Konfliktfeld geworden, wie die
       Arbeitskämpfe um die 35-Stunden-Woche 1984 belegten, sondern auch
       der staatlichen Politik. 3) Es verbindet sich mit dem Konflikt um
       ein weiteres  Ziel konservativer Strategie: dem Abbau und repres-
       siven Umbau des Systems der Sozialleistungen.
       Es zeigt  sich, daß  die Durchsetzung  der privatmonopolistischen
       Entwicklungsvariante des  staatsmonopolistischen Kapitalismus mit
       einer starken  Änderung der Verteilungsproportionen und damit ei-
       ner Schwächung  der Gewerkschaften verknüpft wurde, um damit auch
       Positionsgewinne für  die Arbeiterklasse insbesondere aus der Re-
       formphase Anfang  der 70er  Jahre wieder zu liquidieren. Mit wel-
       cher Rigorosität  und Reichweite  diese Entwicklungsvariante  zum
       Tragen kommt, hängt allerdings in erster Linie vom jeweiligen po-
       litischen Hegemonietypus und den Käfteverhältnissen ab.
       Zweifellos zeigt  ein Vergleich hochentwickelter kapitalistischer
       Länder ähnliche  Symptome einer Defensive oder "Krise der Gewerk-
       schaften", die  aus den  generellen Umbruchs- und Krisenprozessen
       resultieren. 4)  Dazu zählen die Schrumpfung ihrer traditionellen
       Organisationsbasis, Mitgliederverluste (allerdings mit großen na-
       tionalen Unterschieden),  die bescheideneren Resultate oder sogar
       Niederlagen im betrieblichen und gewerkschaftlichen Kampf und ge-
       werkschaftspolitische Polarisierungen,  die  Auseinandersetzungen
       um Neuorientierungen und Anpassungen an die veränderten Bedingun-
       gen signalisieren. Einige Autoren prognostizieren hieraus - nicht
       zum ersten Mal in der Geschichte - einen strukturellen Niedergang
       oder das Ende der Gewerkschaftsbewegung überhaupt. 5)
       Doch trotz  ähnlicher struktureller  Veränderungen wird die aktu-
       elle und  zukünftige Machtposition  der  Gewerkschaften  national
       sehr unterschiedlich von den jeweils dominierenden klassenpoliti-
       schen Orientierungen der herrschenden Blocks gegenüber den Arbei-
       terbewegungen der  einzelnen  Länder  beeinflußt.  Dies  wiederum
       hängt mit  den verschiedenen "Machtblockkonstellationen", den un-
       terschiedlichen politischen  Hegemonietypen, zusammen.  Zwar  hat
       sich in den meisten Ländern ein an Angebotspolitik und Monetaris-
       mus orientierter  Austeritätskurs in der Wirtschafts- und Sozial-
       politik durchgesetzt;  dennoch variieren  die  klassenpolitischen
       Strategien gegenüber den Gewerkschaften von einer harten Konfron-
       tationslinie à  la Thatcher  bis zu den widerspruchsvollen Versu-
       chen der  französischen sozialistischen Regierung, ähnliche wirt-
       schaftspolitische Ziele  bei Aufrechterhaltung  des sozialen Kon-
       senses zu  realisieren. Im  Vergleich mit  Großbritannien und den
       USA blieb  der konservative  Kurs in  der BRD eher gebremst, auch
       wenn 1984  im Arbeitszeitkonflikt  auf eine scharfe Konfrontation
       zu den Gewerkschaften gesetzt wurde. 6)
       Obwohl heute  für die Wirksamkeit der "geistig-moralischen Wende"
       deutliche Grenzen sichtbar werden, kann doch nicht übersehen wer-
       den, daß im Massenbewußtsein der Lohnabhängigen nach wie vor Ten-
       denzen von  Verunsicherung, existenziellen  Ängsten und Desorien-
       tierungen wirken, wie sie durch jede gesellschaftliche Umbruchsi-
       tuation hervorgerufen werden - zumal bei einer gleichzeitigen be-
       drohlichen Zuspitzung  globaler Probleme (vor allem Bedrohung des
       Friedens). Solche Tendenzen sind natürlich auch eine Reaktion auf
       das Scheitern  der sozialdemokratisch  geführten Bundesregierung,
       auf die Nichtrealisierung ihrer Versprechungen.
       Die konservative  ideologische Offensive  in den  letzten  Jahren
       reagierte auf  diese Konstellation,  indem sie sich als Kraft der
       Erneuerung und  des Bruchs zur "Gegenwartsmisere" zu präsentieren
       und zugleich  das Feld  der positiven  Zukunftsvorstellungen  von
       rechts zu besetzen versuchte. Kern solcher konservativer Konzepte
       ist die  Vorstellung, durch  eine forcierte  Modernisierung unter
       privatmonopolistischer Dominanz  den Übergang  zur "Informations-
       gesellschaft" zu  beschleunigen, in  der  Zukunftsindustrien  und
       Informationstechnologien bestimmend  sind und  zu deren Ordnungs-
       prinzipien Dezentralisierung,  Individualisierung und  Flexibili-
       sierung gehören  sollen. Anknüpfend an gewachsene soziale Bedürf-
       nisse nach  Selbstbestimmung und  Selbstverwirklichung  wird  die
       Realisierung solcher  Ziele auf  dem Wege  einer Flexibilisierung
       der  Arbeitsverhältnisse  versprochen,  und  das  heißt  im  kon-
       servativen Konzept  vor allem:  Unterlaufen und  Durchbrechen von
       "starren"  kollektiv-vertraglichen  Regelungen.  Insofern  zielen
       diese Konzepte auf den Lebensnerv der Gewerkschaften, nämlich auf
       die allgemeine  Schutzwirkung tarifvertraglicher und gesetzlicher
       Festlegungen.
       Die Auswirkungen  der Umbruch-  und Krisenprozesse  haben die Ge-
       werkschaften in  allen hochentwickelten  kapitalistischen Ländern
       in den  letzten Jahren  so beschäftigt,  daß ihre politischen und
       organisatorischen Kapazitäten vollauf in Anspruch genommen waren.
       Wie Frank Deppe pointiert zusammenfaßt, stehen die Gewerkschaften
       derzeit nicht  an der Spitze eines "zukunftsorientierten Blocks",
       "der sich  theoretisch und praktisch in die Auseinandersetzungen,
       in die  Perspektiven gesellschaftlicher  Entwicklungen  einschal-
       tet". 7)
       Die Notwendigkeit  gewerkschaftlicher Diskussionen  über die  Zu-
       kunftsperspektiven ergibt  sich - so Deppe - aus drei Gründen 8):
       Erstens produziert  die Krisen-  und Umbruchsituation völlig neue
       Problemstellungen, zweitens muß der konservativen Zukunftskonzep-
       tion, die  auf eine reaktionäre Massenmobilisierung setzt, begeg-
       net werden,  und drittens muß die Frage nach dem Zukunftsoptimis-
       mus aus  der Perspektive der Arbeiterbewegung positiv beantwortet
       werden -  im Sinne  einer Verknüpfung der gegenwärtigen Verteidi-
       gungskämpfe mit  einer mobilisierenden Perspektive. Zukunftshoff-
       nungen und -erwartungen der Massen können zu Triebkräften der ge-
       sellschaftlichen Entwicklung  werden. 9)  Deshalb stellt sich für
       die Marxisten in der Zukunftsdiskussion die Aufgabe - darauf wies
       Heinz Jung  hin -,  das "Neue  im Denken  und Fühlen der Menschen
       (zu) erkunden",  die "neue(n) Bedürfnisse und Themen aufzugreifen
       und diese  zu einem theoretischen und politisch-ideologischen Ge-
       samtkonzept zu vermitteln." 10)
       Die Bewegung  für die 35-Stunden-Woche hatte eine breitere Thema-
       tisierung  von  gewerkschaftspolitischen  Fragen  gefördert,  und
       zugleich hatte  der Arbeitskampf  1984 Probleme  der  zukünftigen
       Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften deutlicher gemacht. Bei ei-
       nem beträchtlichen  Teil der  Mitglieder und  Funktionäre ist die
       Einsicht gewachsen,  daß der  Weg aus der Defensive auch über die
       Entwicklung neuer  Modelle und Inhalte gewerkschaftlicher Politik
       führen muß.  Dies hat  zu ersten Ansätzen einer Orientierungsdis-
       kussion geführt,  die z.T.  vorerst nur "obere Funktionärsetagen"
       erfaßt, zum  Teil aber  auch - etwa im Rahmen einer Diskussion um
       die geplante  analytisch-programmatische Aussage  der  IG  Metall
       "Projekt 2000"  zum Gewerkschaftstag  1986 -  breitere Kreise der
       aktiven Mitglieder einbeziehen könnte. 11)
       Die Diskussionen  berühren unter  anderem zwei  Komplexe: Erstens
       die Probleme  der zukünftigen Handlungspotentiale, die sich durch
       die Konsequenzen  aus dem Umbruch von Produktion und Sozialstruk-
       tur stellen  und Fragen  neuer Kampfformen  und  Modelle  gewerk-
       schaftlicher Arbeit  einschließen. Zweitens das Problem der stra-
       tegischen Reaktion  der Gewerkschaften  auf die sozialen Fraktio-
       nierungsprozesse innerhalb  der lohnabhängig  Beschäftigten,  der
       Schwierigkeiten einer Vereinheitlichung und Entwicklung autonomer
       Gegenmacht.
       
       2. Klassen- und Sozialstrukturveränderungen und
       -----------------------------------------------
       neue Organisationsprobleme der Gewerkschaften
       ---------------------------------------------
       
       Sozialstrukturelle  Umschichtungen  vollziehen  sich  über  lange
       Zeiträume. Ihre  Brisanz  für  die  Organisationsentwicklung  und
       Handlungsfähigkeit der  Gewerkschaften wird  in zugespitzten Kon-
       flikt- und Kampfsituationen am deutlichsten: So erwiesen sich die
       hochorganisierten Kerngruppen  der Industriearbeiterschaft im Ar-
       beitskampf 1984 als stabile Träger der Streiks; im Unterschied zu
       einigen Arbeitskämpfen  der 70er Jahre waren Angestellte hingegen
       nur in  Ausnahmefällen einbezogen.  Im Angestelltenmilieu  fanden
       die Unternehmer  die Hauptansatzpunkte  für die Organisierung von
       Streikbruch -  in Zeitungsbetrieben unter Nutzung der neuen Tech-
       niken oft sehr wirkungsvoll. 12)
       Für die  Gewerkschaften aktualisierten diese Erfahrungen das Pro-
       blem, welche  neuen Sektoren  der  Lohnabhängigen  und  möglichen
       neuen Schlüsselgruppen  im technologischen Prozeß gewonnen werden
       müssen, um handlungs- und d.h. auch arbeitskampffähig zu bleiben.
       Damit ist  auch die  Frage aufgeworfen,  mit welcher Dynamik sich
       die weiteren Umbrüche im Produktivkraftsystem und in der Klassen-
       struktur vollziehen  werden und wie das soziale Profil der Arbei-
       terklasse an der Schwelle zum 21. Jahrhundert aussehen wird. 13)
       
       2.1. Soziale Umschichtungen in der Arbeiterklasse
       -------------------------------------------------
       
       Mit Sicherheit  kann man davon ausgehen, daß die Trag- und Reich-
       weite sich schon vollziehender sozialstruktureller und volkswirt-
       schaftlicher Umschichtungen  in den  nächsten 15  Jahren vollends
       sichtbar werden  und sich  die gewerkschaftlichen  Organisations-
       und Handlungsbedingungen damit radikal verändern. Die wichtigsten
       Trends sollen kurz skizziert werden:
       - Schon in  den letzten eineinhalb Jahrzehnten zeichnete sich ab,
       daß Kernbereiche  der gewerkschaftlich hoch organisierten und ak-
       tiven Arbeiterklasse  schrumpften. Dies  trifft insbesondere  auf
       die Krisenbranchen  der Stahlindustrie  und der  Werften zu. Auch
       wenn sich  dort der  Beschäftigungsrückgang in Zukunft nicht mehr
       so dramatisch  fortsetzen wird,  rückt schon  jetzt eine mögliche
       neue Krisenbranche  ins Blickfeld,  die zu einem Schlüsselbereich
       der bundesdeutschen  Wirtschaft und  einer der kampfstärksten Ba-
       stionen der  IG Metall  geworden ist: die Automobilindustrie. 14)
       In der  Entwicklung dieses  Industriezweiges werden  sich in  den
       nächsten Jahren  sowohl die Bündelung von verkehrs-, energie- und
       umweltpolitischen Problemen  als auch  der starke Druck der Welt-
       marktkonkurrenz und  der hierdurch beschleunigten technologischen
       Umstrukturierung niederschlagen,  so daß  ein  massiver  Arbeits-
       platzabbau nicht ausgeschlossen werden kann.
       - Ein immer  größeres wirtschaftliches  Gewicht - jedoch nicht in
       Hinsicht einer Beschäftigungsausdehnung - erhalten die "Zukunfts-
       industrien" -  so die  Elektronik-, Luft-  und Raumfahrtindustrie
       und  auch   die  Chemieindustrie.   Hier  setzt  sich  ein  neuer
       Belegschaftstypus mit  relativ hohem  Qualifikationsniveau durch,
       der sich u.a. in einem Überwiegen von Angestelltentätigkeiten mit
       hohem Anteil  an  wissenschaftlich-technischer  Intelligenz  aus-
       drückt. 15)  In der  Regel ist  in diesen  Betrieben der  gewerk-
       schaftliche Organisationsgrad  außerordentlich niedrig,  oder  es
       können sich  auf der Grundlage einer relativ privilegierten Stel-
       lung dieser Gruppen korporativistische und sozialpartnerschaftli-
       che Orientierungen  halten. Dabei  setzen sich  diese  volkswirt-
       schaftlichen Umschichtungen über regionale Disproportionen durch:
       Während  auf   der  einen  Seite  traditionelle  Industriereviere
       (Ruhrgebiet, Saarland) von den Krisenprozessen besonders hart be-
       troffen sind,  expandieren neue  Zentren mit  einer Mischung  aus
       Spitzenindustrien und Dienstleistungssektoren (z.B. München).
       - Schon in den 70er Jahren hat der Strukturwandel zu einem erheb-
       lichen Bedeutungsgewinn der privaten Dienstleistungen und vor al-
       lem des  Staates geführt. Auf dieser Basis sind vor allem die An-
       gestellten- und Beamtengruppen der Arbeiterklasse, die lohnabhän-
       gigen Mittelschichten  und  die  Intelligenz  stark  angewachsen.
       Diese Umschichtungsprozesse  werden sich  fortsetzen,  wenngleich
       auch hier  der Krisen-  und Rationalisierungsdruck  wirkt und die
       Entwicklung der  staatlichen Dienstleistungen, also vor allem der
       notwendige Ausbau der sozialpolitischen Apparate des Staates, da-
       von abhängen  wird, ob  sich ein anderer Entwicklungstyp des SMK,
       also etwa  ein etatistisch-reformistischer, durchsetzt. Im priva-
       ten Dienstleistungsbereich,  zum Teil  auch in  Bereichen der Zu-
       kunftsindustrien, nehmen Klein- und Mittelbetriebe weiter zu, und
       zugleich wächst  unter dem zunehmenden Druck der Massenarbeitslo-
       sigkeit der Bereich der "Schattenwirtschaft", zu dem auch die al-
       ternativen Kleinbetriebe  und Projekte gehören und in dem gewerk-
       schaftliche Normen  und Vertretungen  bisher kaum  Platz gefunden
       haben.
       - Auch wenn  die Produktivkraftentwicklung  einen höheren  Anteil
       qualifizierter  Lohnarbeiter   fordert  und  sich  Tendenzen  der
       "Professionalisierung der  industriellen Arbeit" und "Verankerung
       von Produktionsintelligenz"  abzeichnen 16),  so wird  dies unter
       dem Diktat  kapitalistischer Verwertungsinteressen  immer nur für
       Teilbereiche gelten,  und es  werden sich  gleichzeitig Tendenzen
       der Polarisierung  und Segmentierung  der  Qualifikationsentwick-
       lung, der Belegschaftsstrukturen (Stamm- und Randgruppen) und des
       Arbeitsmarktes verstärken. Die Flexibilisierungsstrategie des Ka-
       pitals dient  ja gerade  dem Vorantreiben und der Nutzung solcher
       Segmentierungen. Zugleich  werden immer  größere Teile der Arbei-
       terklasse einer  Marginalisierung, ja sogar Pauperisierung unter-
       worfen. Das  Hauptproblem bleibt der Anstieg der Massenarbeitslo-
       sigkeit. Lag  der Arbeitslosensockel zu Beginn der letzten zykli-
       schen Krise 1980 bis 1983 bei fast 900 000, so wird der Ausgangs-
       sockel bei  dem zu erwartenden neuen Konjunktureinbruch schon bei
       über 2  Millionen (registrierten)  Arbeitslosen liegen. Zudem hat
       sich der  Anteil der Dauerarbeitslosen (1 Jahr und mehr) auf fast
       33% erhöht (im Ruhrgebiet über 40%). In dieser Entwicklung zeigen
       sich die  zugespitzten Gefahren von Widersprüchen und Fraktionie-
       rungen innerhalb  der Arbeiterklasse,  die das  gewerkschaftliche
       Gegenmachtpotential auch  in den prosperierenden Bereichen ernst-
       haft gefährden.
       - Die Umschichtungen  innerhalb der  Arbeiterklasse, die  mit der
       Ausweitung der  Lohnarbeit generell einhergingen, werden zu einer
       weiteren  rapiden   Verschiebung   der   Proportionen   Arbeiter/
       Angestellte unter allen Lohnabhängigen führen. In der Zunahme von
       Angestelltentätigkeiten widerspiegeln  sich Umverteilungsprozesse
       aus dem  Bereich der  Produktion in  die  Bereiche  der  Leitung,
       Kontrolle, Verwaltung, der Zirkulation und Distribution sowie die
       zunehmenden Staatsaktivitäten  für gesellschaftliche Reproduktion
       und Herrschaftssicherung.  Verteilten sich  1971 noch die Lohnab-
       hängigen auf fast 55% Arbeiter, 36% Angestellte und 9% Beamte, so
       werden 1985/86 erstmals die Angestellten die größte Gruppe bilden
       und im  Jahr 2000  möglicherweise über  53% aller  Lohnabhängigen
       ausmachen (gegenüber nur noch ca. 33% Arbeitern und ca. 13% Beam-
       ten). 18)  Angestellte und  Beamte werden dann zwei Drittel aller
       Lohnabhängigen stellen;  1958 besaßen  die  Arbeiter  noch  einen
       Zweidrittelanteil an allen Lohnabhängigen.
       Die Angestellten  werden somit schon unter quantitativen Aspekten
       zum entscheidenden zukünftigen Rekrutierungsfeld der Gewerkschaf-
       ten. Dabei  ist dieses  Feld in sich sehr heterogen. Schließt man
       die kleine bourgeoise Gruppe (Manager etc.) aus, so umfaßt es Ar-
       beiterklassengruppen in  der Industrie,  dem Handel  und privaten
       Dienstleistungen, dem  Staatssektor usw.  ebenso wie  die Mittel-
       schichtengruppen, darunter inbesondere die wissenschaftlich-tech-
       nische Intelligenz. Von zentraler Bedeutung ist, daß nicht nur im
       Handel,  sondern   auch  in   vielen  Büroberufen   eine   starke
       "Feminisierung" sichtbar ist und heute schon 53% der Angestellten
       Frauen sind.  Der weitaus  größte Teil  der Angestellten, die zur
       Arbeiterklasse zählen, sind Frauen.
       
       2.2. Die Zielgruppen der Angestellten
       -------------------------------------
       
       Die Gewinnung  der Angestelltengruppen  ist  zu  einem  zentralen
       Thema gewerkschaftlicher  Diskussion und  damit auch  politischer
       Kontroversen geworden,  in denen  über künftige  Inhalte und  den
       Charakter der  Interessenvertretung  mitentschieden  wird.  Zuge-
       spitzt formulierte Siegfried Bleicher, Mitglied des geschäftsfüh-
       renden Bundesvorstandes  des DGB:  "Die Organisationsreserve  der
       Angestellten muß gehoben werden, wenn die deutsche Gewerkschafts-
       bewegung politisch  überleben will. Das derzeitige Organisations-
       verhältnis zwischen  Arbeitern und Angestellten im DGB entspricht
       der Beschäftigungsstruktur des Jahres 1954." 19)
       Ein Rückblick auf die große Wachstumsphase der DGB-Gewerkschaften
       in den  70er Jahren und die Dynamik der einzelnen Sektoren zeigt,
       daß den größten Anteil an der Zunahme der Gewerkschaftsmitglieder
       von 6,7  Millionen 1970 auf 7,7 Millionen 1983 zwei Gruppen stel-
       len: die  Angestellten und  - sich  damit  überschneidend  -  die
       Frauen. Während die Zuwachsrate aller Mitglieder (der DGB-Gewerk-
       schaften) in  diesem Zeitraum 15% betrug, belief sie sich bei den
       Angestellten auf 73% und bei den Frauen auf 60%. Die Angestellten
       erhöhten damit  ihren Anteil  an allen Mitgliedern von 15% (1970)
       auf 22% (1984), die Frauen von 15% (1970) auf 22% (1984). Dennoch
       kann dies keineswegs schon als großer Durchbruch gewertet werden.
       Die Organisationsquoten  sind nach  wie vor außerordentlich nied-
       rig: Bei  den Frauen  betrug der gewerkschaftliche Organisations-
       grad 1981 18%, bei den Angestellten 1984 18% (im Vergleich Arbei-
       ter ca.  50%, DGB  generell 33%). 20) Dabei liegt der Organisati-
       onsgrad der  weiblichen Angestellten  mit 13% erheblich unter dem
       der Männer  (23% 1984).  Noch niedriger ist der Organisationsgrad
       bei vielen  Gruppen der lohnabhängigen Intelligenz: Generell kann
       er auf  15% geschätzt  werden, wobei Ingenieure mit 18% nach oben
       und Ärzte mit 4-5% nach unten abweichen (höher ist er bei den Be-
       amtengruppen der Lehrer mit 28% und den Journalisten mit über 30%
       in der dju). 21)
       Der in sich heterogene Sektor der Angestelltenberufe ist also ge-
       werkschaftlich noch kaum durchdrungen. Der Organisationsgrad etwa
       der HBV  innerhalb des  privaten Dienstleistungsbereiches (fast 4
       Millionen Beschäftigte)  beträgt im  Durchschnitt  nach  wie  vor
       nicht mehr  als 10%.  Generell sind  über 7 Millionen Angestellte
       nicht organisiert;  etwa 500 000 sind Mitglieder der DAG. Berück-
       sichtigt werden  muß allerdings auch, daß fast 5 Millionen Arbei-
       ter unorganisiert sind.
       Die Ausgangslage  für eine Gewinnung dieser Organisationsreserven
       in den  nächsten 10  bis 15  Jahren ist  kompliziert. Die  großen
       Steigerungsraten der 70er Jahre, insbesondere während der Reform-
       phase 1969  bis 1974,  sind abgeflacht. Die Mitgliederentwicklung
       der DGB-Gewerkschaften  insgesamt ist seit 1982 rückläufig (1982-
       1984: Minus  297000), die  der Angestellten  stagnierte  erstmals
       1984, Krisenprozesse  und verstärkte  Rationalisierung im  Handel
       und insgesamt im Bürobereich wirken sich hier auch zunehmend aus.
       Gerade solche  Krisen- und Umbruchprozesse wurden aber in gewerk-
       schaftlichen Prognosen  zur Mitgliederentwicklung  nicht  berück-
       sichtigt. Eine  1975 erarbeitete  Vorausschau erwartete  für  das
       Jahr 1985   9  Millionen Mitglieder  der DGB-Gewerkschaften.  22)
       Real waren es Ende 1984 7,66 Millionen. Grundlage dieser Fehlein-
       schätzung war  die Annahme,  daß die  "Aufschwungphase" zu Beginn
       der 70er Jahre für die Gewerkschaften anhalten und neben stabilen
       Mitgliederzuwachsraten im  produzierenden Gewerbe das überpropor-
       tionale Wachstum  im staatlichen  und privaten Dienstleistungsbe-
       reich sich fortsetzen würde.
       Zweifellos wäre  es ebenso  falsch, umstandslos  die gegenwärtige
       Defensivsituation  der   Gewerkschaften   in   die   Zukunft   zu
       "verlängern". Wie die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung zeigt,
       gibt  es  neben  kontinuierlichen  Organisationstrends  ebenfalls
       "große Wellen". Die Einleitung einer solchen neuen Organisations-
       welle hängt  in erster  Linie von  der hegemonialen Kapazität der
       Gewerkschaften ab,  also  von  ihrer  Fähigkeit,  angesichts  der
       Strukturveränderung in  der Arbeiterklasse,  der Veränderungen im
       Arbeitsprozeß und  der neuen  Segmentierungsformen nicht  nur den
       Status quo  zu verteidigen  und sich  auf eine korporativistische
       Interessenvertretung eingrenzen  zu lassen, sondern die aktuellen
       Verteidigungskämpfe mit  einer mobilisierungsfähigen  Perspektive
       zu verbinden. Die Erarbeitung einer solchen Perspektive setzt die
       Beantwortung der  Frage voraus,  "welche alternativen Modelle des
       Wachstums, der  Organisation der Arbeits- und Lebensverhältnisse,
       der sozialen  und kulturellen  Entwicklungsmöglichkeiten der Men-
       schen" die  Gewerkschaften der  konservativen Antwort auf die Um-
       bruchsituation entgegensetzen. 23)
       In dem  Maße, wie  dies gelingt  und die Gewerkschaften neue Aus-
       strahlungskraft als "Hoffnungsträger" gewinnen können, wird nicht
       nur die Verankerung solcher gewerkschaftlichen Wertorientierungen
       wie Solidarität in den neuen Sektoren der Lohnabhängigen erleich-
       tert,  sondern  es  werden  zugleich  die  Bedingungen  für  eine
       "demokratische Wende" verbessert.
       Die Intensivierung  gewerkschaftlicher "Angestelltenarbeit" - so-
       weit man überhaupt diesen einheitlichen Begriff gebrauchen kann -
       wird von  der starken  Differenzierung dieser sozialstatistischen
       Gruppierung auszugehen  haben, die  durch sehr heterogene sozial-
       ökonomische Verhältnisse (hoher Staatsanteil, viele Kleinbetriebe
       bzw. kleine  Arbeitseinheiten) geprägt  wird.  Deshalb  ist  eine
       klare Bestimmung  der  wichtigen  Zielgruppen  (Großbetriebe  des
       Handels, Techniker und Ingenieure, EDV-Spezialisten usw.) für die
       gewerkschaftliche Arbeit  wichtig. Zu  ihnen gehören die geringer
       qualifizierten, in unteren Einkommensgruppen eingestuften und zu-
       meist weiblichen Angestellten (60%, das sind über 3 Millionen der
       weiblichen Angestellten,  verdienten 1982  netto weniger als 1400
       DM im  Monat) ebenso  wie die wachsende Zahl höher qualifizierter
       technischer Angestellter  bis zu  den lohnabhängigen  Gruppen der
       Intelligenz. Die  Zahl der Hoch- und Fachhochschulabsolventen ist
       von 1,4  Millionen 1970 auf ca. 2,4 Millionen 1984 sprunghaft ge-
       wachsen, wobei etwa 80% zu den Lohnabhängigen zu rechnen sind und
       rd. 50%  im Staatssektor arbeiten. Schon aus dieser quantitativen
       Sicht, aber  insbesondere aufgrund  der wachsenden  Bedeutung der
       Intelligenzgruppen für  den Produktions-  und Reproduktionsprozeß
       gewinnt ihre Organisierung erheblich an Gewicht.
       Neben der Differenzierung nach einzelnen Zielgruppen ist für eine
       gewerkschaftliche Einflußnahme  die Beachtung  der Spezifika  des
       sozialpsychologischen Profils  und der  Bewußtseinsstrukturen der
       Mehrzahl der Angestelltengruppen wichtig. Solche Unterschiede zur
       traditionellen Organisationsbasis der Arbeiter ergeben sich nicht
       nur aus  der Tradition  oder "Mentalitätsdispositionen",  sondern
       finden ihre  Basis in  den gegenüber  dem Arbeiterbereich  unter-
       schiedlichen Arbeitsbedingungen und drücken hiermit solche Fakto-
       ren aus  wie die  erst formelle Subsumtion weiter Angestelltenar-
       beitsbereiche unter das Kapital, die vielfältigen Verbindungen zu
       und Überschneidungen mit Angehörigen der Gegenklasse und der Mit-
       telschichten in  der Arbeit.  Gegenüber einem  antagonistisch und
       durch kollektive Solidarität geprägten Weltbild bei Arbeitern ist
       für Angestellte  eine mehr individualistische, konkurrenzgeprägte
       und funktionalistische  Sichtweise typisch.  24) Das formale Bil-
       dungsniveau ist  generell höher,  entwickelte soziale Bedürfnisse
       sind insbesondere bei den jüngeren Generationsgruppen ausgeprägt.
       Die Prägung  durch die  außerbetriebliche Sphäre  ist intensiver,
       und das  Verhältnis zur  Gewerkschaft ist kaum emotional, sondern
       eher durch rationales Kalkül bestimmt. Bewegungen und Aktivitäten
       zur Wahrnehmung  gesellschaftlicher Reproduktionsbedürfnisse  der
       letzten Jahre  (Bürgerinitiativen z.B.)  rekrutierten sich  über-
       durchschnittlich stark  aus den  jüngeren Angestelltengruppen der
       Arbeiterklasse und  der lohnabhängigen Mittelschichten (vor allem
       aus dem  Sozial- und  Bildungsbereich). Auch wenn es sich bei den
       Aktiven in  der Regel erst um Minderheiten im gesamten Angestell-
       tenmilieu handelt,  werden hier  doch wichtige  neue Zugänge auch
       für gewerkschaftliches  Bewußtsein und Organisationsmöglichkeiten
       sichtbar.
       Sollten  dies   charakteristische  Trends   für  das  Profil  des
       "Arbeitnehmers des  Jahres 2000"  sein, so  ergeben sich nach der
       Meinung Franz  Steinkühlers, des  zweiten Vorsitzenden der IG Me-
       tall, wichtige Schlußfolgerungen für die Gewerkschaftsarbeit: "Es
       wird schwieriger  sein, diesen  neuen  Arbeitnehmertypus  gewerk-
       schaftlich zu organisieren. Sein politisches Verhalten orientiert
       sich weniger  an traditionellen Bindungen, sondern mehr an intel-
       lektuellen Überzeugungsprozessen.  ... Hier  sind neue Formen der
       gewerkschaftlichen Ansprache notwendig. Diese Arbeitnehmer gewin-
       nen wir hauptsächlich über den Kopf und über die alltägliche kon-
       krete Erfahrung des Nutzens gewerkschaftlicher Arbeit." 25)
       Es ist vorauszusehen, daß ein entscheidendes Feld, auf dem in den
       nächsten Jahren  über die  zukünftige politische  Orientierung in
       den Gewerkschaften  entschieden wird, die Auseinandersetzung über
       die Inhalte  und Anlage  der "Angestelltenarbeit"  sein wird. Die
       hierbei schon  aufgebaute Scheinalternative,  ob eine weitere ge-
       werkschaftliche Rekrutierung  sich an  "progressiven  Avantgarde-
       gruppen" oder  am demoskopischen  Meinungsdurchschnitt von  Ange-
       stellten zu  orientieren habe,  zielt allerdings  unverhohlen auf
       ein Konzept  der "Entideologisierung"  und "Entpolitisierung" der
       Gewerkschaftsarbeit. 26)
       Da die  Gewinnung von Mitgliedern in den neuen Sektoren noch kein
       alltäglicher Routinevorgang  ist, verbindet sich dies für die Be-
       teiligten mit  einer  intensiveren  Aneignung  gewerkschaftlicher
       Grundsätze und  Wertorientierungen. Hieraus resultieren - wie die
       Entwicklung der  HBV zeigt  - häufig kritische Impulse zur Formu-
       lierung klassenorientierter Positionen und zur Aufnahme neuer so-
       zialer Bedürfnisse in die Aktivitäten. 27)
       Für eine  neue Organisationsoffensive  ist nach Lorenz Schwegler,
       Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der HBV, die kon-
       zentrierte Orientierung auf die "Inhaber betrieblicher Schlüssel-
       funktionen" sowie die "betrieblichen Meinungsträger und Multipli-
       katoren" unerläßlich.  28) Inhaltlich sind drei Gesichtspunkte zu
       beachten:
       1. Insbesondere für  qualifizierte Angestelltengruppen sind nicht
       punktuelle Einzelforderungen,  sondern das  Sichtbarmachen  eines
       politischen Gesamtkonzeptes  der Gewerkschaften Voraussetzung für
       die Mobilisierung.  Die Erfahrungen der 35-Stunden-Bewegung bele-
       gen -  so Schwegler -, daß isolierte, "ökonomistische" Begründun-
       gen nicht  ausreichen, sondern  die Entwicklung der Forderung als
       "notwendiger Baustein eines ingesamt überzeugenden Konzeptes" ge-
       gen die  Wendepolitik erforderlich  ist. Nur  politische  Gewerk-
       schaften könnten  die "betrieblichen  Meinungsführer der Zukunft"
       gewinnen. 29)
       2. Da bei Teilen der Angestellten eine relative Zufriedenheit mit
       Einkommens- und  Arbeitszeitbedingungen vorherrscht,  sind Fragen
       des Inhalts  und der  Bedingungen der eigenen Tätigkeit, also in-
       haltliche Ansprüche  an die Arbeitsgestaltung sowie Befürchtungen
       der Einschränkung  von Selbstbestimmungsmöglichkeiten durch tech-
       nologische Kontrollsysteme  wichtige Ansatzpunkte.  Daneben  sind
       die Interessen  an Beratung  und Rechtsschutz  durch die  Gewerk-
       schaften eigenständige Motive für die Organisation. Bei zunehmen-
       der Arbeitslosigkeit,  Leistungsdruck und  Blockierung  von  Auf-
       stiegschancen erhöht  sich die Erwartung an die gewerkschaftliche
       Schutzfunktion.
       3. Angesichts der  Durchdringung des  gesamten Sektors  von Ange-
       stelltentätigkeiten mit  den neuen  Informationstechnologien  ge-
       winnt die  gewerkschaftliche Reaktion hierauf Schlüsselcharakter.
       Über die  Abwehr einzelner  negativer Folgen hinaus wird die Ent-
       wicklung von  Alternativen, etwa  von Konzeptionen  neuer Gestal-
       tungsforderungen zur Arbeitsorganisation und Software-Gestaltung,
       ein wichtiger  Schritt zur  Gewinnung der hier tätigen Angestell-
       ten. Hier konkretisiert sich das zunehmende Bedürfnis nach Alter-
       nativ-und Zukunftsentwürfen,  die der kapitalistisch-profitorien-
       tierten Logik  eine reale  Handlungsmöglichkeit der Beschäftigten
       entgegensetzen. 30)
       Gerade an  der letzten  Frage wird  deutlich, daß für die gewerk-
       schaftliche Angestelltenarbeit die Mobilisierung des fachspezifi-
       schen Wissens, des Sachverstandes derjenigen, die wie die Techni-
       ker, Ingenieure,  Beschäftigten in  den  EDV-Abteilungen  an  den
       "Systementwicklungen" beteiligt  sind, zu einer zentralen Aufgabe
       wird. Dabei müssen die gewerkschaftlichen Organisationsstrukturen
       in der Weise verändert werden, daß für diese beruflich-fachspezi-
       fischen sowie  konzeptionellen Aktivitäten  eigene Spielräume und
       Initiativmöglichkeiten -  etwa in Technologie-Arbeitskreisen, In-
       genieurarbeitskreisen, gewerkschaftlichen Konversionsgruppen etc.
       - entstehen  und zugleich vermieden wird, daß ein neues überzoge-
       nes Fachgruppenprinzip  zu Partikularismus und Entsolidarisierung
       zwischen den  einzelnen Mitgliedergruppen  führt. 31)  Die  lange
       Entwicklungsgeschichte der  Mediengewerkschaft demonstriert,  mit
       welchen Schwierigkeiten  ein solches Zusammenwirken von Arbeiter-
       klassegruppen und  Gruppen der  Mittelschichten  und  Intelligenz
       (Redakteure, Journalisten, Schriftsteller usw.) konfrontiert ist.
       Sie belegt  andererseits auch die Überfälligkeit organisationspo-
       litischer Reaktionen  der Gewerkschaften  auf die vom Kapital ge-
       setzten neuen Handlungsbedingungen.
       Jede Diskussion  über die  Zukunft gewerkschaftlicher Interessen-
       vertretung und  Organisationspolitik wäre verfehlt, die nicht die
       Realität der  zunehmenden "Feminisierung  der  Lohnarbeit"  ernst
       nähme. 32)  Auch in  der Krise  ist die Frauenerwerbsquote stabil
       geblieben (1983: 38,9%). Sie liegt besonders hoch in den modernen
       Zentren mit  großem Gewicht  des tertiären  Sektors. Zwei Drittel
       aller Frauen arbeiten im Handels- und Dienstleistungsbereich. Die
       Mehrheit der  weiblichen  Erwerbstätigen  sind  inzwischen  Ange-
       stellte (1970:  35,2%, 1981:  52,7%). Allerdings  existieren hier
       Segmentierungslinien,  die   die  traditionell   verfestigte  ge-
       schlechtsspezifische Benachteiligung  ausdrücken. 70% der weibli-
       chen Angestellten sind in an- und ungelernten Beschäftigungen tä-
       tig, und  über 30%  aller erwerbstätigen  Frauen haben eine Teil-
       zeitarbeit, die  auf den  Handels- und Dienstleistungssektor kon-
       zentriert ist  (über 80%).  Da offensichtlich auch durch die ver-
       suchte Aufwertung  konservativer Frauenleitbilder  die Anspruchs-
       haltung der  Frauen auf  Erwerbstätigkeit nicht  gebrochen werden
       kann, zielen  die Konzepte  des Kapitals  in erster Linie auf die
       Flexibilisierung der  Frauenarbeitsplätze, d.h. vor allem auf die
       Ausweitung nicht  und unzureichend  abgesicherter Beschäftigungs-
       verhältnisse.
       Es liegt  auf der  Hand, daß hiermit nicht nur ein Kreis spezifi-
       scher Probleme  der Frauen-  und Angestelltenarbeit, sondern eine
       Kardinalfrage zukünftiger  autonomer und einheitlicher Handlungs-
       fähigkeit der  gesamten Gewerkschaftsbewegung  angesprochen wird.
       Die Abwehr einer weiteren Flexibilisierung der Beschäftigungsver-
       hältnisse (insbesondere  der Heimarbeit), die Durchsetzung besse-
       rer kollektiver  Schutznormen sowie  der Kampf  gegen sexistische
       Diskriminierungsformen werden  zu vordringlichen Aufgaben der Ge-
       werkschaften.  Der  Anspruch  der  Frauen  auf  gesellschaftliche
       Gleichstellung wird  sich darüber  hinaus in  zunehmendem Maße in
       Forderungen nach  bewußter und  gezielter Bevorzugung  von Frauen
       beim Zugang zum Erwerbssystem ausdrücken, d.h., es geht nicht nur
       um positive  Frauenförderungsmaßnahmen,  sondern  um  Forderungen
       nach einer  Quotierung von  qualifizierten Ausbildungs-  und  Ar-
       beitsplätzen. 33)  Dies wird  zweifellos auch Folgen für das bis-
       lang patriarchalisch  strukturierte "Innenleben" der Gewerkschaf-
       ten selbst besitzen müssen.
       Es wurde  schon auf die großen Mitgliederzuwachsraten der vergan-
       genen 15  Jahre und zugleich auf die immensen unerschlossenen Re-
       serven hingewiesen;  das deutet  die Chancen  und Dimensionen zu-
       künftiger gewerkschaftlicher Frauenarbeit an. Die gewerkschaftli-
       che Frauenbewegung hat zudem eine initiierende Rolle bei der The-
       matisierung neuer sozialer Bedürfnisse, der Vermittlungsforderun-
       gen von  Produktions- und Reproduktionssphäre und der persönlich-
       keitsverändernden Dimension  im kollektiven  Handeln  von  Frauen
       eingenommen. Zu  den stabilsten klassenorientierten Bereichen der
       Gewerkschaftsbewegung gehörig,  kann sie als eine der wichtigsten
       "Produktivkräfte"  bei  der  "Bearbeitung"  der  Zukunftsprobleme
       agieren und  damit gleichzeitig verändernd auf die Gewerkschaften
       selbst wirken.
       
       2.3. Neue Anforderungen an die Gewerkschaftspolitik
       ---------------------------------------------------
       
       Für eine  gewerkschaftliche Klassenpolitik  in einer  Krisen- und
       Umbruchperiode besteht  nicht nur  die Aufgabe, neue Sektoren der
       Lohnabhängigen und  zukünftige qualifizierte Schlüsselgruppen des
       Reproduktionsprozesses zu  gewinnen und hierbei den differenzier-
       ten Interessen und Bedürfnislagen Rechnung zu tragen, sondern sie
       hat zugleich  den Anspruch auf Vereinheitlichung der von den Kri-
       sen- und  Umwälzungsprozessen in unterschiedlicher Intensität be-
       troffenen Gruppen der gesamten Arbeiterklasse zu realisieren.
       Wie Hans Janßen und Klaus Lang (IG Metall-Vorstand) analysierten,
       sind derzeit  zwei Reaktionstypen zu beobachten: 34) Ein korpora-
       tivistischer Politiktypus  konzentriert die gewerkschaftliche In-
       teressenvertretung angesichts  der verstärkten Segmentierung zwi-
       schen "Rationalisierungsgewinnern"  (Wachstums- und Zukunftsindu-
       strien, Stammbelegschaften),  "Rationalisierungsduldern", "Ratio-
       nalisierungsverlierern" (Krisenbranchen)  und  "Marginalisierten"
       auf die qualifizierten "Facharbeiter neuen Typus" und ist, um das
       "Überwintern" der  eigenen Organisation  zu sichern,  zu  sozial-
       partnerschaftlichen Arrangements  mit Kapital  und  konservativem
       Block bereit. Dem gegenüber steht das Konzept "eines 'Überlebens'
       von Gewerkschaften  als solidarische  Interessenvertretung  aller
       Arbeitnehmer, die  mit  dem  Anspruch  auf  Gestaltung  der  Ent-
       lohnungs-  und  Arbeitsbedingungen  für  die  (noch)  arbeitenden
       Menschen einen  allgemeinpolitischen Gestaltungsanspruch für eine
       Politik  gesellschaftlicher  Strukturreformen  und  zur  Verwirk-
       lichung demokratisch-emanzipatorischer  Ziele verbinden". 35) Der
       Kampf um  Arbeitszeitverkürzung  war  und  bleibt  ein  zentrales
       Element einer  solchen "offenen  Mobilisierungspolitik,  die  die
       einheitlichen Interessen"  der Arbeiterklasse  zur Grundlage  und
       zum Ziel hat. 36)
       Die Auseinandersetzungen  um die  Arbeitszeitflexibilisierungsmo-
       delle der  Unternehmer, die  an den  Entwicklungsstand der  neuen
       Technologien anknüpfen  und insofern  ein "Dauerbrenner"  bleiben
       werden, haben die Frage Vereinheitlichung und Differenzierung für
       die Gewerkschaften in prekärer Weise aufgeworfen: Ziel dieser Mo-
       delle ist  es auch hier, kollektive Normen und Regelungen der Ar-
       beitszeit zu durchlöchern und bei einer Differenzierung von Zeit-
       regelungen an die auf mehr "Zeitsouveränität" gerichteten Bedürf-
       nisse der  Beschäftigten anzuknüpfen.  Der weiterhin favorisierte
       Ausbau von  Teilzeitarbeit zeigt, daß hiervon in besonderer Weise
       die Frauen betroffen sind. Auch wenn die Forderung nach allgemei-
       ner Arbeitszeitverkürzung - so bei der 35-Stunden-Woche - das Be-
       dürfnis nach  mehr "Zeitsouveränität" aufnimmt und die Abwehr der
       unternehmerischen Flexibilisierungsziele  eine unerläßliche  Auf-
       gabe bleiben  wird, werden die Gewerkschaften ein offensives Kon-
       zept entwickeln  müssen, "wenn  sie nicht zusehen wollen, wie die
       Popularität individualistischer Scheinlösungskonzepte" auch unter
       den Lohnabhängigen  ansteigt. 37)  Eine solche offensive Position
       der Gewerkschaften  wird von  dem grundlegenden  Prinzip ausgehen
       müssen, daß  nicht wie bei der Flexibilisierungsstrategie des Ka-
       pitals der  Arbeits- und  Lebensrhythmus der  Menschen unter  die
       "betrieblichen Belange"  untergeordnet wird, sondern die betrieb-
       lichen Arbeitszeitsysteme an die differenzierten menschlichen Be-
       dürfnisse anzupassen  sind. Das  heißt im einzelnen: "Primär kol-
       lektive Arbeitszeitverkürzung und in zweiter Linie weitergehende,
       gruppenspezifische Arbeitszeitverkürzung  und Strukturierung  der
       betrieblichen Arbeitszeiten nach qualitativen Kriterien der Bela-
       stung innerhalb  und außerhalb  der Betriebe  und der Bedürfnisse
       und der Interessen." 38) Generell würde dies nicht die Aufhebung,
       sondern eine Erweiterung kollektiver Normen und Regeln bedeuten.
       Auf allen  zukünftigen Konfliktfeldern  - der  Arbeitszeitgestal-
       tung, der Technologieentwicklung, der Gestaltung der Arbeits- und
       Lebensbedingungen -  wird ein konzeptioneller Vorlauf der Gewerk-
       schaften zu einer wichtigen Voraussetzung, um der politisch-ideo-
       logischen "Besetzung"  dieser Felder  durch unternehmerische  und
       konservative Modelle zu begegnen und um gleichzeitig eine mobili-
       sierende Perspektive  der humanen Gestaltung von Arbeit und Tech-
       nik voranzutreiben.
       Um in der Auseinandersetzung um die gesellschaftliche Zukunft der
       BRD die  "politische Ökonomie  der Arbeiterklasse"  mit ihren An-
       sprüchen der  sozialen Kontrolle  der Produktion und der bewußten
       Regulierung gesellschaftlicher  Prozesse  anzumelden  und  durch-
       zusetzen, ist ihre Konkretisierung in programmatischen Alternati-
       ven und  Zukunftskonzeptionen erforderlich.  Auf vielen wichtigen
       Gebieten wie der Wirtschafts- und Sozialpolitik, der Technologie-
       entwicklung,  alternativer  Eigentumsformen  (Vergesellschaftung)
       sind solche  Alternativen im  Zusammenwirken von  betrieblich-ge-
       werkschaftlichen Diskussionsprozessen und der Nutzung von wissen-
       schaftlicher Fachkompetenz  erarbeitet worden.  Da die allgemeine
       Tendenz der  Verwissenschaftlichung der  Politik  anhalten  wird,
       steht für  die Gewerkschaften die Aufgabe, neben der Ausschöpfung
       der spezifischen Qualifikation der Lohnabhängigen wissenschaftli-
       ches Expertenwissen  und Beratungspotential  auch aus anderen so-
       zialen und politischen Bewegungen zu gewinnen und zu nutzen. Wenn
       die Gewerkschaften zu einer hegemonialen Kraft werden wollen, ist
       ein auf  diese Weise  organisierter konzeptioneller Vorlauf wich-
       tig. Eine  Schlüsselfrage wird dabei die Einflußnahme bzw. Gewin-
       nung von  wichtigen Gruppen der Intelligenz, die für die Ausübung
       gesellschaftlicher Hegemonie eine zentrale Rolle spielt.
       Der zunehmende  Bedarf an  spezialisierter,  professionalisierter
       Sachkompetenz zeigt  sich auf  zentraler Ebene  und kommt dort in
       der Ausweitung  der Stabsabteilungen  der  Gewerkschaftsvorstände
       zum Ausdruck;  er wird vor allem auch auf den unteren Organisati-
       onsebenen -  am Ort und im Betrieb - sichtbar. Wollen die Gewerk-
       schaften den  hier ständig zunehmenden Anforderungen aus der Ver-
       änderung der  Arbeit, der Technikentwicklung usw. gerecht werden,
       wird dies  Konsequenzen für  die Qualifizierung  und Rekrutierung
       der Funktionäre  haben müssen. Dabei müssen sich in der Rekrutie-
       rung der  Gewerkschaftsfunktionäre auch  die  sozialstrukturellen
       Umschichtungen und Umbrüche in der Lebensweise niederschlagen. So
       sind z. B. heute noch weniger als 10% der hauptamtlichen Funktio-
       näre Frauen. 39) "Wenn die für die künftige Mitgliederentwicklung
       wichtigen Potentiale  unter den  Angestellten, den Frauen und den
       höher qualifizierten  Arbeitergruppen  wirkungsvoll  angesprochen
       werden sollen,  müssen dafür auch entsprechend qualifizierte per-
       sonelle Kapazitäten  unter den Gewerkschaftsfunktionären herange-
       zogen werden.  Sie müssen hinsichtlich ihrer Qualifikation, ihrer
       Interessen und  Lebensweise in der Lage sein, die Bedürfnisse und
       Ansprüche dieser Gruppen an gewerkschaftliche Arbeit und Interes-
       senvertretung formulieren  und umsetzen zu können." 40) Eine sol-
       che Profilveränderung  in Richtung auf einen neuen Funktionärsty-
       pus wird  heute schon in Ansätzen beim Generationswechsel auch in
       den obersten Führungsgremien der Gewerkschaften sichtbar.
       
       3. Betrieb oder Reproduktionsbereich als Basis
       ----------------------------------------------
       gewerkschaftlicher Arbeit?
       --------------------------
       
       3.1. Verliert der Betrieb an Bedeutung?
       ---------------------------------------
       
       In der  sozialwissenschaftlichen und politischen Diskussion haben
       Thesen an  Gewicht gewonnen, die für die Zukunft von einem zuneh-
       menden Bedeutungsverlust  der Arbeits-  und Betriebssphäre ausge-
       hen. Heinze  u.a. meinen,  daß "die  Lohnarbeit nicht  länger der
       selbstverständliche Knotenpunkt  ist, aus dem die subjektiven Le-
       bensperspektiven der eigentumslosen Teile der Bevölkerung hervor-
       gehen". 41)  Und André  Gorz kann  in dieser  Sphäre, die  er als
       ständig kleiner werdenden formellen Sektor fremdbestimmter Arbeit
       definiert, kein sinnvolles Betätigungsfeld für den Kampf um indi-
       viduelle und soziale Emanzipation mehr sehen. 42)
       Nun reflektieren  die Thesen  vom "Ende  der Arbeitsgesellschaft"
       insofern Momente  der Realität,  als die  Arbeitsverhältnisse und
       die Beziehungen  zur Arbeit tatsächlich einem Wandel unterliegen.
       Kern dieser  Veränderungen ist  die Freisetzung von Arbeitskraft,
       die verschiedene  Formen von  der Verkürzung der Tages-, Wochen-,
       Jahres- und  Lebensarbeitzeit bis  hin zur Massenarbeitslosigkeit
       annimmt.
       Dennoch bleibt  für die  Masse der  abhängig  Erwerbstätigen  die
       Lohnarbeit die Voraussetzung ihrer Lebensgestaltung, und die Per-
       spektive der  Arbeiterbewegung zielt auf eine Veränderung der Be-
       dingungen, des Charakters und der Inhalte der Arbeit. Der Betrieb
       bleibt insofern  der zentrale  Bezugspunkt gewerkschaftlicher Tä-
       tigkeit, auch  wenn Annahmen  einer permanenten  Vergrößerung des
       großbetrieblichen Sektors offensichtlich falsch sind.
       Allerdings haben  sich die Existenzbedingungen der Arbeiterklasse
       und damit  auch die  Handlungsbedingungen für  die Gewerkschaften
       dadurch verändert,  daß die Prägewirkung des Betriebes abgenommen
       und der Einfluß der außerbetrieblichen Sozialisations- und Repro-
       duktionsinstanzen zugenommen  haben. Hierzu  zählen Faktoren  wie
       die Verlängerung  der Ausbildungsphasen, die Ausdehnung der Frei-
       zeitsphäre, der enorme Einfluß der Massenmedien usw. Auch der so-
       zialräumliche Klassenzusammenhang hat an Dichte und verpflichten-
       der Kraft verloren, das traditionelle geschlossene "proletarische
       Milieu" ist  zur Ausnahme geworden, und neue Orte von Öffentlich-
       keit und  oppositionellen  Kristallisationskernen  (Bürgerinitia-
       tiven, kulturelle Zentren usw.) gewinnen an Gewicht. 43)
       Seit den  70er Jahren ist eine starke Politisierung des Reproduk-
       tionsbereiches zu vermerken, die die gesellschaftlichen Aktivitä-
       ten von  Teilen der Lohnabhängigen - besonders stark die jüngeren
       Angestelltengruppen sowie  die Intelligenz - und auch die Gewerk-
       schaften beeinflußte.  Die Qualität  der Bildung  und Ausbildung,
       der Gesundheits-  und Altersversorgung,  des Wohnsystems, der Um-
       welt sowie  Probleme der  kulturellen Freizeitgestaltung zwischen
       Kommerzialisierung und  Selbstaktivität wurden zur Triebkraft po-
       litischer Konflikte  und Bewegungen.  Gerade im  Reproduktionsbe-
       reich bildeten  sich die Durchbruchstellen der neuen sozialen Be-
       wegungen, und sie strahlten von dort in die Arbeiterbewegung hin-
       ein. Die  Gewerkschaften reagierten auf die neuen Probleme in er-
       ster Linie  durch eine  Erweiterung und Qualifizierung ihrer pro-
       grammatischen Aussagen zur gesellschaftlichen Reproduktionssiche-
       rung, ohne  schon über eine korporatistische Einflußnahme auf die
       staatlichen Instanzen  hinaus eigenständige politische Bewegungen
       zu initiieren.  Die Mobilisierung gegen den staatlichen Sozialab-
       bau im  Herbst 1982  und dann erneut 1985, aber auch die Aktionen
       und symbolischen  Proteststreiks gegen  die  Raketenstationierung
       1983 signalisierten  insofern wichtige neue Ansätze gewerkschaft-
       lichen Politikverständnisses.
       Wie Siegfried  Bleicher (DGB) ausführt, haben diese strukturellen
       und politischen Veränderungen für die Zukunft die Frage aufgewor-
       fen, "inwieweit  es den  Gewerkschaften gelingt, die Arbeitnehmer
       umfassender, d.h.  auch außerhalb  der Arbeitswelt wieder stärker
       zu repräsentieren". 44)
       
       3.2. Neue Organisationsformen im Reproduktionsbereich
       -----------------------------------------------------
       und die Erneuerung gewerkschaftlicher Betriebspolitik
       -----------------------------------------------------
       
       Oskar Negt  hat die These vertreten, daß die Gewerkschaften neben
       dem Betrieb  Stadtteil und  Wohngebiet  als  zweites  Organisati-
       onszentrum entwickeln  müßten, um  gewerkschaftliche Politik "auf
       jene Krisenzusammenhänge zu erweitern, die immer stärker und mas-
       senhafter die  Erfahrungen der Menschen bestimmen". 45) Auch Hel-
       mut Schauer  (Mitarbeiter beim  Vorstand der IGM), der diesen Ge-
       danken aufgreift,  plädiert für ein Überdenken der alleinigen Be-
       triebsorganisation und verweist auf noch bestehende gewerkschaft-
       liche Stadtteilgruppen  der IG Metall im Ruhrgebiet. 46) Wolfgang
       Lechner (WSI)  sieht in  der in Italien praktizierten Einrichtung
       von "gewerkschaftlichen  Zonen- und  Quartiersräten" Chancen,  um
       "Beziehungen zwischen  formellem und informellem Sektor sowie des
       Konsums" zu  entwickeln. 47) Vorsichtiger schlägt Siegfried Blei-
       cher vor,  "organisatorische Interessenvertretungsformen  der Ar-
       beitnehmer aufzubauen,  die einen  stärkeren Bezug auch zur Wohn-
       und Lebenssituation  der Arbeitnehmer  und auf die nicht mehr ak-
       tive Arbeit  im Alter,  auf die  noch nicht aktive Arbeit vor dem
       Eintritt in  das Arbeitsleben und auf die aus dem Beschäftigungs-
       system ausgeschlossenen Arbeitslosen herstellt". 48)
       In der Realität lassen sich aus den Erfahrungen der letzten Jahre
       Ansätze für  eine solche Erweiterung außerbetrieblicher Organisa-
       tionsformen finden.  In den Klassenbewegungen selbst wird der lo-
       kale und regionale Raum zum Aktionsfeld: in Gestalt der Solidari-
       tätskomitees gegen  betriebliche Arbeitsplatzvernichtung,  in den
       Aktivitäten regionaler  und  lokaler  Gewerkschaftsgremien  (DGB-
       Ortskartelle) zur  Einflußnahme auf kommunal- und regionalpoliti-
       sche Instanzen  49), in den Stadtteilinitiativen bei der Bewegung
       um die  35-Stunden-Woche, die oftmals Aktivisten von unterschied-
       lichen, nicht  unmittelbar einbezogenen  Gewerkschaften zusammen-
       faßten usw.  Zugleich ist die lokale gewerkschaftliche Ebene auch
       der Raum, in dem sich Kulturinitiativen (Chöre etc.), Seniorenar-
       beitskreise für ältere Mitglieder, Technologie-und Umweltgruppen,
       Internationalismusgruppen (z.B. Solidarität mit Nicaragua, briti-
       sche Bergarbeiter usw.), Friedensinitiativen, Arbeitskreise gegen
       Berufsverbote und Arbeitsloseninitiativen ansiedeln. Die Arbeits-
       weise dieser gewerkschaftlichen Initiativen ist zumeist offen und
       erlaubt Kontakte und Kooperation mit anderen, nicht gewerkschaft-
       lichen Bewegungen  (etwa Selbsthilfegruppen).  Im Ausbau  solcher
       Formen können große Chancen für die Aktivierung und Politisierung
       von Mitgliedergruppen liegen, insbesondere aus den neuen Sektoren
       der Arbeiterklasse.  Die Wechselbeziehungen  zwischen Betrieb und
       außerbetrieblichem Lebensmilieu  werden weiterhin noch intensiver
       werden und können sich hier praktisch konkretisieren.
       Grundlage des Konzeptes, den Arbeitskampf 1984 um Arbeitszeitver-
       kürzung als  eine "soziale Bewegung" zu entwickeln, war die Über-
       legung, diese  lokalen Sektoren  zu mobilisieren  und hiermit ein
       Zusammengehen mit  den außerparlamentarischen Massenbewegungen zu
       befördern. 50)  Allerdings zeigten die Erfahrungen dieses Kampfes
       und seine Grenzen, daß die Kraft für eine solche Bewegung sich in
       erster Linie  aus den  Betrieben entfalten  muß, um  größere Aus-
       strahlungskraft zu  gewinnen und eine gesellschaftspolitische Dy-
       namik einzuleiten.
       Eine "Erweiterung  des politischen  Mandats  der  Gewerkschaften"
       (Negt)  kann  nicht  einfach  eine  Ergänzung  des  betrieblichen
       Kampfes durch Aktivitäten im Reproduktionsbereich darstellen. Er-
       stens stößt  eine beliebige  Erweiterung  der  gewerkschaftlichen
       Handlungsfelder auf  Grenzen und  kann sich  als syndikalistische
       Überforderung erweisen. Auch in Zukunft werden die Gewerkschaften
       auf die  Kooperation mit  Bündnispartnern, mit  Bürgerinitiativen
       und sozialen  Bewegungen, angewiesen sein, wenn sie eine aktions-
       bezogene Politik  im Reproduktionssektor  betreiben wollen. Zwei-
       tens wird  es vor  allem um  eine "Politisierung der Arbeit", der
       Betriebssphäre gehen.  Die Verschränkung der Sphären, wie dies in
       Ansätzen in  der Bewegung  um die  35-Stunden-Forderung mit ihrer
       beschäftigungs-, humanisierungs-  sowie freizeit- und kulturpoli-
       tischen Dimension  schon erkennbar  war, kann einen neuen Typ der
       Gewerkschaftspolitik  konstituieren.  51)  Also  nicht  beliebige
       "Felderweiterung", sondern  vor allem  "Hereinnahme von weiterge-
       henden gesellschaftlichen  Aspekten in die traditionellen gewerk-
       schaftlichen Politikfelder" wird die Perspektive sein. 52)
       Eine solche Tendenz war in den Kämpfen und der Gewerkschaftspoli-
       tik seit  den 70er  Jahren in dem Maße sichtbar, wie neue soziale
       und politische Bedürfnisse aufgenommen und artikuliert worden wa-
       ren. Neben  der Lohnpolitik  traten immer  stärker  Probleme  der
       "qualitativen Tarifpolitik" (Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
       Abgruppierungs- und  Rationalisierungsschutz,  Arbeitszeitverkür-
       zung etc.)  und gesellschaftspolitische  Reformforderungen in den
       Vordergrund. Indem  die Arbeitsbedingungen  und das Recht auf Ar-
       beit ebenso  wie die  Qualität der Lebensbedingungen thematisiert
       wurden, verschränkten sich Interessen, die sowohl auf den Betrieb
       wie auch  auf die  gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnisse und
       gesellschaftliche Reproduktionssicherung bezogen sind. 53)
       In der  Perspektive wird  der Durchsetzung neuer Ansprüche an die
       Arbeit und  der Erweiterung  der politischen  Kultur  im  Betrieb
       (Entfaltung von Aktivität und Selbstbewußtsein, neue Kommunikati-
       onsspielräume und  gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten)  ein
       noch größerer  Stellenwert zukommen. Dies bezieht die Kampfebenen
       Betrieb und Tarifpolitik wie die politisch-gesetzliche Ebene ein.
       Neben den  Konflikten um Einkommen und Arbeitszeit rücken Ausein-
       andersetzungen um  Struktur und  Inhalt zukünftiger Arbeit in den
       Vordergrund, die sich an den technologischen Umwälzungen, dem Er-
       halt und Zuschnitt der Arbeitsplätze und der abgeforderten Quali-
       fikationen entzünden.  Die neuen  Technologien ermöglichen  heute
       eine größere  Variationsbreite ihrer konkreten Gestaltung und er-
       weitern damit  Eingriffsmöglichkeiten auch für die Beschäftigten.
       Die IG  Metall reagierte  auf diesen Problemdruck mit ihrem Akti-
       onsprogramm "Arbeit und Technik" (1985) und tarifpolitischen Kon-
       zeptionen zur  Kontrolle der  Leistungs- und  Arbeitsbedingungen.
       54) Betriebliche Arbeitskreise für alternative Produktion zeigen,
       daß auch  aus ökologischen  oder friedenspolitischen Motivationen
       die gesellschaftlichen  Gebrauchswertaspekte hinterfragt  werden.
       Gegen die  Versuche, mit  Hilfe von  "Qualitätszirkeln" und neuen
       Sozialtechnologien Motivationen  und Qualifikationspotentiale der
       Lohnabhängigen an die Logik kapitalistischer Verwertung zu binden
       und damit  eine "Japanisierung"  betrieblicher Arbeitsbeziehungen
       zu fördern,  werden die  Gewerkschaften auf  eine Ausweitung  von
       Kontrollrechten und Gegenmachtpositionen setzen müssen. Eine Ant-
       wort auf  die zunehmenden  gewerkschaftlichen Kommunikations- und
       Organisationsschwierigkeiten im  Betrieb können  Forderungen nach
       entintensivierenden Maßnahmen im Arbeitsprozeß (Pausen etc.) dar-
       stellen, die  zugleich Chancen  für die Wahrnehmung betrieblicher
       und gewerkschaftlicher Rechte vergrößern.
       Als Schlüsselfrage  für eine  solche Perspektive  stellt sich die
       Neubelebung gewerkschaftlicher Betriebspolitik dar, insbesondere,
       um den  durch die  Tarifabschlüsse zur  Arbeitszeit von 1984 noch
       vergrößerten  Gefahren   einer  "Verbetriebsratung"   und   eines
       "Betriebssyndikalismus" zu  entgehen. Dies  wird in  erster Linie
       über den  Ausbau und die Stärkung der klassischen gewerkschaftli-
       chen Organe  im Betrieb,  den Vertrauenskörper bzw. die Betriebs-
       gruppen, erfolgen müssen. Dabei wird ein Schwerpunkt notwendiger-
       weise in der Neuverankerung in den "Zukunftsindustrien" und neuen
       Sektoren der  Lohnabhängigen liegen.  Die Qualifizierung  der be-
       trieblichen Ebene  als des  "originären Handlungsfeldes" hat Aus-
       wirkungen für  die gesellschaftliche  Gegenmachtentfaltung: "Wenn
       wir im  Betrieb stark  sind, werden  wir auch  in der  Lage sein,
       einen gesellschaftspolitischen  Anspruch zu  formulieren und eine
       politische Mobilisierung zu erreichen." 55)
       
       4. Gewerkschaftszukunft und politische Perspektiven
       ---------------------------------------------------
       
       In allen  hochentwickelten kapitalistischen Ländern haben die Ge-
       werkschaften heute  ein so  entscheidendes Gewicht, daß nicht nur
       die Haltung  zur Regierungspolitik, sondern auch die unmittelbare
       Interessenvertretung in  der Tarifpolitik und im Betrieb in hohem
       Maße politisiert  wird. Diese  objektive politische Dimension er-
       halten Tarifkonflikte  und Arbeitskämpfe,  wie die Streiks in der
       BRD 1984  oder der  Bergarbeiterstreik in  Großbritannien 1984/85
       zeigten, unvermeidlich,  weil sie  in Gegensatz zu Grundorientie-
       rungen des  konservativen Blocks  geraten und  damit auch je nach
       Erfolg oder  Mißerfolg dessen politische Wirksamkeit und Stabili-
       tät   mitbeeinflussen.   Nicht   zuletzt   deshalb   spielt   die
       "Gewerkschaftsfrage" in  den Strategievarianten  der  Bourgeoisie
       zumal unter Bedingungen des krisenhaften Umbruchs eine so heraus-
       ragende Rolle.
       Diese Politisierung  wird durchaus  auch vom integrationistischen
       Flügel in  der Gewerkschaftsbewegung wahrgenommen und äußert sich
       in einer  erhöhten Bereitschaft zur sozialpartnerschaftlichen Re-
       gulierung von Konflikten (z. B. "Gesamtgesellschaftliche Verabre-
       dungen" à  la Hermann Rappe) und zur Kooperation auch mit konser-
       vativen Regierungen,  um politische Polarisierungen zu vermeiden.
       Angesichts der Labilität des konservativen Blocks in der BRD tra-
       ten Kräfte  dieser integrationistischen  Strömung für die Bildung
       einer "Großen  Koalition" zwischen Unionsparteien und SPD ein, um
       einen Einfluß  der Massenbewegungen  auf die  Entwicklung der SPD
       und der  politisch-parlamentarischen Szene zu begrenzen und poli-
       tische Stabilität  zu gewährleisten.  Dies hat die "Blockbildung"
       zwischen den  strategisch unterschiedlich reagierenden Flügeln in
       der Gewerkschaftsbewegung  zeitweilig noch  verschärft. Sie  trat
       erst wieder in den Hintergrund, als sich ab 1985 zunehmend Erwar-
       tungen und  Bestrebungen auf  eine Ablösung der konservativen Re-
       gierung durch  die SPD  konkretisierten. 56)  Die Frage,  ob sich
       eine andere  politisch-gesellschaftliche Entwicklungsrichtung  in
       der BRD durchsetzen kann, beeinflußt seitdem die Formulierung der
       gewerkschaftlichen Perspektive  und kann die Bereitschaft zu Mas-
       senaktionen erweitern, wie die Herbstdemonstrationen 1985 zeigen.
       Eine permanente unaufhaltsame Schwächung gewerkschaftlicher Orga-
       nisations- und  Handlungsmacht ist  keineswegs die unvermeidliche
       Konsequenz der Krisen- und Umbruchprozesse. Vieles wird davon ab-
       hängen, ob  in den  nächsten Jahren  die konservative Politik ge-
       stoppt und  mögliche aggressive Varianten, wie sie in Großbritan-
       nien vorgeführt wurden, verhindert werden können. Grenzen und Wi-
       dersprüche im  konservativen Block  sind sicherlich  auch deshalb
       sichtbar geworden,  weil in den Streiks 1984 das Ziel einer weit-
       gehenden Schwächung der Gewerkschaften und der Ausschaltung ihrer
       klassenautonomen Strömung verhindert werden konnte.
       Auch dies hat die Möglichkeit eines Umschaltens auf einen stärke-
       ren Integrationskurs  gegenüber  den  Gewerkschaften  vergrößert.
       Sollte sich  ein reformistisch-etatistischer  Entwicklungstyp so-
       zialdemokratischer Prägung in der BRD durchsetzen, wäre mit einer
       Verstärkung der  Integrationslinie zu  rechnen. Zukünftige Wider-
       sprüche und  Konflikte sind  damit vorprogrammiert, da auch unter
       solchen politischen  Konstellationen, die  innen- und  außenpoli-
       tisch wichtige  Veränderungen gegenüber dem reaktionären und ent-
       spannungsfeindlichen Kurs  der  Konservativen  bewirken  könnten,
       eine Vergrößerung  der ökonomischen  und sozialen Manövrierspiel-
       räume kaum  zu erwarten  ist. Dies  würde ja  nur bei erheblichen
       wirtschaftlichen Wachstumsraten ermöglicht. 57)
       Verschärfen sich  allerdings die  sozialen Gegensätze,  so zeigen
       die  Erfahrungen   der  französischen  Linksregierung,  daß  eine
       "Reformpolitik von  oben" wie  Anfang der  70er Jahre  in der BRD
       enge Grenzen besitzt und Fortschritte heute nur durch weitertrei-
       bende Mobilisierung  und Massendruck  möglich sind.  58) Insofern
       wird auch  unter diesen Kräftekonstellationen die "Gewerkschafts-
       frage" das  zentrale Problem  bleiben. Damit  wird vor  allem die
       Frage nach  der politischen  Entwicklung  innerhalb  der  Gewerk-
       schaften und ihrer Einflüsse auf die SPD aufgeworfen.
       Die Aufgaben  der klassenorientierten Kräfte in der Arbeiter- und
       Gewerkschaftsbewegung werden  u. a. durch die folgenden Gesichts-
       punkte bestimmt:
       - Es wird  vor allem darum gehen, die zu erwartenden unvermeidli-
       chen Konflikte  unter den  Bedingungen eines reformistisch-etati-
       stischen Entwicklungstyps  politisch zu dynamisieren mit dem Ziel
       einer Demokratisierung und von Eingriffen in das monopolkapitali-
       stische Eigentum.  Die programmatische  Diskussion in  Teilen der
       Gewerkschaftsbewegung hat hierfür, dies zeigt das Vergesellschaf-
       tungskonzept der  IG Metall  für die  Stahlindustrie,  günstigere
       Voraussetzungen geschaffen, als sie etwa 1969 zu Beginn der sozi-
       alliberalen Periode bestanden.
       - Für die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften bleiben der Bruch
       mit der Sozialpartnerschaftspolitik und die Stärkung der klassen-
       autonomen Strömung  in der Arbeiterklasse das wichtigste Problem.
       Gleichwohl reicht die Handlungsalternative "kämpferisch statt so-
       zialpartnerschaftlich" dann  nicht aus, wenn nicht auch die neuen
       Fragen, die  sich aus  den Veränderungen der sozialen und politi-
       schen Struktur  der Arbeiterklasse,  dem Anwachsen neuer sozialer
       und politischer  Bedürfnisse, den  Umbrüchen in  der  Lebensweise
       usw. ergeben,  bearbeitet und in ein "modernes" Konzept klasseno-
       rientierter Politik integriert werden.
       - Neben der  Friedensbedrohung zählt  die Gefährdung  der Überle-
       bensbedingungen der  Menschheit durch eine ökologische Krise glo-
       balen Ausmaßes  zu den  zentralen Problemen,  die das Handeln der
       Arbeiterbewegung herausfordern.  59) Das  Problembewußtsein  über
       die Geschwindigkeit  und die  Dimension  der  Zerstörungsprozesse
       (des Bodens,  des Wassers,  des Waldes, der Luft usw.) ist in den
       letzten Jahren in den Gewerkschaften gewachsen, und die Kritik an
       der stofflichen  Struktur der Produktion und ihrer Ergebnisse ge-
       winnt an  Bedeutung. 60)  Um ressourcen-  und umweltschonende Lö-
       sungsalternativen, d.  h. eine Wende in der Wirtschafts- und Pro-
       duktivkraftenwicklung durchzusetzen,  wird das Zusammenwirken von
       Arbeiter- und  Gewerkschaftsbewegung mit  den Kräften  der "neuen
       sozialen Bewegungen" zur Schlüsselfrage.
       - Krise und  gesellschaftlicher Umbruch erhöhen die Bedeutung des
       Politischen in  der gewerkschaftlichen Interessenvertretung: Kon-
       kret-materielle Interessenwahrnehmung  muß mit  den gesamtgesell-
       schaftlichen Widersprüchen  vermittelt werden.  Über die  klassi-
       schen Politikfelder  hinaus gewinnen  die neuen Formen der Krise,
       die zerstörerischen  und bedrohlichen  Wirkungen der  Destruktiv-
       kräfte der  Rüstung, die Zerstörung der Umwelt und die Einschrän-
       kung von  Lebensqualität auch  außerhalb des Produktionsprozesses
       an Gewicht. Die Überwindung der Defensive in den heutigen Vertei-
       digungskämpfen ist  daher nur in der Perspektive eines Kampfes um
       eine alternative  Logik der  gesellschaftlichen Entwicklung  mög-
       lich, die  letztlich auf  den Bruch  mit dem  Kapitalismus zielt.
       Diese Perspektive  in den gewerkschaftlichen Zukunftsdiskussionen
       zu verdeutlichen, ist vor allem Aufgabe der Marxisten.
       
       _____
       1) F. Deppe,  Ende oder  Zukunft  der  Arbeiterbewegung?  Gewerk-
       schaftspolitik nach der Wende, Köln 1984, S. 16.
       2) Vgl. hierzu H. Jung, Die privatmonopolistische Entwicklungsva-
       riante des  staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD, in: Mar-
       xistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF l, Frankfurt/M. 1978, S. 9
       ff. Vgl. auch den Beitrag von Jörg Huffschmid in diesem Band.
       3) Zur Charakteristik  dieser Strategie vgl. G. Hautsch/K. Picks-
       haus/K.  Priester,  Der  Arbeitskampf  um  die  35-Stunden-Woche.
       "Flexi-Konzept" des  Kapitals und Zukunft der Gewerkschaften, So-
       ziale Bewegungen H. 16, Frankfurt/M. 1984, S. 9 ff.
       4) Vgl. IMSF-Autorenkollektiv,  Soziale und  innenpolitische Pro-
       bleme Westeuropas,  Referat auf  der trilateralen  Konferenz  von
       IMSF, IPW,  IMEMO "Westeuropa  in der  Wirtschaft und Politik des
       Imperialismus" vom  10.-16. 6  1985 in Moskau, demnächst IMSF-Ar-
       beitsmaterial 17.  Vgl. ebenfalls  J.C. Watkinson, Gewerkschaften
       in der  Krise - Ein Blick über die Grenzen, in: IMSF (Hrsg.), Zur
       Zukunft der  Gewerkschaften.  Eine  Diskussion  nach  der  ersten
       Etappe des 35-Stunden-Kampfes, Frankfurt/M. 1985, S. 75 ff.
       5) So zum  Beispiel R.  Dahrendorf, Verhindern statt voranzutrei-
       ben, in:  Die Zeit v. 18.5.1984. "Die Gewerkschaften sind zu Ver-
       teidigungsorganisationen absteigender  sozialer Gruppen  geworden
       ... So kann man (mit gewissen Einschränkungen) sagen, die Zukunft
       ereignet sich an den Gewerkschaften vorbei."
       6) Vgl. zu  den einzelnen  Ländern IMSF-Autorenkollektiv, Soziale
       und innenpolitische Problem Westeuropas, a.a.O.,
       7) F. Deppe,  Zukunftsfelder der  Gewerkschaftspolitik, in:  IMSF
       (Hrsg.), Zur Zukunft der Gewerkschaften, a.a.O., S. 51.
       8) Ebenda, S. 65/66.
       9) Vgl. H.  Jung, Utopie als Zukunftsdenken heute?, in: Marxisti-
       sche Blätter 1/1985, S. 85 ff.
       10) Ebenda, S. 85.
       11) Als Beispiele  für diese Diskussion können die Artikel von E.
       Breit in  "Gewerkschaftliche Monatshefte"  (GeMo) 1/1985,  von D.
       Wunder, H. Rappe, K. v. Haaren und G. Döding in GeMo 2/1985 sowie
       der Beitrag  von H.  Janßen/K. Lang:  Überwintern oder Überleben.
       Gewerkschaftspolitische Schlußfolgerungen aus dem Arbeitskampf um
       Arbeitszeitverkürzung, in:  E. Ferlemann u.a., Existenz sichern -
       Arbeit ändern  - Leben gestalten, Hamburg 1985, S. 7 ff., das Re-
       ferat von  F. Steinkühler  zum Thema "Arbeitsgesellschaft und Um-
       bruch", veröffentlicht  unter dem Titel "Sägen die Gewerkschaften
       den Ast  ab, auf  dem sie  sitzen?" in:  Frankfurter Rundschau v.
       22./23.2.1985, und auch der Beitrag von L. Mahlein in diesem Band
       angeführt werden.
       12) Vgl. G. Kautsch u.a., a.a.O.
       13) Hierzu im einzelnen der Beitrag von E. Dähne in diesem Band.
       14) Vgl. D.  Düe, Automobilindustrie, in: Umbruch im Produktions-
       bereich?, IMSF-Beitrag 7, Frankfurt/M. 1985, S. 171 ff.
       15) Vgl. zum  neuen Belegschaftstypus  B. M. Semmler, Die Großbe-
       triebe und ihre Belegschaften, in: Marxistische Studien. Jahrbuch
       des IMSF  7, Frankfurt/M. 1984, S. 154 ff. Vgl. zum Streikverhal-
       ten und  gewerkschaftlichem Engagement  als Fallanalyse K. Picks-
       haus, Honeywell  Maintal -  Streik in  einem Rüstungsbetrieb  mit
       neuem Belegschaftstypus, in: U. Achten u. a., Arbeitskampf um Ar-
       beitszeit, Marburg 1985, S. 81 ff.
       16) So die  These von  H. Kern/M. Schumann, Das Ende der Arbeits-
       teilung?, München  1984. Vgl.  hierzu kritisch A. Leisewitz, Ver-
       engte Perspektive. Kritische Bemerkungen zur Kern/Schumann-Studie
       "Das Ende  der Arbeitsteilung?",  in: Marxistische Studien. Jahr-
       buch des IMSF 8, Frankfurt/M. 1985, S. 300 ff.
       17) Vgl. G.  Bosch, Arbeitsmarkt, in: M. Kittner (Hrsg.), Gewerk-
       schaftsjahrbuch 1985, Köln 1985, S. 281 ff.
       18) Angaben berechnet  nach Statistisches  Jahrbuch 1984  für die
       Bundesrepublik Deutschland, S. 98, und eigene Schätzungen.
       19) Zit. n. Handelsblatt v. 3.4.1985.
       20) Angaben  berechnet   nach  den  Statistiken  in:  M.  Kittner
       (Hrsg.), Gewerkschaftsjahrbuch  1985, a.a.O., und Nachrichten zur
       Wirtschafts- und Sozialpolitik 7/1985, S. 16.
       21) Vgl. hierzu das vom IMSF zusammengestellte statistische Mate-
       rial in  "Intelligenz,  Intellektuelle  und  Arbeiterbewegung  in
       Westeuropa.  Materialien   einer  internationalen  Konferenz  des
       IMSF", Arbeitsmaterialien  des IMSF,  Bd. 16,  Frankfurt/M. 1985,
       sowie K.  Pickshaus, Gewerkschaftliche Organisierung der Intelli-
       genz, in: Nachrichten 4/1985, S. 24.
       22) H. Lindner,  Die Entwicklung  der Mitgliederzahlen in den Ge-
       werkschaften der  Bundesrepublik Deutschland  bis 1985,  Bonn-Bad
       Godesberg 1975,  und ders.,  1985: Neun Millionen DGB-Mitglieder,
       in: Gewerkschaftliche Praxis Nr. 6-7/1975, S. 145 ff.
       23) F. Deppe, Ende oder Zukunft..., a.a.O.. S. 33.
       24) Vgl. H.  Jung, Zur  Arbeiterklasse der 80er Jahre, in: Marxi-
       stische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 6, Frankfurt 1983, S. 88/89.
       Vgl. hierzu  auch W.  Kudera u.  a., Blue  collar - white collar:
       grey collar?  Zum sozialen Habitus von Arbeitern und Angestellten
       in der Industrie, in: Soziale Welt, Heft 2/1983, S. 201 ff.
       25) F. Steinkühler,  "Sägen die  Gewerkschaften den Ast ab ...?",
       a.a.O.
       26) Vgl. hierzu  die Auseinandersetzung  um die "Marplan-Studie",
       die von der HBV in Auftrag gegeben worden war und zu unterschied-
       lichen  Interpretationen   und  politischen  Bewertungen  genutzt
       wurde. Vgl.  zu den  Ergebnissen der Studie G. Lemke, Angestellte
       erwarten sachliche  Informationen durch die Gewerkschaft, in: An-
       gestellten-Magazin 1-1985,  S. 3  ff. Im Heft 8/1985 der WSI-Mit-
       teilungen werden diese Probleme der gewerkschaftlichen Angestell-
       tenarbeit eingehend diskutiert.
       27) Vgl. H.  Leitschuh/R. Stosch, Neue Formen betrieblicher Bewe-
       gungen im  HBV-Bereich in  den achtziger Jahren, in: Marxistische
       Studien. Jahrbuch des IMSF 7, Frankfurt/M. 1984, S. 73 ff.
       28) L. Schwegler,  Die  Gewerkschaften  müssen  ihre  politischen
       Grundpositionen wirksamer  umsetzen, in:  Die  Mitbestimmung  10-
       11/1984, S. 428 ff.
       29) Ebenda, S. 428.
       30) Vgl. hierzu  I. Kaufmann, Alternative Konzepte zur Gestaltung
       der Arbeit,  in: IMSF  (Hrsg.), Zur  Zukunft der  Gewerkschaften,
       a.a.O., S. 209 ff.
       31) Zu solchen  Gefahren am  Beispiel der sich herausbildenden IG
       Medien vgl.  M. Balder auf dem a.o. Gewerkschaftstag der IG Druck
       und Papier Juni 1985, in: Nachrichten 7/1985 S. 15.
       32) Arbeitskreis Frauenfrage  des IMSF  (Hrsg.), Emanzipation  in
       der Krise? Materialien zur Lebenslage der Frauen, Informationsbe-
       richt des IMSF Nr. 43, Frankfurt/M. 1985, S. 38 ff.
       33) Zur Begründung  der Quotierungsforderung  vgl.  Arbeitsgruppe
       Alternative Wirtschaftspolitik,  Memorandum '85,  Bremen 1985, S.
       187 ff.
       34) H. Janßen/K.  Lang, Überwintern oder Überleben. a.a.O., S. 33
       ff.
       35) Ebenda, S. 36.
       36) Ebenda.
       37) I. Kurz-Scherf, Arbeitszeitflexibilisierung und gewerkschaft-
       licher Regelungsbedarf,  in: WSI-Arbeitsmaterialien  Nr.  1,  Ar-
       beitszeitverkürzung, Düsseldorf 1983, S. 135 ff., hier: S. 138.
       38) Dies.,  Tarifpolitik   und  Arbeitskämpfe,   in:  M.  Kittner
       (Hrsg.), a.a.O., S. 91. I. Kurz-Scherf entwickelt hierzu konkrete
       Forderungen wie  freie Handhabung von Lage und Dauer der Arbeits-
       zeit, Möglichkeit  zur Teilzeitarbeit  auf dem  angestammten  Ar-
       beitsplatz mit  Rückkehrrecht zur  Vollzeitarbeit, niedrigere Ar-
       beitszeiten bei  besonderen Arbeitsbelastungen  usw.  Ausführlich
       hierzu dies, in: WSI-Arbeitsmaterialien Nr. 1.
       39) Vgl. C. Pinl, Das Arbeitnehmerpatriarchat, Köln 1977.
       40) W. Roßmann,  Produktion, Klassenstruktur  und Lebensweise  im
       Umbruch -  Zu einigen  Aspekten gewerkschaftlicher Gegenmacht und
       Handlungsfähigkeit, in:  IMSF (Hrsg.),  Zur Zukunft  der  Gewerk-
       schaften, a.a.O., S. 176.
       41) R.G. Heinze  u.a., Interessendifferenzierung  und Einheitsge-
       werkschaft, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 6/1981, S. 342.
       42) André Gorz, Wege ins Paradies, (West-)Berlin 1983.
       43) Vgl. hierzu  K. Maase,  Betriebe ohne  Hinterland? Zu einigen
       Bedingungen der  Klassenbildung im Reproduktionsbereich, in: Mar-
       xistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, a.a.O. S. 356 ff.
       44) S. Bleicher,  Krise und Krisenbewältigung, in: ders. (Hrsg.),
       Ausstieg? Gewerkschaftliche Reformpolitik in der Industriegesell-
       schaft, Hamburg 1985, S. 159.
       45) O. Negt,  Lebendige Arbeit,  enteignete  Zeit,  Frankfurt/New
       York 1984, S. 161/162.
       46) H. Schauer,  Gewerkschaftspolitik  und  Beteiligung,  in:  W.
       Fricke u.a.,  Beteiligung als Element gewerkschaftlicher Arbeits-
       politik, Bonn 1984, S. 236 ff.
       47) W. Lechner,  Überleben in einer veränderten Welt. Ein Konzept
       für die  zukünftige Arbeit  der Gewerkschaften,  in: Die Zeit Nr.
       18, 26.4.1985.
       48) S. Bleicher, Krise und ..., a.a.O., S. 159.
       49) Vgl. hierzu  G. Lobodda,  Das Recht auf Arbeit verwirklichen,
       in: ebenda, S. 90 ff.
       50) Hierzu ausführlicher  K. Pickshaus,  Arbeitskampf als soziale
       Bewegung - politische Aspekte einer Streikstrategie, in: F. Deppe
       u.a., Streik  - Widerstand  gegen Kapital  und  Kabinett,  Frank-
       furt/M. 1985.
       51) Vgl. K.  Pickshaus,  Weiterwirkende  politische  Aspekte  des
       Kampfes um die 35-Stunden-Woche, in: L. Mahlein u.a. (Hrsg.), Ta-
       rifpolitik unter Krisenbedingungen, Frankfurt/M. 1984, S. 184 ff.
       52) E. Hildebrandt,  Unsere Produkte fallen uns auf den Kopf. Die
       Gewerkschaften vor  der ökologischen  Herausforderung, in:  ders.
       u.a. (Hrsg.),  Arbeit zwischen  Gift und Grün, Kritisches Gewerk-
       schaftsjahrbuch 1985, (West-)Berlin 1985, S. 57.
       53) Vgl. hierzu  grundlegend W.  Roßmann, Arbeiterklasse, soziale
       Bedürfnisse und  gewerkschaftliche Politik, in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S. 42 ff.
       54) Vgl. hierzu W. Riester, Aktuelle und langfristige Aufgaben in
       der Tarifpolitik,  in: L. Mahlein u. a. (Hrsg.), Tarifpolitik...,
       a.a.O., S. 51 ff.
       55) F. Steinkühler, "Sägen die Gewerkschaften...", a.a.O.
       56) Ausdruck eines solchen neuen Konsenses, der auf eine neue He-
       gemoniefähigkeit der  SPD zielt, ist das gemeinsame Papier von H.
       Rappe und  F. Steinkühler für den wirtschaftspolitischen Teil des
       in Arbeit  befindlichen neuen  SPD-Programms. Vgl. "Brückenschlag
       in der SPD", in: FAZ v. 4.5.1985.
       57) Vgl. hierzu  die Beiträge  von J.  Huffschmid und  H. Jung in
       diesem Band.
       58) Vgl. hierzu  L. Peter, Zwischen Reformpolitik und Krise - Ge-
       werkschaften in  Frankreich 1980-1985,  Soziale Bewegungen H. 17,
       Frankfurt/M. 1985.
       59) Vgl. zur  Friedensfrage den  Beitrag von  J. Keusch in diesem
       Band.
       60) Zur Entwicklung  der gewerkschaftlichen Positionen zur Ökolo-
       gie vgl.  E. Gärtner,  Gewerkschaften und  Ökologie, nachrichten-
       reihe 32, Frankfurt/M. 1985; E. Hildebrandt u.a., Arbeit zwischen
       Gift und  Grün, a.a.O.,  sowie  Die  Mitbestimmung,  H.  4-5/1985
       (Themenschwerpunkt: Arbeit und Umwelt).
       

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