Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 10/1986


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       A.N. LEONTJEW UND DIE KULTURHISTORISCHE SCHULE
       ==============================================
       DER SOWJETISCHEN PSYCHOLOGIE
       ============================
       
       Wolfgang Jantzen
       
       1. Vorbemerkung  - 2. Einige Bemerkungen zur bisherigen Rezeption
       - 3.  Die Theorie  der kulturhistorischen Schule - 3.1 Kritik des
       Dualismus und  das Ebenenproblem  in der  Psychologie -  3.2  Die
       Funktion des  Zeichens im  Übergang zwischen sozialer und psychi-
       scher Ebene  - 3.3  Das Problem  des Übergangs der Bedeutungen in
       das Bewußtsein und der Zusammenhang von Tätigkeit und Abbild -3.4
       "Persönlicher Sinn"  als zentrale Kategorie marxistischer Persön-
       lichkeitstheorie
       
       1. Vorbemerkung
       ---------------
       
       Ein wesentliches  Resultat der Auseinandersetzung um die Entwick-
       lung einer  marxistischen Psychologie  in der  BRD ist es, erneut
       und vertieft auf die Arbeiten der "kulturhistorischen Schule" der
       sowjetischen Psychologie  zurückzugreifen. In diesem Zusammenhang
       entstand durch  die Kollegen Messmann und Rückriem in West-Berlin
       das Projekt einer Leontjew-Edition, die insgesamt sechs Bände um-
       fassen soll.  Umfangreiche Vorarbeiten  - komplette bibliographi-
       sche Erfassung,  Übersetzung usw. - sind mittlerweile soweit vor-
       angetrieben, daß  1986 mit  dem Erscheinen  des ersten Bandes ge-
       rechnet werden  kann. Unterdessen  fanden zwei  wissenschaftliche
       Arbeitstagungen über die psychologischen Auffassungen A.N. Leont-
       jews statt  (West-Berlin, Dezember 1984; Bremen, Juni 1985), eine
       dritte Tagung  ist in  Vorbereitung. Im Zusammenhang mit der Her-
       ausgabe des ersten Bandes der Leontjew-Edition wird 1986 in West-
       Berlin ein  internationaler Kongreß  zu Fragen der Tätigkeitspsy-
       chologie stattfinden. Gleichzeitig ist auf der Basis der sowjeti-
       schen  sechsbändigen   Wygotski-Ausgabe   eine   deutschsprachige
       zweibändige Ausgabe  im Erscheinen  (Verlag  der  Wissenschaften,
       Berlin/DDR; Pahl-Rugenstein,  Köln), deren  erster Band in diesem
       Herbst vorliegen  wird. Darüber hinaus bemühe ich selbst mich ge-
       genwärtig, die  Voraussetzungen zu einer deutschsprachigen Luria-
       Ausgabe zu schaffen.
       Da ich  seit Jahren im Rahmen der Entwicklung einer materialisti-
       schen Behindertenpädagogik  auf der  Basis dieses Ansatzes wie an
       seiner Weiterentwicklung  arbeite,  war  es  mir  eine  besondere
       Freude, durch  die Kollegen  Messmann und Rückriem um die Mither-
       ausgabe von  zwei Bänden  der Leontjew-Edition  gebeten zu werden
       und hierdurch zahlreiche mir bisher noch nicht zugängliche Texte,
       insbesondere aus  den dreißiger  und vierziger  Jahren, zum  Teil
       bislang nicht  publiziert, bereits bearbeiten zu können. Der vor-
       liegende Aufsatz ist ein erstes Resultat dieser Arbeit. Da Einig-
       keit bei  den Herausgebern besteht, die bisher nicht zugänglichen
       Materialien erst nach Erscheinen der jeweiligen Bände der Edition
       wörtlich zu  zitieren, bezieht  dieser  Aufsatz  zwar  zahlreiche
       Texte mit  ein; soweit  ich wörtlich  belege, habe ich jedoch auf
       allgemein zugängliche  Arbeiten zurückgegriffen.  Ergänzend  ver-
       weise ich  auf das unlängst erschienene und gänzlich Leontjew ge-
       widmete Heft  1 des Bandes 23 (1984) der Zeitschrift "Soviet Psy-
       chology" mit  Aufsätzen von  A.A. Leontjew  (dem  Sohn  von  A.N.
       Leontjew), P.J.  Galperin, D.B. Elkonin und V.F. Tendryakov sowie
       auf die Aufsätze von Dawydow und Zinchenko in Heft 3 des gleichen
       Jahrgangs dieser  Zeitschrift. Ich  hoffe mit  diesem Aufsatz ein
       verstärktes Interesse an A.N. Leontjew und der kulturhistorischen
       Schule zu  erreichen und  damit zu einer lebhaften Diskussion und
       jener umfassenden  Rezeption beizutragen, die diese Theorie schon
       längst verdient hätte.
       
       2. Einige Bemerkungen zur bisherigen Rezeption
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       Obwohl  mit   Wygotskis  "Denken   und  Sprechen"  und  Leontjews
       "Probleme der  Entwicklung des Psychischen" seit Beginn der sieb-
       ziger Jahre  in der  BRD zwei  Hauptwerke der  kulturhistorischen
       Schule der  sowjetischen Psychologie  vorliegen, unterdessen eine
       Reihe von  weiteren Arbeiten in Übersetzung zugänglich sind, kann
       man gegenwärtig  noch nicht  von einer  breiten Rezeption  dieser
       Psychologieauffassung sprechen.  Dabei wäre  diese durchaus  mög-
       lich: Immerhin  waren beide genannten Bücher bereits eine geraume
       Zeit vorher  in der DDR erschienen, ebenso wurde dort 1970 Lurias
       fundamentales Buch  "Die höheren  kortikalen Funktionen  und ihre
       Störung bei  örtlicher Hirnschädigung"  verlegt, und  auch die in
       den letzten  Jahren in  beiden deutschen Staaten erschienenen Bü-
       cher von  Leontjew ("Tätigkeit, Bewußtsein, Persönlichkeit", Ber-
       lin/DDR 1979, Köln 1982), Galperin ("Zu Grundfragen der Psycholo-
       gie" 1980)  und Luria  ("Sprache und  Bewußtsein" 1982) hätten in
       Verbindung mit  zahlreichen im  deutschen wie angloamerikanischen
       Sprachraum zugänglichen Buch-, aber insbesondere auch Zeitschrif-
       tenpublikationen eine  intensive und  lohnende Befassung  möglich
       gemacht (vgl.  zu Luria die Bibliographie von Scheerer, zu Leont-
       jew die  Bibliographie von Messmann und Rückriem, zu Wygotski die
       Bibliographie von  Jantzen).  Z u m  T e i l  wird man sicherlich
       a n t i k o m m u n i s t i s c h e    V o r u r t e i l e    und
       Vorbehalte als Gründe für diesen Rezeptionsstand anführen können,
       z u m   T e i l   liegen aber  auch   e r h e b l i c h e  V e r-
       k ü r z u n g e n   und   F e h l i n t e r p r e t a t i o n e n
       in jenen  Teilen der  Psychologie vor, die sich dem Marxismus als
       wissenschaftlicher  Grundlage  verpflichtet  wissen  oder  bereit
       sind, Ergebnisse  von marxistischen Wissenschaftlern durchaus mit
       Ernsthaftigkeit zur Kenntnis zu nehmen.
       Ich kann  in keiner Weise diese Situation hier vollständig analy-
       sieren und  historisch würdigen,  sondern will  einen anderen Weg
       gehen: Ich  will einige wesentliche Zusammenhänge der Theorie der
       kulturhistorischen Schule  rekonstruieren, um es dem Leser zu er-
       möglichen, sich selbst in diesem sehr anspruchsvollen und kompli-
       zierten Zugang  zu Problemen  von Psychischem  und Tätigkeit, Be-
       wußtsein, Persönlichkeit,  Motivation usw. zurechtzufinden. Bevor
       ich versuche, wesentliche Momente in der Struktur dieses Theorie-
       zusammenhangs herauszuarbeiten,  einige und wenige Bemerkungen zu
       P r o b l e m e n   d e r    R e z e p t i o n s g e s c h i c h-
       t e,  die keinesfalls die benannte komplizierte Situation klären,
       die aber sicherlich für den Leser hilfreich sind.
       Ein wesentliches  Problem ist  das einer  a n g e m e s s e n e n
       Ü b e r s e t z u n g.   Nur zu häufig sind bisherige Übersetzun-
       gen von  Wissenschaftlern wie Übersetzern vorgenommen worden, die
       den inneren  Zusammenhang der  Theorie nicht beherrscht haben. So
       wird  die   wesentliche  Kategorie   des  "Verkehrs"  häufig  mit
       "Kommunikation" übersetzt.  Oder im Zusammenhang der von Leontjew
       vorgenommenen Analyse  von Tätigkeit, Handlung und Operation wird
       in der  vorliegenden deutschen Übersetzung von "Probleme der Ent-
       wicklung des  Psychischen" häufig  vom "Ziel"  gesprochen, wo  im
       russischen Original  auf die "Gerichtetheit der Tätigkeit" gegen-
       über ihrer  Motivation verwiesen  wird. Der  Ziel-Begriff selbst,
       der in  ursprünglichem Zusammenhang  mit dem von Marx verwendeten
       Begriff des  "Zwecks" als  dem des bewußten Zieles steht, erfährt
       ebenfalls nicht  diese Spezifizierung  (vgl. Rissom  1981, S. 159
       ff). Da  sich diese Probleme so schnell nicht aus der Welt schaf-
       fen lassen, geschweige denn für die anderen Autoren der kulturhi-
       storischen Schule  das Problem  gelöst ist, kann ich hier nur ra-
       ten, möglichst  vorsichtig bei der Anwendung dieser Kategorien zu
       sein und  ihnen nicht  vorschnell unser Alltagsverständnis zu un-
       terschieben. Jenseits  dieser Übersetzungsprobleme ist dies ohne-
       hin die  einzige Möglichkeit, diese Theorie umfassend anzueignen,
       indem man sich durch Herausarbeiten der wechselseitigen Zusammen-
       hänge der  Kategorien, ihres historischen wie logischen Zusammen-
       hangs, ihres  Widerspiegelungsgehalts der gesellschaftlichen Pra-
       xis ihrer  Bedeutung versichert.  Auch hier  liegt, wie  Leontjew
       vielfältig deutlich  macht, die  Bedeutung hinter der Gegenständ-
       lichkeit (in der diese Theorie in sprachlicher Form auftritt) und
       bedarf ihrer Erschließung durch die Tätigkeit.
       Ein zweites  Problem liegt  darin, daß  durch eine historisch be-
       greifbare Rezeptionsgeschichte  der Stellenwert  der Arbeiten der
       kulturhistorischen Schule häufig von Wissenschaftlern herauszuar-
       beiten versucht  wird, die  selbst mit   g e w i s s e r  o d e r
       d e u t l i c h e r   D i s t a n z  zu den dort herausgearbeite-
       ten Lösungen  stehen.  So  werden  z.  B.  in  den  Arbeiten  von
       Bruschlinski bzw.  Budilowa in der Sowjetunion oder (der vom Stil
       wie Ergebnis  problematischen Arbeit) von Keiler in der BRD Peri-
       odisierungen und  Brüche in  dem Werk  von  Wygotski,  Luria  und
       Leontjew (um  nur die  wichtigsten Autoren der kulturhistorischen
       Schule zu nennen) vorgenommen bzw. gesehen, die sich bei tieferer
       Kenntnis als völlig unangemessen erweisen. Dies hat z. B. für den
       Ansatz von Bruschlinski, aber teilweise auch von Budilowa, Rissom
       sehr deutlich  für den Bereich der Wygotski-Rezeption herausgear-
       beitet. Rissom weist überzeugend nach, daß Bruschlinski von vorn-
       herein seine  eigene wissenschaftliche Zielstellung, die sich der
       Schule  Rubinsteins  verpflichtet  weiß,  an  Wygotskis  Arbeiten
       heranträgt, um  dann natürlich festzustellen "daß Vygotskij nicht
       seine, Bruschlinskis,  sondern seine  eigene Zielsetzung verfolgt
       hat" (Rissom  1981, S. 206) und er eben dies Wygotski zum zentra-
       len Vorwurf macht. Oder was soll man von einer Geschichte der so-
       wjetischen Psychologie halten, die bei allen sonst zu würdigenden
       und interessanten  Details die  Rolle von  Luria weitgehend nicht
       zur Kenntnis  nimmt, so  Budilowa, bzw.  zur Aufarbeitung von Wy-
       gotski von  einer außerordentlich  schmalen Rezeption  des Werkes
       ausgeht: Aus dem außerordentlich umfangreichen Werk Wygotskis la-
       gen (abgesehen  von zahlreichen  Archivbeständen, die  damals der
       Autorin möglicherweise  nicht zugänglich waren) zum Zeitpunkt der
       Abfassung von  Budilowas Buch  weit über  hundert Titel in russi-
       scher Sprache als Veröffentlichungen vor, zitiert werden dreizehn
       Titel. Und  auch hier  steht die vorgefaßte Meinung Pate: Als De-
       terminismus in  der Entwicklung des Psychischen wird Wygotski die
       Auffassung unterstellt  (Budilowa 1975,  S. 129), die menschliche
       Psyche stelle  sich "nicht  als Bewußtwerden der objektiven Welt,
       sondern als Bewußtwerden der niederen psychischen Funktionen oder
       als 'Hineinwachsen' der sozialen zwischenmenschlichen Beziehungen
       dar".
       Ich plädiere  dafür, sich auf eine solche verkürzte und verzerrte
       Geschichtsschreibung, wie  wertvoll sie andererseits durchaus für
       die Rekonstruktion  des bedeutenden  Beitrags von  Rubinstein für
       die marxistische  Psychologie sein  mag, nicht einzulassen, viel-
       mehr sich  den Kontext des Denkens der Autoren der kulturhistori-
       schen Schule  an deren  Originalarbeiten zu erschließen. Als gute
       Einführung in  den psychologisch-historischen  Kontext  will  ich
       darüber hinaus  das Buch  von Jaroschewski  "Psychologie  im  20.
       Jahrhundert" hervorheben  wie jene  Arbeiten von Leontjew und Lu-
       ria,  die   sich  mit   dieser  Geschichte  unmittelbar  befassen
       (insbesondere A.R. Luria "The Making of Mind") aber auch die sehr
       informative Arbeit  von A.A.  Leontjew "The  Productive Career of
       Aleksei Nikolaevich Leont'ev".
       Eine erhebliche  Rolle für  die verkürzte Rezeption der kulturhi-
       storischen Schule  spielte ohne  Zweifel das  P ä d o l o g i e -
       D e k r e t   vom 4.7.1936. Es richtete sich in seinem Kern gegen
       das damals  in der Sowjetunion in breitem Umfang üblich gewordene
       Verfahren, durch  eigens eingestellte Schul-Pädologen die Schüler
       standardisierten Intelligenztests zu unterziehen, die im Ergebnis
       einem  erschreckend   hohen  Teil   der  Schülerschaft  mangelnde
       Intelligenz  zumaßen.  Ohne  jedoch  auf  die  Argumentation  der
       Pädologie in  wesentlichen Inhalten einzugehen, wird ihr pauschal
       der  Vorwurf  gemacht,  das  Schicksal  der  Kinder  fatalistisch
       festgelegt zu  sehen. Die  Pädologie wird  verboten. Entsprechend
       heißt es  im Beschluß  des  ZK  der  KPdSU  "5.  Das  Lehren  der
       Pädologie als  eigener Wissenschaft  in den  pädagogischen  Hoch-
       schulen und  Technika ist  einzustellen. 6.  Alle bisher erschie-
       nenen theoretischen  Werke der  heutigen Pädologen  sind  in  der
       Presse als  falsch zu  kritisieren" (zit. n. Rissom 1981, S. 42).
       Obwohl die Psychologie in diesem Dekret nicht ausdrücklich Erwäh-
       nung findet, "ist sie als Ziehmutter der Pädologie doch besonders
       von dem  Dekret betroffen" (ebd., S. 43). Eine Maßregelung gerade
       der Theoretiker  der kulturhistorischen  Schule, die  z. T.  enge
       Verbindungen mit der Pädologie hatten, obwohl sie zugleich grund-
       sätzliche Kritik  an ihr  übten, ließ  nicht auf sich warten. Das
       Redaktionskollegium der Zeitschrift "Unter dem Banner des Marxis-
       mus" (damals  das führende  philosophische Organ der Sowjetunion)
       forderte führende  Psychologen zu einer Diskussion auf, deren Er-
       gebnis in einem Rechenschaftsbericht abgedruckt ist.
       Ich zitiere  aus diesem  Zusammenhang etwas  genauer,  weil  z.B.
       durch Geuter u.a. im Zusammenhang der Stalin-Periode Leontjew der
       Vorwurf der  Prinzipienlosigkeit gemacht  wurde: Er sei "ein Mann
       für alle  Jahreszeiten". Das exakte Studium der Quellen zeigt das
       genaue  Gegenteil   (und  dies   sollte  eine   Warnung  an  alle
       "Historiker" der  sowjetischen  Psychologiegeschichte  sein,  die
       diese ohne gründliches Quellenstudium betreiben!): Weder Leontjew
       noch Luria  haben die Kritik des Redaktionskollegiums akzeptiert.
       Im Rechenschaftsbericht  heißt es  über ihre Reaktion: "Professor
       Leont'ev, einer  der Vertreter  der  kulturhistorischen  Theorie,
       fand es  nicht nötig, seine theoretische Konzeption der Kritik zu
       unterziehen, die konkreten Fehler seiner Arbeit aufzudecken. Sein
       Auftreten ist  ein Musterbeispiel  dessen, wie man sich gegenüber
       den wichtigsten Fragen an der psychologischen Front nicht verhal-
       ten soll...  Es muß  gesagt werden, daß Luria, der einer der Ver-
       treter der kulturhistorischen Theorie ist, es ebenfalls nicht für
       nötig befand, auf der Sitzung seine fehlerhafte theoretische Kon-
       zeption zu kritisieren. Wie in seinen Arbeiten, so ging Prof. Lu-
       ria auch  in seinem  Beitrag auf  der Sitzung bei der Betrachtung
       des Problemes  der Entwicklung  und des  Lernens beim Kinde davon
       aus, daß  das Zeichen  der bestimmende  Faktor in der Entwicklung
       der Tätigkeit des Kindes ist" (zit. n. Rissom 1981, S. 48).
       Wie hat  man in  diesem Kontext  der Kritik,  der bis in die 50er
       Jahre  die  Rezeption  der  kulturhistorischen  Schule  unmöglich
       machte und  der auch  bis heute  noch vorliegende Verkürzungen in
       ihrer Rezeption mit zu erklären vermag, die Kritik und Selbstkri-
       tik zu  interpretieren, die  Leontjew in  verschiedenen  Arbeiten
       selbst an  dieser Zeit formuliert? Es ist eine Kritik und Kritik-
       fähigkeit, die  den Errungenschaften  der Oktoberrevolution  ent-
       spricht, wie  dies von Leontjew für die Arbeit am Moskauer Insti-
       tut herausgearbeitet wird.
       Bei allen  Unterschieden in  Einzelfragen ist  es die  Arbeit von
       Wissenschaftlern, z.  T. erst  direkt vom Studium kommend, die in
       ihrer Tätigkeit  am reflektologischen Institut Kornilows in einer
       Frage übereinstimmen:  "... daß der einzige Pfad für die Entwick-
       lung einer  wirklich wissenschaftlichen Psychologie ihre Entwick-
       lung als ein Korpus konsistenten Wissens über das Psychische war,
       der marxistisch  in seiner  theoretischen  Grundlage  war"  (A.N.
       Leontjew, zit. n. A.A. Leontjew 1984, S. 8). Wer sich des gemein-
       samen Ziels  der Entwicklung einer marxistischen Wissenschaft be-
       wußt ist,  hat als  Genösse nicht  nur mit allen Kräften schöpfe-
       risch zur Verwirklichung beizutragen, sondern auch jede Kritik in
       ihrem inhaltlichen Gehalt zutiefst ernst zu nehmen, nicht mit in-
       dividueller Gekränktheit,  sondern mit  erhöhter  Auseinanderset-
       zungsbereitschaft und  Steigerung der  Qualität seiner  Arbeit zu
       reagieren. Ich  denke, daß  dies die zentrale Dimension in Leont-
       jews Werdegang  gewesen ist  und daß  der von Geuter u.a. prakti-
       zierte Antikommunismus, der am Leben eines Wissenschaftlers fest-
       machen will,  was er am Werk nicht finden kann, bzw. eine Legiti-
       mation finden  möchte, das  Werk erst  gar nicht  zur Kenntnis zu
       nehmen, erneut  Ausdruck der  Grundtorheit  unseres  Jahrhunderts
       ist.
       
       3. Die Theorie der kulturhistorischen Schule
       --------------------------------------------
       
       Im folgenden  will ich  auf einige  wesentliche Strukturzusammen-
       hänge in  der Theorie der kulturhistorischen Schule eingehen: Ich
       will einiges zu dem Problem der unterschiedlichen Ebenen der Ana-
       lyse des ganzheitlichen Menschen ausführen, sodann auf den Zusam-
       menhang von  Bewußtsein und Tätigkeit und das Problem ihrer hier-
       archischen Struktur  zu sprechen  kommen und schließlich Probleme
       ansprechen, deren  Lösung sich  erst in  dem reifen  Stadium  der
       Theorie abzeichnet:  den Zusammenhang  von  Hierarchisierung  und
       Ganzheitlichkeit der Persönlichkeit.
       
       3.1 Kritik des Dualismus und das Ebenenproblem in der Psychologie
       -----------------------------------------------------------------
       
       Bevor auf  die Struktur der Theorie der kulturhistorischen Schule
       eingegangen wird, ist von der bürgerlich-aufklärerischen Philoso-
       phie, dem  Marxismus-Leninismus und der Stoßrichtung des methodo-
       logischen Programms von Wygotski, Leontjew und Luria zu sprechen.
       All dies  sind Aspekte,  auf die  ich hier  nur aufmerksam machen
       kann und die in der weiteren Rezeption der vertieften Bearbeitung
       bedürfen.
       Viele wichtige Hinweise liefern hierzu bereits die Texte von Band
       l der Leontjew-Edition. Rückgriff auf die bürgerliche Aufklärung,
       dies bedeutet  für Wygotski  insbesondere Rückgriff auf die mate-
       rialistische Philosophie  Spinozas, die  er gegen  den idealisti-
       schen Dualismus  von Descartes  stellt. Diesen  Dualismus, der in
       der Psychologie zum Parallelismus und zur Aufgabe des eigentümli-
       chen Gegenstands der Psychologie, der "Seele" führt, begreift Wy-
       gotski als die erkenntnistheoretische Ursache der "Krise der Psy-
       chologie".
       Ein der  Untersuchung dieses  Themas gewidmetes  Buch blieb lange
       unpubliziert, liegt  unterdessen in  der sechsbändigen russischen
       Wygotski-Ausgabe vor und ist in deutscher Sprache in Vorbereitung
       im Rahmen  der zweibändigen  Wygotski-Ausgabe. Die Auseinanderse-
       tung mit dem Dualismus ist durchgängiges Thema der Theoriebildung
       in der  kulturhistorischen Schule und das Buch Wygotskis wird von
       sowjetischen Kollegen z. T. wissenschaftstheoretisch höher einge-
       schätzt als Thomas Kuhns "Die Struktur wissenschaftlicher Revolu-
       tionen". Daß  die Kritik  der erkenntnistheoretischen  Koexistenz
       bestimmter Formen  der idealistischen  und materialistischen Psy-
       chologie nichts an Aktualität eingebüßt hat, belegen der aktuelle
       Versuch von  Eccles und  Zeier, den  Begriff einer eigenständigen
       Dimension der  "Seele", des  Psychischen zu negieren und ins Jen-
       seits eines objektiven Idealismus zu verlagern ebenso wie die mo-
       dernen Varianten  des subjektiven Idealismus in Form der biologi-
       schen Negierung  einer eigenständigen, auf die objektive Realität
       in Natur und Gesellschaft bezogenen und von deren Gesetzmäßigkei-
       ten determinierten  Kategorie des  Psychischen (so z. B. Maturana
       oder Varela).  Das Psychische verschwindet hier gegenüber dem Ma-
       teriellen, indem es nur noch als Interaktionszustand des biologi-
       schen Systems mit sich selbst betrachtet wird, während es bei Ec-
       cles der in das Register der Gehirnfunktionen eingreifenden gött-
       lichen Substanz  preisgegeben ist. Das Thema, das Wygotski in den
       zwanziger Jahren  aufgreift, ist also höchst aktuell und die kul-
       turhistorische Schule  hat bis  heute wesentliche  Beiträge  dazu
       geleistet und zu leisten (vgl. Wygotski 1972, Dawydow und Illesch
       1982, Radsichowski 1983).
       Was bringt  nun der  Rückgriff auf  Spinoza, auf Hegel, auf Marx,
       Engels und  Lenin? Ausgehend  vom Marxismus  greift Wygotski  bei
       Spinoza die Dimension der Vernunftfähigkeit des Menschen auf. "In
       der Hervorhebung der Rationalität des Menschen, der die ungesteu-
       erte Affektgebundenheit  überwindet, sah Vygotskij persönlich das
       Hauptproblem des  Bewußtseins" (A.N. Leontjew 1971, S. 60). D. h.
       das Verhalten des Menschen wendet sich auf diesen selbst, gewinnt
       Züge des  Willens, geht  aus der Knechtschaft der Affekte hervor,
       obwohl mit  ihnen genetisch  verbunden: Der  Mensch erhält innere
       Freiheit. Die  Dialektik Hegels  liefert den Begriff der qualita-
       tiven Übergänge  in einem  Prozeß eigenständiger Art, der aus Wi-
       dersprüchen entspringt  und sich aufs neue vermittelt: aus Wider-
       sprüchen, die auf der Basis des Marxschen Werkes als je neue Ver-
       mittlung menschlicher  Natur mit ihren historischen Voraussetzun-
       gen, den  in der  menschlichen Geschichte produzierten Produkten,
       Werkzeugen, den ökonomischen, rechtlichen, kulturellen, ideologi-
       schen Verhältnissen,  begriffen werden, also dem Ensemble der ge-
       sellschaftlichen Verhältnisse, in denen das menschliche Gattungs-
       wesen sich  vergegenständlicht. Als  Vermittlung von  Subjekt und
       Objekt  wird   somit  der   Begriff  der     A r b e i t,     der
       m e n s c h l i c h e n   T ä t i g k e i t,   der    P r a x i s
       notwendig. Die  sinnlich-praktische Tätigkeit  der Menschen,  die
       ihre Geschichte selbst, jedoch unter historisch vorgefundenen Be-
       dingungen hervorbringen,  wird zur  zentralen Kategorie. Dies ist
       der Kontext,  in dem  Wygotski neben  den  Feuerbach-Thesen  jene
       Stelle aus  dem Kapital als Ausgangspunkt marxistischer Psycholo-
       gie bestimmt  (vgl. Luria 1979, S. 43): "Wir unterstellen die Ar-
       beit in  einer Form,  worin sie dem Menschen ausschließlich ange-
       hört. Eine  Spinne verrichtet  Operationen, die  denen des Webers
       ähneln, und  eine Biene  beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen
       manchen menschlichen  Baumeister. Was  aber  von  vornherein  den
       schlechtesten Baumeister  vor der  besten Biene auszeichnet, ist,
       daß er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs
       baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das
       beim Beginn  desselben schon  in der  Vorstellung des  Arbeiters,
       also schon  ideell vorhanden war. Nicht daß er nur eine Form Ver-
       änderung des  Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen
       zugleich-seinen Zweck,  den er weiß, der die Art und Weise seines
       Tuns als  Gesetz bestimmt  und dem  er seinen  Willen unterordnen
       muß" (K.  Marx, MEW,  Bd. 23, S. 193). Da die Vorstellung des Ar-
       beiters selbst  aber historisch ist, es kein apriori innerer men-
       schlicher psychischer Dimensionen gibt, dies qua menschlicher Na-
       tur je  gegebene Möglichkeiten  sind, die ihrer Verwirklichung in
       der Aneignung und Durchdringung des Ensembles der gesellschaftli-
       chen Verhältnisse  bedürfen, also "der Herrschaft über die Natur-
       kräfte, die  der sogenannten Natur sowohl, wie seiner eigenen Na-
       tur" (K.  Marx, Grundrisse  ..., S.  387), stellt  sich die Frage
       nach dem  Übergang zwischen  der Möglichkeit und der historischen
       Wirklichkeit als eigenständiger Dimension des Psychischen und der
       Tätigkeit: Um  die Seele  zu finden, so Luria (1966), muß man sie
       aufgeben. Man  darf sie,  obwohl nur im ein/einen existent, nicht
       im einzelnen  Menschen suchen,  sondern in  der  Sozialgeschichte
       (und darüber  hinaus in der Naturgeschichte des Psychischen). Die
       hierfür zentrale  Kategorie ist  die aus der bürgerlichen Aufklä-
       rung  gewonnene  Kategorie  der    W i d e r s p i e g e l u n g,
       durch den  Marxismus auf neues Niveau gehoben: Jene Fähigkeit des
       Arbeiters also,  mit den  ihm historisch verfügbaren Mitteln ver-
       nünftig die  Zukunft zu  antizipieren: das  Produkt  im  Kopf  zu
       bauen. Hier spielt Lenins "Materialismus und Empiriokritizismus",
       also die Kritik am subjektiven Idealismus von Mach und Avenarius,
       eine entscheidende  Rolle.  Entsprechend  bestimmt  Leontjew  als
       w i c h t i g s t e   B e g r i f f e   d e r    P s y c h o l o-
       g i e:
       1. psychische Widerspiegelung der objektiven Welt,
       2. die die Psyche hervorbringende gesellschaftliche Praxis,
       3. die gegenständliche Tätigkeit,
       4. die Einheit von Bewußtsein und Tätigkeit.
       Auf den letzten Punkt komme ich noch gesondert zu sprechen.
       Zentrales Problem der wissenschaftlichen Psychologie ist es also,
       die eigenständige  Dimension des   P s y c h i s c h e n   in der
       Vermittlung von   B i o l o g i s c h e m   und   S o z i a l e m
       zu bestimmen,  ohne einer Variante des Dualismus oder Parallelis-
       mus aufzusitzen:  Zum wesentlichen  Ort wird somit die Bestimmung
       der jeweiligen   Ü b e r g ä n g e   zwischen  diesen Ebenen, ein
       Problem, das  Leontjew später  in "Tätigkeit, Bewußtsein, Persön-
       lichkeit" wie  folgt benennen  wird: "Das allgemeine Prinzip, dem
       die Beziehungen  zwischen den  Ebenen folgen,  besteht darin, daß
       d i e   j e w e i l i g e   h ö h e r e    E b e n e    s t e t s
       d i e   f ü h r e n d e   b l e i b t,   d i e   s i c h  a b e r
       n u r   m i t   H i l f e   d e r  t i e f e r  l i e g e n d e n
       E b e n e n   r e a l i s i e r e n   k a n n   u n d   d a r i n
       v o n   i h n e n  a b h ä n g t.  Somit besteht die Untersuchung
       der Übergänge  zwischen den Ebenen in der Erforschung der mannig-
       faltigen Formen  dieser Realisierungen,  wodurch die Prozesse der
       höheren Ebene  nicht nur konkretisiert, sondern auch individuali-
       siert werden.  Die Hauptsache ist, jenen Umstand nicht außer acht
       zu lassen, daß wir es bei der Untersuchung der Übergänge zwischen
       den Ebenen nicht mit einer Bewegung in einer Richtung, sondern in
       zwei Richtungen  und zudem noch mit einer spiralförmigen Bewegung
       zu tun  haben: mit  der Entwicklung  der höheren  Ebenen und  dem
       'Abfallen' - oder der Umgestaltung - der tiefer liegenden Ebenen,
       die ihrerseits  die Möglichkeit der Weiterentwicklung des Systems
       insgesamt bedingen" (A.N. Leontjew 1979, S. 221). In welcher Form
       findet also  der Übergang, die Vermittlung statt? Wie kann dieser
       im psychophysischen wie psychosozialen Bereich monistisch begrif-
       fen werden?
       
       3.2 Die Funktion des Zeichens im Übergang
       -----------------------------------------
       zwischen sozialer und psychischer Ebene
       ---------------------------------------
       
       In den  frühen Arbeiten  innerhalb der  kulturhistorischen Schule
       wird die zentrale Rolle des sozialen Zeichens für diesen Übergang
       betont. Entsprechend  den im Marxschen Arbeitsbegriff hervorgeho-
       benen einfachen  Momenten des  Arbeitsprozesses wie der Klassifi-
       zierung des  Menschen als  "tool making  animal" wird das Zeichen
       als soziales Werkzeug, insbesondere sprachliches Werkzeug begrif-
       fen, das  zum Moment  der Vermittlung  zwischen dem "Interpsychi-
       schen" und  dem "Intrapsychischen" wird, also zwischen dem sozia-
       len Gebrauch  und der Präsenz in den psychischen Prozessen des je
       einzelnen  Menschen.   Diese  Vermittlung   kann  unmittelbar  im
       sozialen Verkehr  und in  der Kommunikation  geschehen. Sie  kann
       aber auch  mittelbar erfolgen,  insofern nur die Vergegenständli-
       chung der  bisherigen Tätigkeitsprozesse  anderer im Werkzeug ge-
       nutzt wird,  ohne daß diese als Personen präsent sind. In der An-
       eignung des  Werkzeugs, etwa der in einem Buch niedergelegten Be-
       griffe, erfolgt  durch seine Aneignung und Verwendung eine koope-
       rative Verbindung  mit dem Produzenten. Ich habe diesen Zusammen-
       hang zusätzlich  deshalb hervorgehoben, da er im Konzept der Ver-
       mittlung durch  das Zeichen ausdrücklich mitgedacht ist, wenn ich
       auch damit übereinstimme, daß innerhalb der Theorie der kulturhi-
       storischen Schule eine Reihe von Problemen der Analyse der Koope-
       ration noch  ihrer psychologischen Aufklärung harren (vgl. Radsi-
       chowski). Bereits in der ersten Phase der Entwicklung der Theorie
       der kulturhistorischen Schule wird damit von Werkzeuggebrauch und
       Werkzeugproduktion der  Menschen als ihrer wesentlichen anthropo-
       logischen Bestimmung ausgegangen, obwohl - was die Kritiker rich-
       tig sehen,  aber falsch einordnen - diese Fragen zunächst am ver-
       mittelten Element,  dem (insbesondere  sprachlichen) Zeichen, dem
       Wort als Träger der Bedeutung untersucht werden. Aus dieser Phase
       stammt auch  die Einschätzung dieser neuen Auffassung als instru-
       menteile, historische und kulturelle Psychologie.
       I n s t r u m e n t e l l  bezieht sie sich auf die grundsätzlich
       über Zeichen,  Symbole vermittelte  Natur der höheren psychischen
       Funktionen. Der  Mensch modifiziert  aktiv die  Reize und benutzt
       die Modifikation  als Instrument seines Verhaltens. Oder, wie Wy-
       gotski diese  Struktur des  Übergangs  von  "extrazerebralen"  zu
       "intrazerebralen" Verknüpfungen sowohl am Beispiel der Geste, wie
       am Beispiel  des Wortgebrauchs analysiert: Aus der Geste bzw. dem
       Wort "an sich" wird die Geste, das Wort "für andere" und schließ-
       lich die Geste, das Wort "für sich". Betrachten wir diesen Gedan-
       ken kurz an der Entstehung der Geste: Das Verhalten des Kleinkin-
       des ist emotional eingebunden in die Situation zu begreifen; Trä-
       ger der  Kommunikation sind  rudimentäre Formen  der hinweisenden
       Geste, die  aus dem  unmittelbaren Bedürfnis  des Kindes nach dem
       Gegenstand resultieren.  Die "Geste  an sich" hat damit noch kei-
       nerlei kommunikativen  Charakter. Diesen beginnt sie zu gewinnen,
       wenn andere sie als Akt der Kommunikation begreifen. Dies hat na-
       türlich die Vorbedingung, daß entsprechende soziale Voraussetzun-
       gen des Begreifens vorhanden sind, ein Thema, das in der modernen
       Psychoanalyse vor  allem von Spitz im Zusammenhang des Entstehens
       und des Entgleisens des frühen Dialogs behandelt wird. Wir können
       unterstellen, daß  Wygotski sich  dieser Problematik  früh bewußt
       war, insofern sein Aufsatz von 1929 zu den unterschiedlichen Wur-
       zeln von Denken und Sprechen am Beispiel der Zeichen der Gehörlo-
       sen eben  jenes Problem der sozialen Standardisierung von Zeichen
       als Voraussetzung ihrer Verständlichkeit benennt.
       Andere begreifen  also die Tätigkeitsabsicht des Kindes, ihre Ge-
       richtetheit; die  Geste oder  das Wort "an sich" werden zur Geste
       oder dem  Wort "für andere". In diesem Prozeß erfährt nunmehr das
       Kind die Wirksamkeit des von ihm verwendeten Zeichens als Mittel,
       als Werkzeug,  es wird zur Geste oder zum Wort "für es". Dies ist
       der allgemeine  Modus, nach dem Wygotski den Prozeß der Aneignung
       begreift. Alle psychischen Funktionen treten damit zweimal in der
       Ontogenese auf:  als äußere  Zeichen im  sozialen Verkehr und als
       Zeichen "für sich", als Zeichen, deren instrumenteller Charakter,
       deren Bedeutung angeeignet ist.
       Entsprechend wird  Persönlichkeit bereits von Wygotski als "echte
       Neubildung in der Ontogenese" (so Leontjew in "Tätigkeit, Bewußt-
       sein, Persönlichkeit") begriffen, wie das folgende Zitat verdeut-
       licht: "Wir  könnten also  sagen, daß über die anderen wir selbst
       werden und  daß dieses Prinzip sich nicht nur auf die Persönlich-
       keit als  Ganze bezieht, sondern auf die Geschichte jeder einzel-
       nen Funktion.  In diesem besteht auch das Wesen des Prozesses der
       kulturellen Entwicklung,  die in  rein logischer Form ausgedrückt
       wurde. Die Persönlichkeit wird  f ü r  s i c h  das, was sie  a n
       s i c h   ist, über  das, was sie  f ü r  a n d e r e  vorstellt.
       Dies ist  auch der  Prozeß der  Entstehung  der  Persönlichkeit."
       (Wygotski 1960,  zit. n.  Rissom 1981, S. 150, Hervorhebungen von
       Rissoni) Zum  gleichen Resultat kommt Leontjew in "Tätigkeit, Be-
       wußtsein, Persönlichkeit",  wenn er  vom Spiegeln im menschlichen
       Gattungswesen als Kern der Entwicklung der Persönlichkeit spricht
       (A.N. Leontjew  1979, S.  217 f); aber der Weg dorthin wirft kom-
       plizierte Fragen auf. Das unterschiedliche Aufgreifen dieser Fra-
       gen zu  unterschiedlichen Zeitpunkten ist Kern jener Differenz zu
       Wygotski, die  bei Leontjew  ab den  Schriften der Charkower Zeit
       (1931-1934) zum  Ausdruck kommt,  die sich später aber als Diffe-
       renz im Wege, nicht als Differenz in den Ansichten über das Wesen
       der Sache erweist (vgl. auch A.A. Leontjew 1984, S. 14 f).
       Ergänzen  wir   noch  das   Verständnis   von   "kulturell"   und
       "historisch", das dieser psychologischen Schule den Namen gab, um
       auf den  inhaltlichen Kern  dieser Differenzen im Weg sodann ein-
       zugehen.  K u l t u r e l l  verweist auf den Tatbestand, daß die
       Gesellschaft die Art der Aufgaben organisiert, mit denen sich ein
       Mensch auseinandersetzen  muß, wie  auch die  Werkzeuge geistiger
       und materieller Art, mit denen er zur Aufgabenlösung ausgestattet
       wird.  H i s t o r i s c h  meint, daß diese Strukturen und Werk-
       zeuge in  der Sozialgeschichte  der Menschen  eingeführt und ver-
       vollkommnet wurden.
       Wo also liegt der sachliche Kern der in der Charkower Zeit Leont-
       jews auftretenden Differenzen über den Weg?
       
       3.3 Das Problem des Übergangs der Bedeutungen in das
       ----------------------------------------------------
       Bewußtsein und der Zusammenhang von Tätigkeit und Abbild
       --------------------------------------------------------
       
       Der Schlüssel  zu diesen  Differenzen liegt in der Notwendigkeit,
       den Dualismus  (psychosozialen wie  psychophysischen) zu überwin-
       den. Was  waren die  Ergebnisse der  bisherigen Arbeit? Zunehmend
       deutlicher wurde  in der  Anwendung  des    H i s t o r i s m u s
       a l s  E r k l ä r u n g s p r i n z i p  und der Ausdifferenzie-
       rung der  Ebenen die   D o p p e l g e s t a l t   d e s   P s y-
       c h i s c h e n:   einerseits vergegenständlicht  in  den  Errun-
       genschaften des  Gattungswesens, der  Menschheit als  Prozeß, an-
       dererseits dennoch nur in der Tätigkeit der Menschen als Ausdruck
       ihrer bisherigen  psychischen Gewordenheit  wie der Notwendigkeit
       ihrer weiteren  Vermittlung mit  Natur und Gesellschaft existent.
       Es trat  das   D o p p e l p r o b l e m  d e r  B e d e u t u n-
       g e n   auf, deren  Träger das Wort ist, allerdings - dies hatten
       die  frühen  Arbeiten  ergeben  -  jeweils  nur  in  semantischen
       Feldern, also  in inneren  wie äußeren  Bedeutungszusammenhängen.
       Das Wesen der Bedeutungen war durch den instrumentellen Charakter
       der gesellschaftlichen  Werkzeuge, insbesondere  der Sprache  als
       Träger der  Bedeutungen, bestimmt worden. In dieser Hinsicht sind
       die Bedeutungen  im Sozialerbe  geronnene instrumentelle  Mensch-
       heitserfahrungen, die  zugleich nur  durch die  Tätigkeit der  je
       einzelnen Menschen  existieren, also im Bewußtsein und vermittels
       des Bewußtseins.  Die frühen  Arbeiten hatten  nun  ergeben,  daß
       dieses Bewußtsein einen  s y s t e m h a f t e n  u n d  s i n n-
       h a f t e n   B a u    hat,  es  in  seinem  Aufbau  verschiedene
       h i e r a r c h i s c h e  E b e n e n  gibt. Dies wird in Leont-
       jews "Entwicklung  des Gedächtnisses"  mit dem  Übergang von  den
       "natürlichen" zu  den  "sozialhistorischen"  Gedächtnisfunktionen
       herausgearbeitet, oder  in Wygotskis  Arbeiten,  insbesondere  in
       "Denken und  Sprechen" in  den drei Ebenen des affektiv-synkreti-
       stischen Denken des Kleinkindes, im anschaulichen Denken des Vor-
       schulkindes (oder  in der  Pathologie, vgl. Wygotskis "Denken bei
       Schizophrenie", oder  im sogenannten "primitiven Denken" der Völ-
       ker, vgl.  Leontjews "Probleme  der Entwicklung  des Psychischen,
       oder  Lurias   Mittelasienstudie  "Cognitive   Development")  und
       schließlich im  wissenschaftlichen Denken,  das die  Denkprozesse
       von oben  nach unten  organisiert, sie also nach jenem Prozeß der
       "Drehung", von dem Leontjew spricht, zu einem in gesellschaftshi-
       storisch gewordenen Bedeutungsstrukturen vermittelten macht.
       Der Übergang  zwischen der sozialen Ebene und der psychologischen
       Ebene, ausgemacht  und bestimmt  an dem  Problem der Bedeutungen,
       eröffnet nun  zwei Wege,  die in  unterschiedlicher Weise von Wy-
       gotski und Leontjew gegangen werden:
       Wygotski fragt  nach je  neuen Ebenen  des Psychischen, die immer
       "tiefer" liegen, ohne die bisher gewonnenen Einsichten preiszuge-
       ben. Selbstverständlich gilt nach wie vor: "Hinter dem Bewußtsein
       liegt das  Leben." Aber die Frage des Überganges vom Leben in das
       Bewußtsein ist  für Wygotski nur lösbar, wenn er vertieft die in-
       neren Gesetzmäßigkeiten des Psychischen begreift, wenn er die ei-
       gentümlichen Zusammenhänge  zwischen   A f f e k t   u n d   I n-
       t e l l e k t   löst, die innere Dynamik der  e m o t i o n a l -
       m o t i v a t i o n a l e n   P r o z e s s e   rekonstruiert. Es
       ist also  jener Weg,  der über  die Intrasystemzusammenhänge  des
       Psychischen als "funktionelles System" (vgl. Boshowitsch 1979, S.
       752) die eigentümliche Veränderung der Bedeutungen im Übergang in
       das Bewußtsein  und damit  ihren Umbau  im persönlichen  Sinn  zu
       lösen versucht.  Dieser Weg  wird von  Leontjew  insbesondere  in
       späteren Arbeiten  wieder aufgegriffen  und führt systematisch zu
       Erfassung und  Darstellung des Zusammenhangs von Emotion, Affekt,
       Bedürfnis,  Motiv   und  persönlichem   Sinn  (vgl.   "Tätigkeit,
       Bewußtsein, Persönlichkeit").  Andererseits verändern  sich diese
       Intrasystembeziehungen auf  allen Niveaus des Psychischen, wie es
       die  frühen   Ergebnisse  zur  Hierarchisierung  des  Bewußtseins
       ergaben, und  so  scheint  es  zunächst  sinnvoll,  nochmals  und
       vertieft zu  fragen, wie  denn der   P r o z e ß    d e r    B e-
       d e u t u n g s g e n e s e   zu begreifen  ist.  Nur  auf  diese
       Weise kann,  so Leontjew,  exakt bestimmt  werden, was Bewußtsein
       ist. Anders  gesagt, die  Vermittlung von psychischer subjektiver
       Bedeutung  und   gesellschaftlicher  Bedeutung,  der  Prozeß  von
       "Inter" zu "Intra" als Prozeß der  I n t e r i o r i s a t i o n,
       bedarf vertiefter  Bearbeitung, sonst,  so fürchtet Leontjew, er-
       folgt ein Rückfall in die Bewußtseinsauffassung der französischen
       Soziologie, die  das individuelle  Bewußtsein lediglich  als Aus-
       druck des  gesellschaftlichen Bewußtseins,  als "Mit-Wissen", be-
       greift. Was  in der  Kritik an  Wygotski zunächst  nicht  gesehen
       wird, ist  folgendes: Wygotski  gibt nicht  die bereits erkannten
       Gesetzmäßigkeiten auf. Er wendet sich verstärkt der Gerichtetheit
       jeder menschlichen  Tätigkeit und damit den subjektiven Dimensio-
       nen der  Motivation und  Sinngebung zu, untersucht nicht mehr nur
       den Weg von der "Bedeutung zum Leben", sondern auch den umgekehr-
       ten "vom Leben zur Bedeutung": "Weder die Bedeutung noch das Wort
       bewirkt die  Entwicklung des psychischen Lebens. Der Mensch, sein
       Leben, seine Antriebe und Affekte entwickeln sich. Hinter dem Be-
       wußtsein öffnet sich das Leben. Das bedarf aber noch weiterer Un-
       tersuchung, denn hier gibt es keine einfachen Abhängigkeiten", so
       zitiert Leontjew  (1971, S.  61) zu  einem späteren Zeitpunkt Wy-
       gotskis letzten  Vortrag. Auch  die Aufhebung  der Affekte ist an
       die Affektivität  in Form  der sich historisch entwickelnden per-
       sönlichen Sinngebung  gebunden, wie dies auf der Basis der Unter-
       suchungen Leontjews zur Dimension des persönlichen Sinns sichtbar
       wird.
       Während  also   Wygotski  in   dieser  Phase   dem  Problem   der
       "Gerichtetheit" vertieft  nachgeht, greift Leontjew verstärkt den
       Zusammenhang von Bewußtsein und Tätigkeit auf, erforscht das spe-
       zifische  Wechselverhältnis  von    p s y c h i s c h e m    A b-
       b i l d   und   P r o z e ß.   Beide Wege  führen in der späteren
       Entwicklung durchaus  wieder zusammen,  allerdings ist  m.E.  das
       Problem ihrer Vermittlung bis heute noch nicht vollständig gelei-
       stet. Leontjews  "Tätigkeit, Bewußtsein,  Persönlichkeit" liefert
       hierzu Voraussetzungen,  auf die  ich noch zu sprechen komme. Ich
       will am  Beispiel der  Entwicklungspsychologie jedoch diese These
       zunächst belegen,  um dann auf den Weg Leontjews in der Charkower
       Zeit einzugehen.  Aus der Auffassung von Wygotski ergibt sich der
       Weg der  Erforschung der  kindlichen Entwicklung  als Erforschung
       des Prozesses  der inneren Umgestaltung des Psychischen in Phasen
       der relativ  langsamen Entwicklung und Veränderung und in Phasen,
       in denen "die Entwicklung einen stürmischen, ungestümen, manchmal
       katastrophalen Charakter  annimmt",  sich  also  in  krisenhaften
       Übergängen vollzieht  (zit. n.  Rissom 1981,  S. 69).  Soweit ich
       sehe, ist dieser Weg vor allem in den letzten Arbeiten von Bosho-
       witsch wieder  aufgegriffen worden, die Kontinuität und Diskonti-
       nuität im  Entwicklungsprozeß als Ausdruck widersprüchlicher bzw.
       harmonischer Verhältnisse zwischen Erkenntnisprozessen und affek-
       tiven Prozessen  untersucht (Boshowitsch  1979, S. 753). Wiederum
       geschieht dies  nicht unter Aufgabe der erforschten Zusammenhänge
       von Subjekt - Tätigkeit - Objekt, sondern unter erneutem Aufgrei-
       fen der  bereits  gewonnenen  entwicklungspsychologischen  Ergeb-
       nisse. Dies  sind Ergebnisse  einer Entwicklungsspychologie,  die
       vor allem  mit dem  von Leontjew gewählten Weg zusammenfallen und
       die zu  subsumieren sind  in der  Theorie  der    "d o m i n i e-
       r e n d e n   T ä t i g k e i t".   Die Frage  nach der  dominie-
       renden  Tätigkeit  stellen,  heißt  für  die  Periodisierung  der
       Entwicklung folgende Gesichtspunkte hervorzuheben (vgl. Leontjew,
       "Probleme der  Entwicklung des Psychischen", S. 402 f): 1. In der
       dominierenden Tätigkeit  deuten sich bereits neue Tätigkeitsarten
       an: im  vorschulischen Spiel  z. B. die Tätigkeit des Lernens. 2.
       Die dominierende  Tätigkeit führt  zur Bildung  und  Umgestaltung
       psychischer Vorgänge:  Während des  Spiels entsteht  zum Beispiel
       die aktive Phantasie, und während des Lernens entwickeln sich die
       Prozesse des  abstrakten Denkens.  3. Die  dominierende Tätigkeit
       führt zu  den in  der  gegebenen  Entwicklungsstufe  beobachteten
       grundlegenden Veränderungen  der kindlichen  Persönlichkeit.  Die
       Stadien, die  die Tätigkeit  des Kindes durchläuft, sind in ihrer
       inhaltlichen  Seite   damit  abhängig   von  konkret-historischen
       Bedingungen. Ihre  zeitliche Reihenfolge  liegt zwar  fest; "ihre
       Altersgrenzen hängen  jedoch von ihrem Inhalt und dieser wiederum
       von den  konkret-historischen Verhältnissen  ab, unter  denen das
       Kind lebt."
       Zurück zu  den in  der Charkower Zeit gewonnenen Ausgangspunkten,
       die diese  Resultate begreifbar  machen: Leontjew wendet sich er-
       neut den Formen der Vergegenständlichung des Gattungserbes im hi-
       storischen Prozeß  zu. Er  beschränkt die Frage des Übergangs der
       Bedeutungen in das Psychische nicht auf die Kommunikation und den
       sprachlichen Verkehr  und betrachtet  A r b e i t  analytisch als
       p r i m ä r e  und  s p r a c h l i c h e  T ä t i g k e i t  als
       hierzu in   s e k u n d ä r e m  Verhältnis stehende soziale Vor-
       aussetzung für  den Aufbau  des Bewußtseins.  D. h. die Evolution
       der Sprache  ist aus der Evolution der Arbeit zu erklären. Dieser
       Gedanke  ist   der  Hintergrund,   vor  dem  die  Entdeckung  der
       "Morphologie der Tätigkeit und des Bewußtseins" (vgl. A.A. Leont-
       jew 1984,  S. 17-20)  formuliert wird:   A l l e    i n n e r e n
       P r o z e s s e   s i n d  n a c h  d e m  B e i s p i e l  d e r
       ä u ß e r e n   T ä t i g k e i t   g e b a u t  u n d  h a b e n
       d e n   g l e i c h e n   B a u.   Damit wird  es jedoch zugleich
       notwendig, die Auffassung von Tätigkeit grundlegend umzuarbeiten.
       A l l e   i n n e r e n   P r o z e s s e    s i n d    i h r e r
       F o r m   n a c h   T ä t i g k e i t,   d.h. auch das psychische
       Abbild, zu  dem die Tätigkeit nicht als etwas Äußeres hinzugefügt
       werden darf.  Wenn Tätigkeit  also nicht  mehr bloß als Bedingung
       und Ausdruck der Widerspiegelung, so Rubinstein, betrachtet wird,
       sondern als  Prozeß, als  Agens der  Umgestaltung der Beziehungen
       zwischen Subjekt  und Objekt,  die außerhalb  dieser  Beziehungen
       selbst nicht existieren, also als deren übergreifendes Moment, so
       verlangt dies auch ein neues Begreifen der gegenständlichen Seite
       der Tätigkeit  wie der  Widerspiegelungsprozesse, des psychischen
       Abbilds. Ist  die Arbeit  das Primäre,  die Sprache das Sekundäre
       und bleiben  die in  beiden vorhandenen  Strukturen der Tätigkeit
       auch in  den inneren  Prozessen vorhanden, so liegt auf der Ebene
       der Sprache  ebenso wie  auf der  Ebene der inneren Sprache, bzw.
       irn Denken,  eine entsprechend  transformierte Gegenständlichkeit
       vor. Der   B e g r i f f    d e r    G e g e n s t ä n d l i c h-
       k e i t    gewinnt  damit  erst  seine  psychologische  Dimension
       jenseits einer  bloßen Konstatierung  in der  objektiven Realität
       außerhalb   des    Individuums   sinnlich   konstatierbarer   und
       physikalisch erfaßbarer  (belebter und  unbelebter)  Gegenstände.
       Man könnte  davon sprechen,  daß mit  der Entwicklung der inneren
       Sprache zugleich  eine zweite sinnliche Grundlage des Bewußtseins
       entsteht, in  der dann  die umfassende  Orientierung im logischen
       Denken,  also   mit  sozialen   Begriffen  möglich  ist.    D i e
       G e g e n s t ä n d l i c h k e i t    d e r    T ä t i g k e i t
       w i r d   ü b e r   d i e  v e r s c h i e d e n e n  E b e n e n
       h i n w e g   ü b e r    d i e    B e d e u t u n g    t r a n s-
       f o r m i e r t,   wobei sie  als  sinnlich  faßbare  Gegenständ-
       lichkeit des  Wortes jedoch,  so bereits  Wygotski,  im  Gedanken
       verdampft, der  damit reine,  der  sinnlichen  Ebene  entkleidete
       Bedeutung wird,  hinter der die affektive und volitionale Tendenz
       steht ("Denken und Sprechen", S. 354). "Die unmittelbare Kommuni-
       kation zwischen  einem Bewußtsein und einem anderen ist nicht nur
       physisch, sondern  auch psychisch  unmöglich. Sie  kann  nur  auf
       einem indirekten,  vermittelten Weg,  in der  inneren Vermittlung
       des Gedankens  erst durch  die Bedeutungen  und  dann  durch  die
       Wörter erfolgen."  (ebd.) Es  ist dieses  Verhältnis  von  Bedeu-
       tungen, Gegenständlichkeit und Sinnlichkeit, das Leontjew mit dem
       neu bestimmten Tätigkeitsbegriff in der Analyse des Übergangs des
       Prozesses in  das Abbild  (das selbst  als eingebunden  und nicht
       trennbar  vom   Prozeß  der   Tätigkeit  betrachtet   wird,  kri-
       stallisierte Tätigkeit  ist) vertieft analysieren kann. An diesem
       Zusammenhang hat  er bis zu seinem Lebensende gearbeitet, wie aus
       den Materialien  zu einem  umfassenden  Werk  zur    P s y c h o-
       l o g i e   d e s  A b b i l d s  hervorgeht, zu der posthum ver-
       öffentlichte Notizen  auch 1981  auf deutsch erschienen sind. Die
       Ebene  des  Abbilds,  das  ist  die    "f ü n f t e    Q u a s i-
       d i m e n s i o n"   d e r   B e d e u t u n g e n   jenseits der
       vier Dimensionen  von Raum  und Zeit,  das  ist  die  hinter  der
       Sinnlichkeit  (Modalität)   im  Denken  für  das  Individuum  er-
       schlossene   "a m o d a l e"  (nicht-sinnliche), gesetzmäßige Ge-
       stalt der  äußeren Welt  (wie der  Beziehungen zu sich selbst, so
       füge ich  hinzu), also  die Transformation  der bisher  sinnlich-
       praktisch erfaßten Dimensionen der Gegenständlichkeit in die Amo-
       dalität der  Bedeutungen. Abbild und Tätigkeit existieren hierbei
       nicht getrennt.  "Das psychische Abbild ist kein Ding." (Leontjew
       1974, S.  83) "Wissen  und Verallgemeinerungen  werden durch  das
       menschliche Gehirn  gespeichert, doch  nicht als 'fertige' Sache,
       sondern virtuell  - in Form hirnphysiologischer Zustände, die fä-
       hig sind,  das subjektive  Abbild des Objekts zu realisieren, das
       sich dem Menschen in dem einen oder anderen System objektiver Be-
       ziehungen darstellt"  (ebd., S.  85). Insofern  ist das Abbild l.
       unter dem  Gesichtspunkt der  Tätigkeit   R e s u l t a t   d e r
       T ä t i g k e i t,   kristallisierte Tätigkeit,  ein  System  von
       Operationen in  dem Prozeß  der Erfassung  der amodalen Zusammen-
       hänge der  äußeren  Welt,  und  damit  2.  zugleich    W i d e r-
       s p i e g e l u n g   dieser Zusammenhänge  (vgl.  A.A.  Leontjew
       1984, S.  17f). Diese  Dialektik von Abbild und Tätigkeit wird in
       "Probleme der  Entwicklung des Psychischen" in der folgenden Form
       bestimmt:
       Bezogen auf  die Phylogenese analysiert Leontjew: "Die Formen der
       psychischen Widerspiegelung  liegen demnach  in ihrer Entwicklung
       gleichsam jeweils  eine Stufe  tiefer als die Tätigkeitsstruktur,
       und es  gibt zwischen  beiden keine  völlige Übereinstimmung. Ge-
       nauer gesagt:  Eine Übereinstimmung  gibt es  nur im  Moment  des
       Übergangs von  einer Entwicklungsstufe zur anderen. In diesem Mo-
       ment, in  dem eine neue Form der Widerspiegelung entsteht, eröff-
       nen sich  der Tätigkeit  neue Möglichkeiten  und verhelfen ihr zu
       einer höheren  Struktur. Damit ergibt sich zwischen Tätigkeit und
       Widerspiegelung ein  neuer Widerspruch,  diesmal jedoch auf einem
       höheren Niveau"  (A.N. Leontjew  1973, S.  190 f).  Dieses Gesetz
       gilt nicht  nur für die Phylogenese, sondern auch für die Ontoge-
       nese und  die Aktualgenese,  wie es die Arbeiten ab der Charkower
       Zeit vielfältig belegen. Ich verweise für den letzteren Zusammen-
       hang insbesondere  auf die Arbeiten von Galperin und (später) Da-
       wydow, in  denen die  Gesetzmäßigkeiten des Bedeutungserwerbs als
       Interiorisationsprozeß und  insbesondere auch  die  gesetzmäßigen
       Zusammenhänge von empirischer wie theoretischer Verallgemeinerung
       herausgearbeitet worden  sind (vgl.  Jantzen 1983). Tätigkeit und
       Abbild, beide  als widersprüchliche  Einheit in  einem Prozeß be-
       griffen, dessen  Struktur nur  von der Tätigkeit und ihren Trans-
       formationen her  erklärbar ist  und mit diesen zusammenfällt, be-
       dürfen ihrer Vermittlung, der Aufhebung des Widerspruchs wie des-
       sen Wiederentstehen auf höherem Niveau. Übergreifendes Moment ist
       die Tätigkeit,  innere Momente  sind Bedeutung  und Abbild, wobei
       die      B e d e u t u n g      als      E i n h e i t      d e r
       G e g e n s ä t z e  Abbild und Tätigkeit immer aufs neue vermit-
       telt (A.A.  Leontjew 1984,  S. 17).  Eine solche Einheit kann die
       Bedeutung deshalb  sein, weil sich in ihr die Tätigkeit des Indi-
       viduums mit  der äußeren  Welt vermittelt, die Bedeutung (als das
       "Bauen" der  äußeren Welt  im Kopf) zugleich von der Reichhaltig-
       keit der  Beziehungen des  Individuums zur  äußeren Welt determi-
       niert ist,  d. h.  von der Gegenständlichkeit der Lebensprozesse,
       und insofern die Praxis prinzipiell reichhaltiger ist als das Be-
       wußtsein.
       Der Prozeß  der Praxis  erzwingt also  über die  in der Tätigkeit
       auftauchenden und  zu lösenden Widersprüche die Weiterentwicklung
       der Bedeutungen im psychischen Abbild entsprechend den in der Tä-
       tigkeit erfahrenen  und bewältigten  Dimensionen der  Vermittlung
       von Subjekt  und Objekt. Die Fragen des Zusammenhangs von Bewußt-
       sein und  Tätigkeit, die  ich hier an Hand späterer Publikationen
       rekonstruiert habe,  werden in ihren wesentlichen Dimensionen be-
       reits in  den Arbeiten  der Charkower  Zeit gelöst; was jedoch zu
       bearbeiten bleibt,  ist die Vermittlung des Zusammenhangs von Af-
       fektivität und  Erkenntnis, den  Leontjew bereits  damals mit den
       Kategorien von  Sinn und  Motiv programmatisch skizziert, Katego-
       rien, die auch in den Arbeiten Wygotskis eine durchgängige Bedeu-
       tung besessen  haben. Die  Lösung dieser  Fragen ist den späteren
       Arbeiten vorbehalten, die ich im gegenwärtigen Stadium der Leont-
       jew-Edition noch  nicht alle  im Detail  kenne (vgl.  als  ersten
       Überblick A.A.  Leontjew 1984),  wohl aber  das Ergebnis,  das in
       "Tätigkeit, Bewußtsein, Persönlichkeit" vorgestellt wird: Wie ist
       der Zusammenhang von Hierarchisierung der Persönlichkeit als Her-
       ausbildung des  Abbilds, begreifendem  Erkennen und der Ganzheit-
       lichkeit der Persönlichkeit und ihrer psychischen Prozesse zu be-
       greifen?
       
       3.4. "Persönlicher Sinn" als zentrale Kategorie
       -----------------------------------------------
       marxistischer Persönlichkeitstheorie
       ------------------------------------
       
       Wesentlicher Zugang  zu dieser Frage ist die Kategorie des Sinns.
       Sinn bezieht  sich auf die  b e d ü r f n i s r e l e v a n t e n
       E i g e n s c h a f t e n  der Gegenstände, Bedeutung auf die ob-
       jektiven Eigenschaften.  Im Rückgriff  auf die  in "Probleme  der
       Entwicklung  des  Psychischen"  gattungsgeschichtlich  gewonnenen
       Spezifizierungen des  biologischen  wie  des  persönlichen  Sinns
       greift Leontjew dieses Problem in "Tätigkeit, Bewußtsein, Persön-
       lichkeit" umfassend  und erneut auf, insbesondere im Zusammenhang
       der Erörterung  der verschiedenen  Parameter der  Persönlichkeit.
       Aus den  naturhistorischen  Überlegungen  heraus  kann  Sinn  als
       "psychische Selbstreferenz  zur Gattungsnormalität" (vgl. Jantzen
       1985) bestimmt werden, die sich im Augenblick je in den Emotionen
       niederschlägt. Der  Sinn ist sozusagen das amodale (emotional-mo-
       tivationale) Abbild,  das das Individuum von seinen lebensnotwen-
       digen Verhältnissen zu sich und zur Gattung besitzt. Mit der Ent-
       faltung individueller Operationen ab Säugetierniveau bzw. mit Ar-
       beit und  Sprache ab  menschlichem Niveau der Entfaltung von über
       Zeichen vermittelten Operationen verlagert sich dieses Verhältnis
       mehr und  mehr in  die äußere Welt, ab menschlichem Niveau in die
       Vergegenständlichungen der  Sozialgeschichte, die  als Vorausset-
       zungen der  moralischen und  nichtentfremdeten, also humanen Ent-
       wicklung in  der gesellschaftlichen  Praxis ihre Vergegenständli-
       chung finden müssen, um vom einzelnen aneigenbar zu werden; sagen
       wir es mit Wygotski: um von der Persönlichkeit "an sich" zur Per-
       sönlichkeit "für  sich" werden  zu können. Es geht also um Zusam-
       menhänge der  Fragen nach Sinn und Werten, Zusammenhänge, die mit
       der These  "Das Persönliche  ist politisch"  oder im Zusammenhang
       der moralischen  Verantwortung gegenwärtig  vielfältig diskutiert
       werden u.a.m. Der Sinn als  p e r s ö n l i c h e r  S i n n  be-
       stimmt die  allgemeine Struktur der Gerichtetheit der Persönlich-
       keit, freilich nur im ganzheitlichen Zusammenhang der psychischen
       Prozesse, wie  sie Leontjew  in den  d r e i  P a r a m e t e r n
       d e r   P e r s ö n l i c h k e i t s e n t w i c k l u n g  b e-
       s t i m m t ("Tätigkeit, Bewußtsein, Persönlichkeit", S. 207 ff).
       Es  sind   dies  1.  die    v i e l f ä l t i g e n    B e z i e-
       h u n g e n   des Individuums  zur Welt,  2.  der    H i e r a r-
       c h i s i e r u n g s g r a d   der Tätigkeiten, ihrer Motive und
       3. der   a l l g e m e i n e  T y p  der Persönlichkeitsstruktur.
       Hierunter versteht  Leontjew die  inneren Wechselbeziehungen  der
       hauptsächlichen Motivationslinien,  die  in  der  Gesamtheit  der
       Tätigkeiten eines  Menschen gleichsam das allgemeine "psychologi-
       sche Profil"  der Persönlichkeit  bilden,  wobei  auch  die  har-
       monische Persönlichkeit durchaus keine Persönlichkeit ohne innere
       Konflikte ist.
       In diese Auffassung integriert sind Überlegungen zu allen anderen
       höheren psychischen  Funktionen, auf  die ich  an  dieser  Stelle
       nicht näher eingehe.
       Nicht daß  ich meine,  in "Tätigkeit, Bewußtsein, Persönlichkeit"
       seien alle  diese Fragen  bereits umfassend gelöst. Meines Erach-
       tens macht  aber dieses Werk den  Ü b e r g a n g  z u  e i n e r
       n e u e n   E t a p p e   der wissenschaftlichen Psychologie mög-
       lich.
       Eine solche  Etappe der  Reorganisation des  Gesamts der modernen
       Psychologie hatte A.N. Leontjew in der Arbeit an einem nicht mehr
       vollendeten Buch  mit dem Titel "Abbild und Welt" vor Augen (vgl.
       A.A. Leontjew  1984, S.  50). Aus  dem Zusammenhang dieser Arbeit
       stammt  das   bereits  zitierte,   posthum  erschienene  Fragment
       "Psychologie des  Abbilds". Im Zusammenhang eigener Arbeiten, die
       vor einem  baldigen Abschluß  stehen (vgl.  Jantzen 1987), glaube
       ich, daß  mit Leontjews  prinzieller Lösung  der "Psychologie des
       Abbilds" jene Fragen umfassend gelöst werden können, in deren Be-
       arbeitung sich  die Wege  von Leontjew und Wygotski trennten. Ich
       denke, dieser  Ansatz liefert über die durch ihn mögliche Analyse
       des persönlichen Sinns wie seiner Evolution in Phylo- und Ontoge-
       nese die  Voraussetzungen,  die    A f f e k t i v i t ä t    als
       letzte Triebkraft  des Gedankens   s e l b s t   s o z i a l h i-
       s t o r i s c h   im Zusammenhang  der  psychischen  Prozesse  zu
       begreifen. Die  Kategorie des Sinns, als amodales Abbild des Ver-
       hältnisses zur  eigenen Gattung,  das über den auf den Augenblick
       bezogenen Mechanismus  der Emotionen aufs je neue Bedürfnisse und
       Tätigkeit verbindet,  neue Motive  entstehen läßt  und sich durch
       sie ändert,  Basis der  Entstehung der  Vernunft ist und in ihrer
       Entwicklung  entsteht,  liefert  auch  den  Zugang,  jene  Domäne
       bürgerlicher  Psychologie,   die  auf  dem  apriori  der  Affekte
       beharrt, umzugestalten. Es ist dies die Psychoanalyse.
       Das Libidoproblem,  von Freud  als Ausgangspunkt  der Trieb-  und
       Entwicklungspsychologie biologistisch  und psychologistisch  ver-
       kürzt bestimmt,  erweist sich  auf der  Basis der bisherigen Ent-
       wicklung der  Intrasystemzusammenhänge des  Psychischen  und  der
       Kategorie des Sinns als neu aufgreifbar und bestimmbar.
       Nicht Affektabfuhr und Besetzung auf der Basis einer konstant ge-
       dachten Menge  an Urenergie, vielmehr Entwicklung der Affekte als
       wesentlicher Bestandteil  menschlicher Wesenskräfte im Prozeß der
       sozialen Entwicklung  der Menschen  in der  Menschheit, so lautet
       die Lösung.   A u c h   d i e  W u r z e l n  d e r  m e n s c h-
       l i c h e n   A f f e k t e   H e g e n   n i c h t   i n   d e r
       B i o l o g i e,    s o n d e r n    i n    d e r    S o z i a l-
       g e s c h i c h t e;  das Verhältnis von Möglichkeit menschlicher
       Natur  und   Wirklichkeit  der  gesellschaftlichen  Existenz  der
       Menschen stellt  sich hier in der gleichen Weise wie in der Frage
       der Entwicklung  des Bewußtseins. Dies heißt nicht, die Bedeutung
       der affektiven  Strukturen zu  negieren, vielmehr  sie  in  ihren
       wesentlich menschlichen  Dimensionen zunehmend zu begreifen (vgl.
       hierzu ausführlich  meine Analyse  dieser Zusammenhänge in dem in
       Arbeit befindlichen "Lehrbuch der Behindertenpädagogik", 1987).
       "A.N. Leontjew  und die kulturhistorische Schule der sowjetischen
       Psychologie", so habe ich diesen Beitrag überschrieben. Natürlich
       blieben meine Ausführungen auf wichtigste, zentrale Zusammenhänge
       beschränkt. Viele  Autoren und Detailprobleme habe ich nicht ein-
       mal ansprechen  können. Ich hoffe aber verdeutlicht zu haben, daß
       es sich  lohnt, mit den Originalarbeiten der Theoretiker der kul-
       turhistorischen Schule sich umfassend zu beschäftigen, daß dieser
       Theoriezusammenhang keineswegs  überholt  ist,  wie  dies  ebenso
       beckmessernde wie  besserwisserische Kritiker  uns  immer  wieder
       weismachen wollen.  Er bedarf  weder  einer  "Reininterpretation"
       noch ist  er, wie dort behauptet, in der "Kritischen" Psychologie
       dialektisch aufgehoben.  Und daß er gar einer Ergänzung durch die
       Psychoanalyse bedürfte,  so Thielen  unlängst, zeigt sich bei um-
       fassendem Aufgreifen  und Begreifen der hier entwickelten Katego-
       rien in seinem Kern als schlichte Unkenntnis.
       Eine entwickelte Theorie der Persönlichkeit muß sich auf Wygotski
       und Leontjew, Luria, Elkonin, Boshowitsch u. a. m. beziehen. Ohne
       die Aneignung des wissenschaftlichen Erbes der kulturhistorischen
       Schule der sowjetischen Psychologie, ihrer philosophischen Grund-
       legung, ihrer  wissenschaftlichen Kategorien wie ihrer vielfältig
       nachgewiesenen Praxisrelevanz  ist keine wirklich wissenschaftli-
       che Psychologie entwickelbar.
       
       Literaturverzeichnis:
       ---------------------
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