Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       DAS FLEXIBILISIERUNGSKONZEPT DES KAPITALS UND DIE PERSPEKTIVE
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       DES KAMPFES UM DAS NORMALARBEITSVERHÄLTNIS
       ==========================================
       
       Klaus Pickshaus
       
       1. Zur  Fragestellung -  2. Flexibilisierung:  Grundlagen, Trieb-
       kräfte und  strategische Konzepte - 2.1. Technologischer Umbruch,
       neuer Rationalisierungstyp  und Intensivierung der lebendigen Ar-
       beit -  2.2. Soziale und politische Voraussetzungen und Wirkungen
       des Flexibilisierungskonzepts  der Kapitalverbände - 2.3. Deregu-
       lierung als politisches Konzept des konservativen Umbaus - 3. Em-
       pirische Zwischenbilanz  - die  Verbreitung flexibilisierter  Ar-
       beitszeiten und Beschäftigungsverhältnisse - 3.1. Die Erosion des
       Normalarbeitsverhältnisses -  3.2. Dimensionen und Trends der Ar-
       beitszeitflexibilisierung -  3.3. Widersprüche  und Trends  -  4.
       Konflikte um  Flexibilisierung und gewerkschaftliche Arbeitszeit-
       politik -  4.1. Von der Konfrontation zum Sozialkompromiß? - 4.2.
       Unterschiedliche Durchsetzungskonzepte  des Kapitals  - 4.3.  Zur
       Perspektive gewerkschaftlicher Arbeitszeitpolitik
       
       1. Zur Fragestellung
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       Nach den  Tarifkompromissen in der Metall- und Druckindustrie vom
       Frühjahr 1987 hat eine Diskussion begonnen, vor welchen Problemen
       und Aufgaben  die Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung in den kom-
       menden Jahren steht. Zwar bleibt auch nach der jetzt bis zum Ende
       der achtziger Jahre vereinbarten 37-Stunden-Woche die Aufgabe der
       Verallgemeinerung dieser Regelung und der Durchsetzung des weite-
       ren Schritts  zur 35-Stunden-Woche  bzw. noch  weitergehender Ar-
       beitszeitverkürzungen. Dennoch  ist das  Problem der  Perspektive
       gewerkschaftlicher Arbeitszeitpolitik aufgeworfen, zumal in allen
       Tarifvereinbarungen in/wischen Arbeitszeitverkürzung mit Regelun-
       gen einer Flexibilisierung verbunden ist.
       Die Tarifabschlüsse  von 1987 sind, auch ohne daß es zu einem of-
       fenen Arbeitskampf  kam, zweifellos Ergebnis eines neu austarier-
       ten Kräfteverhältnisses,  das in  widersprüchlicher Weise die ge-
       stärkten Positionen des Kapitals wie auch die relative Stabilität
       und Gegenmachtfähigkeit  der Gewerkschaften  ausdrückt. Es bleibt
       die Frage,  welchen Stellenwert  das Kapital und die konservative
       Regierung im  beabsichtigten Modernisierungs-  und  Flexibilisie-
       rungsschub Integrationsangeboten  an die  Gewerkschaften zumessen
       wollen und  können. Bekanntlich  ist das Flexibilisierungskonzept
       nicht nur ein taktisch angelegter Gegenentwurf der Unternehmer zu
       einheitlichen Arbeitszeitverkürzungen, wie sie die Gewerkschaften
       fordern. Es  stellt vielmehr  ein umfassendes  Programm der  Neu-
       strukturierung der  Arbeits-, Sozial- und Klassenbeziehungen dar,
       durch das kollektive Schutzrechte aufgelöst und die Basis gewerk-
       schaftlicher Handlungsfähigkeit  entzogen werden  soll.  Zugleich
       wird in  den konservativen  Entwürfen das Programm der Flexibili-
       sierung mit  der Aura eines Zukunftsoptimismus umgeben, der Indi-
       vidualitätsentfaltung und Autonomie in der Arbeitsgestaltung ver-
       heißt. Es  ist also  auch nach  den ökonomischen  Grundlagen  und
       Triebkräften für die Flexibilisierung zu fragen um Konfliktlinien
       und  Anforderungen   an  eine  gewerkschaftliche  Alternative  zu
       ermessen.
       Es ist  offenkundig, daß  in der aktuellen Periode tiefgreifenden
       technologischen und  gesellschaftlichen Umbruchs  das Kapital bei
       der Durchsetzung  der wissenschaftlich-technischen  Veränderungen
       und den  damit verbundenen Kräfteverschiebungen einen erheblichen
       Vorlauf gewonnen hat gegenüber befindet sich die Arbeiterbewegung
       eher  in   einer  Phase   der  Verteidigung   und   komplizierten
       Einstellung auf die sich schnell verändernden neuen Prozesse ohne
       schon in  der Lage zu sein, durch die Sammlung aller Kräfte und S
       Mobilisierung  für   ein  eigenes   Zukunftskonzept  eine  andere
       reformorientierte Entwicklungsvariante durchsetzen zu können. Die
       technologische Modernisierung  bleibt jedoch  von den  nationalen
       und internationalen  Tendenzen de kapitalistischen Akkumulations-
       prozesses  einschließlich   der  hieraus   resultierenden  Krisen
       bestimmt. Kommt  es zu  einer Zuspitzung weltwirtschaftlicher und
       nationaler  Krisenentwicklungen,   zu  steigender  Massenarbeits-
       losigkeit und  Strukturkrisen, dann werden soziale und politische
       Spaltungs- und Polarisierungsprozesse zu einer schweren Bedrohung
       für die Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung. Da der Sektor "unge-
       schützter" Arbeitsverhältnisse  ach schon jetzt schnell ausdehnt,
       rücken  die   Sicherung  und   der  Ausbau   des   Normalarbeits-
       verhältnisses ins Zentrum des gewerkschaftlichen Kampfes.
       
       2. Flexibilisierung: Grundlagen, Triebkräfte
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       und strategische Konzepte
       -------------------------
       
       Die Flexibilisierungsvorstellungen  der Unternehmer beziehen sich
       auf vielfältige  Bereiche und unterschiedliche Ebenen: Flexibili-
       sierung der Lohne und des Tarif- und Sozialrechts, der Beschäfti-
       gungsformen und  -verhältnisse wie  Flexibilisierung der Arbeits-
       zeitsysteme. Hier sollen eingehender diejenigen Formen betrachtet
       werden, die  auf eine  optimale Anpassung  des gesellschaftlichen
       Arbeitskräftepotentials an  die neuen  Produktionsbedingungen und
       jeweiligen betrieblichen Abläufe zielen.
       
       2.1. Technologischer Umbruch, neuer Rationalisierungstyp
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       und Intensivierung der lebendigen Arbeit
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       Eine Methode,  die Arbeitszeit  nach Maßgabe der Verwertungsziele
       des Kapitals  an die  jeweiligen Produktions- und Nachfragebedin-
       gungen anzupassen,  ist seit  langem  bekannt:  Überstunden  oder
       Kurzarbeit sowie Schichtsysteme sind klassische Formen. Es stellt
       sich die  Frage, inwieweit mit der Herausbildung eines neuen Typs
       der Produktionsmittel,  dessen Kernelemente die Informationstech-
       nologien sind,  und mit  der Durchsetzung eines darauf beruhenden
       neuen Rationalisierungstyps  auch Grundlagen  und Gestaltungsmög-
       lichkeiten von  Arbeitszeitflexibilisierung ein  neues Niveau er-
       reicht haben.
       Charakteristikum von Informationstechnologien und neuen Automati-
       onstechniken ist ihre außerordentliche Flexibilität in der Anwen-
       dung und zugleich ihr Steuerungs- und Regelungspotential, das die
       räumliche und  zeitliche Entkoppelung  der menschlichen Tätigkeit
       von der  Maschine ermöglicht  und damit den Spielraum für die Ge-
       staltung von  Arbeitsplatz- und  Arbeitszeitstrukturen erweitert.
       Dies ist  die objektive  Basis für die Flexibilisierungsstrategie
       des Kapitals;  zugleich eröffnen  die Veränderungen  bei entspre-
       chender betrieblicher und gewerkschaftlicher Gegenmachtentfaltung
       Eingriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Arbeiterklasse.
       Die breite  Einführung von  elektronischen, informationsverarbei-
       tenden Technologien  zusammen mit anderen neuen Techniken in Pro-
       duktion, Verwaltung und Zirkulation erfolgt heute unter dem Zwang
       zur  umfassenden  Intensivierung  der  Kapitalreproduktion.  Seit
       Mitte der  70er Jahre drängen verschiedene Faktoren, die aus Ver-
       änderungen der  inneren und äußeren Kapitalverwertungsbedingungen
       resultieren, "auf  einen solchen  Umbruch in  Richtung auf  einen
       spezifischen, von  den Bedingungen  der  wissenschaftlich-techni-
       schen Revolution geprägten Typ der intensiv erweiterten Reproduk-
       tion." 1)  Verengte Märkte,  stagnierendes Wachstum sowie ein zu-
       nehmender Kosten-und  Zeitdruck (u.  a. als Folge des schnelleren
       moralischen Verschleißes  der neuen  Technologien) lassen die Un-
       ternehmer zu neuen Formen der Ökonomisierung übergehen. Sie rich-
       ten sich  in erster Linie auf das konstante Kapital, auf eine Re-
       duktion der Kapitalbindung im Reproduktionsprozeß überhaupt, aber
       auch auf eine Ökonomisierung des variablen Kapitals, also der le-
       bendigen Arbeit.
       Die Umsetzung  solcher Strategien, deren notwendige Voraussetzung
       computergestützte Organisations-  und Steuerungstechnologien bil-
       den, ist  als "neuer Rationalisierungstyp" beschrieben worden. 2)
       Er ist u.a. durch folgende Merkmale charakterisiert:
       Erstens richten  sich die  neuen Strategien  auf eine Integration
       aller Teilprozesse  und  bisher  inselartigen  Rationalisierungs-
       schritte in  einen betrieblichen  Gesamtablauf. Dies  zielt durch
       die Verbesserung der Durchlaufzeiten, des Nutzungsgrades der ver-
       schiedenen Bearbeitungsstationen und ihrer rationelleren Verknüp-
       fung auf  eine Umlaufbeschleunigung  des konstanten  Kapitals und
       eine Optimierung bzw. Reduzierung des Kapitaleinsatzes. "Just-in-
       time"-Produktion und  neue EDV-gestützte  materialwirtschaftliche
       Logistiksysteme, die  als Ziel  eine  "lagerlose  Fertigung"  und
       "bestandslose Distribution"  haben, sind Elemente solcher Planun-
       gen.
       Damit ist  ein zweites Merkmal angesprochen: die Einbeziehung der
       zwischenbetrieblichen Zusammenhänge,  vor allem  die datentechni-
       sche Verknüpfung  mit den  Zuliefer- und  Vertriebsfirmen, die so
       noch stärker an das Konzernkapital gebunden werden.
       Drittens konzentrieren sich die neuen Rationalisierungsstrategien
       auf das  "elastische Potential von Technik." 3) Die neuen Techno-
       logien ermöglichen eine höhere Flexibilität der Anlagen, die eine
       schnellere Produktumstellung  und Typenvariation  erlaubt.  Durch
       wachsende Anlagenflexibilität,  die heute  insbesondere schon  in
       der Automobilindustrie  (Elemente einer  flexiblen Automation) zu
       finden ist, kann das Einzelkapital schneller auf Marktveränderun-
       gen reagieren, um seine Konkurrenzposition zu verbessern.
       Die Rationalisierungsstrategien zur Ökonomisierung des konstanten
       Kapitals sind  mit Konzepten  einer flexibleren  und intensiveren
       Nutzung der  lebendigen Arbeit verbunden. Ökonomisierung von kon-
       stantem und  variablem Kapital gehen insofern Hand in Hand. Deut-
       lich wird dies bei Betrachtung der in verschiedenen Formen inten-
       dierten Flexibilisierung  der Arbeitszeitsysteme  und  Beschäfti-
       gungsverhältnisse; sie  ist Bestandteil einer personalwirtschaft-
       lichen Einsatzplanung, die auf die Bedingungen des neuen Rationa-
       lisierungstyps reagiert  und zugleich  die Verwertungs- und Mach-
       tinteressen des Kapitals adäquat realisiert.
       Zum einen  sollen durch  Veränderung der  Arbeitsorganisation und
       neue Arbeitszeitsysteme  das Arbeitskräftepotential an die jewei-
       ligen Produktionsund  Auftragsrhythmen mit  ihren konjunkturellen
       und saisonalen Schwankungen angepaßt, kürzere Durchlaufzeiten er-
       reicht und  die Betriebsnutzungsdauer ausgeweitet werden. Zum an-
       deren ist  Flexibilisierung ein Mittel zur Intensivierung der le-
       bendigen Arbeit.  Durch die  Anpassung der  Arbeitszeiten der Be-
       schäftigten an  den Produktions- und Absatzverlauf werden die Po-
       ren des Arbeitstages verdichtet, indem Zeiten geringerer Arbeits-
       belastung, Stillstands- und Leerlaufzeiten verringert oder ausge-
       schaltet werden  sollen. Darüber  hinaus  versucht  das  Kapital,
       Lohnkosten unmittelbar  einzusparen, indem für manche Beschäftig-
       tengruppen Löhne  und Lohnnebenkosten reduziert sowie Personalre-
       serven zum Ausgleich von Produktionsschwankungen und Überstunden-
       zuschläge eingeschränkt werden.
       Der einzelnen  Arbeitskraft soll  aber nicht  nur ein  Maximum an
       Mehrarbeit abgepreßt  werden. Das  Kapital verfolgt auch das Ziel
       einer verstärkten  Kontrolle und Unterwerfung des Gesamtarbeiters
       und der  Erschwerung aller  Ansätze zur  betrieblichen Formierung
       der Arbeiterklasse. Eine Zersplitterung der Lohnarbeiter mit ver-
       schiedenen Arbeitszeitmustern  und vertiefte  Segmentierungen  in
       Stamm- und  Randbelegschaften mit  unterschiedlichen Betriebsbin-
       dungen und -loyalitäten sind schon Ergebnisse der bisherigen Fle-
       xibilisierungsmaßnahmen.
       
       2.2. Soziale und politische Voraussetzungen und Wirkungen
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       des Flexibilisierungskonzepts der Kapitalverbände
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       Umfangreiche Flexibilisierungsforderungen  wurden zum  ersten Mal
       in der  Öffentlichkeit von  Gesamtmetall in den Tarifauseinander-
       setzungen 1984  vertreten. 4)  Inzwischen sind  die  Kernelemente
       dieses Konzepts  von den  Unternehmerverbänden übernommen  worden
       (z.B. im  Bankentarifkonflikt 1987)  und zum  zentralen Programm-
       punkt der  Bundesvereinigung der  Arbeitgeberverbände (BDA) avan-
       ciert. 5)  Die Kapitalorganisationen verarbeiten damit die Verän-
       derung der Verwertungsbedingungen und entwickeln vereinheitlichte
       Handlungskonzepte. In  dieser  Strategie  zielt  Flexibilisierung
       nicht nur  auf die  personalwirtschaftliche "Ergänzung" der neuen
       technologischen Rationalisierungsprozesse,  sondern generell  auf
       eine Unterhöhlung und Aufweichung sozialer und kollektiv-rechtli-
       cher Normen  und Standards  der Arbeitsbeziehungen  und damit auf
       eine Einengung  gewerkschaftlicher  Gegenmachtmöglichkeiten.  Der
       auf die Verbesserung der Weltmarktpositionen orientierte Moderni-
       sierungskurs als  strategische Linie des bundesdeutschen Kapitals
       schließt somit auch eine Neufixierung der sozialen und Klassenbe-
       ziehungen ein.
       Für die Durchsetzung der Flexibilisierungspolitik spielen mehrere
       Faktoren eine Rolle:
       1. Die Grundkonstellation  wird durch  das zunehmende Gewicht der
       industriellen Reservearmee  bestimmt, das die Position der Arbei-
       terklasse und ihrer Gewerkschaften im System der Klassenbeziehun-
       gen seit Mitte der 70er Jahre geschwächt hat. Alle Prognosen wei-
       sen darauf  hin, daß mit einem anhaltend hohen Niveau der Massen-
       arbeitslosigkeit bis  in die  90er Jahre  zu rechnen ist; es wird
       bei zyklischen  Krisenverschärfungen  weiter  emporschnellen,  da
       aufgrund des  kapitalsparenden Charakters der neuen Rationalisie-
       rungstechnologien weder  ein neuer  Wachstumsschub noch eine Aus-
       weitung der Arbeitsplätze zu erwarten sind, wenn nicht beschäfti-
       gungspolitische Maßnahmen durchgesetzt werden. 6)
       Mit der Flexibilisierung von Beschäftigungsverhältnissen wird der
       Wirkungsmechanismus der  Reservearmee weiter verstärkt, indem bei
       einem Abbau  sozialer Schutzrechte die Personalauswahl der Unter-
       nehmen mit ihren Folgen für Verteilung und Selektion der Arbeits-
       kräfte erleichtert  wird. Zugleich  verstärkt sich durch die Seg-
       mentierung der  Belegschaften in  Kerngruppen mit  relativ festen
       sozialen Absicherungen und wenig geschützte Randbelegschaften der
       Druck auf  das ganze innerbetriebliche Gefüge mit allen Wirkungen
       einer Disziplinierung  und Intensivierung  der Arbeit,  aber auch
       der Differenzierung  in  den  Interessenlagen  der  verschiedenen
       Lohnabhängigen-gruppen. Die  Randbelegschaften werden  zu Puffern
       des flexiblen Arbeitskräfteeinsatzes.
       "In diesem  System ist  die Arbeitslosigkeit sozusagen in Gestalt
       von  Unterbeschäftigungsformen  ins  Beschäftigungssystem  'inte-
       griert', damit  aber auch  eingetauscht  worden  gegen  eine  Ge-
       neralisierung von Beschäftigungsunsicherheiten...". 7) Diese Per-
       spektive einer "Zweiteilung des Arbeitsmarktes entlang standardi-
       sierter und  entstandardisierter Einsatznormen von Arbeitskraft",
       8) wie  U. Beck  sie durch den Flexibilisierungs- und Modernisie-
       rungsschub erwartet,  ist aber nicht unvermeidliches Ergebnis der
       "Explosivität der  Entwicklung in  der Entfaltung  der Produktiv-
       kräfte", die  "die Verhältnisse des Arbeitsvertrages und Arbeits-
       marktes" 9)  sprengt, sondern  Ziel einer   p o l i t i s c h e n
       Deregulierungsstrategie des Kapitals, die auf dem arbeitsmarktpo-
       litischen Machtvorsprung  aufbauen kann  und ihn  weiter ausbauen
       will.
       2. Anknüpfungspunkte für Flexibilisierung sind zweifellos auch in
       der Differenzierung von Arbeitszeitwünschen der Lohnabhängigen zu
       finden. Die "stille" Durchsetzung von Gleitzeitsystemen insbeson-
       dere im  Angestelltenbereich ist u.a. Ausdruck für das zunehmende
       Bedürfnis nach  selbstbestimmter Arbeitszeiteinteilung. Individu-
       elle Ansprüche auf freiere Disposition bei der Gestaltung der Ar-
       beitszeit sind  nach sozialer  Lage, familiärer  Lebenssituation,
       Qualifikation, Einkommen  und Arbeitsbedingungen  unterschiedlich
       ausgeprägt und  vor allem unterschiedlich realisierbar. Präferen-
       zen für  flexible Arbeitszeit  sieht G.  Bosch u. a. in folgenden
       Gruppen: 10)
       - unter Lohnabhängigen  mittlerer und  höherer Einkommensgruppen,
       die Freizeitgewinn auch mit Verzicht auf Einkommensanteile reali-
       sieren (z. B. Lehrer);
       - unter der  zunehmenden Zahl  von Ein- und Zweipersonen-Haushal-
       ten, deren  Zeitdisposition nicht  so sehr  durch ihre familiären
       Lebenszusammenhänge gebunden ist;
       - unter der  zunehmenden Zahl von Studenten, die infolge schlech-
       terer sozialer  Absicherung zu Teilzeit- und Gelegenheitsarbeiten
       gezwungen sind;
       - unter der wachsenden Masse berufstätiger Frauen - vor allem un-
       ter den  Müttern, die aufgrund der Defizite im gesellschaftlichen
       Reproduktionsbereich kürzere  Arbeitszeiten wünschen  und deshalb
       Teilzeittätigkeiten annehmen.  Da  die  Frauenerwerbsquote  trotz
       Krise weiter ansteigt, wächst auch dieses Potential für instabile
       und flexible Arbeitsverhältnisse.
       Als eine  entscheidende Determinante  erweist sich  auch hier der
       Druck der  Reservearmee, der es dem Kapital ermöglicht, die Ange-
       botsbedingungen zu  diktieren, um  persönliche Arbeitszeitwünsche
       für die  Flexibilisierung zu  nutzen. Mit  dem Lockruf wachsender
       "Zeitsouveränität" wird  versucht, die Arbeitszeitbedürfnisse von
       Lohnabhängigen, die  höchst ambivalent "akute Notsituationen, Ab-
       hängigkeiten und  Konkurrenzbeziehungen wie auch neue Möglichkei-
       ten zur  individuellen Entfaltung"  widerspiegeln, 11)  für  eine
       Durchlöcherung  "starrer"   tarifvertraglicher  und   rechtlicher
       Schutzbestimmungen betreffs  Lage und  Dauer der  Arbeitszeit  zu
       mißbrauchen. Damit  soll zugleich  der gewerkschaftliche Kampf um
       einheitliche Verkürzung der Arbeitszeit unterlaufen werden.
       Die Flexibilisierungsstrategie  des Kapitals  kann  Durchschlags-
       kraft erhalten,  weil sie  Erfordernisse moderner  Produktion und
       Möglichkeiten der  Informationstechnologien aufgreift und gleich-
       zeitig Anknüpfungspunkte  in den  unterschiedlich  geprägten  Ar-
       beitszeitinteressen der Lohnabhängigen findet. Eine entscheidende
       Voraussetzung hierfür  ist der arbeitsmarktpolitische Machtgewinn
       der Unternehmer.
       
       2.3. Deregulierung als politisches Konzept
       ------------------------------------------
       des konservativen Umbaus
       ------------------------
       
       Das auf  die betriebliche  und tarifliche Ebene zielende arbeits-
       zeitpolitische Flexibilisierungskonzept  der Unternehmer wird auf
       politisch-staatlichem Gebiet  durch arbeits- und sozialrechtliche
       sowie  beschäftigungspolitische  Deregulierungsvorstellungen  er-
       gänzt. Deregulierung bedeutet hier Abbau aller Rechte und Maßnah-
       men, die  dem arbeitsrechtlichen  und sozialen Schutz der Lohnab-
       hängigen dienen  sollen. Damit  werden keine "rechtsfreien Räume"
       geschaffen,  sondern   in  wachsendem  Maße  kollektivrechtlicher
       Schutz als  Errungenschaft der Arbeiterbewegung durch die indivi-
       duellen Formen des Zivilrechts ersetzt.
       Das Programm der Deregulierung ist Teil eines grundlegenden Stra-
       tegiewechsels des  Monopol- und  Finanzkapitals, mit dem zentrale
       wirtschafts- und sozialpolitische Umorientierungen vollzogen wur-
       den und der sich in der Etablierung einer konservativ-sozialreak-
       tionären Herrschaftsvariante  realisierte.  Eine  Regierungsüber-
       nahme durch den konservativen Machtblock wurde, nicht zuletzt an-
       gesichts der  offenen Krise  des sozialliberalen  Integrationsmo-
       dells zu  Beginn der  80er Jahre, als Voraussetzung dafür angese-
       hen, ein konsistentes Programm des konservativen Umbaus und damit
       einer grundlegenden  Neugestaltung der  ökonomischen und  politi-
       schen Kräfteverhältnisse durchzusetzen. 12)
       Für den  "modernen" Konservatismus in der BRD, wie ihn die Späth-
       Kommission "Zukunftsperspektiven  gesellschaftlicher  Entwicklun-
       gen" (1983)  repräsentiert, erfordern die neuen Techniken die Be-
       freiung "von  der Bindung  der Produktion an die starren Arbeits-
       zeitregelungen von  Tarifverträgen,  Arbeitszeitverordnungen  und
       Geschäftszeiten". 13)  Den an  diesen neuen Technologien Beschäf-
       tigten wird  unter solchen  Bedingungen autonomes,  kreatives und
       flexibles Arbeiten  verheißen. 14) In dieser Vision sind zweifel-
       los Übereinstimmungen  mit den  Auffassungen sozialdemokratischer
       Modermsierungsvertreter feststellbar.  15) In  der  konservativen
       Strategie -  gleich welcher  Variante - wird allerdings keine Un-
       klarheit darüber  gelassen, daß der Staat, falls die Gewerkschaf-
       ten Flexibilisierung  nicht als  zwangsläufige Konsequenz der Mo-
       dernisierung der  Wirtschaft akzeptieren,  durch eine Veränderung
       der gesetzlichen Regelungen den Flexibilisierungsschub unterstüt-
       zen wird.
       Mit der  Deregulierung wird  auf einen Lebensnerv gewerkschaftli-
       cher Politik  gezielt: die allgemeine Schutzwirkung von Tarifver-
       trägen und  Sozialgesetzen. Das zentrale politische Ziel der kon-
       servativen Politik ist eine derartige Schwächung der Gewerkschaf-
       ten, daß  ihnen zur  organisatorischen Bestandssicherung die Ein-
       bindung in  einen -  konservativ definierten  - "sozialen Konsens
       als letzte  Möglichkeit erscheint. Deregulierung umfaßt nicht nur
       den Abbau  dieser oder  jener Sozialleistung, sondern einen gene-
       rellen Umbau  der institutionellen  und rechtlichen Verhältnisse,
       die das Sozial- und Arbeitsrecht, das Arbeitskampfrecht, das Kol-
       lektivvertragssystem, die Arbeitsmarktregulierung usw. betreffen.
       Marksteine dieses  Umbaus sind die "Haushaltsoperationen 1982 bis
       1984 sowie  vor allem  das sogenannte  "Beschäftigungsförderungs-
       gesetz (BeschFG)  von  1985,  mit  dem  durch  ein  "gelenkigeres
       Arbeitsrecht -  so die Regierungsbegründung - massiv Schutzrechte
       ausgehöhlt werden, ferner die Änderung des § 116 AFG vom Frühjahr
       1986, mit  der Streiks  zum organisatorischen  Existenzrisiko der
       Gewerkschaften werden.
       Wenn auch  mit inneren  Widersprüchen und sozialpolitischen Manö-
       vern, wird dieser Deregulierungskurs auch nach den Bundestagswah-
       len 1987 von der konservativen Regierung fortgesetzt. Der Entwurf
       eines neuen Arbeitszeitgesetzes, das die bisher geltende Arbeits-
       zeitordnung (AZO)  ablösen soll, sowie die Pläne für eine Verlän-
       gerung des BeschFG, das die Ausbreitung flexibler Arbeitsverhält-
       nisse massiv gefördert hat, über 1990 hinaus, belegen dies.
       
       3. Empirische Zwischenbilanz - die Verbreitung flexibilisierter
       ---------------------------------------------------------------
       Arbeitszeiten und Beschäftigungsverhältnisse
       --------------------------------------------
       
       3.1. Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
       -----------------------------------------------
       
       Mit den  tiefgreifenden Umbruchprozessen  und dem Anschwellen von
       Dauerarbeitslosigkeit wird  eine Krise  des Normalarbeitsverhält-
       nisses konstatiert.  16) G. Bosch hat den Begriff "Normalarbeits-
       verhältnis" als  "eine stabile,  sozial  abgesicherte,  abhängige
       Vollzeitbeschäftigung"   definiert,    "deren   Rahmenbedingungen
       (Arbeitszeit,  Löhne,  Transferleistungen)  kollektiv-vertraglich
       oder arbeits-  bzw. sozialrechtlich auf einem Mindestniveau gere-
       gelt sind".  17) Zweifellos ist eine solche Definition historisch
       konkret für  die BRD  zu  fassen;  sie  beschreibt  eine  Verall-
       gemeinerung von sozialen Mindeststandards der Verkaufsbedingungen
       der Arbeitskraft, von denen immer auch Gruppen der Arbeiterklasse
       ausgeschlossen blieben  (viele Ausländer  und Frauen z.B.). Diese
       Verallgemeinerung  ist  als  ein  Ergebnis  des  Kampfes  um  die
       Normierung des  Arbeitstages und  der  Stärke  gewerkschaftlicher
       Gegenmacht zu  verstehen  -  unterschiedlich  ausgeprägt  in  den
       einzelnen Branchen,  Betrieben und Regionen -, die das Wirken des
       Reservearmeemechanismus zumindest  einschränken konnte.  Die Aus-
       höhlung des  Normalarbeitsverhältnisses wird vorangetrieben durch
       die neuen  Kapitalstrategien, die  über Zeitverträge,  Leiharbei-
       tereinsatz und  Expansion der  Teilzeitarbeit den Personaleinsatz
       flexibilisieren und  die durch gesetzliche Eingriffe in das Sozi-
       alsystem flankiert werden.
       Während Arbeitszeitflexibilisierung  mit den  Arbeitskämpfen 1984
       zu einem  erstrangigen Konfliktthema  wurde, konnte die konserva-
       tive Regierung  ein Jahr später mit dem BeschFG eine massive Öff-
       nung zu  flexibilisierten Arbeitsverhältnissen  durchsetzen, ohne
       auf nennenswerten  Widerstand der  Gewerkschaften zu  stoßen. Das
       frühestens 1990 auslaufende Gesetz sieht eine Ausweitung der Mög-
       lichkeiten befristeter  Beschäftigung bis zu 18 Monaten ohne Ein-
       schränkungen  (bei   Kleinbetrieben  und  Neugründungen  sogar  2
       Jahre), den  Einsatz von  Leiharbeitskräften beim  Entleiher  für
       sechs Monate  (früher drei), Job-Sharing sowie Einschränkungen im
       Kündigungsschutz in Kleinbetrieben und restriktivere Bestimmungen
       für Sozialpläne vor.
       Erste Untersuchungen von Auswirkungen des BeschFG zeigen folgende
       Trends: 18)
       a)  Z e i t v e r t r ä g e:   Der Anteil  der befristet Beschäf-
       tigten hat  sich nach einer repräsentativen Umfrage des FORSA-In-
       stituts mit  8,5% im  Herbst 1986  gegenüber 4,1% 1984 verdoppelt
       (von 900 000  auf 1,9  Mio.). 19)  Dabei wurden  nach Schätzungen
       mindestens 600 000  ehemalige Dauerarbeitsplätze durch befristete
       Stellen ersetzt.  Das Wissenschaftszentrum  Berlin weist in einer
       Untersuchung aus,  daß 1986 1,75 Mio. Personen (8% aller abhängig
       Beschäftigten) in einem befristeten Arbeitsverhältnis standen; im
       Juni 1985  waren es  1,5 Mio.  20) Sowohl  die IG Metall wie eine
       BDA-Untersuchung geben  an, daß  gegenwärtig ca.  50% der Neuein-
       stellungen befristet  erfolgen. Dies  bestätigt auch  die Analyse
       des Wissenschaftszentrums Berlin.
       Überproportionale Anteile befristeter Arbeitsverhältnisse sind in
       Branchen mit hohen Frauenquoten (Handel, Textil- und Bekleidungs-
       industrie), bei  Teilzeitarbeitskräften, bei  den wissenschaftli-
       chen Mitarbeitern/innen  an den  Hochschulen und in den Krisenre-
       gionen festzustellen.  Da viele  Jugendliche nach  der Ausbildung
       nur Zeitverträge erhalten, wächst eine Generationengruppe, die im
       wesentlichen durch  instabile Beschäftigungsverhältnisse  geprägt
       ist. Ein  Viertel bis zur Hälfte der befristet Beschäftigten wer-
       den je  nach Branche, Region und Qualifikation in ein unbefriste-
       tes Arbeitsverhältnis übernommen.
       b)  L e i h a r b e i t:   Auch die  Zahl  der  Leiharbeitskräfte
       ("Arbeitnehmerüberlassung") hat  erheblich zugenommen. Nach einem
       konjunkturbedingten Rückgang  1982/83 stieg  die Zahl der von der
       Bundesanstalt für  Arbeit  durch  eine  Stichtagmessung  erfaßten
       Leiharbeitskräfte von  ca. 33000 (1984) und 49000 (1985) auf über
       70000 (1986).  21) Bezieht man alle Leiharbeitsverhältnisse eines
       Jahres ein,  so ergeben sich weit über 200000. Die Zahl der ille-
       gal überlassenen  Leiharbeitskräfte, die statistisch nicht erfaß-
       bar sind und zur Schattenwirtschaft gehören, wird zwischen 100000
       und 500000 geschätzt. Schwerpunkte sind das Baugewerbe, aber auch
       der Metallbereich und die Chemiebranche.
       Ebensowenig erfaßbar  sind die  Auswirkungen der  verstärkt ange-
       wandten Methode der Unternehmer, bisher fest angestellte Beschäf-
       tigte in eine "erzwungene Selbständigkeit" zu entlassen, um damit
       die Lohnnebenkosten  einzusparen und die Risiken der Wirtschafts-
       entwicklung zu  individualisieren. Beispiele für solche Tätigkei-
       ten sind:  Vertrieb und Transport (z.B. LKW-Fahrer), Satzherstel-
       lung, Buchhaltung z. T. in Heimarbeit, freie Journalisten, Außen-
       dienste der Versicherungen usw. 22)
       Befristete Arbeitsverhältnisse  dienen ebenso  wie Leiharbeit als
       Flexibilisierungsinstrumente, mit  denen  Personalreserven  redu-
       ziert, vorübergehende  saisonale "Arbeitsspitzen"  bewältigt  und
       zugleich die  Selektion neuer  Arbeitskräfte verschärft  und  der
       Leistungs- und  Disziplinierungsdruck erhöht werden können. Viele
       Unternehmen sind  mit dieser verfeinerten Form einer kapazitätso-
       rientierten  Arbeitskräfteplanung  dazu  übergegangen,  dauerhaft
       ihre Stammbelegschaften  "abzuschmelzen" und  dafür flexibel ver-
       fügbare Randbelegschaften  aufzubauen.  In  dieser  Segmentierung
       drückt sich auch eine Polarisierung von Qualifikationsanforderun-
       gen und der Qualität der Arbeitsbedingungen aus, da instabile Ar-
       beitsverhältnisse eher  durch geringe Qualifikationsanforderungen
       und kurze  Anlernzeiten  sowie  belastende  und  gefährliche  Ar-
       beitsplätze charakterisiert sind. 23)
       Für personalpolitische  Flexibilisierung spielt  die Gruppe derer
       eine wachsende Rolle, die als Teilzeitkräfte nicht dem Schutz der
       Regelarbeitszeit unterliegen.  Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten
       (statistisch als  Beschäftigte mit  normalerweise 1-36 Wochen-Ar-
       beitsstunden gefaßt)  hat von 1980 bis 1986 um eine halbe Million
       auf insgesamt  3,15 Mio.  zugenommen; davon sind über 90% Frauen.
       24) Etwa  40% der  Teilzeitbeschäftigten, ca.  1,1 Mio.  gehörten
       1985 zu  den "geringfügig  Beschäftigten" (sogenannte  "Pauschal-
       kräfte"), die weniger als 15 Wochenstunden arbeiten, unter 430 DM
       im Monat  verdienen und  deshalb aus  dem Schutz  der Renten- und
       Krankenversicherung herausfallen.  Nimmt man  noch die Gruppe der
       sozialversicherten   Teilzeitbeschäftigten    mit   bis   zu   19
       Wochenstunden hinzu, bei denen der Leistungsanspruch der Arbeits-
       losenversicherung   entfällt,    so   wächst    die   Zahl    der
       "ungeschützten" Teilzeitarbeitsverhältnisse  um knapp 400 000 auf
       insgesamt 1,5-1,6 Mio.
       Durch das  BeschFG wird  die Konzentration  der geringfügig Teil-
       zeitbeschäftigten auf  Kleinbetriebe gefördert, da für diesen Be-
       reich Vorschriften  des  Kündigungsschutzes  aufgeweicht  wurden.
       Schwerpunkte der  Teilzeitbeschäftigung  liegen  im  öffentlichen
       Dienst, im  privaten Dienstleistungsbereich sowie im Einzelhandel
       (hier 30%  aller Beschäftigten,  in einzelnen Betrieben bis 70%).
       25) Besonders  belastend ist  die "Arbeit auf Abruf als eine Form
       der kapazitätsorientierten  Teilzeitsysteme, auch  wenn hier  das
       BeschFG bestimmte Mindestnormen (4 Tage Ankündigungsfrist, minde-
       stens 3 aufeinanderfolgende Arbeitsstunden usw.) festlegte.
       Insgesamt ist durch das BeschFG "zweifellos eine neue Qualität in
       der Aushöhlung  des Normalarbeitsverhältnisses  erreicht  worden,
       die auch  die Möglichkeiten  gewerkschaftlicher Tätigkeit  im Be-
       trieb bedroht."  26) Wachsende Gruppen mit instabilen Arbeitsver-
       hältnissen, die kaum organisiert sind, erschweren die Entwicklung
       einheitlicher Handlungs-  und Streikfähigkeit im Betrieb, und der
       Prozeß der  Entrechtung und des Abbaus der sozialen Standards er-
       reicht auch die Stammbelegschaften. Zwar wurde das Problembewußt-
       sein in jüngster Zeit in manchen Gewerkschaften geschärft, jedoch
       wirken die  Versäumnisse der  Vergangenheit als Hindernis bei der
       notwendigen Aktivierung  dieses Feldes  der Interessenvertretung.
       Nicht nur  nahezu jeder  Betriebsrat hat  hier "seine  Leichen im
       Keller", sondern  die Gewerkschaften  insgesamt haben  lange Zeit
       diesen Prozeß  weitgehend tatenlos  hingenommen, zumal in den be-
       trieblichen und  gewerkschaftlichen Gremien  Lohnabhängige in in-
       stabilen Arbeitsverhältnissen kaum vertreten sind.
       Nicht zuletzt der geringe Widerstand gegen die Verabschiedung des
       BeschFG 1985 zeigt, daß hier zum Teil auch ohne Kampf und ein ei-
       genes Gestaltungskonzept  Terrain aufgegeben wurde. Erst seit den
       84er Tarifabschlüssen werden die Auswirkungen einer individuellen
       Arbeitszeitdifferenzierung in  den  Gewerkschaften  breit  disku-
       tiert, obwohl  Teilzeitarbeit als  eine solche Form seit den 60er
       Jahren ein  relevantes, aber  auf Frauen  konzentriertes  Problem
       darstellt, dessen  tarifliche und  gesetzliche  Absicherung  aus-
       steht.
       Dimension und  Dynamik der Ausweitung "ungeschützter" Arbeitsver-
       hältnisse erreichen  inzwischen auch die männlichen Teile der Ar-
       beiterklasse (siehe  Tabelle 1). Sie breiten sich in Krisenregio-
       nen wie in prosperierenden High-Tech-Bereichen aus. Eine Bearbei-
       tung dieser Defizite ist für die Gewerkschaften überfällig, zumal
       sich der  Prozeß der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses fort-
       setzen wird.
       
       Tabelle 1:
       Erwerbstätige außerhalb  des Normalarbeitsverhältnisses  1984 und
       1986 (in 1000)
       
                                           1984         1986
       
       1. Erwerbstätige 1)               25 304       25 736
       2. Abhängig Beschäftigte 1)       22 038       22 465
       3. Registrierte Arbeitslose 1)     2 266        2 228
       4. Stille Reserve 1)               1 288        1 161
       -
       >  3 + 4                           3 554        3 389
       -
       5. Kurzarbeiter 2)                   384          197
       6. ABM-Beschäftigte 2)                80          102
       7. Befristete Arbeitsverhältnisse 3) 900        1 900 (1 750) 4)
       8. Registrierte Leiharbeitskräfte 2)  32           70
       9. Teilzeitarbeitskräfte 5)        2 891        3 150
       10. davon: nicht sozialversichert  1 056    ca. 1 200
       -
       >  5-10 (in Prozent von 2)         4 287 (19,4) 5 419 (24,1)
       -
       -
       >  3-10 (in Prozent von 2-4)       7 841 (30,6) 8 808 (34,0)
       -
       _____
       1) Ifo, Wirtschaftskonjunktur 7/1987, S. A 11.
       2) ANBA, Arbeitsstatistik 1984 und 1986 - Jahreszahlen. Die Anga-
       ben sind  Jahresdurchschnittszahlen, die  Zahl der  während eines
       Jahres Betroffenen ist weitaus höher.
       3) Ergebnisse einer Repräsentativumfrage von FORSA Dortmund.
       4) Angaben nach einer Untersuchung des Wissenschaftszentrums Ber-
       lin im Auftrag des BMAS, Berlin/W. 1987.
       5) Statistisches  Bundesamt,   Fachserie  1,  Reihe  4.2;  MittAB
       3/1986, S. 362; für 1986 eigene Schätzung.
       
       Die Gesamtzahl der instabilen und "sozial ungeschützten" Arbeits-
       verhältnisse ist  von 1984  bis 1986  um ca. 1 Mio. auf insgesamt
       etwa 5,2 bis 5,4 Mio. gestiegen; das ist etwa ein Viertel der ab-
       hängig Beschäftigten. Die Zahl der wirklich Betroffenen liegt si-
       cher höher,  da vielfach  nur auf  Jahresdurchschnittszahlen  und
       Schätzungen zurückgegriffen werden konnte. Gleichzeitig existiert
       eine Reservearmee von 3,4 Mio. Arbeitslosen, deren Grenzen zu den
       instabilen Arbeitsverhältnissen  fließend sind.  Bei einer zu er-
       wartenden erneuten  zyklischen Krisenverschärfung wird dieses Ar-
       beitslosenheer zuerst  und vor  allem aus dem "ungeschützten" Ar-
       beitskräftepotential Zufuhr  erhalten. Insgesamt  sind  also  nur
       noch etwa  66 Prozent  der abhängig Beschäftigten durch die Rege-
       lungen eines Normalarbeitsverhältnisses abgesichert.
       In einer  Periode, die  ohnehin durch vielfältige neue Handlungs-
       und Organisationsanforderungen  geprägt ist, bestimmt die Erosion
       des Normalarbeitsverhältnisses  eines  der  schwierigsten  Felder
       künftiger gewerkschaftlicher Interessenvertretung, das die Gegen-
       machtfähigkeit in  allen Bereichen  beeinflußt. Neben der Deregu-
       lierung übt  die Flexibilisierung  der Arbeitszeiten einen beson-
       ders starken Druck auf das Normalarbeitsverhältnis aus.
       
       3.2. Dimensionen und Trends der Arbeitszeitflexibilisierung
       -----------------------------------------------------------
       
       Nachdem die  Arbeitskämpfe in der Druck- und Metallindustrie 1984
       die Tabuisierung  der 40-Stunden-Woche durchbrachen und sich eine
       Verkürzung der  Wochenarbeitszeit auch  in anderen Wirtschaftsbe-
       reichen durchsetzte,  konnten die Unternehmer in Verbindung damit
       tarifliche Regelungen  zur Flexibilisierung  von Lage,  Dauer und
       Verteilung der  Arbeitszeiten erreichen.  Ende 1986  galt für ca.
       45% aller  Beschäftigten eine  tarifliche  Wochenarbeitszeit  von
       38,5 Stunden oder weniger. 27) Ab 1.4. 1988 wird für die Beschäf-
       tigten der  Metall- und Druckindustrie die 37,5- und ab 1.4. 1989
       die 37-Stunden-Woche  realisiert. Was  geschieht innerhalb dieses
       Rahmens?
       
       Variabilisierung der Arbeitszeiten
       ----------------------------------
       
       Die Anpassung  des betrieblich  eingesetzten  Arbeitsvolumens  an
       schwankenden  Produktions-   und  Arbeitsanfall   war  bei  einer
       "starren" Normalarbeitszeit  mit  den  klassischen  Methoden  der
       Kurz- und  Mehrarbeit (Überstunden,  Sonderschichten) vorgenommen
       worden. In manchen Fällen haben Unternehmen zur gleichen Zeit für
       auftragsschwache Bereiche  Kurzarbeit beantragt, während in ande-
       ren Abteilungen  Mehrarbeit geleistet wurde. Während diese Formen
       im industriellen  Sektor bisher  vorherrschen, spielen  im Handel
       und Dienstleistungsbereich  seit langem variable Teilzeitarbeits-
       systeme (einschl.  der extremen  Form der  Kapovaz) eine  größere
       Rolle.
       Für die  Unternehmer besteht  ein Nachteil  der Mehrarbeit darin,
       daß sie  Zusatzkosten verursacht  und dem Mitbestimmungsrecht der
       Betriebsräte unterliegt.  Während seit 1970 der Einsatz von Über-
       stunden stark  zurückgegangen ist (1970: 157 Stunden jährlich pro
       Beschäftigten, 1980:  80, 1986:  68), 28)  breiten sich  variable
       Teilzeitarbeit, Jahresarbeitszeitsysteme  und Gleitzeit  auch  im
       Produktionsbereich stärker  aus. Mit Gleitzeit, die bei fehlenden
       tariflichen und  betrieblichen Absicherungen eine variable Anpas-
       sung an  den Arbeitsanfall  erlaubt und vor allem im Verwaltungs-
       und Dienstleistungsbereich  eingeführt ist, arbeiteten in der Ge-
       samtwirtschaft 1972  6% und  1980 12%  der Beschäftigten;  neuere
       Schätzungen gehen  bis zu  17%. 29)  Je größer der Betrieb und je
       höher der  Angestelltenanteil, desto  eher wird Gleitzeit prakti-
       ziert.
       Insbesondere Unternehmen mit hoher Kapitalintensität und durchra-
       tionalisiertem betrieblichem  Ablauf einschl.  Zuliefer-,  Lager-
       und Vertriebsbereich üben starken Druck in Richtung auf die Erhö-
       hung der  Anpassungsgeschwindigkeit  der  Produktion  durch  eine
       Planung des  Arbeitskräfteeinsatzes im  Jahresablauf  aus.  Schon
       1984 war  die Variabilisierung  der Arbeitszeiten  eine  zentrale
       Forderung der  Kapitalverbände. In  den Tarifauseinandersetzungen
       1987 forderten die Metallunternehmer eine Variabilisierung inner-
       halb eines  Jahreszeitraums. Die  individuelle  wöchentliche  Ar-
       beitszeit sollte  im Durchschnitt  von 12 Monaten erreicht werden
       und Tagesarbeitszeiten  bis zu  10 Stunden (in der Woche 50 Stun-
       den) möglich sein.
       Eine erste tarifliche Öffnung für eine begrenzte Variabilisierung
       enthielten die  Tarifabschlüsse in  der Metallindustrie 1984. Da-
       nach war  eine unterschiedliche Verteilung der Arbeitszeiten über
       einen Ausgleichszeitraum von 2 Monaten vorgesehen, innerhalb des-
       sen die durchschnittliche neue Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden
       erreicht werden  mußte. Eine empirische Auswertung der betriebli-
       chen Umsetzung  dieser Regelung zeigt, daß der Zweimonatszeitraum
       von etwa  zwei Dritteln  der Betriebe  eingehalten, von  fast 15%
       aber eindeutig  überschritten wird.  Dies trifft  vor  allem  auf
       Großbetriebe zu.  30) In den Tarifabschlüssen 1987 in der Metall-
       industrie wurde  der Ausgleichszeitraum  auf 6  Monate erweitert,
       was den Unternehmern einen erheblich größeren Anpassungsspielraum
       für Produktions-  und Marktschwankungen  gibt. Der Erfolg der Un-
       ternehmer in  dieser Frage  hängt nach Aussage des IG-Metall-Vor-
       sitzenden Steinkühler damit zusammen, daß hier der Widerstand der
       Belegschaften am  geringsten entwickelt war und in vielen Betrie-
       ben schon gegen den bisherigen 2-Monats-Zeitraum verstoßen wurde.
       31)
       Eine wichtige  Rolle für  die Variabilisierungsmöglichkeit spielt
       ferner die  Form der Arbeitszeitverkürzung: Über 50% der Betriebe
       der Metall-  und 76%  der Druckindustrie  haben eine wöchentliche
       Form (zumeist  freitags 1 1/2  Stunden oder 3 Stunden jede zweite
       Woche), 30% bei Metall (insbesondere Automobilindustrie) und fast
       15% bei  Druck freie  Tage, mit  deren Bündelung  sich  eher  Ar-
       beitsanfallschwankungen ausgleichen lassen. 32)
       Den Druckunternehmen ist in den Tarifverträgen 1984 wie 1987 "aus
       betrieblichen Gründen"  die Möglichkeit für eine Jahresflexibili-
       tät in Form von Arbeitszeitverteilungsplänen eröffnet worden, von
       der allerdings  nur 3% - fast ausschließlich Großbetriebe (2% der
       Beschäftigten) - Gebrauch machen. 33)
       Die von den Gewerkschaften gesehene Gefahr der "Saisonarbeit" und
       der völligen Unterordnung der individuellen Zeitbedürfnisse unter
       die "betrieblichen  Belange" ist  durch die Öffnung der Tarifver-
       träge für  eine Variabilisierung  größer  geworden.  Demgegenüber
       zeigen die  Arbeitszeitpräferenzen der  Beschäftigten, daß  - bei
       unterschiedlichen Optionen  für wochennahe Formen oder freie Tage
       - Stetigkeit  und Planbarkeit der Arbeitszeiten eine große Bedeu-
       tung haben  und Konflikte über den vom Unternehmer bestimmten va-
       riablen Arbeitszeiteinsatz vorprogrammiert sind.
       
       Ausweitung der Betriebsnutzungszeiten
       -------------------------------------
       
       Nach einer  Untersuchung des  Ifo-Instituts besteht  das Ziel der
       Unternehmer bei Einführung von flexiblen Arbeitszeiten hauptsäch-
       lich darin,  "Produktionsanlagen besser auszunutzen (70 v. H. der
       Unternehmen)". 34)  Dies wird u. a. durch eine Ausweitung der Be-
       triebsnutzungszeiten versucht,  bei der  vor allem  folgende  Ar-
       beitszeitvarianten angewandt  werden:  Überstunden,  Gleitzeitsy-
       steme, Schichtarbeit  einschl. Teilzeitschichten,  Samstags- bzw.
       Wochenendarbeit. 35)  Hinzu kommt  das  immer  häufigere  "Durch-
       laufenlassen" der Maschinen während versetzter Pausen.
       Die verstärkte  Entkoppelung von Betriebs- und Arbeitszeiten kann
       unterschiedliche Ursachen  haben: 36) Aus Versorgungsaspekten ha-
       ben soziale und gesundheitliche Dienste, Energieversorgungsunter-
       nehmen, Verkehrs-  und Informationsdienste  u.a. verlängerte oder
       permanente Betriebsnutzungszeiten. In Teilen der Stahl- oder Che-
       mieindustrie bedingt  die stoffliche Struktur von Produktionspro-
       zessen kontinuierlichen Betrieb. Der stärkste Druck, Betriebsnut-
       zungszeiten auszuweiten,  geht allerdings  von den  gegenwärtigen
       Rationalisierungsstrategien aus.  Durch längere  und  intensivere
       Nutzung der  kostspieligen  modernen  Anlagen  soll  dem  raschen
       "moralischen Verschleiß" durch den schnellen technologischen Wan-
       del entgegengewirkt  und so  die Rentabilität erhöht werden. Ohne
       zusätzliche Investitionsnachfrage können die Produktionskapazitä-
       ten erweitert  werden, was  allerdings in der Regel zu einer Ver-
       schärfung der  Konkurrenz der Konzerne um die Absatzmärkte führen
       wird. 37)
       Der politisch brisanteste Konflikt mit den Gewerkschaften entzün-
       dete sich  am Versuch  der Unternehmer,  den Samstag bzw. das Wo-
       chenende tariflich  als reguläre  Arbeitszeit zu  verankern. Zwar
       arbeiten nach  einer  Repräsentativuntersuchung  von  1983  jetzt
       schon 19%  aller Beschäftigten  samstags und  9,2% sonntags; dies
       beschränkt sich  jedoch vor  allem auf die genannten Bereiche von
       Dienstleistungen, Handel,  Verkehr usw.  (20-30% Samstagsbeschäf-
       tigte). 38)
       1984 wurden die tariflichen Vorschriften zur Samstagsarbeit nicht
       verändert.  Allerdings  bieten  nicht  alle  Tarifverträge  einen
       Schutz vor  einer Ausdehnung  der Betriebszeiten auf den Samstag.
       Bei der  betrieblichen Umsetzung der Metalltarifverträge von 1984
       wurden fast  in der  Hälfte der  Unternehmen  Vereinbarungen  zur
       Festschreibung der  Betriebsnutzungszeiten abgeschlossen.  39) In
       einzelnen Betrieben  gelang den  Unternehmern allerdings  ein Zu-
       griff auf das seit den 60er Jahren freie Wochenende, z.T. mit Zu-
       geständnissen bezüglich  neuer Arbeitsplätze und einer Verkürzung
       der Wochenarbeitszeit. 40)
       Auch innergewerkschaftlich  erwies sich  die Ausweitung  der  Be-
       triebsnutzungszeiten auf  das Wochenende  als kontroverses Thema,
       nachdem Vertreter  der IG Chemie Samstagsarbeit aus betriebswirt-
       schaftlichen Rentabilitätsgründen  öffentlich  akzeptierten.  41)
       Dennoch erwies  sich die  Verteidigung des freien Wochenendes aus
       gesundheitlichen wie  aus kultur- und freizeitpolitischen Gründen
       als ein  entscheidender Mobilisierungsansatz  der Gewerkschaften.
       In den  Tarif Vereinbarungen  der Metallindustrie 1987 konnte die
       Sicherung des  freien Samstags  verbessert werden.  In der  Regel
       wird weiterhin  auf betrieblicher  Ebene ausgehandelt, wann Sams-
       tagsarbeit als Ausnahme zulässig ist.
       Bei weiterer  Verkürzung der  Wochenarbeitszeit werden die Unter-
       nehmer versuchen,  die Betriebsnutzungszeiten  durch  verstärkten
       Schichteinsatz und  variabel  versetzte  Arbeitszeitsysteme  auf-
       rechtzuerhalten oder  gar auszudehnen.  Neben der  Begrenzung der
       Betriebsnutzungszeiten wird  daher auch  die Frage  der künftigen
       Form von  Arbeitszeitverkürzung in  diesem Zusammenhang relevant.
       Bei einer  4-Tage-Woche z.B. wäre der Zugriff der Unternehmer auf
       den Samstag  als regelmäßige  Produktionszeit nicht  aufzuhalten.
       Auch deshalb  ist eine tägliche Arbeitszeitverkürzung aus gewerk-
       schaftlicher Sicht vorzuziehen. 42)
       
       Betriebliche Differenzierung der individuellen Arbeitszeiten
       ------------------------------------------------------------
       
       Die Tarifverträge  in der Metallindustrie 1984 sahen erstmals die
       Möglichkeit der  innerbetrieblichen Differenzierung der individu-
       ellen Regelarbeitszeiten  zwischen 37  und 40  Wochenstunden vor.
       Diese Form  der individuellen  Flexibilisierung, wie sie im soge-
       nannten Leber-Kompromiß  vereinbart wurde, konnte in der Druckin-
       dustrie durch einen längeren Arbeitskampf verhindert werden.
       Die individuelle  Differenzierungsregelung war  auch deshalb  das
       konfliktreichste Thema,  weil hiermit der Angriff auf den bislang
       einheitlichen Arbeitszeitstandard der Vollzeitbeschäftigten - für
       Teilzeitarbeitskräfte gilt  er ohnehin  nicht -  gerichtet wurde.
       Das ökonomische  Interesse des Kapitals läßt sich daran erkennen,
       daß in  den Fällen einer Differenzierung die längeren Arbeitszei-
       ten (40  Stunden)  vor  allem  für  "kostspielige"  Arbeitskräfte
       (hochqualifizierte bzw. spezialisierte Gruppen wie EDV-Fachleute,
       Facharbeiter mit  CNC-Kenntnissen und  Arbeitskräfte in leitenden
       Positionen bzw.  in Engpaßbereichen)  festgelegt wurden,  während
       die kürzeren  (37 Stunden) zumeist für Arbeitskräfte mit geringe-
       rer Qualifikation oder ältere Beschäftigte gelten.
       Offensichtlich überwogen  jedoch die  politischen Interessen  des
       Kapitals an einer Zersplitterung der Arbeitszeitmuster in den Be-
       legschaften. Die  empirischen Auswertungen  belegen, daß  in über
       77% der  Betriebe nicht  differenziert wurde.  43) Nur 5% der Be-
       schäftigten in  der Metallindustrie  haben eine  von 38,5 Stunden
       abweichende individuelle  regelmäßige  Arbeitszeit.  Insbesondere
       Konzernbetriebe mit  einer bestimmenden  Rolle im Unternehmerver-
       band wie  Siemens, Bosch,  Mannesmann und  vor allem Daimler-Benz
       setzten die  Differenzierung durch.  Offensichtlich sah Gesamtme-
       tall die  Funktion der  Differenzierung darin,  diese "als Speer-
       spitze gegen  die Regelarbeitszeiten zu nutzen, um damit die Aus-
       hebelung der  normativen Schutzfunktion  zugunsten weitergehender
       Flexibilisierung zu betreiben". 44)
       Das WSI  resümiert, daß es "1985 nicht zu dem befürchteten großen
       Einbruch in  die Normalarbeitszeit  gekommen" ist. 45) Die Gründe
       sind u.a.  darin zu  suchen, daß für viele Betriebe solche Diffe-
       renzierungsmodelle komplizierte  Organisationsprobleme aufwerfen.
       Zum anderen  konzentrierte sich  hiergegen der  gewerkschaftliche
       Widerstand. Viele  Betriebe haben  die Risiken  solcher Konflikte
       und der  daraus entstehenden  Kosten gefürchtet. In den Metallta-
       rifvereinbarungen 1987 konnte die IG Metall eine Verringerung des
       Differenzierungsspielraums von 3 auf 2,5 Stunden durchsetzen, und
       zwar ab  1.4. 1988 zwischen 37 und 39,5 und ab 1.4. 1989 zwischen
       36,5 und 39 Stunden. Die IG Metall orientiert betrieblich darauf,
       daß auch dieser Spielraum nicht ausgenutzt wird.
       
       3.3. Widersprüche und Trends
       ----------------------------
       
       Die in  der Arbeitszeitflexibilisierung  enthaltenen Entsolidari-
       sierungsge-fahren werden  noch dadurch  verstärkt, daß die Ausge-
       staltung der Arbeitszeitverträge von 1987 wie 1984 jeweils auszu-
       handelnden betrieblichen  Vereinbarungen überlassen  bleibt,  wo-
       durch die  in der  Konkurrenzstruktur der  kapitalistischen Wirt-
       schaft angelegten  betriebsegoistischen Tendenzen  verstärkt  und
       die vereinheitlichende  Normsetzungsmacht der Gewerkschaften aus-
       gehöhlt werden  kann. Die  Gewerkschaften versuchten  der  Gefahr
       durch zentrale  Orientierungs- und  Handlungsvorgaben zu begegnen
       und die Situation zugleich zu einer Aktivierung und Politisierung
       ihrer Betriebsarbeit  zu nutzen. Auch wenn für die Ergebnisse die
       jeweiligen betriebsspezifischen  Konflikt-  und  Kräftestrukturen
       prägend waren,  wurde insgesamt eine erhöhte Sensibilität der Be-
       legschaften und ihrer Vertretungsorgane für Arbeitszeitfragen er-
       reicht.
       Bei der  Durchsetzung von Flexibilisierungsregelungen lassen sich
       unterschiedliche Linien  feststellen. Barrieren für eine Arbeits-
       zeitdifferenzierung und  -variabilisierung größeren Umfangs erge-
       ben sich  in vielen Unternehmen daraus, daß noch keine leistungs-
       fähigen elektronischen Arbeitszeiterfassungs- und -verarbeitungs-
       systeme eingeführt  sind. Sie wären Voraussetzung für eine effek-
       tive Nutzung  und sind  bisher vor  allem in Betrieben mit Gleit-
       zeitsystemen zu finden.
       Dort allerdings, wo auf der Basis elektronischer Technologien die
       Integration der  Teilrationalisierungsschritte und  die Steuerung
       des betrieblichen  Gesamtablaufs weit vorangeschritten sind, kann
       das Kapital auch eine personal-wirtschaftliche Feinplanung reali-
       sieren. Vorprescher  der Flexibilisierung  sind vor allem Großbe-
       triebe der materiellen Produktion, in denen sich der "neue Ratio-
       nalisierungstyp" am  deutlichsten durchsetzt.  Nach wie  vor wird
       vom tertiären  Sektor, insbesondere  den Großbetrieben im Einzel-
       handel, die  zunehmend zur  elektronisch gestützten  Personalein-
       satzplanung übergehen, ein Flexibilisierungsdruck ausgehen. 46)
       Offensichtlich ist die politische Komponente bei der Durchsetzung
       von Flexibilisierungsmodellen. Alle Auswertungen des Verlaufs und
       der Ergebnisse der betrieblichen Umsetzungsrunde nach 1984 weisen
       auf die  Vorreiterfunktion und die dominante Rolle des Konzernka-
       pitals und  der in  den Unternehmerverbänden  bestimmenden  Mono-
       polgruppen bei der Forcierung solcher Regelungen hin. 47)
       Wenn auch  in mancher  Hinsicht noch  von einer  "Inkubationszeit
       neuer Arbeitszeit"  gesprochen werden  kann 48) und insgesamt der
       gewerkschaftliche Widerstand in den Betrieben viele Versuche ver-
       hinderte, so liegen die Haupttrends offensichtlich in der Nutzung
       der größeren  Variabilisierungsspielräume zur  Arbeitszeitplanung
       und in  der Ausweitung der Betriebsnutzungszeiten. Hier wird auch
       in Zukunft  der größte  Druck auf  die Regelarbeitszeiten spürbar
       sein.
       Nach den  Tarifabschlüssen des  Frühjahrs 1987 wird sich die Aus-
       einandersetzung vorerst wieder auf die Kämpfe um "Geländegewinne"
       im Betriebsalltag  verlagern. Zugleich aber bleibt das politische
       Interesse des  Kapitals an einer Deregulierung bestimmend, so daß
       politische  Konflikte   um  die   gesetzlichen  Normierungen  des
       "Normalarbeitsverhältnisses" und  den weiteren  Abbau von Sozial-
       rechten zu erwarten sind.
       
       4. Konflikte um Flexibilisierung und
       ------------------------------------
       gewerkschaftliche Arbeitszeitpolitik
       ------------------------------------
       
       Jede Bestandsaufnahme  betrieblicher Umstrukturierungen wird eine
       Vielzahl von  Fällen belegen  können, bei denen neue Modelle fle-
       xibler Arbeitszeiten oder die Ausweitung "ungeschützter" Arbeits-
       verhältnisse auf die Duldung oder Zustimmung der Betriebsräte und
       der Belegschaften stießen. Kann möglicherweise von einem wachsen-
       den Integrationspotential  der Flexibilisierung  ausgegangen wer-
       den? D.  Hensche hält es für einen "Irrtum zu glauben, die gegen-
       läufigen Interessen  der Unternehmer  (an höchstmöglicher Verfüg-
       barkeit der  Arbeitskraft) und  der Arbeiter und Angestellten (an
       verläßlicher, gestaltbarer  und gesellschaftlich  nutzbarer Frei-
       zeit) würden  unter dem  Zauberstab der neuen Technik in Harmonie
       zusammenfinden". 49)
       Der Blick  auf die  betrieblichen und  tariflichen Konflikte  der
       letzten Jahre  zeigt sehr  unterschiedliche Ablaufs- und Lösungs-
       formen dieser  Interessenauseinandersetzungen.  Er  macht  ferner
       deutlich, daß  die Flexibilisierung  in übergreifende  Strategien
       des Kapitals  zur Neustrukturierung  der Klassenbeziehungen inte-
       griert ist und zum Gegenstand offener Klassenkonflikte wurde.
       
       4.1. Von der Konfrontation zum Sozialkompromiß?
       -----------------------------------------------
       
       1984 wurde  um Arbeitszeitverkürzung  und gegen die Flexibilisie-
       rungsziele des  Kapitals einer der erbittertsten und längsten Ar-
       beitskämpfe in der bundesdeutschen Geschichte geführt. Allein die
       massiven Aussperrungsmaßnahmen demonstrierten, daß es dem Kapital
       um eine  grundlegende Schwächung  der Gewerkschaften  ging.  1987
       wurden nach  monatelangen Kampfvorbereitungen und breiter Mobili-
       sierung der  Gewerkschaften in  Spitzengesprächen Kompromisse ge-
       schlossen, die  ein ähnliches materielles Ergebnis wie 1984 erga-
       ben: Eine  eineinhalbstündige Arbeitszeitverkürzung  und  gewerk-
       schaftliche Zugeständnisse  bei der  Flexibilisierung  mit  einer
       dreijährigen Laufzeit  auch für  Lohn- und Gehaltstarife, die als
       Chance der  Erneuerung des  "sozialen Friedens" angepriesen wird.
       50) Die  Kapitalseite verbindet mit dem demonstrierten Sozialkom-
       promiß die Zielstellung, ihn als dauerhafteren "sozialen Konsens"
       zu befestigen und die Gewerkschaften, vor allem die IG Metall, in
       einen "Modernisierungspakt"  zu integrieren. Kooperation und Kom-
       promißfindung erscheinen nunmehr auch auf anderen Konfliktfeldern
       eher möglich.
       Welches Kräfteverhältnis  und welche strategische Optionsverlage-
       rung der  führenden Kräfte  im Kapitallager verbergen sich hinter
       dem Arbeitszeitkompromiß  von 1987?  Erweisen sich  die Abstriche
       der Unternehmer  an  ihren  Flexibilisierungszielen  in  der  Ta-
       rifrunde und  die relative  Stabilität der in den Abschlüssen zum
       Ausdruck kommenden  Kräftekonstellation möglicherweise  als  Pyr-
       rhus-Siege der  Gewerkschaften,  die  nur  die  fortwährende  und
       schleichende Erosion  ihrer Macht  in den Betrieben verschleiern?
       51) Zweifellos  sind die Gewerkschaften in den 80er Jahren in den
       "Zangengriff" von  ökonomischen Krisenprozessen,  technologischem
       Umbruch und  Strukturwandel des Reproduktionstyps sowie konserva-
       tiver Offensive  gekommen. Der Strategiewechsel in der herrschen-
       den Klasse,  der in der Regierungsübernahme durch den konservati-
       ven Block  1982 und  dem Übergang zu einer konfrontativen Politik
       gegenüber den Gewerkschaften zum Ausdruck kam, kumulierte 1984 in
       einem Machtkonflikt,  bei dem  Regierung und Kapital auf eine ge-
       werkschaftliche Niederlage  kalkuliert hatten.  Diese Zielsetzung
       scheiterte an  der Mobilisierungs- und Streikfähigkeit von IG Me-
       tall und IG Druck und Papier auch unter den komplizierten Krisen-
       bedingungen.  Hierauf   aufbauend,  konnten   die  Gewerkschaften
       1986/87 trotz  des inzwischen verabschiedeten § 116 AFG durch or-
       ganisatorische und  arbeitskampftaktische  Vorbereitungen,  durch
       eine breite  Mobilisierung mit Warnstreiks und Überstundenverwei-
       gerungen und durch die von Solidaritätsbeschlüssen des DGB gefor-
       derte Initiierung einer außerbetrieblichen Unterstützungsbewegung
       ihre Gegenmachtfähigkeit überzeugend demonstrieren. 52)
       Damit war  auch für die Unternehmerverbände und die Regierung das
       Risiko gewachsen,  daß bei  Zuspitzung in einem Arbeitskampf eine
       unkalkulierbare politische Dynamik ausgelöst würde. Befürchtungen
       einer politischen Polarisierung, wie sie die britischen Erfahrun-
       gen der  Streiks der Bergarbeiter nahelegten, wirkten deshalb auf
       beiden Seiten in Richtung einer Konflikteingrenzung.
       Die Optionsverlagerung  im Kapitallager  von der  offensiven Kon-
       frontation zur  Sicherung des  "sozialen  Konsenses"  reflektiert
       deshalb das  relative Kräftegleichgewicht,  das sich seit den Ar-
       beitskämpfen 1984  und den politischen Bewegungen gegen den § 116
       AFG 1985/86 herausgebildet hat. Hinter diesem auch im internatio-
       nalen Vergleich  recht stabil  wirkenden Bild  gewerkschaftlicher
       Gegenmacht in der BRD verbergen sich dennoch "Geländegewinne" des
       Kapitals seit  der "Bonner  Wende". 53) Zu nennen sind die Umver-
       teilungserfolge zugunsten  des Kapitals durch Lohn- und Steuerpo-
       litik, die  sich in  der niedrigsten Nettolohnquote seit den 50er
       Jahren ausdrücken,  ebenso die  fortschreitende Deregulierung und
       die dargestellte  Erosion des Normalarbeitsverhältnisses. Die ge-
       setzlichen Eingriffe  in das  Arbeitskampfrecht haben mit der No-
       vellierung des § 116 AFG die Handlungsbedingungen für die Gewerk-
       schaften erheblich  verschlechtert, die zudem durch die Krise der
       Neuen Heimat  politisch angeschlagen  und  finanziell  geschwächt
       wurden.
       Beide Faktoren - die Veränderung des Kräfteverhältnisses zuungun-
       sten der  Lohnabhängigen und  der Gewerkschaften wie die nach wie
       vor ungebrochene  Mobilisierungsfähigkeit der  Gewerkschaften und
       ihre stabile  Verankerung 54) - bilden die neue, wenn auch labile
       "Geschäftsgrundlage" für  Integrationsangebote des  Kapitals, die
       die gewerkschaftliche  Akzeptanz  für  den  Modernisierungs-  und
       Flexibilisierungsschub sichern und erweitern sollen. Die sich als
       dauerhafter erweisende  konservative Hegemonie  und der Druck der
       Massenarbeitslosigkeit befördern innerhalb der Arbeiterklasse und
       in den Gewerkschaften zur Zeit eher Tendenzen der Anpassung. Eine
       sozialpartnerschaftlich  ausgerichtete   Betriebs-  und   Gewerk-
       schaftspolitik kann  auf Vorstöße  des Kapitals für korporatisti-
       sche Arrangements  setzen, die  bei relativer  sozialer Sicherung
       der  Interessen   der  qualifizierten  Lohnabhängigengruppen  und
       Stammbelegschaften allerdings eine weitere Statusverschlechterung
       der "Randgruppen"  beinhaltet. Einen  Prototyp dieser Politik re-
       präsentiert die IG Chemie, die in den letzten Jahren bei Verzicht
       auf eigene Mobilisierung und z.T. scharfer Polemik gegen eine au-
       tonome Gewerkschaftspolitik  letztlich von der Initiativfähigkeit
       und den Erfolgen der kämpfenden Gewerkschaften profitiert hat.
       Über die  Notwendigkeit oder  Unabwendbarkeit einer Flexibilisie-
       rung der Arbeitszeiten scheint ein recht breiter und diffuser ge-
       sellschaftlicher Konsens zu bestehen, wenngleich die Zustimmungs-
       quoten zu  Arbeitszeitverkürzungen inzwischen höher liegen als zu
       Flexibilisierung. 55)  Die Gewerkschaften  werden dennoch bei der
       Weiterentwicklung ihrer  arbeitszeitpolitischen Strategie von ei-
       ner anhaltenden Flexibilisierungsdynamik ausgehen müssen. Mit der
       nach den  87er Tarifabschlüssen aufgestellten These vom "Ende ei-
       nes gewerkschaftlichen  Kampfzyklus", der vor allem durch den Wi-
       derstand gegen eine Neuordnung der gesellschaftlichen und politi-
       schen Machtverhältnisse  zugunsten des Kapitals und des konserva-
       tiven Blocks  geprägt war,  war auf die Notwendigkeit hingewiesen
       worden, für  den Zyklus der kommenden Klassenauseinandersetzungen
       über eine  Verteidigung der  Interessen hinaus  "Konzeptionen und
       Lösungen für  die strukturellen  industrie- und sozialpolitischen
       Zukunftsprobleme" zu entwickeln, in denen die Herausforderung der
       Umbrüche in  Produktion, Klassenstruktur und Lebensweise bearbei-
       tet und die neuen Bedürfnisse aufgenommen werden. 56)
       Dies wird  auch für die Arbeitszeitpolitik gelten müssen. Aus den
       Erfahrungen von  1984 hatten  die Gewerkschaften in der Vorberei-
       tung der  Tarifbewegungen 1987 über die allgemeine Forderung nach
       der 35-Stunden-Woche  und eine  Ablehnung der kapitalorientierten
       Flexibilisierung hinaus  Ansätze eigener  Arbeitszeitgestaltungs-
       konzepte entwickelt,  die das Bedürfnis vieler Beschäftigtengrup-
       pen an  stärker  selbstbestimmten  Arbeitszeiten  berücksichtigen
       sollen und  auf kollektiven  Schritten der  Arbeitszeitverkürzung
       beruhen. Die IG Druck und Papier präzisierte ihr Ziel in der For-
       derung nach  dem 7-Stunden-Tag  als Regelfall  einschließlich zu-
       sätzlicher Verkürzungen  für Schichtarbeiter,  während die IG Me-
       tall unverzichtbare  Eckdaten (z.B.  tägliche Höchstarbeitszeit 8
       Stunden, 5-Tage-Woche  von Montag  bis Freitag usw.) formulierte.
       Gefordert wurden  ferner tariflich  abgesicherte Gleitzeitmodelle
       sowie eine  tarifliche Regelung  von Mindestbedingungen für Teil-
       zeitarbeit. 57)  Zweifellos wird  die Beseitigung von tariflichen
       Regelungsdefiziten in  diesen Bereichen  für die  kommenden Jahre
       eine vorrangige Aufgabe bleiben. Betriebliche und tarifliche Kon-
       flikte werden sich hieraus entwickeln.
       
       4.2. Unterschiedliche Durchsetzungskonzepte des Kapitals
       --------------------------------------------------------
       
       Zur Durchsetzung  von Flexibilisierungsregelungen  werden von den
       Unternehmern unterschiedliche Strategien verfolgt.
       a) Auf betrieblicher  Ebene haben  selektive kompromißorientierte
       Konzepte oft den größten Erfolg. Ein Hauptziel besteht darin, die
       Betriebsnutzungszeiten auszudehnen,  meist durch  Erweiterung auf
       6-Tage- oder  sogar 7-Tage-Produktion.  Für solche neuen Arbeits-
       zeitregelungen (zumeist Wochenendschichten) werden Gruppen in der
       Belegschaft gewonnen,  deren Lebenslagen dies erleichtern und de-
       ren Zustimmung mit besonders günstigen Angeboten erkauft wird, so
       daß sich meist kein kollektiver Widerstand regt.
       Erstes Beispiel:  In seinem  Regensburger Werk  konnte  der  Sie-
       mens-Konzern Ende  1986 im Bereich der Megabit-Chip-Fertigung ge-
       genüber dem  Betriebsrat eine  7-Tage-Produktion durchsetzen, die
       mit "technischen  Zwängen" begründet  wurde. Die Zustimmung wurde
       mit   der    Schaffung   von   800   neuen   Arbeitsplätzen   und
       Flexi-Zuschlägen für  die Wochenendschicht honoriert, die bis zur
       Verdoppelung der Normaleinkommen reichen. Von der Wochenendarbeit
       sind ca. 300 Beschäftigte betroffen - in der Mehrzahl unverheira-
       tete junge Frauen. In den anderen Siemens-Werken versuchte die IG
       Metall, diesen  Verstoß gegen  tarifliche Bestimmungen zu verhin-
       dern. 58)
       2. Beispiel: Ebenfalls  in der Vorphase der Tarifbewegung wollten
       drei der  insgesamt vier  großen Konzerne im Tiefdruckbereich re-
       gelmäßige Samstagsarbeit  durchsetzen, die mit einer Arbeitszeit-
       verkürzung auf  36 Wochenstunden  und Neueinstellungen  "belohnt"
       werden sollte. Im Itzehoer Werk von Grüner + Jahr stimmte der Be-
       triebsrat einer  solchen Vereinbarung  zu, weil hier mit der Ent-
       lassung von fast 300 Beschäftigten gedroht worden war. 59) Inner-
       gewerkschaftlich führte  dies zu  heftigen Debatten,  die auf dem
       Gewerkschaftstag der  IG Druck und Papier im Oktober 1986 in eine
       Bekräftigung der ablehnenden Haltung gegenüber solchen Flexibili-
       sierungsvorstößen mündeten.
       3. Beispiel:  Als Reaktion  auf die expandierenden und umkämpften
       Märkte für  Compact-Disks (CD)  versuchte das  Unternehmen PDO in
       Hannover (Teil des Philips-Konzerns), eine generelle Produktions-
       ausweitung auf  den Samstag  und, als  dies der  Betriebsrat  ab-
       lehnte, eine  befristete Einführung von Wochenendschichten durch-
       zusetzen. Hierdurch  sollten 350  neue  Arbeitsplätze  geschaffen
       werden, die allerdings nach dem BeschFG befristet wurden. Die Be-
       zahlung der zwei Wochenendschichten liegt z.T. bei bis zu 95% des
       Normalverdienstes. Die  Erfahrungen seit 1985 belegen, daß dieser
       Teil der  Beschäftigten von der Stammbelegschaft isoliert bleibt,
       durch unterschiedliche  Arbeitszeitmuster selbst zersplittert und
       enormen Arbeitsbelastungen ausgesetzt ist und von der Interessen-
       vertretung des Betriebsrats kaum erfaßt wird. 60)
       Durch selektive  Strategien wird die Regelarbeitszeit an den Rän-
       dern, für  Teilgruppen oder  einzelne  Betriebsbereiche  durchlö-
       chert. Das  Potential hierfür ist durch den Arbeitsmarktdruck und
       die Differenzierung  der Lebenslagen angewachsen. Günstige Kondi-
       tionen für  derartige Angebote sichern eine breitere Akzeptanz in
       den Belegschaften.  Mit publizistisch ausgeschlachteten Vorzeige-
       modellen der  Unternehmer wird gezielt Druck für einen generellen
       Abbau tariflicher und gesetzlicher Einschränkungen von Flexibili-
       sierung entwickelt.  Eine gewerkschaftliche Interessenvertretung,
       die, gestützt  auf die  oft vorhandene  Akzeptanz in  der  Beleg-
       schaft, diese "Durchlöcherungsstrategie" hinnimmt, wird auf Dauer
       die Grundlage ihrer eigenen Handlungsfähigkeit untergraben.
       b) Um tariflich  gesicherte Kernelemente  der Regelarbeitszeit in
       Frage zu  stellen,  kalkulieren  die  Unternehmer  auch    k o n-
       f r o n t a t i v e   S t r a t e g i e n   ein, da  dieses  Ziel
       über Teilzugeständnisse  auf  einer  Kompromißbasis  meist  nicht
       durchsetzbar erscheint.  In den Tarifauseinandersetzungen im Ban-
       kenbereich im Frühjahr 1987 entwickelte sich eine solche Konfron-
       tation aus  der Forderung der Unternehmer, Einkommensverbesserun-
       gen nur dann zu vereinbaren, wenn HBV und DAG eine tarifliche Er-
       weiterung der  Betriebszeiten und  eine Flexibilisierung  der Ar-
       beitszeit zugestehen,  obwohl Arbeitszeitfragen gar nicht auf der
       Tariftagesordnung standen.  61) Die  Offensive der  Banken zielte
       auf eine  Ausweitung der  Geschäftszeiten und auf den Einsatz von
       Akquisiteuren am  Samstag und  am Abend.  Dies würde auch längere
       Arbeitszeiten für die Rechenzentren nach sich ziehen.
       Die Verteidigung  des freien Samstags durch die HBV wurde ähnlich
       wie in  der Metallindustrie  ein Kristallisationspunkt der ersten
       Mobilisierungswelle (zahlreiche  Warnstreiks, 60 000 Unterschrif-
       ten), so  daß die  Bankunternehmer ihr Junktim auf die Einführung
       von Spätschichten  (z. B.  Kundenberater bis 22 Uhr) und eine va-
       riable Arbeitszeitverteilung  eingrenzten. Aufgrund der Erfahrun-
       gen mit der real schon praktizierten, durch der Arbeitsanfall be-
       stimmten variablen  Arbeitszeit (meist  innerhalb der  Gleitzeit-
       spannen) entwickelte  sich unter den Bankangestellten eine breite
       Front zur Verteidigung der tariflichen Regelarbeitszeit, die sich
       in  Warnstreiks,   Urabstimmungen  und  ersten  kurzen  regulären
       Streiks ausdrückte.  Spezifische Aktionsformen  führten  die  ar-
       beits-kampfunerfahrenen "Banker"  an den  Streik heran:  So wurde
       das "Privileg" der Gleitzeit genutzt, um kollektiv erst zu Beginn
       der Kernarbeitszeit  die Arbeit aufzunehmen, was Störungen im Ge-
       schäftsablauf verursachte  und die  Arbeitszeitfrage politisierte
       und zur Waffe machte.
       Schwerpunkte der  Warn- und eintägigen Kurzstreiks waren die EDV-
       Abteilungen und  Rechenzentren der  Banken,  die  als  technische
       "Nervenzentren" besonders  störanfällig waren.  Die EDV-Speziali-
       sten sind  im Vergleich zum kaufmännischen Bereich recht hoch or-
       ganisiert, da  sie z.T.  aus Industriebereichen rekrutiert werden
       oder über einen politisierten Universitätsausbildungs-hintergrund
       verfügen. Besondere  Arbeitsbelastungen durch  den Neuaufbau  der
       Datenzentren, Schichtdienst  und  regelmäßige  Mehrarbeit  hatten
       diese Beschäftigtengruppe  für die Arbeitszeitfrage in besonderem
       Maße sensibilisiert und aktionsbereit gemacht.
       Die Hauptwirkung  der Streiks  wurde weniger  durch  ökonomischen
       Druck als durch die politische Beispielwirkung erzielt, die erst-
       mals die  Arbeitskampffähigkeit in  dieser Branche belegte und zu
       einer erheblichen Sympathiezunahme für die Gewerkschaften führte.
       Im Tarifabschluß  vom Mai 1987 wurde eine generelle Flexibilisie-
       rung verhindert, allerdings für den Bereich Beratung und Akquisi-
       tion ein  einjähriger Test in begrenztem Rahmen zugelassen. Damit
       wurde die  eigentliche Auseinandersetzung um die Flexibilisierung
       auf das  Frühjahr 1988  vertagt, wenn  für den  Bankenbereich Ar-
       beitszeitforderungen der Gewerkschaft vorgelegt werden sollen.
       Neben einer  weiteren schnellen  Ausweitung  differenzierter  be-
       trieblicher Arbeitszeitmodelle werden sich die Gewerkschaften auf
       eine anhaltende Flexibilisierungsoffensive an der Tariffront ein-
       zustellen haben  (1988 allein in der Stahlindustrie, im Öffentli-
       chen Dienst und im Bankenbereich).
       
       4.3. Zur Perspektive gewerkschaftlicher Arbeitszeitpolitik
       ----------------------------------------------------------
       
       Die Auseinandersetzung um die Flexibilisierungsstrategie wird ein
       Hauptkonfliktfeld zwischen  Kapital und Arbeit bleiben. Hier bün-
       deln sich  Probleme des  technologischen Umbruchs, Wirkungen kon-
       servativer Deregulierung auf das Normalarbeitsverhältnis und neue
       Bedürfnisse der Lohnabhängigen.
       Ein  ausschließlicher  Blick  auf  die  ökonomischen  Triebkräfte
       könnte den Eindruck eines unaufhaltsamen Siegeszuges der Flexibi-
       lisierungskonzepte des Kapitals vermitteln - eine Faszination der
       Kapitallogik, der  offensichtlich auch  viele sozialdemokratische
       Politiker erliegen.  Eine umfassende  Betrachtung der  bisherigen
       Auseinandersetzungen läßt erkennen, wie die Arbeiterklasse exten-
       sive Rationalisierungskonzepte verhindern oder begrenzen kann und
       daß bisher  - im  Vergleich zu anderen kapitalistischen Ländern -
       in der  BRD sogar  ein relativ  hohes Niveau an Schutzrechten und
       Gegenmacht verteidigt  wurde. Vor allem aber gelang es, Wochenar-
       beitszeitverkürzungen für  große Teile  der Arbeiterklasse durch-
       zusetzen. Zugleich  entwickeln sich in diesen Kämpfen die Ansprü-
       che der Lohnabhängigen an die Gestaltung der Arbeitszeit, an ihre
       Verkürzung wie  an Mitbestimmung  über ihre  Lage und an Planbar-
       keit, und  werden als Forderungen in die Auseinandersetzungen ge-
       tragen.
       Um Flexibilisierung  und Deregulierung  wirkungsvoll zu begegnen,
       ist ein  konkretes Alternativkonzept der Gewerkschaften erforder-
       lich, in  dem die  Lohnabhängigen auch  jene Bedürfnisse und Pro-
       bleme wiedererkennen,  die sie  bislang  von  den  Gewerkschaften
       nicht oder nur halbherzig vertreten sehen und die deshalb Anknüp-
       fungspunkte für  die Kapitalkonzepte werden können. 62) Die Posi-
       tionspapiere der IG Metall (1986) wie der HBV (1987) zur Arbeits-
       zeitflexibilisierung zeugen vom Prozeß der Erarbeitung eines sol-
       chen Konzepts.
       Seit dem  Arbeitszeitkonflikt 1978/79  in der  Stahlindustrie und
       seit den  Streiks 1984 ist die thematische Anlage gewerkschaftli-
       cher Arbeitszeitpolitik  verbreitert worden. Neben der beschäfti-
       gungspolitischen Argumentation  ist die  Forderung nach  der  35-
       Stunden-Woche zunehmend  als Einstieg  in eine Strategie zur Ver-
       besserung der  Arbeitsbedingungen, zur Entwicklung einer lebendi-
       gen und emanzipatorischen Alltagskultur und zur Vereinheitlichung
       der Arbeits-  und Lebenschancen  von Männern und Frauen begründet
       worden. Diese  perspektivischen und  politischen Dimensionen  der
       Arbeitszeitverkürzung erhalten in der zukünftigen Auseinanderset-
       zung mit  der Flexibilisierungsrealität  eine noch größere Bedeu-
       tung.
       Die Situation  nach den  Tarifabschlüssen 1987  kann eine  Chance
       bieten, ein  umfassendes, offensives  und langfristig  angelegtes
       arbeitszeitpolitisches Konzept  zu erarbeiten.  Eine Fortentwick-
       lung und  inhaltliche Erweiterung wird u. a. zwei Bereiche erfas-
       sen:
       1. Arbeitszeitpolitik wird  sich betrieblich  wie  tarifpolitisch
       stärker mit  einer offensiven  solidarischen Arbeitspolitik  ver-
       schränken müssen,  die auf  die Umstrukturierung der gesamten Ar-
       beitsbedingungen und  Qualifikationsstrukturen durch  die  "neuen
       Rationalisierungsstrategien" Einfluß  nimmt. Wie eine Zunahme des
       Leistungsdrucks durch  kollektive  Regelungen  verhindert  werden
       kann, ist innergewerkschaftlich schon lange an der Verbindung der
       Arbeitszeitverkürzung mit  der Forderung  nach  "definierten  Ar-
       beitsbedingungen", also  der Kontrolle  der Leistungsverausgabung
       durch die  Beschäftigten, diskutiert worden. Besondere Arbeitsbe-
       lastungen müssen  entweder (wie  Nachtarbeit) eingeschränkt  oder
       durch Freizeitzuschläge ausgeglichen werden. Gewachsene inhaltli-
       che Ansprüche  an die Arbeit können zur Entwicklung und Durchset-
       zung von  Gestaltungsalternativen des Technik- und Arbeitskräfte-
       einsatzes im  Betrieb genutzt  werden.  Die  Erwartungen  an  die
       Schutz- und Gestaltungsfunktion der Gewerkschaften sind hier sehr
       hoch. 63)
       Um eine  Polarisierung der  Qualifikationsanforderungen und  eine
       zunehmende Segmentierung  der Belegschaften  zu verhindern,  wird
       gewerkschaftliche Arbeitspolitik  auf eine  "Egalisierung von Ar-
       beitsanforderungen und  Tätigkeitsstrukturen" vor allem durch An-
       reicherung von  Arbeitsinhalten und eine systematische und dauer-
       hafte Qualifizierungspolitik  im Betrieb  (während  der  Arbeits-
       zeit!) sowie  auf eine  "Politik des  solidarischen  Personalein-
       satzes" orientieren,  die systematisch Diskriminierungs- und Seg-
       mentierungselemente abbaut bei Sicherung ausreichender betriebli-
       cher Arbeitskräftereserven. 64)
       2. Verteidigung und  Ausbau eines Normalarbeitsverhältnisses wer-
       den angesichts weiterer konservativer Deregulierungspläne und ei-
       nes möglichen krisenbedingten Hochschnellens der Massenarbeitslo-
       sigkeit zu  einer entscheidenden  Frage künftiger gewerkschaftli-
       cher Handlungsfähigkeit.  Das Ziel der Sicherung, Erweiterung und
       qualitativen Verbesserung  der Beschäftigung  wird sich vor allem
       auf die  Bereiche beziehen  müssen, die als vom Normalarbeitsver-
       hältnis abweichende  Beschäftigungen  zum  Hauptexerzierfeld  für
       Flexibilisierung in allen Formen wurden. Neben Leiharbeit und be-
       fristeten Arbeitsverhältnissen  ist dies  die Teilzeitarbeit, für
       die offensichtlich  ein gesellschaftlicher  Bedarf  besteht,  der
       sich zudem  aufgrund patriarchalischer  Strukturen in  einer  ge-
       schlechtsspezifischen Nachfrage  äußert. Der  Ausgleich der Rege-
       lungsdefizite und die tarifliche Sicherung von Mindestbedingungen
       und Gleichbehandlung  (generelle Versicherungspflicht,  Lage  und
       Verteilung der  Arbeitszeit, Weiterbildung  und beruflicher  Auf-
       stieg usw.) sind vordringliche Aufgaben. 65)
       Die  Neudefinition  eines  Normalarbeitsverhältnisses,  das  sich
       nicht wie  bisher an männlichen Lebensentwürfen und Berufsverläu-
       fen orientiert,  würde das Recht auf befristete Arbeitszeitreduk-
       tion für Eltern mit Kleinkindern bei gleichzeitiger Einkommenssi-
       cherung (einschließlich notwendiger staatlicher Maßnahmen) ebenso
       wie das  Recht auf  Vollzeitarbeitsplätze für  alle einschließen.
       Vorrangig bleibt  die weitere  allgemeine Verkürzung der Regelar-
       beitszeit in Richtung des 7- und 6-Stunden-Tages, die der Strate-
       gie der  Auflösung und Zerfaserung des Normalarbeitsverhältnisses
       entgegenwirken  kann.   Diese  arbeitszeitpolitische  Perspektive
       würde eine  "Wahl und  Gestaltungsmöglichkeit der  Arbeitszeit im
       Interesse der  Beschäftigten" einschließen. "Gesicherte Ansprüche
       einzelner Arbeitnehmer auf die Festlegung von Beginn und Ende ih-
       rer täglichen  Arbeitszeit, auf flexible Arbeitszeitformen sowohl
       bei Vollzeit als auch bei Teilzeit, abhängig von Bedürfnissen und
       Lebenssituationen, kommen hinzu." 66)
       Individuelle Arbeitszeitgestaltung kann dann eine Alternative zur
       Flexibilisierung nach  Kapitalbedürfnissen darstellen,  wenn  sie
       auf dem  festen Fundament kollektiver Schutz- und Mitbestimmungs-
       rechte Planbarkeit  und Kalkulierbarkeit  für die  Lohnabhängigen
       garantiert. Dies  setzt den  Ausbau tariflicher  und gesetzlicher
       Normen, also in der Sicht des Kapitals "starrer" Regelungen, vor-
       aus.
       Bisher sind  in den  Gewerkschaften erste Ansätze zur Bewältigung
       der Regelungsdefizite  im Bereich  der instabilen Arbeitsverhält-
       nisse, aber  noch kein  geschlossenes und offensives Programm und
       ein Strategiekonzept sichtbar. Der neue Tarifvertrag zur Teilzeit
       in der  Chemieindustrie (ab  1. 7. 1987) wirkt hier kontraproduk-
       tiv, da  er wesentlichen  Schutzbedürfnissen nicht entspricht und
       die Unternehmer eher zur Ausweitung der Teilzeitarbeit ermuntert.
       67)
       Die IG  Druck und Papier hat als erste Gewerkschaft eine Kampagne
       zu den "ungeschützten" Arbeitsverhältnissen eingeleitet, die Bei-
       spielwirkung erzielen  kann. 68)  Die komplizierte Schlüsselfrage
       für einen  Erfolg liegt  darin, inwieweit  die gewerkschaftlichen
       Kerngruppen und Stammbelegschaften für eine offensive und solida-
       rische Interessenvertretung gewonnen werden können.
       All dies  mag nach  einer  Überforderung  der  gewerkschaftlichen
       Kraft klingen,  zumal aus  den Umbrüchen  in Produktion,  Sozial-
       struktur und  Lebensweise zahlreiche neue Anforderungen erwachsen
       sind (Gewinnung  der Angestellten und der lohnabhängigen Intelli-
       genz, Entwicklung  von Technikgestaltungskonzeptionen  usw.), die
       neben  den   Verteidigungskämpfen  den  gewerkschaftlichen  Kader
       vollauf in  Anspruch nehmen.  69) Flexibilisierung und Deregulie-
       rung als  Teile des  Modernisierungskurses des  Kapitals und  der
       Konservativen zielen allerdings auf das Fundament gewerkschaftli-
       cher Arbeit  überhaupt: auf eine Neuzusammensetzung der Arbeiter-
       klasse und  die Auflösung ihrer kollektiven Strukturen und Gegen-
       machtfähigkeit. Die  Beeinflussung dieses sich vollziehenden Neu-
       strukturierungsprozesses und die Sicherung und der Ausbau von so-
       zialen und  politischen Schutzrechten  sind somit Voraussetzungen
       für die  Handlungsfähigkeit und  Formierung als  Klasse geworden.
       Der Kampf  um die  Sicherung eines Normalarbeitsverhältnisses ist
       zugleich Element  einer Politik, die die gewerkschaftlichen Orga-
       nisationsdefizite in der Jugend, die z.T. keinen Zugang zu stabi-
       len Beschäftigungsverhältnissen  mehr hat,  unter den  Frauen, im
       Bereich der  öffentlichen und  privaten Dienstleistungen usw. be-
       seitigen will  und  hier  aktive  Interessenvertretungsstrukturen
       aufbaut.
       Für die  Gewerkschaften besteht  angesichts  der  Vielfalt  neuer
       Handlungsfelder und  der komplexeren  Struktur der  individuellen
       und kollektiven Interessen die Aufgabe, solche allgemeinen Forde-
       rungen zu  entwickeln, in denen die verschiedenen Interessenlagen
       gebündelt werden  können. Dies  ist in den vergangenen Jahren mit
       Forderungen wie v. a. nach der 35-Stunden-Woche, der Verteidigung
       der Streikfreiheit,  der Abwehr  des Sozialabbaus  gelungen,  bei
       denen über  Einzelgewerkschaften hinaus eine Politisierung bis in
       den außerbetrieblichen Bereich gelang.
       Welche Themen und Konfliktfelder könnten im bevorstehenden Kampf-
       zyklus diese  politische Potenz entfalten? In der 35-Stunden-For-
       derung konnten in der zurückliegenden Periode die Abwehr- und Wi-
       derstandskämpfe gegen  die konservative Offensive erfolgreich ge-
       bündelt  werden.  Eine  einfache  "Neuauflage"  dieser  Forderung
       (spätestens 1990  in der  Metall- und Druckindustrie) wird mögli-
       cherweise nicht  die notwendige mobilisierende Schubkraft entfal-
       ten, auch  wenn es  vordringlich bleibt,  diesen Schritt  der Ar-
       beitszeitverkürzung durchzusetzen  und zu  verallgemeinern.  Eine
       mögliche inhaltliche Erweiterung der Arbeitszeitbewegung sieht D.
       Hensche in folgenden Dimensionen: 70)
       - eine Perspektive  weitergehender Arbeitszeitverkürzungen,  etwa
       in Richtung der 32-Stunden-Woche;
       - Schutz vor  den negativen  Folgen der  Rationalisierung  z.  B.
       durch Technologietarifverträge,  eine Tarifierung gesicherter Ar-
       beits- und Leistungsbedingungen;
       - Sicherung des  Normalarbeitsverhältnisses und Abwehr der weiter
       um sich greifenden ungeschützten Arbeitsverträge.
       Die Diskussion wird darum geführt werden, welche politischen Kri-
       stallisationsforderungen  eine  vereinheitlichende  Mobilisierung
       der Opfer der Flexibilisierung, der Lohnabhängigen in den Krisen-
       sektoren wie  der wachsenden Gruppen qualifizierter Arbeitskräfte
       in den expandierenden High-Tech-Industrien gleichermaßen ermögli-
       chen. Die  Abwehr weiterer  Angriffe der  konservativen Koalition
       (neues Arbeitszeitgesetz,  Neuauflage des  BeschFG, Änderung  des
       Ladenschlußgesetzes u.a.m.)  kann eine  Politisierung des gewerk-
       schaftlichen Kampfes bewirken, der allerdings mit eigenen politi-
       schen Gestaltungsvorschlägen (z.B. fortschrittliches Arbeitszeit-
       gesetz 71) verbunden werden muß, um die herrschende Politik unter
       Druck zu setzen.
       Angesichts einer  möglichen Zuspitzung  weltwirtschaftlicher  und
       nationaler Krisenprozesse  muß der Kampf gegen die Massenarbeits-
       losigkeit und für beschäftigungspolitische Maßnahmen als Teil ei-
       ner alternativen  Wirtschaftspolitik sowie  für die Sicherung und
       den Ausbau des Normalarbeitsverhältnisses zum zentralen Thema ge-
       sellschaftspolitischer Auseinandersetzungen gemacht werden. Dabei
       geht es  auch um  die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung als hand-
       lungsfähige Kraft.
       
       _____
       1) A. Leisewitz,  Flexibilisierung und  Kontrolle. Neue Technolo-
       gien und Veränderungen der Betriebsstrukturen am Beispiel der Au-
       tomobilindustrie, in:  Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7,
       Frankfurt/M. 1984, S. 180. In diesem Beitrag werden die technolo-
       gischen Grundlagen für die Flexibilisierungsstrategie ausführlich
       analysiert. Zum  intensiven Reproduktionstyp  vgl. auch das Auto-
       renkollektiv des  IPW, Staatsmonopolistische  Intensivierung  und
       Widersprüche der  Reproduktion, IPW-Forschungsheft 4/1986, Berlin
       (DDR) 1986.
       2) N. Altmann  u.a., Ein  "Neuer Rationalisierungstyp".  Neue An-
       forderungen an  die Industriesoziologie,  in: Soziale  Welt, Heft
       2/3-1986, S. 189 ff. Vgl. hierzu den Beitrag von L. Peter in die-
       sem Band.
       3) Altmann u.a., a.a.O., S. 193.
       4) Vgl. hierzu  und zur  Analyse des 84er Konflikts G. Hautsch/K.
       Pickshaus/K. Priester,  Der Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche.
       "Flexi-Konzept" des  Kapitals und die Zukunft der Gewerkschaften,
       Soziale Bewegungen, Heft 16, Frankfurt/M. 1984, S. 9 ff.
       5) Nach einem  Bericht des  "Handelsblatts" heißt es im Jahresbe-
       richt 1986  der BDA: "Nicht pauschale Arbeitszeitverkürzung, son-
       dern eine  weitere Flexibilisierung  und Differenzierung  der Ar-
       beitszeit seien  notwendig... Die Arbeitgeber fordern, korrespon-
       dierend zur Erhöhung des technologischen Produktionsstandards die
       erstarrten  Arbeitszeitblöcke   weiter  aufzulösen..."   (HB   v.
       9.12.1986).
       Vgl. hierzu  auch die  Zusammenstellung "Unternehmervorstellungen
       zur Flexibilisierung" in: Nachrichten 2/1987, S. 15/16.
       6) Vgl. J.  Goldberg, Die Perspektiven der Akkumulation von fixem
       Kapital. Ökonomische  Tendenzen bis  zum Jahr 2000, in: Marxisti-
       sche Studien. Jahrbuch des IMSF 9, Frankfurt/M. 1985, S. 218 ff.
       7) U. Beck,  Risikogesellschaft. Auf  dem Weg  in eine andere Mo-
       derne, Frankfurt/M. 1986, S. 227.
       8) Ebd., S. 228.
       9) Ebd., S. 235.
       10) G. Bosch,  Hat das Normalarbeitsverhältnis eine Zukunft?, in:
       WSI-Mitteilungen 3/1986, S. 163 ff., hier: S. 171 f.
       11) Ebd., S. 172.
       12) Vgl. K.  Pickshaus, Konservativer  Umbau nach der Bundestags-
       wahl, in: Marxistische Blätter 4/1987, S. 20 ff.
       13) Zukunftsperspektiven  gesellschaftlicher  Entwicklungen.  Be-
       richt der  Kommission im  Auftrag  der  Landesregierung  von  Ba-
       den-Württemberg, Stuttgart  1983, S.  169. Vgl.  hierzu K.  Roth,
       Strategie der  Konservativen am  Beispiel der "Späth-Kommission",
       in: G. Lobodda/G. Richter (Hrsg.), Antworten auf den "Späth-Kapi-
       talismus", IMU-Institut-Studien 4, München 1985.
       14) Zukunftsperspektiven ..., a.a.O., S. 23.
       15) So zum Beispiel mit Peter Glotz. Vgl. seinen Vortrag beim In-
       ternationalen Metallgewerkschaftsbund  im Juni  1986 in  Montreal
       (Auszüge in:  Der Gewerkschafter 7/1986, S. 38/39). Ähnliche Auf-
       fassungen finden sich bei Wolfgang Roth u.a.
       16) Mit  unterschiedlichen   Akzenten  und   Interpretationen  U.
       Mückenberger, Die  Krise des Normalarbeitsverhältnisses - Hat das
       Arbeitsrecht   noch    eine   Zukunft?,   in:   Zeitschrift   für
       Sozialreform, Hefte  7  und  8/1985,  sowie  G.  Bosch,  Hat  das
       Normalarbeitsverhältnis eine  Zukunft?, a.a.O.,  Vgl. hierzu auch
       R. Wahsner,  Das Arbeits-  und Sozialrecht  ist in Gefahr, in: A.
       Oppolzer u.a. (Hrsg.), Flexibilisierung - Deregulierung. Arbeits-
       politik in der Wende, Hamburg 1986, S. 20 ff.
       17) G. Bosch, a.a.O., S. 165.
       18) Zu den ersten Untersuchungen der Gewerkschaften, der BDA, der
       Arbeiterkammer und  Universität Bremen  und des Dortmunder FORSA-
       Instituts siehe  G. Bosch,  Arbeitsmarkt, in: M. Kittner (Hrsg.),
       Gewerkschaftsjahrbuch 87,  Köln 1987, S. 270 ff. Generell hierzu:
       G. Linne/S.  Voswinkel, Befristete  Arbeitsverhältnisse  und  das
       "Beschäftigungsförderungsgesetz", in: WSI-Mitteilungen 7/1986.
       19) FORSA-Analysen, Ungeschützte und statusgeminderte Arbeitsver-
       hältnisse. Ergebnisse  einer bundesweiten  repräsentativen  Erhe-
       bung, Dortmund 1986, S. 1.
       20) Wissenschaftszentrum Berlin,  Internationale Chronik  zur Ar-
       beitsmarktpolitik, April  1987, zit.  nach einer Pressemitteilung
       der Grünen im Bundestag v. 13. 5. 1987.
       21) Zu den  Zahlen und  Berechnungen vgl. M. Krüger, Leiharbeit -
       Zur Entwicklung  eines personalpolitischen  Flexibilisierungs-In-
       struments, in: WSI-Mitteilungen 7/1987, S. 423 ff.
       22) Diese Form  betrieblicher Personalpolitik  wird in  einem von
       der Hans-Böckler-Stiftung  geförderten Forschungsprojekt  von Udo
       Mayer und  Ulrich Paasch untersucht. Vgl. hierzu: Die "erzwungene
       Selbständigkeit", in: druck und papier 17/1987, S. 16.
       23) Das gilt  auch für  High-Tech-Unternehmen, wie  eine interes-
       sante Betriebsanalyse  von IBM  Stuttgart belegt. Vgl. K. Maurer,
       Beschäftigtenstruktur und  Arbeitsverhältnisse in einem Hochtech-
       nologie-Großbetrieb, in: WSI-Mitteilungen 7/1987, S. 396ff.
       24) Vgl. zu  den Zahlen  und Erhebungsmethoden  J. Goldberg,  Die
       Entwicklung der  Teilzeitarbeit, in: Blätter für deutsche und in-
       ternationale Politik 12/1986, S. 1508 ff.
       25) Vgl. U.  Teske/J. Wiedemuth, Arbeitszeit im Einzelhandel. Hu-
       mane  Gestaltung  oder  Flexibilisierung?,  in:  WSI-Mitteilungen
       5/1986, S. 347 ff.
       26) G. Bosch, Arbeitsmarkt, a.a.O., S. 278.
       27) Berechnung nach  Angaben des WSI-Tarifarchivs, in: M. Kittner
       (Hrsg.), a.a.O., Tab. S. 117.
       28) Mitteilungen aus  der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Mitt
       AB) 3/1986, S. 380.
       29) Vgl. H.  Bielenski u.a.,  Flexible Arbeitszeiten. Erfahrungen
       aus der Praxis, Frankfurt/New York 1985, S. 401 f.
       30) G. Bosch u.a., Betriebliche Umsetzung der 38,5-Stunden-Woche.
       Ergebnisse einer  Auswertung von  Betriebsvereinbarungen aus  der
       Metallindustrie, WSI-Arbeitsmaterialien  Nr. 12, Düsseldorf 1986,
       S. 38 ff. Die Ergebnisse beziehen sich auf über 3000 Betriebsver-
       einbarungen. Vgl.  auch R.  Schmidt/R. Trinczek,  Erfahrungen und
       Perspektiven gewerkschaftlicher  Arbeitszeitpolitik,  in:  Prokla
       64, September  1986, S.  85 ff. Die Autoren stützen sich auf eine
       regionale Auswertung im mittelfränkischen Raum.
       31) F. Steinkühler, Politische Bestandsaufnahme, dokumentiert in:
       Nachrichten 7/1987, S. 14.
       32) Bosch u.a.,  Betriebliche Umsetzung  ..., a.a.O.,  S. 26 ff.;
       druck und papier 15/1985, S. 7.
       33) druck und papier 15/1985, S. 7.
       34) Ifo-Schnelldienst 24/1986, S. 17.
       35) Ca. 15% aller Beschäftigten sind von Schicht- und Nachtarbeit
       betroffen. Vgl.  ISO, Entwicklung  der Nacht-,  Schicht- und  Wo-
       chenendarbeit, Köln 1986, S. 1.
       36) Vgl. H.  Seifert, Durchsetzungsprobleme  zukünftiger Arbeits-
       zeitgestaltung, in: WSI-Mitteilungen 3/1986, S. 220.
       37) Vgl. am Beispiel der Tiefdruckbranche M. Schlecht, Ausweitung
       der Betriebszeiten?, in: WSI-Mitteilungen 1/1987, S. 27 ff.
       38) U. Engfer  u. a., Arbeitszeitsituation und Arbeitszeitverkür-
       zung in  der Sicht der Beschäftigten. Ergebnisse einer Arbeitneh-
       merbefragung, in: Mitt AB 2/1983, S. 95.
       39) Bosch u.a., Betriebliche Umsetzung . . ., a.a.O., S. 57.
       40) Vgl. unten Abschnitt 4.2.
       41) Vgl. hierzu  das Interview mit H. Rappe, dokum. in: Frankfur-
       ter Rundschau  v. 15.  12. 1986, und die Diskussionen auf den Ge-
       werkschaftstagen der IG Metall und der IG Druck und Papier im Ok-
       tober 1986.
       42) Vgl. D.  Hensche, Wertewandel  und neue  Bedürfnisse, in:  I.
       Kurz-Scherf/G. Breil  (Hrsg.), Wem  gehört die Zeit. Ein Lesebuch
       zum 6-Stunden-Tag, Hamburg 1987, S. 92.
       43) Bosch u. a., Betriebliche Umsetzung S. 96 ff. ebenso Schmidt/
       Trinczek, a.a.O., S. 96 f.
       44) Schmidt/Trinczek, a.a.O., S. 101.
       45) Bosch u. a., Betriebliche Umsetzung ..., a.a.O., S. 65.
       46) Vgl. J. Wiedemuth/R. Wolff, Gläserner Mensch - Neue Technolo-
       gien und  Arbeitszeit, in: G. Gerlach u.a., Dienst am Kunden. Der
       Handel zwischen  Flexibilisierung und  Ladenschluß, Hamburg 1987,
       S. 103 ff.
       47) Bosch  u.a.,   Betriebliche  Umsetzung  ...,  a.a.O.;  ebenso
       Schmidt/Trinczek, a.a.O.., S. 94 ff.
       48) Schmidt/Trinczek, a.a.O., S. 100.
       49) Hensche, Wertewandel ..., a.a.O., S. 94.
       50) Vgl. ausführlicher  zu den  Ergebnissen und ihrer politischen
       Bewertung W.  Roßmann, Renaissance  der Sozialpartnerschaft?  Ar-
       beitszeitkompromiß 1987 und die Perspektiven der Gewerkschaftspo-
       litik,  in:  Blätter  für  deutsche  und  internationale  Politik
       6/1987, S.  779 ff.; K. Pickshaus, Sozialkompromiß 1987 und künf-
       tige Konfliktfelder,  in: Marxistische  Blätter 6/1987, S. 6 ff.,
       sowie Heinz  Schäfer in: Nachrichten 5/1987 und W. Cieslak in: UZ
       vom 12. 5. 1987.
       51) Diese Vermutung  äußert J.  Hoffmann in einer Analyse der Ge-
       werkschaftsperspektiven nach  den 84er Streiks: J. Hoffmann, Zer-
       setzungsprodukt oder strukturierender Faktor in der Restrukturie-
       rungskrise? Gewerkschaftspolitik  in der  Bundesrepublik  in  den
       80er Jahren, in: Prokla 64, 1986, S. 8 ff.
       52) Vgl. hierzu  K. Pickshaus, Bleiben die Gewerkschaften streik-
       fähig?, in: Marxistische Blätter 5/1987, S. 23 ff.
       53) Vgl. hierzu  F. Deppe, Krisenlogik und Gestaltungszwänge. Die
       Tarifpolitik der  Gewerkschaften und  die politische Ökonomie des
       Kapitalismus, in: Blätter für deutsche und internationale Politik
       7/1987, S. 932 ff.
       54) Für bislang ungebrochene stabile Verankerung der Gewerkschaf-
       ten sprechen  die positive  Mitgliederentwicklung 1985  und 1986,
       die Erfolge bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr 1987 sowie die
       Ergebnisse der Infas-Untersuchung "Gewerkschaften vor den Heraus-
       forderungen der 90er Jahre", Düsseldorf (1987), die auf einer Re-
       präsentativbefragung basieren.
       55) Vgl. ebd., S. 96.
       56) W. Roßmann, a.a.O., S. 788.
       57) Vgl. im  einzelnen  das  Positionspapier  des  IG-Metall-Vor-
       standes zur  Arheitszeitflexibilisierung,  auszugsweise  dokumen-
       tiert in: Prokla 64, 1986, S. 106 ff.
       58) Vgl. Metall  Nr. 23,  21. 11.  1986; Handelsblatt  v. 9.  12.
       1986.
       59) Vgl. Schlecht, a.a.O., S. 28 und 32.
       60) Angaben nach  der unveröff.  Diplomarbeit von W. Daniel, Neue
       Zeitstrukturen im  Industriebetrieb. Ein  betriebliches  Fallbei-
       spiel, Hannover 1987.
       61) Vgl. die laufende Berichterstattung der Mitgliederzeitschrift
       von HBV,  "ausblick". Zum  Hintergrund vgl. F. Wiethold, Neue Ar-
       beitskonzepte bei  Banken und  Versicherungen - neue Aufgaben für
       die Gewerkschaftsstrategie,  in: WSI-Mitteilungen  6/1987, S. 362
       ff.
       62) Die Beiträge in dem Sammelband, der von I. Kurz-Scherf und G.
       Breil herausgegeben  wurde (Anm.  42), zeigen  die Konturen eines
       solchen Konzepts auf. Vgl. insbesondere die "Skizze eines phanta-
       stischen Tarifvertragsentwurfs zum 6-Stunden-Tag".
       63) Dies bestätigt  die  Infas-Untersuchung  "Gewerkschaften  vor
       ...", a.a.O., S. 44 ff.
       64) R. Bispinck/M.  Helfert, Technischer Wandel und gewerkschaft-
       liche Arbeitspolitik, in: WSI-Mitteilungen 6/1987, S. 320/1.
       65) Hierzu I.  Kurz-Scherf, Zum Stellenwert der Teilzeitarbeit in
       einer emanzipatorischen  Arbeitszeitpolitik, in: WSI-Mitteilungen
       11/1985, S. 659 ff.
       66) So K. Zwickel, im IG-Metall-Vorstand zuständig für Tarifpoli-
       tik, in einem Referat auf der Bezirkskonferenz der IG Metall, Be-
       zirk Stuttgart, vom 25.-27. Juni 1987, dokumentiert in: Nachrich-
       ten 8/1987, S. 15.
       67) Vgl. zur  genaueren Analyse B. Degen, Steine statt Brot - Ta-
       rifvertrag der  IG Chemie  zur  Teilzeitarbeit,  in:  Nachrichten
       6/1987, S. 32.
       68) Vgl. die  Broschüre des  Hauptvorstandes der IG Druck und Pa-
       pier, Flexible  Arbeitszeiten  und  ungeschützte  Arbeitsverhält-
       nisse. Gewerkschaftliche  Antworten, Schriftenreihe für Betriebs-
       räte, Heft  37, Stuttgart o.J. (1987). In diesem Heft werden kon-
       krete betriebliche,  tarifpolitische und rechtliche Handlungsori-
       entierungen vermittelt.  Ab Herbst  1987 beginnt eine langfristig
       angelegte zentrale Mobilisierungskampagne.
       69) Vgl. K.  Pickshaus, Umbruchperiode  und Zukunft  der  Gewerk-
       schaften, in:  Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 9, a.a.O.,
       S. 306 ff.
       70) D. Hensche,  Nachbetrachtungen zur  Tarifbewegung, in:  druck
       und papier 12/1987, S. 6 ff., hier S. 8/9.
       71) Sowohl die  Bundestagsfraktion der SPD wie die der Grünen ha-
       ben Entwürfe für ein neues Arbeitszeitgesetz vorgelegt. Vgl. auch
       "Aufruf für  ein fortschrittliches  Arbeitszeitgesetz",  in:  Ar-
       beitsrecht im Betrieb 3/1986, S. 64-67.
       

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