Quelle: Marxistische Blätter 1994 Heft 5 (Sep/Okt)


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       #70#
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       "HITLERS KRIEG IST NICHT UNSER KRIEG!"
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       Ursel Hochmuth
       
       I. Berlin und Hamburg: Neubeginn nach KZ-Entlassung
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       Das Schreiben vom 30. Juli 1944 an Reichspropagandaminister Goeb-
       bels trägt  die Vermerke  "Geheim" und "persönlich". SS-Obergrup-
       penführer Ernst Kaltenbrunner, Chef des Reichssicherheitshauptam-
       tes (RSHA),  referiert darin  über die  staatspolizeiliche Aktion
       gegen  "eine  kommunistische  Organisation  mit  der  Bezeichnung
       'Nationalkomitee Freies Deutschland") in Berlin. In dem beigefüg-
       ten Bericht  werden dessen Flugblattpropaganda im Reich hervorge-
       hoben sowie  "60 Festnahmen, darunter Dreierkopf-Leitung der Kom-
       munistischen Partei  in Berlin:  Org-Leiter 'Kurt', richtig Anton
       Saefkow, ...  mehrfach mit  Zuchthaus vorbestraft, ... Pol-Leiter
       'Martin', richtig  Franz Jacob,... maßgeblich in Hamburger Gruppe
       'Rote Kapelle'  tätig, lebt seit damaligen Zugriffen illegal, ...
       Leiter des  AM-Apparates 'Lothar',  richtig Bernhard Bästlein,...
       als Leiter  der 'Roten  Kapelle' in  Hamburg festgenommen  und am
       29.1.1944 aus Untersuchungshaft... entwichen." 1)
       Saefkow, Jacob  und Bästlein hatten im fünften Kriegsjahr den or-
       ganisierten Kampf für ein freies Deutschland einem Höhepunkt ent-
       gegengeführt, dessen  Kontinuität das RSHA nur "durch langwierige
       und umfassende  Vorausarbeit unter  Einsatz des Gegennachrichten-
       dienstes" zu unterbrechen vermochte. Die drei Metallarbeiter, Ar-
       beiterführer und  Marxisten waren  bis 1933  auf KPD-Bezirksebene
       tätig gewesen, Saefkow und Jacob in Hamburg als Organisatorischer
       bzw. als  Leiter für  Agitation und  Propaganda, Bästlein in Köln
       als Politischer Sekretär für das Gebiet Mittelrhein. Nach Hitlers
       Machtantritt organisierte Saefkow den Übergang der Bezirksorgani-
       sation in  den Untergrund,  Jacob übernahm die Leitung der Partei
       in Bremen, dann das Technische Sekretariat beim Politbüro der KPD
       in Berlin,  Bästlein ging  als Oberberater  der KPD in den Bezirk
       Frankfurt/Main. Alle  drei wurden 1934 vom "Volksgerichtshof" ab-
       geurteilt und  nach Verbüßung ihrer Zuchthausstrafe in Konzentra-
       tionslager deportiert. 2)
       Kurz vor  Kriegsbeginn entlassen, kehrte Saefkow in seine Heimat-
       stadt Berlin  zurück, stand  eine Zeit  unter Polizeiaufsicht und
       mußte regelmäßiger  Meldepflicht nachkommen.  Gleichwohl  war  er
       bald Mittelpunkt  eines Freundeskreises, dem Kommunisten und par-
       teilose Antinazis angehörten. Hitlers Überfall auf die
       
       #71# Positionen
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       Sowjetunion war  eine Zäsur  auch für  den Arbeiterwiderstand  in
       Deutschland. Saefkow  forcierte unter  seinen Genossen Beratungen
       zur Parteiarbeit  in den Betrieben und Kontaktaufnahme zu anderen
       kommunistischen Kreisen.  Zur KPD-Gruppe  um Saefkow gehörten da-
       mals u.a.  Judith Auer,  Georg und  Louise Dünninghaus, Fritz Em-
       rich, Martha  Kowalewski, Otto Marquardt, Karl Wloch, Julius Wor-
       delmann. Über Hermann Tops kam es im Herbst 1941 zu einer Verbin-
       dung Saefkows  zur Organisation um Robert Uhrig, im Frühjahr 1942
       zu Franz Jacob, als dieser ihm durch Charlotte Groß Schriften der
       Hamburger KPD überbringen ließ.
       Bästlein und Jacob waren 1940 aus Sachsenhausen nach Hamburg ent-
       lassen worden.  Nach vielen  Vorgesprächen begannen sie seit 1941
       mit Robert  Abshagen, Walter  Bohne, Gustav  Bruhn, Oskar Reincke
       u.a. Kommunisten eine illegale Betriebszellen-Organisation aufzu-
       bauen, die bis zum folgenden Jahr in über 30 Werften und Fabriken
       Fuß fassen  konnte. Bästlein,  Jacob, Abshagen und Reincke hatten
       sich als  KPD-Bezirksleitung konstituiert und standen durch ihren
       Berater Wilhelm Guddorf in direkter Beziehung zu John Sieg, Harro
       Schulze-Boysen und  Arvid Harnack (Berliner Gruppe der "Roten Ka-
       pelle"). 3)  Guddorf, der Bästlein, Jacob, Abshagen aus gemeinsa-
       mer illegaler  Arbeit im  KZ Sachsenhausen  kannte 4), kam zu Be-
       sprechungen in  die Hansestadt; Bästlein und Abshagen trafen sich
       mit ihm, Martin Weise u.a. Kommunisten in Berlin. Die Bezirkslei-
       tung an der Wasserkante gab internes Kadermaterial heraus und das
       "Merkblatt für  Bauarbeiter" an die zur Organisation Todt Dienst-
       verpflichteten. Im  Sommer 1942  erfuhr sie vom Eintreffen zweier
       "Genossen aus  Moskau" und beschloß, eine Begegnung Bästleins und
       Arthur Matschkes  mit den  Unbekannten zu  wagen. Die Fallschirm-
       springer Erna  Eifler und Wilhelm Fellendorf berichteten, daß sie
       im Auftrag der Roten Armee zurückkehrt waren, die Kontaktaufnahme
       in Berlin  nicht gelang und sie sich nach Hamburg durchgeschlagen
       hätten. Die beiden wurden für "echt" befunden. Bästlein fuhr nach
       Berlin zu  Guddorf, der  die Fallschirmspringer-Nachricht an Har-
       nack weitergab. 5)
       Nachdem die  Gestapo die  Verhaftungsaktion "Rote Kapelle" einge-
       leitet hatte, griff sie Mitte Oktober 1942 auch in Hamburg zu und
       nahm Bästlein,  Bohne, Bruhn,  Reincke und zahlreiche Mitstreiter
       fest; Jacob  und Matschke konnten untertauchen. Mit Hilfe von Ka-
       tharina Jacob,  Elly Heins  und Lotte  Groß gelang Jacob Ende Ok-
       tober die Flucht nach Berlin. Anton und Aenne Saefkow sorgten so-
       fort für  ein Quartier;  die Arbeiterin Ruth Härtung nahm den Ge-
       jagten auf, obwohl sie als Kommunistin jüdischer Herkunft doppelt
       bedroht war.  Sie fuhr  zu  Jacobs  Sachsenhausen-Kamerad  Martin
       Schwantes nach  Magdeburg, und so konnten die beiden Freunde sich
       Silvester in Berlin zu ausführlichem Gespräch treffen.
       
       #71# Positionen
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       II. Orientierung auf Kaderorganisation, Betriebe und NKFD
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       Spätestens im Dezember 1942 führte Saefkow Jacob mit dem früheren
       Reichstagsabgeordneten Fritz  Emrich zusammen, und aus einem Mei-
       nungsaustausch wurde  die erste  Sitzung des  künftigen  "Dreier-
       kopfes". Emrich  sprach  mit  Richard  Wenzel,  der  sich  bereit
       erklärte, den  flüchtigen Hamburger  Funktionär ab  5. Januar für
       drei Wochen aufzunehmen und dann für eine neue Unterkunft zu sor-
       gen. Auf  weiteren Beratungen  befaßten sich  Saefkow, Emrich und
       Jacob mit  der Reaktivierung des organisierten Widerstandes, sei-
       ner Absicherung  vor der Gestapo, der Wiederherstellung zerrisse-
       ner und  Anknüpfung neuer Verbindungen. 6) Über seine Quartierge-
       ber lernte  Jacob weitere  Berliner Genossen  kennen.  Bei  einem
       Treffen im  Sommer 1943  am Samithsee  wurde er durch Fritz Goltz
       mit der  Gruppe  um  Erich  Dawideit,  Erich  Fähling  und  Grete
       Schöneck bekanntgemacht, ebenso mit dem aus Stockhohn nach Berlin
       gekommenen Jungsozialisten Arvid Lundgren, der als Fahrer bei der
       Schwedischen Gesandtschaft tätig war. 7)
       Durch die  Niederlagen der Wehrmacht bestärkt, berieten Jacob und
       Saefkow ein  Konzept zu  politischen  Zielen,  Aufgaben  und  zur
       Struktur der  Organisation und stellten es im Oktober 1943 im er-
       sten Kadermaterial  "Aktuelle Fragen  unserer Arbeit" unter ihren
       Genossen zur  Diskussion. In  der Schrift wird die "entscheidende
       Aufgabe in der Sammlung aller antifaschistischen Kräfte unter ei-
       nem Ziele:  Fort mit  Hitler -  Schluß mit dem Krieg" 8) gesehen.
       KPD-Angehörige werden  auf eine nach konspirativen Prinzipien ar-
       beitende Kaderorganisation  orientiert, Bestrebungen  nach Aufbau
       einer Massenpartei  dagegen abgelehnt.  Die in den letzten Jahren
       gebildeten Gruppen und Zirkel seien nicht der "wichtigste Schritt
       zur erneuten  Fundamentierung der  Partei", die Hauptaufgabe läge
       im Betrieb.
       In dem  Ende September  1943 abgeschlossenen  Kadermaterial Nr. 2
       "Zur Lage"  legen die  Herausgeber nach ausführlicher Betrachtung
       der russischen  Sommeroffensive, der  Kapitulation Italiens,  der
       sowjetischen Außenpolitik  ihre Auffassungen  zur "Strategie  und
       Taktik des  proletarischen Klassenkampfes in der augenblicklichen
       Periode" dar.  Das Dokument enthält die wohl frühesten Äußerungen
       der KPD  im Reich  über das  im Juli bei Moskau von Wilhelm Pieck
       und anderen  KPD-Politikern mit  kriegsgefangenen Offizieren  und
       Soldaten gegründete  Nationalkomitee "Freies Deutschland" (NKFD).
       Die Bündnispolitik  des  NKFD  findet  ausdrückliche  Zustimmung:
       "Solange der Faschismus nicht beseitigt und der Krieg nicht been-
       det ist,  sind wir Kommunisten bereit, unter Hintanstellung aller
       weitergehenden Forderungen mit all jenen politischen Kräften, die
       gleich uns  das Hitlerregime  stürzen wollen,  ein Stück Wegs ge-
       meinsam zu gehen. Wir stehen darum vorbehaltlos
       
       #72# Hochmuth: KPD und NKFD in Berlin-Brandenburg
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       ... auf  dem Boden  der Proklamationen  des  nationalen  Komitees
       'Freies Deutschland'." 9) Daß hier eine deutsche Antihitlerkoali-
       tion auf  die Phase  bis zum  Sturz des Naziregimes eingeschränkt
       wird, geht  m. E.  eher auf  Informationsdefizite  gegenüber  Be-
       schlüssen der  KPD-Konferenzen von  1935 und  1939 (Kurs auf eine
       demokratische Republik) zurück als auf dissidentische Haltung zum
       ZK der  KPD. Obwohl  dessen ungewöhnliche Bündnispolitik - Zusam-
       mengehen führender  Kommunisten mit Offizieren, die noch unlängst
       gegen die  UdSSR Krieg geführt hatten - sicher auch für Jacob und
       Saefkow überraschend  gekommen war, hatten sie deren Kernpunkt im
       Herbst 1943  sogleich positiv aufgegriffen. Immer wieder befaßten
       sie sich  mit NKFD-Fragen  und Perspektiven  einer demokratischen
       Revolution. In  den bis  Sommer 1944 erarbeiteten Argumentationen
       sind Unterschiede,  aber auch ständige Annäherung zu entsprechen-
       den ZK-Verlautbarungen zu erkennen.
       
       III. Struktur und Tätigkeiten der KPD Berlin-Brandenburg
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       Seit Sommer  1943 wirkten  Saefkow ("Kurt"), Jacob ("Martin") und
       Emrich ("Erwin")  im Raum  Berlin als KPD-Bezirksleitung. Zur er-
       weiterten Leitung  müssen Judith Auer, Grete Schöneck und die Ka-
       dergruppenleiter Erich  Fähling, Fritz  Goltz, Willi Heinze, Wil-
       helm Moll,  Max Sauer  und Gustav  Wegener gerechnet  werden. Der
       "Dreierkopf" kam  zu regelmäßigen  Beratungen zusammen, faßte Be-
       schlüsse und  traf sich zu Einzelgesprächen mit den Kadergruppen-
       leitern u.a. Funktionären. Fritz Emrich schied - vermutlich gegen
       Ende 1943  - auf  eigenen Wunsch aus der Leitungsarbeit aus. Etwa
       100 Männer  und Frauen,  darunter fast  alle Funktionäre, wirkten
       unter einem Decknamen. Von einer Mitgliederkassierung wurde abge-
       sehen; entstehende Kosten (für Flugschriften, Unterhalt Illegaler
       u.a.)  wurden   durch  Geldsammlungen,   Spenden  und  z.T.  über
       Schwarzmarktgeschäfte gedeckt.
       Die 1943/44 tätige Bezirksorganisation wies weder straffe Gliede-
       rung noch  Flächendeckung auf.  Eine relative Dichte hatte sie in
       Kreuzberg, Reinickendorf,  Wedding, Neukölln sowie in Schönow und
       Zepernick (Brandenburg).  Die Zusammenarbeit mit bestehenden KPD-
       Gruppen entwickelte  sich unterschiedlich.  Manche schlössen sich
       an, andere,  wie die um Gertrud Rosenmeyer oder um Bernhard Karl,
       suchten den  politischen Austausch, blieben aber weitgehend selb-
       ständig. Zentrum  der Organisation  war  ihr  Betriebszellennetz.
       Stellvertretend seien  Paul Junius und Karl Lade für die Askania-
       Werke, Erich  Mielke für das Kabelwerk in Schönow, Josef Höhn und
       Rudolf Seiffert für die Siemens-Betriebe genannt.
       Bis Sommer  1944 gelang  es, in über 50 Werken und Dienststellen,
       vor allem  in Rüstungsbetrieben,  die Widerstandsarbeit - oft mit
       nichtverhafteten Mitgliedern  der Gruppen  um Uhrig und um Sieg -
       fortzusetzen und  neue Kadergruppen  zu bilden. Die für bestimmte
       Abschnitte Berlins  und Brandenburgs  eingesetzten  Instrukteure,
       damals Kadergruppenleiter  genannt, unterrichteten  die Betriebs-
       zellen, versorgten  sie mit  Material und  brachten Reaktionen an
       die Leitung  zurück. Saefkow  und Willi  Heinze begannen  mit dem
       Aufbau von  "Fachgruppen" in  den Bereichen Gastwirts- sowie Gra-
       phisches Gewerbe,  Sattler und Tapezierer, Schaupieler. Die Fach-
       bzw. Industriegruppen  dienten nicht  nur  Koordinierungszwecken,
       sondern galten auch als Keimzellen künftiger Gewerkschaften.
       In  zahlreichen  Großbetrieben  wurden  Solidaritätsaktionen  für
       Zwangsarbeiter und  politisches Zusammenwirken  mit ausländischen
       Kommunisten und  Antifaschisten organisiert. Die deutsch-sowjeti-
       sche Gruppe  um Willi  Bolien bei  der Windhoff  AG ist dafür ein
       Beispiel. Zu  Zwangsarbeitern und  Kriegsgefangenen in  verschie-
       denen Stammlagern  in Berlin  und Brandenburg  gab es  zahlreiche
       Verbindungen. Willi  Hielscher half,  einen sowjetischen Offizier
       in Bergfelde  zu verbergen.  Maria Krüger versteckte einen russi-
       schen Piloten in Schöneberg; Willy Krüger führte mit sowjetischen
       Zwangsarbeitern bei  Erkner einen  Sprengstoffanschlag auf  einen
       nach Osten rollenden Munitionszug aus. Alfred Jung, der als Sani-
       tätsobergefreiter in  das Kriegsgefangenenlager  Fürstenberg/Oder
       abkommandiert war,  arbeitete u.a. mit französischen und sowjeti-
       schen Kommunisten  zusammen und ermöglichte 1944 mit Harry Harder
       den (z.T.  schriftlichen) Erfahrungs-  und Meinungsaustausch aus-
       ländischer Kameraden mit Leitungsmitgliedern in Berlin.
       Zur Erledigung  innerorganisatorischer  Aufgaben  wurden  weitere
       Mitarbeiter gewonnen.  Im Technischen  Apparat, der von Jacob und
       Wegener geführt  wurde, waren  u.v.a. Grete Schöneck als Schreib-
       kraft, Heinz Rottke als Setzer und Erich Hannemann als Fahrer tä-
       tig. Die  ersten Flugschriften wurden im Wedding bei Richard Wen-
       zel abgezogen;  bei der Beschaffung einfacher Druckmaschinen hal-
       fen 1944  die antinazistisch eingestellten Unternehmer Hans Nese-
       ner und  Gustav Basse.  Das Archiv  wurde bei  Franz  Schmidt  in
       Schildow untergebracht.  Der von Saefkow geleitete Sicherheitsap-
       parat sorgte  u.a. für Legitimationspapiere und Waffen, für Nach-
       richten aus Betrieben und NS-Instanzen.
       Kurierfahrten, die  im Hinblick  auf Materialaustausch, Nachrich-
       tenübermittlung, Kontaktanknüpfung,  Vorbereitung von Treffs oder
       Aktionen notwendig  wurden, übernahmen  überwiegend Frauen. Lotte
       Groß brachte  von Käthe Jacob, Elly Heins und Hanna Marquardt ge-
       sammelte Informationen  nach Berlin und Material nach Hamburg zu-
       rück. 1944  half Lisa  Walter bei der Flucht Herbert Tschäpes und
       Fritz Reuters  aus dem  KZ Sachsenhausen,  Elli  Bänsch  bei  der
       Flucht ihres Mannes Willi aus dem Lager Wuhlheide.
       
       #73# Positionen
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       Erna und  Bernhard Almstadt  ermittelten in  Hannover, daß  Ernst
       Thälmann, zu dem Saefkow und Jacob Verbindung herstellen wollten,
       im Sommer  1943 ins  Gefängnis Bautzen verlegt worden war. Anfang
       1944 entstand  eine Jugendgruppe,  nachdem Saefkow  Gespräche mit
       den Jungarbeitern  Herbert Polster  und Willi  Betsch geführt und
       Helmut Wagner als deren Berater eingesetzt hatte.
       
       IV. KPD-Inlandsleitung 1943/44. Kommunisten und NKFD
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       Martin Schwantes,  der in Magdeburg zur illegalen KPD-Leitung ge-
       hörte, fuhr  etwa einmal  im Monat  nach Berlin zu Beratungen mit
       Jacob und Saefkow. Nach Vorbesprechungen mit seinem Thüringer Ge-
       nossen Magnus Poser und dem Leiter der Leipziger KPD-Organisation
       Georg Schumann, kam der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Theodor
       Neubauer im November 1943 zu einem Treffen in die Hauptstadt. Bei
       den Erörterungen mit Saefkow und Jacob fand die Grundlinie in den
       jeweils herausgebenen  Materialien gegenseitige  Zustimmung.  Sie
       legten fest, ihre Position zum NKFD aus der Sicht der Inlands-KPD
       ausführlicher zu  begründen, den Erfahrungsaustausch fortzusetzen
       und Kurs  auf Verbindungen zu illegalen Gruppen im gesamten Reich
       zu nehmen.
       Mit dieser  Zusammenkunft begann  die Arbeit  einer neuen KPD-In-
       landsleitung, die  in der  Literatur auch Reichsleitung, zentrale
       operative Leitung  oder Landesleitung der KPD genannt wird. Außer
       Jacob, Neubauer  und Saefkow gehörten ihr Schumann, Schwantes und
       seit 1944  auch Bästlein  an. Die  Erfahrungen in  faschistischer
       Haft hatten diese Arbeiterfunktionäre in ihrer Weltanschauung be-
       stätigt. Die  völlig veränderte Situation, die sie nach jahrelan-
       ger Isolierung  zu Hause  vorfanden, stellte sie vor die Alterna-
       tive, sich ins Private zurückzuziehen oder wieder politisch aktiv
       zu werden.  Allein ihrem  Gewissen verantwortlich  und in eigener
       Entscheidung nahmen  sie die  Herausforderung an,  auf Seiten der
       europäischen Resistance, der UdSSR und der alliierten Antihitler-
       koalition den Krieg verkürzen zu helfen. Sich als Internationali-
       sten und  Patrioten verstehend, setzten sie ihr Leben ein, um das
       deutsche Faschistenregime, das die Existenz der Nation aufs Spiel
       gesetzt und  die Völker Europas in die Katastrophe geführt hatte,
       zu stürzen oder dazu beizutragen. Unter den Bedingungen des tota-
       len Krieges  auf sich  selbst gestellt  und in  der Lage, politi-
       sches, ökonomisches  und militärisches  Geschehen zu  analysieren
       und Prognosen zu stellen, waren die Mitglieder der Inlandsleitung
       nach der  von ihnen  entwickelten Strategie  und Taktik in Aktion
       gegangen. Gleichzeitig hatten sie sich von Anfang an bemüht, jede
       Information über  politische Entscheidungen  des ZK  der KPD, mit
       dem sie sich in prinzipieller Übereinstimmung sahen, zu bekommen,
       um sie in die Widerstandsarbeit einbringen zu können.
       Für den Klärungsprozeß im Hinblick auf Umsetzung der NKFD-Politik
       im Reich  ist eine Debatte vom 1. April 1944 Beispiel, an der ein
       kleiner Kreis  Berliner Funktionäre  teilnahm. Saefkow hatte dort
       Aktionen zur  Diskussion gestellt, wie sie in ähnlicher Form auch
       in dem  Flugblatt "Hitlergegner! Deutsche Antifaschisten" enthal-
       ten sind.  In seinem  Statement "Beschlüsse 1.4.44" schrieb Saef-
       kow: "Die  politische und militärische Entwicklung in Deutschland
       und Europa"  erfordere "die  Schaffung der  breitesten nationalen
       Kampffront, verlangt  gebieterisch von  der Partei,  trotz  ihrer
       zahlenmäßigen Schwäche alles zu tun, um auch organisatorisch eine
       Bewegung 'Freies  Deutschland) ...  als geheime  deutsche  Wider-
       standsbewegung zu fördern." 10) Im einzelnen sollten "erste selb-
       ständige Kampfgruppen der Bewegung ... kleinste Einheitstagungen"
       durchführen, einen Delegierten wählen zur Widerstandskonferenz im
       Mai/Juni mit  dem Ziel:  Annahme eines  Manifestes und Wahl eines
       "Befreiungsausschusses für  Berlin und  Umgebung". Über  die hier
       vorgeschlagenen Maßnahmen gab es Meinungsverschiedenheiten, wofür
       eine am nächsten Tag von Jacob verfaßte Erklärung "Zu den Streit-
       fragen" spricht. "Die Bewegung 'Freies Deutschland' wird nur dann
       zu einem  beherrschenden antifaschistischen  Faktor", führt Jacob
       aus, "wenn sie eine wirkliche Zusammenfassung der wichtigsten an-
       tifaschistischen  Gruppierungen   (Parteien)  einschließlich  der
       nichtproletarischen darstellt...  Der Schritt von der allgemeinen
       antifaschistischen Agitation  zur Organisierung von konkreten Ak-
       tionen ist  nicht nur von unserem Willen ... abhängig ... Solange
       die Massen,  im besonderen die Arbeiterklasse nicht selbst bereit
       ist zu handeln, ist jeder Übergang zu Aktionen zum Scheitern ver-
       urteilt und  führt zu  Opfern, die nicht verantwortet werden kön-
       nen." 11)  Beide Niederschriften  legte Saefkow Mitte April Schu-
       mann und Neubauer bei einer Sitzung in Leipzig vor.
       Vom NKFD  hatten Saefkow, Jacob und Kampfgefährten durch regelmä-
       ßiges Abhören  des "Deutschen  Volkssenders" und  die - von Arvid
       Lundgren übermittelte  - Stockholmer  KPD-Zeitschrift "Politische
       Information" erfahren. Unter Anführung dieser Quellen, der Berli-
       ner Kaderbriefe,  von Protokollen  Kommunistischer Weltkongresse,
       Werken von  Marx und  Lenin, erarbeiteten  sie die Plattform "Wir
       Kommunisten und  das Nationalkomitee Freies Deutschland", die zum
       1. Mai  1944 erschien. Der Entwurf hatte im März auch Kommunisten
       im  KZ   Sachsenhausen  vorgelegen.  Diese  übermittelten  eigene
       "Strategische und  taktische Losungen", auf die Saefkow und Jacob
       mit einem  Brief antworteten.  In der 44seitigen programmatischen
       Schrift 12)  wird für  das Reich  die Bezeichnung  "Kampfbewegung
       Freies Deutschland" eingeführt. Schwerpunkte sind Darlegungen zur
       Rolle der KPD im NKFD unter Eingehen aufprägen und Skepsis in den
       eigenen Reihen, zu Etappen und Unterschieden demokratisch-antiim-
       perialistischer und
       
       #74# Hochmuth: KPD und NKFD in Berlin-Brandenburg
       -----
       sozialistischer Umwälzungen  nach dem Sieg über Hitler in Europa,
       zur Einheit  der Arbeiterbewegung  (Partei und Gewerkschaft), zur
       antifaschistischen Bündnispolitik.
       
       V. "NKFD - Berliner Ausschuß"
       -----------------------------
       
       Kern der Kampfbewegung "Freies Deutschland" war die illegale KPD.
       Während sich  ihr anfangs  fast  ausschließlich  Kommunisten  an-
       schlössen, hatte  sie, als  um sie  eine NKFD-Bewegung  entstand,
       mehr als  ein Drittel Mitstreiter, die vor 1933 nicht der KPD an-
       gehörten. Über  20 kamen  aus der  SPD und  SAP, die  Parteilosen
       überwiegend aus der Gewerkschafts- und Arbeitersportbewegung, aus
       der Intelligenz und dem Mittelstand. Unter den bisher ermittelten
       über 400  Mitarbeitern und  Helfern gab es mindestens 115 Frauen.
       Hitlergegner unterschiedlicher  Weltanschauung wirkten  an  ihrem
       jeweiligen Platz  in der Bewegung "Freies Deutschland" und akzep-
       tierten die Führung durch Kommunisten. In diesem Zusammenhang sei
       die Tätigkeit  zweier parteiloser  Antifaschisten  hervorgehoben.
       Dr. med.  Wolfgang Kühn,  Leiter der  chirurgischen Abteilung  im
       Paul-Gerhard-Stift, der 1941/42 jugoslawischen Partisanen ärztli-
       che Hilfe  geleistet hatte  und danach einige Zeit in Gestapohaft
       war, wurde von Wilhelm Moll für die Bewegung "Freies Deutschland"
       gewonnen und  mit Saefkow  und Jacob  zusammengeführt. Kühn erör-
       terte mit vertrauenswürdigen Kollegen die NKFD-Programmatik, half
       Cäsar Horn  u.v.a. Kriegsgegnern,  sich dem Wehrdienst zu entzie-
       hen, und  gab der Organisation im Juni 1944 direkte Unterstützung
       bei einer  konspirativen Aktion. Der Feinmechanikermeister Fried-
       rich Nitschke,  Inhaber einer  kinotechnischen Werkstatt,  lernte
       durch seinen Freund Werner Jurr Franz Jacob kennen, den er einige
       Monate privat  in seinem  Betrieb beschäftigte.  Nachdem Nitschke
       1944 unter  dem Decknamen  "Ferdinand" mit  Saefkow, Wegener  und
       Grete Schöneck  zusammengeführt worden  war, stellte er sein Büro
       für Leitungsbesprechungen  zur Verfügung,  gestattete, daß  Grete
       Schöneck dort  abends Matrizen  beschrieb,  Jacob  Abziehapparate
       aufstellte, fertigte  Fotokopien von  Dokumenten  und  beteiligte
       sich an Vervielfältigung und Weiterleitung illegalen Materials an
       Gesinnungsfreunde. 13)
       Die Organisationsleitung unternahm große Anstrengungen, der Goeb-
       bels'schen Demagogie entgegenzuwirken, wovon allein über 30 Flug-
       schriften u.  a. Dokumente  Zeugnis geben.  Neben den Materialien
       für die eigenen Kader richtete sie Aufrufe an Arbeiter und Arbei-
       terinnen, die mit KPD unterschrieben sind, sowie an Soldaten oder
       an die  Bevölkerung allgemein;  letztere tragen  meist die Unter-
       zeichnung "Nationalkomitee  'Freies  Deutschland'  Berliner  Aus-
       schuß". Inhalt  und Unterschrift  entsprachen ihrer  Vorstellung,
       die im  NKFD praktizierte  Bündnispolitik auch  im Reich schritt-
       weise zu verwirklichen.
       Die Flugblätter  an Wehrmachtsangehörige  sind als Rundbriefe mit
       der Anrede "Lieber Kamerad!" aufgesetzt. Eine im Dezember 1943 in
       Reinickendorf, Zepernick  und Bernau  verbreitete Ausgabe  ist in
       einem Tagesreport  der Gestapo Berlin 14) beschrieben; mindestens
       vier Soldatenbriefe  (vom Februar, April, Mai und Juni 1944) sind
       erhalten geblieben. Um die gleiche Zeit gab die Organisationslei-
       tung ein  Kadermaterial an  Kommunisten im Waffenrock heraus, das
       "Merkblatt für  die zur  Wehrmacht eingezogenen Genossen"; in ihm
       werden NKFD-Politik und Möglichkeiten konspirativer Arbeit an der
       Front erläutert. Der Ende 1943 aus der Wehrmacht desertierte Hel-
       mut Wagner  wurde als  Leiter für  den "militärischen Sektor" des
       NKFD eingesetzt,  für den  "zivilen Sektor" der ebenfalls illegal
       lebende Herbert  Tschäpe. An  der politischen Aufklärung in Wehr-
       machtseinheiten waren  Kanonier Hans  Beyermann, Grenadier Werner
       Deckers, Feldwebel  Cäsar Horn,  Obergefreiter Gerhard  Kaun u.a.
       Kommunisten beteiligt.  Saefkow und Jacob standen in Gedankenaus-
       tausch mit  Oberstabsarzt Dr. Johannes Kreiselmeyer, der sich be-
       reit erklärte,  für die  Zeit nach Hitler ein Konzept zum Gesund-
       heitswesen auszuarbeiten.  Ingenieur Erwin  Freyer führte Saefkow
       und Jacob  mit seinem  früheren Lehrer  Heinrich Werner zusammen.
       Der bei  der OKW-Wehrmachtspropagandastelle stationierte Unterof-
       fizier übergab  ihnen ein  Flugblatt der  Westalliierten und  die
       Zeitung "Freies  Deutschland". Von  sich aus erörterte Werner die
       von Freyer,  Saefkow und  Jacob aufgeworfenen  politischen Fragen
       mit  anderen   Wehrmachtsangehörigen  und   Beschäftigten  seiner
       Dienststelle.
       Im zivilen  Bereich konnten  zu weiteren Kreisen überzeugter Hit-
       lergegner mehr oder weniger feste Beziehungen hergestellt werden.
       So erhielt Saefkow Kontakt zu einer Gruppe Arbeiter und Intellek-
       tueller um den Betriebsingenieur Hugo Kapteina, Jacob zum konser-
       vativ-liberalen Freundeskreis  Lena Pechels,  Gattin des in Sach-
       senhausen inhaftierten Herausgebers der "Deutschen Rundschau" Dr.
       Rudolf Pechel,  Erdmann Meyer zum Luckenwalder Justizangestellten
       Hans Winkler,  dem Mitbegründer  der illegalen  "Gemeinschaft für
       Frieden und Aufbau". 15)
       Im Hinblick  auf die  angestrebte Aktionseinheit der Arbeiterpar-
       teien und das Bündnis aller Hitlergegner war die Begegnung Jacobs
       und Saefkows  am 22.  Juni 1944  mit Julius Leber und Adolf Reich
       wein von  besonderer Bedeutung.  Leber und  Reichwein hatten sich
       wie Carlo  Mierendorff dem Kreisauer Kreis um Graf von Moltke an-
       geschlossen und  dort ihre  Vorstellungen als sozialdemokratische
       Antifaschisten eingebracht.  Das Treffen  ging wesentlich auf die
       Initiative Reichweins  zurück. Reichwein,  der Flugschriften Neu-
       bauers kannte,  traf mit  seinen Vertrauensleuten Dr. med. Rudolf
       Schmid, dem  ihm aus  Jena bekannten  Sozialisten Friedrich Bernt
       und Ferdinand Thomas (KPD) zu Vorbesprechungen zusammen. Unabhän-
       gig
       
       #75# Positionen
       -----
       voneinander fuhren  Bernt und Judith Auer nach Jena zu Magnus Po-
       ser, um  letzte Verabredungen  zu  treffen.  Leber  unterrichtete
       Kreisauer Freunde  über das  Vorhaben und  erhielt die Zustimmung
       Peter Yorck  von Wartenburgs,  von der  Mehrheit  dagegen  Wider-
       spruch. Im  Sinne des  1943 von Mierendorff verfaßten Aufrufs für
       eine Volksbewegung christlicher, sozialistischer, kommunistischer
       und liberaler  Kräfte sowie  der Begründung, er habe mit Kommuni-
       sten "fünf  Jahre auf derselben Pritsche im KZ gelegen" 16), ent-
       schied Leber sich für das Treffen. Bei dem Gespräch in der Praxis
       Dr. Schmids legten Leber und Jacob die beiderseitigen Standpunkte
       dar. Sie  stellten Übereinstimmungen  fest, auch  im Hinblick auf
       eine künftige  Regierung, in  der die  Sozialisten  führend  sein
       sollten, und  vereinbarten eine  zweite Zusammenkunft  für den 4.
       Juli. 17)
       
       VI. Neuer Mann im "Dreierkopf". Weitere Aktivitäten 1944
       --------------------------------------------------------
       
       Bästlein, der  Ende August  1943 mit  Abshagen als  Zeuge in  der
       Strafsache gegen  Martin Weise  nach Berlin überführt worden war,
       gelang bei  einem Luftangriff  am 29.  Januar 1944 die Flucht aus
       dem Zuchthaus  Plötzensee. Er  schlug sich nach Halensee durch zu
       Johanna Falcke,  die ihm  Quartier bei Willi Jungmittag besorgte.
       Bästlein gewann  in ihm  bald einen Mitstreiter. Durch Jungmittag
       fand er  die nächste  Unterkunft bei den Schwestern Luzie Nix und
       Vera Wulff  und wurde von ihnen mit Ernst Sieber zusammengeführt.
       Wie sie  aus der  Gruppe um  John Sieg  kommend, gab  Sieber nach
       Siegs Festnahme  und Tod  mit Charlotte  Bischoff u.a. weiter die
       Zeitung "Innere Front" heraus. Ein von Bästlein gewünschtes Tref-
       fen mit  der illegal  aus Schweden  zurückgekehrten  KPD-Instruk-
       teurin Bischoff  kam nicht  mehr zustande.  In und mit der Gruppe
       seiner Quartiergeber  und Mitarbeiter  gab er  von  ihm  verfaßte
       Flugschriften weiter.
       Bald nach seiner Flucht hatte Bästlein in einem S-Bahnwagen Franz
       Jacob gesehen;  die beiden  Freunde hatten  Blickkontakt,  gingen
       aber nicht aufeinander zu, weil jeder einen dem anderen unbekann-
       ten Begleiter  (Willi Jungmittag  bzw. Grete Schöneck) neben sich
       hatte. Nachdem  keiner von Bästleins Gefährten Näheres über Jacob
       ermitteln konnte,  setzte er im April die "Sonderbotschaft Nr. 5"
       in ein  Flugblatt: "Warum hast Du mit der Wolldecke unter dem Arm
       in der  Stadtbahn nicht  reagiert? Der Genosse, den die Frage be-
       trifft, soll  rückantworten." 18)  Jacob erhielt die Botschaft am
       1. Mai  1944 von  Otto Marquardt.  Drei Tage darauf kam es in der
       Modelltischlerei des  Sozialdemokraten Walter  Glass zur  Wieder-
       begegnung
       
       #76# Hochmuth: KPD und NKFD in Berlin-Brandenburg
       -----
       mit Bästlein.  Kurz zuvor  hatte Jacob  von der  Ermordung Walter
       Bohnes, Gustav  Bruhns und den bevorstehenden Prozessen gegen an-
       dere Hamburger Genossen erfahren. Es ist anzunehmen, daß er Bäst-
       lein sofort  informierte und  schon hier ein entsprechendes Flug-
       blatt andiskutiert  wurde; der Aufruf "An alle Hamburger Kommuni-
       sten und revolutionären Arbeiter!" 19) erschien Mitte Juni.
       Wenige Tage  nach dem  4. Mai  traf Bästlein  ("Lothar") sich mit
       Saefkow und  Jacob und  wurde dritter  Mann im  "Dreierkopf".  Er
       übernahm den bisher von Saefkow geleiteten Sicherheitsapparat so-
       wie den Aufbau bewaffneter Wehrgruppen und führte die von ihm ge-
       bildete Gruppe  der Organisation  zu. Im Mai schrieb Bästlein das
       mit NKFD/Berliner  Ausschuß unterzeichnete  Flugblatt "Tatsachen!
       Unabänderliche  Tatsachen!".   20)  In  dieser  (seiner  letzten)
       Schrift faßte er noch einmal Erfahrungen und Tatsachen aus beiden
       Weltkriegen zusammen,  rief dazu  auf, gegen Krieg und Unterdrüc-
       kung antifaschistische  Kampfgruppen zu  schaffen  und  schloß  :
       "Hitlers Krieg ist nicht unser Krieg ... Rettung für Deutschland!
       Tod dem Faschismus!"
       Die Tagungen  der Inlandsleitung  hatten meist  in der Hauptstadt
       stattgefunden. Saefkow  hatte sich seit Anfang 1944 auch in Leip-
       zig und Thüringen mit Schumann und Neubauer getroffen. In Abspra-
       che mit  ihnen fuhr  er Mitte April von Leipzig aus nach Dresden,
       um den  früheren KPD-Sekretär  Ostsachsens Kurt  Sindermann,  der
       ebenfalls schwere  Jahre im  Zuchthaus und  in Buchenwald  hinter
       sich hatte,  zu treffen. Es ging hauptsächlich um die Hilfe Dres-
       dener Kommunisten  bei dem  Versuch, Verbindung zu dem in Bautzen
       inhaftierten Ernst Thälmann herzustellen sowie Befreiungsmöglich-
       keiten zu  erkunden; schon  vorher hatte Arvid Lundgren seine Be-
       reitschaft erklärt,  den KPD-Vorsitzenden  nach geglückter Flucht
       mit einem  Wagen der  Schwedischen Gesandtschaft  nach Berlin  zu
       bringen.
       Saefkow besprach  den Plan  mit Sindermann. Bei dem Gespräch ver-
       traute ihm  dieser an, daß er sich im Zusammenhang mit seiner KZ-
       Entlassung von  der Gestapo  zur Berichterstattung  über Illegale
       habe erpressen  lassen. Noch  heute ist  Sindermanns Verhalten im
       Jahre 1944  und sein  Tod in Gestapohaft weitgehend ungeklärt; es
       gibt dazu  nur wenige  und sich  teilweise widersprechende Veröf-
       fentlichungen. 21)  Nach dem  Treffen beriet  Sindermann sich mit
       Hermann Liebsch  und Hilde  Lehmann. Liebsch  machte ihn  mit dem
       Rechtsanwalt und  derzeit in Bautzen stationierten Gefreiten Will
       Niepel bekannt.  Niepel stellte Kontakt her zu dem in der Bautze-
       ner Haftanstalt  beschäftigten Wachtmeister Wilhelm Schulze, des-
       sen Informationen  zu Thälmann  später Saefkow  übergeben  werden
       sollten. "In  unserer Wohnung  fanden 2  Treffen  mit  Sindermann
       statt", schreibt Hilde Lehmann 1950, "das letzte am 20.7.1944 ...
       Bei diesem Treffen wurden die inzwischen erfolgten Vorbereitungen
       für die Aufnahme einer Verbindung mit dem Genossen Ernst Thälmann
       ... besprochen.  ... Wir  wollten zunächst  Thälmann mit Material
       beliefern, für später war auch an eine Befreiungsaktion gedacht."
       22)
       Über seine  Gespräche in Dresden berichtete Saefkow Bästlein, Ja-
       cob und Neubauer im Mai (20./21.7) auf einer Sitzung der Inlands-
       leitung bei Judith Auer in Berlin-Adlershof. Nach anscheinend er-
       regter Debatte über Sindermann 23) warf Neubauer das Problem auf,
       ob das Verhalten der KPD zum NKFD ein rein taktisches sei. In der
       Hauptsache scheint  es um  die Frage gegangen zu sein, ob die vom
       NKFD angestrebte  Volksregierung als  eine feststehende Entschei-
       dung anzusehen  sei bzw. ob ihre Einsetzung - oder die einer kom-
       munistischen Arbeiterregierung - vom politischen Kräfteverhältnis
       nach Kriegsende  abhänge. Die  Diskussion wurde  vermutlich durch
       eine neue  größere Ausarbeitung  "Am Beginn der letzten Phase des
       Krieges" mitbestimmt,  deren Entwurf  mit Datum  vom 20. Mai 1944
       Vorlage für diese Sitzung gewesen sein kann.
       Die von  Jacob verfaßte  politisch-theoretische Schrift  ist eine
       zusammenhängende  Darlegung  zum  militärischen  und  politischen
       Kräfteverhältnis in  Europa und Hitlerdeutschland sowie zur Stra-
       tegie der  KPD in  der letzten  Phase des  Krieges. 24)  Das  mit
       "Kommunistische Partei Deutschlands" unterzeichnete Dokument ent-
       hält Aussagen  über die  Periode der  Liquidierung des Faschismus
       und Demokratisierung  der innenpolitischen Verhältnisse, an deren
       Ende vom Beginn des sozialistischen Aufbaus (Errichtung "Diktatur
       des Proletariats")  ausgegangen wird.  Zum NKFD und welchen Platz
       es zeitweilig  oder dauerhaft  im künftigen Deutschland einnehmen
       kann, heißt  es in  Abschnitt IV:  "Ob und  wieweit  diese  Bünd-
       nispartner bei  der Liquidierung  des faschistischen  Systems ...
       mit uns  zu gehen  bereit sind,  wissen wir  ... nicht... Was wir
       aber wissen  ist: Wir werden in jedem Bündnis mit nichtproletari-
       schen Elementen  nur so  lange Führer sein, wie wir in der Arbei-
       terklasse stark sind." Der erste Teil der Schrift wurde hektogra-
       phiert und  in Berlin,  Brandenburg, Leipzig  weitergegeben.  Der
       zweite Teil (Abschnitt IV), der Ende Juni nach Errichtung des an-
       gloamerikanischen Brückenkopfes in der Normandie noch einen aktu-
       ellen Vorspann  erhielt, konnte nicht mehr vervielfältigt werden.
       Dagegen wurde  ein Dokument der Organisation schon vor Kriegsende
       im Ausland veröffentlicht. Es war das im April 1944 in hoher Auf-
       lage gedruckte Flugblatt "Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner
       Betriebe!".  Lundgrens  Nachfolger  in  Berlin,  der  schwedische
       Jungsozialist Arne  Karlsson, hatte es der KPD-Auslandsleitung in
       Stockholm übermittelt.  Mit einem  Kurzkommentar eingeleitet  er-
       schien der  Aufruf in  der "Politischen Information" vom 15. Juli
       1944 - elf Tage nach Einsetzen der Verhaftungen in Berlin.
       
       #77# Positionen
       -----
       VII. Gestapo-Sonderkommission "NKFD Berlin"
       -------------------------------------------
       
       Anfang 1944  war Saefkow  mit Ernst  Rambow, den  er als Berliner
       KPD-Funktionär kannte,  zusammengetroffen. Von  Georg und  Louise
       Dünninghaus, die  mit Rambow im 2. Halbjahr 1933 in Hamburg ille-
       gal zusammengearbeitet  hatten, wußte  Saefkow, daß  sie  ihm  in
       Lichtenberg wiederbegegnet  seien. Rambow war 1934 als Leiter des
       AM-Apparates der KPD Wasserkante zu sechs Jahren Zuchthaus verur-
       teilt, nach  Verbüßung der  Strafe am  1. Februar 1940 in das Ge-
       stapo-Gefängnis Berlin  überführt und  nach vier Wochen entlassen
       worden. Dünninghaus schreibt 1945, Rambow habe ihm im Herbst 1941
       erklärt, daß  er sich  laufend bei der Gestapo melden müsse, sich
       aus der verlangten "Mitarbeit" aber immer "diplomatisch herausge-
       wunden" habe;  seine politische Einstellung sei pessimistisch ge-
       wesen. Dünninghaus  erwähnt, daß  er und  seine Frau  danach  zum
       Kreis um  Saefkow stießen und, als dann "Anfang 1944 die Lage im-
       mer mehr  zum Handeln drängte und bereits zu vielen Betrieben ...
       Verbindung bestand,  außerdem Komitees  'Freies Deutschland'  ge-
       gründet waren,  wurde seitens  Anton S. die Verbindung mit R. di-
       rekt aufgenommen". 25)
       Im Februar  oder März  setzte Saefkow Rambow als weiteren Abwehr-
       mann ein. Unter dem Decknamen "Hermann" traf er im Sicherheitsap-
       parat mit  Bruno Hämmerling u.a. Funktionären zusammen. Mitte Mai
       wurde er  Bästlein unterstellt  und auch zur Absicherung von Lei-
       tungssitzungen eingesetzt.  Für den 20. Mai hatte Rambow eine Be-
       sprechung mit  Heinz Rosenberg und Siegfried Forstreuter in Niko-
       lassee vorbereitet;  auf dieser Zusammenkunft, die vermutlich un-
       ter direkter  Gestapobeobachtung stand,  forderte er  Forstreuter
       auf, neue  Waffen zu  besorgen. Nach  einem Treff am 30. Mai 1944
       mit Franz Schmidt und Rambow war Bästlein plötzlich verschwunden;
       seine Genossen  konnten sich  bald Gewißheit  verschaffen, daß er
       verhaftet worden war. Schmidt sei bei dem Treff als erster gegan-
       gen, schreibt Grete Schöneck 1945, und "so blieb ein Verdacht ge-
       gen Hermann".  26) Zwei Wochen nach Bästleins Festnahme traf Ram-
       bow erstmals  mit Jacob  und Grete  Schöneck zusammen,  als beide
       überprüfen wollten,  ob er einen mit Bästlein festgelegten Termin
       noch wahrnehmen würde. Er erschien. Bei anschließender Aussprache
       mit Saefkow  und Jacob vermochte Rambow den bei Jacob aufgekomme-
       nen Verdacht  zu zerstreuen.  Am 22.  Juni begleiteten  Ferdinand
       Thomas und  Rambow, die  sich kurz  zuvor  kennengelernt  hatten,
       Saefkow und  Jacob zur  Begegnung mit  Leber und Reichwein in die
       Praxis Dr.  Schmids. Friedrich Bernt berichtet 1947, Magnus Poser
       habe ihm  Saefkow und Jacob als zuständig für die KPD-Leitung ge-
       nannt, aber  "gegen jede Verabredung wurde ein Dritter hinzugezo-
       gen... Ferdinand Thomas erklärte ... mir, daß er sich bei Saefkow
       und Jacob über die Hinzuziehung des Rambow verwahrt" habe. 27)
       Der Beginn  von Rambows  Wirken als  Gestapo-Agent ist noch unge-
       klärt. Er  kann vor  seiner Haftentlassung im Februar 1940 in den
       Teufelspakt gepreßt  worden sein. Es ist auch möglich, daß er ei-
       nige Zeit versuchte, sich durchzulavieren. Aber an einem bestimm-
       ten Punkt - wahrscheinlich nach der Flucht Bästleins aus Plötzen-
       see und  seiner Begegnung  mit Saefkow  - erneut  unter Druck ge-
       setzt, begann er gezielt nach dem Plan des RSHA zu handeln. Gegen
       KPD und  NKFD hat  ihn das Amt IV spätestens im Frühjahr 1944 als
       V-Mann eingesetzt  und offenbar  nicht nur  als Zuträger, sondern
       auch als  agent provocateur.  Geführt wurde  er durch Kriminalin-
       spektor Hermann  Schulz, der  ihn u.a. in der Lichtenberger Schu-
       sterwerkstatt Hofrichter traf. 28)
       Die Gestapo  hatte eine Sonderkommission "Nationalkomitee 'Freies
       Deutschland' Berlin"  gebildet, deren Federführung bei den Krimi-
       nalkommissaren Horst  Kopkow und  Johann Strübing lag, Leiter und
       maßgeblicher Mitarbeiter  im Referat  IV A 2. Unterlagen über Ob-
       servierungen sind  erhalten geblieben.  In einem  Bericht vom  1.
       Juli 1944 "Geheim. Betrifft: Nationalkomitee 'Freies Deutschland'
       Berliner Ausschuß" von Kriminalsekretär Johannes von Rakowski (IV
       A 1  a) werden  Tätigkeiten Saefkows  seit Februar 1944, vier Be-
       triebe mit  Kadergruppen, verschiedene  Flugblätter  erwähnt  und
       baldige Festnahmen  in Aussicht  gestellt. Außer Saefkow kann Ra-
       kowski Paul  Hirsch und  Otto Truppner mit vollen Namen anführen,
       andere Beteiligte  ausschließlich unter  ihrem Decknamen.  Die an
       letzter Stelle  genannte Person  ist wie  folgt umschrieben:  "V-
       Mann, Kaderleiter  für Groß-Berlin,  eingesetzt vom  Referat IV A
       2." 29)
       Das RSHA griff zu, als sich im Innern des Landes ein nicht zu un-
       terschätzendes Bündnis  zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten
       sowie liberalen  Hitlergegnern anzubahnen  schien. Bei  der am 4.
       Juli 1944  einsetzenden Verhaftungsaktion  wurden Saefkow,  Jacob
       und Reichwein festgenommen, am Tag darauf Leber. Die beiden Sozi-
       aldemokraten wurden  mit Ferdinand Thomas und Rudolf Schmid ange-
       klagt, nach  dem 20.  Juli wurde  das Verfahren  gegen Leber  und
       Reichwein abgetrennt.  Bis 1945  inhaftierte die Gestapo über 280
       Widerstandskämpfer im  Raum Berlin, in Landsberg, Hamburg, Hanno-
       ver. Mehr als 100 Männer und Frauen entgingen der Festnahme; ent-
       weder waren  sie dem  RSHA als  Mitarbeiter Saefkows,  Jacobs und
       Bästleins nicht  bekannt oder  es gelang  ihnen, trotz intensiver
       Fahndung unterzutauchen,  darunter Grete  Schöneck, Lisa  Walter,
       Hans Beyermann, Fritz Emrich, Erich Fähling, Fritz Goltz, Gerhard
       Kellotat, Willi  Krüger, Hans  Paucka und  Max Sauer.  Von  einer
       Scheinfestnahme Rambows wurde abgesehen. Nicht zu verhindern war,
       daß er  bei Verhören  mit seinem  Decknamen genannt und so in Ge-
       stapo-Protokollen festgehalten ist. Auch in VGH-Akten, z.B.
       
       #78# Hochmuth: KPD und NKFD in Berlin-Brandenburg
       -----
       Strafsache  gegen  Hämmerling,  taucht  er  ausschließlich  unter
       "Hermann" auf 30); im Unterschied zu anderen - meist flüchtigen -
       Beschuldigten, bei  denen Deck-  und Familienname angeführt sind.
       Trotz solcher  Abschirmung sickerte schon während der Gestapover-
       höre durch,  daß "Hermann" der Verräter sei. 31) Saefkow sagte es
       seinem Mitgefangenen Herbert Polster, Dr. Rudolf Schmid erfuhr es
       von Jacob.  Spätestens im September 1944 gelangte diese Nachricht
       auch nach  draußen. Cäsar  Horn hatte sie bei einem Besuch seiner
       Frau Irmgard  verschlüsselt mitgeteilt, Erwin Reisler überbrachte
       sie den  weiterarbeitenden Gruppen  um Bernhard  Karl und Gerhard
       Sredski, um Grete Schöneck und Hermann Michaelis.
       Die Verhöre  der Sonderkommission fanden im Polizeipräsidium Ber-
       lin und  im Gefängnis Potsdam statt. Hauptvernehmer waren die Ge-
       stapokommissare Strübing  und Walter Habecker, die schon 1942 ge-
       gen Angehörige  der "Roten  Kapelle" in  Berlin (Habecker auch in
       Hamburg) Aussageerpressung  im Amt  verübt und  Mittel physischer
       und psychischer  Folter angewandt  hatten. Anhaltspunkte für Miß-
       handlungen finden  sich in  Gestapoprotokollen unter  euphemisti-
       schen Umschreibungen wie: Der/die Beschuldigte habe "auf Vorhalt"
       das und  das eingeräumt.  Auch Frauen wurden der Tortur unterwor-
       fen. Charlotte  Groß, am  1. August  1944 in Potsdam von Habecker
       vernommen, schrieb  darüber nach  Kriegsende: "Mein erstes Verhör
       ... dauerte  von 16  bis 18  Uhr, und dann mußte ich feststellen,
       daß die  Gestapo ... wußte, daß ich der Verbindungsmann der Saef-
       kow-Gruppe war.  Ich streite  ... ab...  Um 20 Uhr holte man mich
       wieder ... und als ich weiter leugnete und auf die Frage nach dem
       Verbleib der  Flugblätter über  die  Hamburger  Mai-Prozesse  be-
       hauptete, ich  hätte diese verbrannt, bekam ich Ohrfeigen. Ergeb-
       nislos. 'Na,  dann müssen wir eben die Gebetsmühle anwenden!' Und
       als man  die Folterung mit der Fingerquetschung angewendet hatte,
       habe ich  das Versteck  preisgeben müssen..." 32) Nach Beendigung
       der Vernehmungen  übermittelte die  Gestapo ihre präjudizierenden
       Schlußberichte an  den Volksgerichtshof.  Im  August  setzte  der
       Oberreichsanwalt die ersten 18 Anklageschriften auf.
       Während das  RSHA die Beschuldigten der "Roten Kapelle" mehrheit-
       lich dem  Reichskriegsgericht übergeben  hatte, wurden  nach  der
       Aufdeckung der Bewegung "Freies Deutschland" und der Verschwörung
       vom 20.  Juli 1944 auch für alle Militärs die Weichen in Richtung
       Volksgerichtshof gestellt  und beteiligte  Offiziere und Soldaten
       aus der  Wehrmacht ausgeschlossen. Am 12. August 1944 wandte sich
       Kriminalkommissar  Strübing   i.A.  RSHA   in   einem   Schreiben
       "Betrifft: Nationalkomitee" an das OKW: "Um zu vermeiden, daß für
       die Wehrmachtsangehörigen  ein besonderes Strafverfahren durchge-
       führt wird,  wird es  für zweckmäßig  erachtet, (sie) ... aus der
       Wehrmacht zu entlassen, damit ihre Aburteilung durch den Volksge-
       richtshof erfolgen  kann." 33) Admiral Max Bastian, Präsident des
       Reichskriegsgerichts, spurte  und erließ  am 16.  Sept. 1944 eine
       Verfügung, wonach  das Verfahren  gegen Alfred Jung u.a., nachdem
       "sie aus der Wehrmacht entlassen sind, ... den allgemeinen Behör-
       den überwiesen" wird. 34) Aus dem Komplex NKFD/Berlin/Saefkow be-
       traf das  außer Alfred  Jung mindestens  13 weitere, meist in der
       Wehrmachtshaftanstalt Potsdam eingesperrte Männer.
       
       VIII. "... schwerste Gefahren für das Dritte Reich"
       ---------------------------------------------------
       
       Die faschistische Führung war aufgeschreckt durch das immer stär-
       ker in  die Öffentlichkeit  dringende Wirken des NKFD, das sie an
       den sowjetischen  Fronten, im okkupierten und unbesetzten Europa,
       in Amerika  und schließlich  auch im  Lande  selbst  registrieren
       mußte. Rigorose Verfolgung sollte die weitere Ausbreitung der Be-
       wegung "Freies  Deutschland"  verhindern.  Nachdem  das  Attentat
       Stauffenbergs am  20. Juli  1944 schlagartig deutlich machte, daß
       selbst unter Offizieren und hohen Beamten entschiedene Hitlergeg-
       nerschaft entstanden war, wurde in den obersten Naziinstanzen ge-
       prüft, in  welchem Maße  es direkte oder gedankliche Verbindungen
       zur Bewegung "Freies Deutschland" gab, wieweit beide Widerstands-
       gruppierungen das Regime und seine Kriegsmaschinerie bedroht hat-
       ten.
       Im Schreiben  Kaltenbrunners über  das "National-Komitee  'Freies
       Deutschland) in  Berlin" vom 30. Juli 1944 an Goebbels betont der
       RSHA-Chef, "daß dem staatspolizeilichen Zugriff größte politische
       Bedeutung zukommt".  Im zweiten  Brief vom 20. September, der das
       NKFD im gesamten Reich zum Gegenstand hat, informiert er den Pro-
       pagandaminister, daß  es im Reichsgebiet bisher rund 300 Festnah-
       men gäbe,  die leitenden  Funktionäre bereits zum Tode verurteilt
       seien und  die Sonderkommission  ihre Tätigkeit beendet habe. Dem
       ersten Schreiben ist ein 13seitiger, dem zweiten ein neunseitiger
       Bericht  angefügt.  Kaltenbrunner  bemerkt  zum  ersten,  daß  er
       "interessante Schlaglichter  auf die einzelnen Mitglieder des Na-
       tionalkomitee 'Freies  Deutschland) wirft  und ... erkennen läßt,
       welche Möglichkeiten  ihm bereits  zur Verfügung standen". 35) In
       beiden Niederschriften  sind eine  Reihe Lichtbilder des Gestapa-
       Erkennungsdienstes eingeklebt.  Im Unterschied zu den in strammer
       NS-Diktion gehaltenen Berichten sind viele Fotos der wehrlos Aus-
       gelieferten bedrückende  Abbilder des  damaligen Augenblicks  und
       vorangegangener Mißhandlungen.
       Reichsführer-SS und  Innenminister Himmler war von Anfang an über
       die RSHA-Aktion  gegen das NKFD informiert worden. Die schriftli-
       che Berichtererstattung der Gestapo-Sonderkommission unter Sturm-
       bannführer Kopkow und Obersturmführer Strübing begann am 10. Juli
       1944. In  einem Schreiben  vom 4. August wird u.a. die technische
       Ausstattung der Illegalen
       
       #79# Positionen
       -----
       hervorgehoben: "...  Bisher wurden  sichergestellt 1 Typendrucke-
       rei, 1  Tiegelpresse, 1 Bürstenabzugspresse, 5 Vervielfältigungs-
       apparate und 4 Schreibmaschinen." 36)
       Mit diesen  und anderen  Nachrichten versehen,  bereitete Himmler
       sich auf  ein Treffen  mit Hitler  vor. Zu diesem Zeitpunkt wurde
       die Wehrmacht in Polen, Frankreich und Italien von den alliierten
       Armeen auf  die Grenzen des Reichs zurückgedrängt, innenpolitisch
       beschäftigte die  Naziführung die  - noch immer Kräfte bindende -
       unerwartete Stärke der antifaschistischen Opposition, die mit der
       Aufdeckung des  organisierten Arbeiterwiderstandes  und der  Ver-
       schwörung vom  20. Juli zu Tage getreten war. Auf Himmlers Notiz-
       zettel "Führer.  Wolfsschanze 14. VIII. 44" ist festgehalten, was
       im Führerhauptquartier  besprochen wurde.  Hitler und Himmler be-
       schlossen unter anderem, potentielle politische Gegner festzuneh-
       men ("4.  Verhaftung S.P.D.  u. K.P.D.-Bonzen") und das Leben des
       seit 1933  inhaftierten Vorsitzenden  der KPD  auszulöschen ("12.
       Thälmann ist zu exekutieren"). 37) Ernst Thälmann wurde von Baut-
       zen in das KZ Buchenwald gebracht und dort am 18. August 1944 er-
       schossen. Vier  Tage später  begann das  RSHA mit der schlagartig
       ausgelösten "Gewitter-Aktion",  in deren  Verlauf die  Gestapo  -
       nach lange  zuvor angelegten  Karteien -  mehrere tausend frühere
       Gewerkschaftsführer, Landtags- und Reichstagsabgeordnete der KPD,
       SPD, des Zentrums u. a. Oppositionelle in Konzentrationslager de-
       portierte.
       Unmittelbar nach  Beginn des  Unternehmens liefen  im RSHA und im
       Propagandaministerium erste  Nachfragen ein.  Unter Berufung  auf
       die Gauleiter  der NSDAP  in der  Westmark und von Hessen-Nassau,
       wandte Dipl.-Ing.  Sondermann sich  schriftlich  an  seinen  Chef
       Goebbels und  machte geltend,  daß die Aktion "lebhafte Beunruhi-
       gung geschaffen"  und auch  Leute getroffen habe, die heute nicht
       mehr als  politische Gegner  anzusehen seien.  Goebbels ließ  ihm
       mitteilen, daß  es "zweckmäßiger (sei), einmal 50 Ungegerechte zu
       fassen und  5 Gerechte  mitleiden zu  lassen, als  derartige ent-
       scheidende Aktionen zu gefährden". Klartext zur "Gewitter-Aktion"
       verfaßte SS-Oberführer  Friedrich Panzinger, Leiter der Gruppe IV
       A im RSHA und zeitweilig Stellvertreter des Gestapochefs Heinrich
       Müller. In  seinem Schreiben vom 26. August an Sondermann verwies
       Panzinger nachdrücklich auf die Bewegung "Freies Deutschland" und
       den 20.  Juli: "... Der Zweck der Aktion war, alle Kristallisati-
       onspunkte der  illegalen kommunistischen Bewegung und der schwar-
       zen Reaktion von vornherein auszuschalten, nachdem gerade die Er-
       fahrungen der letzten 3 Monate gezeigt haben, daß es immer wieder
       die früheren  Funktionäre dieser  beiden Gruppen  sind, die  ihre
       Zeit wieder  für gekommen erachten. Die Geheime Staatspolizei hat
       eine über das Reich verbreitete, zentral gesteuerte illegale kom-
       munistische Bewegung  'Nationalkomitee Freies Deutschland' ausge-
       hoben, in welcher gerade ehemalige kommunistische und sozialdemo-
       kratische Abgeordnete  eine führende  Rolle gespielt haben... Die
       Richtigkeit der  ... Aktion  wird auch bewiesen durch den zivilen
       Kreis der Beteiligten des 20. Juli." 38)
       Die Hauptverhandlungen  des Volksgerichtshofes  gegen  Angehörige
       der von Saefkow, Jacob und Bästlein geleiteten Widerstandsorgani-
       sation begannen  Anfang September,  die letzten wurden im Februar
       1945 durchgeführt.  In 59 Prozessen gegen mehr als 200 Angeklagte
       erhielten 65 das Todesurteil; Herwig Förder und Erwin Freyer ent-
       gingen dem  Henker durch  den Vormarsch der Alliierten. Der Ober-
       reichsanwalt forderte  auch gegen Charlotte Groß die Todesstrafe,
       aber durch  die mit  einer Mitangeklagten abgesprochene Verteidi-
       gungslinie hatte  Blutrichter Martin  Stier sich täuschen lassen,
       und sie bekam 10 Jahre Zuchthaus.
       Judith Auer,  Auguste Haase und Elli Voigt wurden in Berlin-Plöt-
       zensee enthauptet,  die Männer  in Brandenburg-Görden.  Georg Di-
       mentstein, Hans  Lippmann und  Heinz Rosenberg erhielten 1944 als
       Juden kein  Gerichtsverfahren mehr, sie wurden vermutlich auf An-
       weisung des  RSHA im KZ Sachsenhausen exekutiert. Andere Mitkämp-
       fer sind  in Berliner Gestapohaft, im Konzentrationslager, im Ge-
       wahrsam der  Nazijustiz sowie  bei den Kämpfen um Berlin umgekom-
       men. Nach meinem gegenwärtigen Kenntnisstand wurden 91 Männer und
       Frauen  aus   der  Berlin-Brandenburger   Kampfbewegung   "Freies
       Deutschland" Opfer des Naziregimes.
       Bernhard Bästlein,  Franz Jacob  und Anton  Saefkow mußten am 18.
       September 1944  den Weg  zum Schafott gehen. Der Volksgerichtshof
       hatte das  Wirken der  Hauptangeklagten wie  folgt  qualifiziert:
       "Saefkow, Jacob  und Bästlein  ... haben  vornehmlich im  fünften
       Kriegsjahr die  KPD in einem derartigen Umfange wieder aufgezogen
       und die  Wehrmacht zu  zersetzen versucht, daß hier für das Reich
       die alier-schwersten Gefahren heraufbeschworen wurden..." 39)
       
       _____
       1) Stiftung Archiv  d. Parteien u. Massenorganisationen d. DDR im
       Bundesarchiv,  Zentrales   Parteiarchiv  (SAPMO  BArch  ZPA),  NL
       76/157, Bl. 28 ff
       2) K. Schirdewan: Bernhard Bästlein. In: Einheit, 8/1948, S. 720-
       728; B. Schindler-Saefkow: Anton Saefkow. In: BzG, 4/1978,
       S. 573-583:  P. Grubitzsch: Franz Jacob. In: BzG, 3/1990, S. 398-
       409
       3) U. Puls:  Die Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, Berlin 1959, 226
       S.; U.  Hochmuth: "Hitlers  Niederlage ist  nicht unsere  Nieder-
       lage..." -  Über d. Widerstand d. KPD in Hamburg während d. zwei-
       ten Weltkrieges.  In: J.  Berlin (Hg.):  Das andere Hamburg, Köln
       1981, S.  283-305; K.  Bästlein: "Hitlers  Niederlage..."  -  Die
       Bästlein-Organisation. In:  B.  Meyer/I.  Szodrynski  (Hg.).  Vom
       Zweifeln und Weitermachen, Hamburg 1988, S. 44-89
       4) H. Naujoks:  Mein Leben  im KZ Sachsenhausen. Erinnerungen des
       ehemaligen Lagerältesten.  Bearb. von  U. Hochmuth, Köln 1987, S.
       12, 69, 102 f.
       5) K. Biernat/L.  Kraushaar: Die Schulze-Boysen/Harnack-Organisa-
       tion, Berlin 1970, S. 82 f; R. Griebel/M. Coburger/H. Scheel: Das
       Gestapo-Album zur Roten Kapelle, Halle 1992, S. 198, 222 f.
       
       #80# Hochmuth: KPD und NKFD in Berlin-Brandenburg
       -----
       6) G. Nitzsche:  Die Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe,  Berlin 1957,
       211 S.;  G. Rossmann: Der Kampf der KPD um die Einheit aller Hit-
       lergegner, Berlin  1963, 297  S.; H. Weber: Aus dem Kadermaterial
       der illegalen KPD 1943. In: VJZ 4/1972, S. 422-446;
       H. Kühnrich/K.  Pech: Neue  bedeutsame Materialien über die poli-
       tisch-theoretische Tätigkeit der illegalen operativen Leitung der
       KPD in Deutschland 1944. In: BzG 1/1979, S. 26-41
       7) W. Wilhelmus: Wie schwedische Sozialdemokraten 1943/44 der il-
       legalen KPD halfen. In: BzG, 6/1983, S. 856 ff.
       8) G. Nitzsche, a.a.O., S. 137 ff., 148
       9) Bundesarchiv, Abteilungen Potsdam (BArchP), NJ 1524/9 Hülle 5
       10) Siehe H.  Kühnrich: Die KPD, d. Bewegung "Freies Deutschland"
       u. d.  20. Juli  1944. Ein Dokument d. Landesleitung d. KPD v. 1.
       April 1944. In: BzG, 4/1984, S. 497
       11) BArchP, NJ 1500/12, Schreibheft Bl. 29 ff.
       12. Siehe  G. Glondajewski/G.  Rossmann: Ein  bedeutendes politi-
       sches Dokument  d. illegalen  antifaschistischen Kampfes der KPD.
       In: BzG, 3/1966, S. 652 ff.
       13) Vgl. W. Uhlmann (Hg.): Sterben um zu leben. Politische Gefan-
       gene im Zuchthaus Brandenburg-Görden 1933-1945. Köln 1983, S. 214
       ff, 287 f.
       14. Siehe G. Nitzsche, a.a.O., S. 130 f
       15) Vgl. U.  Hochmuth: Illegale  KPD  und  Kampfbewegung  "Freies
       Deutschland". Zur  Widerstandsorganisation um  Saefkow, Jacob und
       Bästlein. In: BzG, 2/94, S. 91 f
       16) Vgl. G.  van Roon:  Neuordnung im  Widerstand. Der  Kreisauer
       Kreis..., München  1967, S.  288 f, 589 f; H. Naujoks, a.a.O., S.
       40, 43 ff, 134
       17) Vgl.  G. Ritter: Carl Goerdeler und die deutsche Widerstands-
       bewegung, Stuttgart  1954, S.  104 f,  461; U. Hochmuth/G. Meyer:
       Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand, Frankfurt/M. 1969, S.
       367 f; D. Beck: Julius Leber, Berlin 1983, S. 187 ff;
       H. Niemann:  Sozialdemokratie und  20.  Juli  1944.  In:  Wissen-
       schaftl. Mitteilungen  d. Historiker-Gesellschaft  d. DDR 1985/I-
       II, S.  122 ff;  D. Gentsch: Adolf Reichwein. In: BzG, 6/1989, S.
       845 ff.
       18) BArchP, St 3/252 Bl. 88
       19) Siehe M.  Pikarski/G. Uebel  (Hg.): Der antifaschistische Wi-
       derstandkampf der  KPD  im  Spiegel  des  Flugblattes  1933-1945,
       Frankfurt/M. 1978,Nr. 210
       20) Siehe G. Nitzsche, a.a.O., S. 150 ff, S. 157
       21) Vgl. H. Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Frank-
       furt/M. 1969,  Bd. 2,  S. 305 ff; L. Thoms-Heinrich: Anni Sinder-
       mann. In:  S. Jacobeit/L.  Thoms-Heinrich, Kreuzweg  Ravensbrück,
       Leipzig 1987, S. 151 ff
       22) Abschrift in meinem Besitz. UH
       23) BArchP NJ-1563/1, Bl. 4 ff.
       24) "Am Beginn der letzten Phase des Krieges". Hrsg. von H. Kühn-
       rich/K.Pech. In: BzG, 3/1979, S. 402-425
       25) Dünninghaus 15.  8. 1945;  SAPMO BArch, ZPA 1/2/3 140, Bl. 19
       ff.
       26) G.  Schöneck   (Drögemüller)  30.7.1945;   SAPMO  BArch,  ZPA
       1/2/165, Bl. 4 f.
       27) R. Schmid,  Die Ereignisse des 22. Juni 1944. In: Telegraf?,.
       1. 47. Diesen Bericht bestätigt F. Bernt der SED Weimar am 13. 3.
       47 und  weist eine  am 8. 1. 47 in Neues Deutschland gegen Schmid
       veröffentlichte Polemik  zurück (SAPMO  BArch, ZPA 1/2/3 140, Bl.
       134f)
       28) Ermittlungsakten Rambow 1945; BArchP, ZC 14162 A 6, o. Bl.
       29) Aufgelistet mit ihrer Funktion sind Illegale, die Rambow 1944
       unter ihrem Decknamen begegneten: Forstreuter, Hämmerling, Jacob,
       Rosenberg, F.  Schmidt, Wagner,  Wegener (SAPMO  BArch, ZPA 1/2/3
       139, Bl. 27 ff)
       30) BArchP,  NJ   1557/1-3;  s.  a.  Schreiben  RSHA/Strübing  v.
       11.8.1944 an ORA VGH (BArchP, NJ 1524/2, Bl. 5)
       31) Rambow wurde  im Juli  1945 festgenommen  und zur Polizei-In-
       spektion Friedrichshain  gebracht. Erst im Kreuzverhör am 27.7.45
       gab er  zu, Saefkow,  Walter (Franz Schmidt), Steffen (Rosenberg)
       und Wegener  ausgeliefert zu  haben. Nach  Vernehmung durch einen
       russischen Major wurde Rambow der sowjetischen Kommandantur über-
       geben, danach  - lt.  Bericht Heinrich  Starck v.  26.11.46 - dem
       NKWD; er sei nicht mehr am Leben (SAPMO BArch, ZPA I 2/3/165, Bl.
       3).
       32) Charlotte Groß o.J., SAPMO BArch, ZPA V 287/648, Bl. 9 ff.
       33) BArchP, NJ 1507/3, Bl. 11 f.
       34) BArchP, NJ 1551/2, Bl. 2
       35) SAPMO BArch, ZPA NL 76/157, Bl. 28
       36) SAPMO BArch, ZPA I 2/3 139, Bl. 171
       37) E. Thälmann,  Zwischen Erinnerung und Erwartung - Autobiogra-
       phische  Aufzeichnungen.  Hg.:  Kuratorium  "GET"  e.V.  Hamburg,
       Frankfurt/M 1977, S. 88 ff.
       38) SAPMO BArch, ZPA NL 76/157, Bl. 51, 53, 47
       39) Urteil VGH 1. Senat 5. 9. 1944, BArchP, NJ 15oo/l
       

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