Quelle: MEW 8 August 1851 - März 1853


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       Vorwort
       
       Der achte  Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels ent-
       hält die von August 1851 bis März 1853 geschriebenen Arbeiten.
       Unter den  Bedingungen der  über Europa hereinbrechenden Reaktion
       sahen Marx  und Engels  ihre Hauptaufgabe  darin, die Erfahrungen
       der revolutionären Kämpfe von 1848/49 theoretisch zu verallgemei-
       nern, die  Kräfte des revolutionären Proletariats zu erhalten und
       zu sammeln und Kader für eine proletarische Partei heranzubilden.
       In dieser  Zeit orientierten  Marx und Engels ihre Kampfgefährten
       darauf, sich in mühseliger und beharrlicher Arbeit Kenntnisse an-
       zueignen, um bei Beginn eines neuen Aufschwungs der revolutionär-
       demokratischen Und der proletarischen Bewegungen gut gewappnet zu
       sein.
       Große Bedeutung maßen Marx und Engels der Weiterentwicklung ihrer
       revolutionären Theorie  bei. Hauptgegenstand  der wissenschaftli-
       chen Forschungen  von Marx  wurde jetzt  die Politische Ökonomie.
       Während Marx  bis 1848 sein Hauptaugenmerk auf die philosophische
       Begründung des wissenschaftlichen Kommunismus gerichtet hatte und
       sich in den Jahren 1848/49 auf die Entwicklung seiner politischen
       Ideen konzentrierte, rückte in den fünfziger und sechziger Jahren
       die ökonomische  Lehre in  den Vordergrund.  Als Marx  Ende  1850
       seine bereits  in den  vierziger Jahren begonnenen kritischen Un-
       tersuchungen der  bürgerlichen politischen  Ökonomie wieder  auf-
       nahm, hoffte  er, diese  Arbeit bald  abzuschließen. Daß  ihm das
       nicht gelang,  hatte seinen  Grund nicht  nur in den schweren Le-
       bensbedingungen, denen  Marx in  der Emigration  ausgesetzt  war,
       nicht nur  in seiner  erfolglosen Suche nach einem Verleger, son-
       dern auch  in der  großen wissenschaftlichen  Gründlichkeit,  die
       Marx veranlaßte,  immer wieder  neue Quellen  und neue  Literatur
       kritisch zu untersuchen, immer wieder die neuen Tatsachen und Er-
       eignisse, die das Leben lieferte, zu verarbeiten. Marx' Hefte mit
       den Vorarbeiten  zeugen davon, daß er neben den eigentlichen öko-
       nomischen Wissenschaften
       
       #VI# Vorwort
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       eine umfangreiche  Literatur über  die Geschichte der Technik und
       der Kultur, über Mathematik, Agrochemie und andere Wissenschaften
       studierte, die für ihn im Zusammenhang mit seinen Studien der Po-
       litischen Ökonomie  von Interesse  waren. Marx  hat jeden Schritt
       auf allen  Gebieten der  Wissenschaft verfolgt  und sich kritisch
       alle neuen Errungenschaften des menschlichen Denkens angeeignet.
       Hauptgegenstand der  Forschungen von  Engels waren in dieser Zeit
       die Militärwissenschaften  und die  Geschichte  der  Kriegskunst.
       Schon die  Erfordernisse des revolutionären Kampfes in den Jahren
       1848/49 hatten Engels veranlaßt, sich mit militärischen Fragen zu
       beschäftigen, in erster Linie mit den Fragen des bewaffneten Auf-
       stands. Nachdem er im November 1850 nach Manchester übergesiedelt
       war, begann  er das  Militärwesen systematisch  und gründlich  zu
       studieren. Die  ersten Ergebnisse dieses Studiums waren das Manu-
       skript "Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Al-
       lianz gegen  ein revolutionäres  Frankreich im Jahre 1852" (siehe
       Band 7  unserer Ausgabe, S. 468-493) und der im vorliegenden Band
       veröffentlichte Artikel  "England". Danach wollte Engels eine Ar-
       beit über die Kriege von 1848/49 schreiben, insbesondere über den
       Revolutionskrieg in  Ungarn. Der  Hauptgrund, der ihn zum Studium
       des Militärwesens  veranlaßte, lag  in der  tiefen Erkenntnis der
       gewaltigen Rolle,  die die  Fragen des bewaffneten Kampfes in den
       zukünftigen revolutionären Ereignissen spielen mußten.
       Neben seiner  Arbeit auf  dem Gebiete  der  Militärwissenschaften
       studierte Engels Sprachen und befaßte sich mit Fragen der Sprach-
       wissenschaft. Engels,  der viele  europäische Sprachen vollkommen
       beherrschte, begann  im Dezember  1850 mit dem Studium der russi-
       schen Sprache und anderer slawischer Sprachen. Er lernte Sprachen
       in Verbindung  mit dem Studium der Geschichte, Kultur und Litera-
       tur des betreffenden Volkes. Beim Sprachstudium ging Engels nicht
       nur vom  wissenschaftlichen Interesse  aus, sondern  auch von den
       Erfordernissen der praktischen internationalen revolutionären Ar-
       beit, die  Marx und  er leisteten  und auch in Zukunft zu leisten
       hatten.
       Ihre theoretischen  Studien verbanden  Marx und  Engels  mit  der
       parteipolitischen Arbeit,  die auf die Organisierung der proleta-
       rischen Partei  und auf  die Erziehung  der Parteikader im Geiste
       des wissenschaftlichen  Kommunismus gerichtet  war. Zu jener Zeit
       spitzte sich  besonders der  Kampf zu,  den Marx, Engels und ihre
       Anhänger gegen die sektiererische Fraktion Willich-Schapper führ-
       ten, die  im September  1850 die Spaltung des Bundes der Kommuni-
       sten verursacht  hatte. Indem Marx und Engels den sektiererischen
       Elementen in der demokratischen und Arbeiterbewegung entschlossen
       eine Abfuhr erteilten und die Intrigen der verschiedenen Emigran-
       tengruppen
       
       #VII# Vorwort
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       sowie deren  abenteuerliche Pläne zur Organisierung von Verschwö-
       rungen und  Aufständen entlarvten,  verteidigten sie zugleich die
       ideologischen Prinzipien  der proletarischen Partei und begründe-
       ten ihre Taktik unter den Bedingungen der wieder aufkommenden Re-
       aktion.
       Trotz der  Schwierigkeiten, mit denen damals die Verteidigung ih-
       rer Anschauungen  in der  Presse verbunden war, stellten Marx und
       Engels ihre  publizistische Tätigkeit nicht ein. Viele Jahre hin-
       durch verfochten  sie in  den Spalten der Chartistenorgane "Notes
       to the People" und "The People's Paper" den proletarischen Stand-
       punkt in  den wichtigsten  politischen Fragen und nahmen Stellung
       zu den Hauptereignissen der damaligen Zeit. Im Herbst 1851 begann
       die regelmäßige,  mehr als zehn Jahre währende Mitarbeit von Marx
       an der  damals fortschrittlichen amerikanischen Zeitung "New-York
       Daily Tribune". Die Mitarbeit an dieser Zeitung gab Marx die Mög-
       lichkeit, bei  fast völligem  Fehlen  einer  Arbeiterpresse  sein
       kämpferisches publizistisches  Wirken fortzusetzen und, wenn auch
       indirekt, auf die öffentliche Meinung im Sinne der proletarischen
       Partei einzuwirken.  Da die  Arbeit für  die "New-York Daily Tri-
       bune" Marx'  ganze Zeit  zu verschlingen und ihn von den Untersu-
       chungen auf  dem Gebiete  der Politischen  Ökonomie, der Marx und
       Engels  erstrangige   Bedeutung  beimaßen,   loszureißen  drohte,
       schrieb Engels  auf Marx' Bitte eine große Anzahl der Artikel und
       Korrespondenzen  für   die  Zeitung,  darunter  die  Artikelserie
       "Revolution und  Konterrevolution in  Deutschland", mit  der  der
       vorliegende Band beginnt.
       In der  heute unter dem Titel "Revolution und Konterrevolution in
       Deutschland" bekannten  Schrift legte  Engels, ausgehend  von den
       Positionen des  historischen Materialismus,  die Voraussetzungen,
       den Charakter  und die  Triebkräfte der  deutschen Revolution von
       1848/49 dar. Die Artikel ziehen die Bilanz aus der Tätigkeit, die
       die Begründer  des Marxismus  während dieser  Revolution von  der
       Tribüne der "Neuen Rheinischen Zeitung" aus entfaltet haben. Aus-
       gehend von  den Lehren  der Revolution bewies Engels, wie richtig
       die politische  Plattform der  proletarischen Partei war, die auf
       die Vereinigung Deutschlands auf revolutionärem Wege und auf eine
       konsequente demokratische  Umgestaltung seiner gesellschaftlichen
       und politischen Ordnung hinzielte. In seinen Artikeln entwarf En-
       gels ein  klares Bild  der nationalen  und internationalen Situa-
       tion, in der sich die deutsche Revolution vollzog. Er untersuchte
       die sozialökonomischen  Bedingungen im  Deutschland der damaligen
       Zeit und  zeigte ihren  Einfluß auf  den Verlauf der Bewegung; er
       charakterisierte die  wichtigsten Etappen  der Revolution und die
       Rolle, die  die verschiedenen Klassen in ihr spielten, und deckte
       schließlich die  Ursachen ihrer  Niederlage auf.  Engels' Schrift
       ist ein hervorragendes
       
       #VIII# Vorwort
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       Beispiel für  die marxistische  Untersuchung  eines  verwickelten
       Komplexes historischer Ereignisse.
       In dieser  Arbeit fanden  die wichtigsten Thesen des historischen
       Materialismus ihre Weiterentwicklung und Konkretisierung. Am Bei-
       spiel des  Deutschlands der Jahre 1848/49 wies Engels auf die be-
       stimmende Rolle  der ökonomischen  Basis der  Gesellschaft in der
       Geschichte hin, auf die Notwendigkeit, sie zu analysieren, um die
       Geschichte der  politischen Ereignisse und die Geschichte der ge-
       sellschaftlichen Ideen  zu verstehen;  er zeigte  die  Rolle  des
       Klassenkampfes bei  der Entwicklung  der antagonistischen Gesell-
       schaft sowie  die Gesetzmäßigkeit der Revolution als Ausdruck der
       dringendsten Bedürfnisse und Anliegen der Völker, deren Befriedi-
       gung durch die überlebte gesellschaftliche und politische Ordnung
       verhindert wird.  Aufbauend auf dem tiefen Gedanken von Marx, daß
       die Revolutionen die "Lokomotiven der Geschichte" sind, charakte-
       risiert Engels die Revolution als "mächtige Triebkraft des sozia-
       len und  politischen Fortschritts",  die "eine Nation ... in fünf
       Jahren weiter vorankommen" läßt "als unter normalen Verhältnissen
       in einem Jahrhundert". (Siehe vorl. Band, S. 36.)
       Bei der  Analyse der Triebkräfte der deutschen Revolution an Hand
       eines reichen  Tatsachenmaterials entwickelt Engels den Gedanken,
       der sich  wie ein roter Faden bereits durch seine und durch Marx'
       Artikel in  der "Neuen  Rheinischen Zeitung"  gezogen hatte - den
       Gedanken von der Unfähigkeit der deutschen liberalen Bourgeoisie,
       die Führung in der bürgerlichen Revolution zu übernehmen, von ih-
       rem Abgleiten  auf konterrevolutionäre Positionen, von ihrem Ver-
       rat an  den Interessen  der Bauernschaft, ihres unentbehrlichsten
       Verbündeten im Kampf gegen den Feudalismus. Diese Schlußfolgerung
       war für  die spätere  Geschichte nicht  nur Deutschlands, sondern
       auch mehrerer  anderer Länder  äußerst wichtig.  So hat Lenin des
       öfteren an  diese Schlußfolgerung  von Marx  und Engels erinnert,
       als er bei der Analyse des Charakters und der Triebkräfte der Re-
       volution von  1905-1907 in Rußland die von ihm aufgestellte These
       von der  Hegemonie des  Proletariats in der bürgerlich-demokrati-
       schen Revolution verteidigte.
       Ausführlich charakterisiert  Engels in  seiner Schrift die Führer
       der kleinbürgerlichen  Demokratie, die  in den kritischen Etappen
       der Revolution  immer wieder politische Kurzsichtigkeit, Kleinmü-
       tigkeit und  Unentschlossenheit an  den Tag  legten und damit zur
       Niederlage  der   Revolution  beitrugen.   Engels   geißelt   den
       "parlamentarischen Kretinismus" der kleinbürgerlichen Führer, ih-
       ren Glauben  an die  Allmacht der  Parlamentsinstitutionen, ihren
       Widerwillen gegen außerparlamentarische Kampfformen, ihre Furcht,
       an das  Volk zu  appellieren, ihre  Angst vor  der  Unterstützung
       durch die
       
       #IX# Vorwort
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       bewaffneten Massen.  Er beweist, daß die konsequenteste und wirk-
       lich kämpferische  Kraft der  Revolution die  Arbeiterklasse war,
       die "die richtig verstandenen, wahren Interessen der gesamten Na-
       tion" vertrat. (Siehe vorl. Band, S. 99.)
       Von außerordentlich  großer Bedeutung sind die von Engels in sei-
       ner Analyse  gegebenen Verallgemeinerungen zur Taktik des revolu-
       tionären Kampfes.  Von der revolutionären Klasse und ihrer Partei
       forderte Engels  Entschiedenheit, Kühnheit, Selbstaufopferung und
       die Fähigkeit,  energische, offensive  Operationen durchzuführen.
       Er schreibt:  "... in  der Revolution  wie im Kriege ist es immer
       notwendig, dem  Feind die Spitze zu bieten, und wer angreift, ist
       im Vorteil."  (Siehe vorl.  Band, S. 77.) Besonders hoch schätzte
       Lenin den  in dieser Schrift dargelegten Gedanken, "daß es Augen-
       blicke in der Revolution gebe, wo die kampflose Preisgabe von Po-
       sitionen an den Feind die Massen mehr demoralisiere als eine Nie-
       derlage im  Kampfe". (Lenin,  Werke, 4. Ausgabe, Band 16, S. 353,
       russ.)
       "Revolution und  Konterrevolution  in  Deutschland"  enthält  die
       Grundlagen der  marxistischen Lehre  vom bewaffneten Aufstand. In
       dem Abschnitt  "Nun ist  der Aufstand  eine Kunst,  genau wie der
       Krieg oder irgendeine andere Kunst ..." (siehe vorl. Band, S. 95)
       sind zum  ersten Mal  die wichtigsten Regeln definiert, von denen
       sich die  revolutionäre Partei im Aufstand leiten lassen muß. Als
       Lenin die  marxistische Lehre  vom Aufstand  entwickelte, wies er
       darauf hin,  daß  in  diesen  Regeln  die  Lehren  aller  vorher-
       gegangenen Revolutionen  in bezug  auf den  bewaffneten  Aufstand
       verallgemeinert sind.
       Große Aufmerksamkeit  widmete Engels in dieser Schrift der natio-
       nalen Frage. Er verteidigte die Prinzipien des proletarischen In-
       ternationalismus und  brandmarkte die  Politik der nationalen Un-
       terdrückung und  der Aufwiegelung  der Völker  gegeneinander, die
       von den  herrschenden Klassen  Österreichs und Preußens betrieben
       wurde. Engels  verurteilte entschieden  die verräterische Haltung
       der deutschen  Bourgeoisie gegenüber der nationalen Befreiungsbe-
       wegung der  Polen, Ungarn und Italiener und begründete die konse-
       quente internationale  Position des  proletarischen  Flügels  der
       deutschen Demokratie, diesen Völkern die Unabhängigkeit zu gewäh-
       ren.
       In diesen  Artikeln berührt  Engels auch die Frage der nationalen
       Bewegung der  slawischen Völker,  die damals zur österreichischen
       Monarchie gehörtet)  (Tschechen, Slowaken,  Kroaten u.a.). Es ist
       bekannt, daß  Marx und Engels in der ersten Etappe der Revolution
       von 1848/49,  als es in der nationalen Bewegung der Tschechen und
       anderer slawischer  Völker Österreichs  starke revolutionär-demo-
       kratische Tendenzen gab (der Prager
       
       #X# Vorwort
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       Aufstand im  Juni 1848,  die antifeudalen  Massenaktionen auf dem
       Lande), für  den Kampf  dieser Völker große Sympathie hegten. Als
       jedoch nach  der Unterdrückung  der demokratischen  Kräfte in der
       tschechischen und  in  anderen  slawischen  Bewegungen  innerhalb
       Österreichs die  rechten bürgerlich-gutsherrlichen  Elemente  die
       Oberhand gewannen,  gelang es  der Habsburger  Monarchie und  dem
       russischen Zarismus, die nationale Bewegung dieser Völker für ih-
       ren Kampf gegen die deutsche und die ungarische Revolution auszu-
       nutzen. Marx  und Engels, die die nationale Frage immer unter dem
       Gesichtswinkel der Interessen der Revolution betrachteten, änder-
       ten folglich ihre Einstellung zur nationalen Bewegung dieser Völ-
       ker, denn  höher als alles übrige stellten sie die Interessen der
       Revolution, die  Interessen des Kampfes gegen ihre Feinde, in er-
       ster Linie  gegen den Zarismus, den damaligen Hauptstützpunkt der
       Reaktion in  Europa. "Aus  diesem und nur aus diesem Grunde waren
       Marx und  Engels gegen  die nationale  Bewegung der Tschechen und
       Südslawen." (Lenin, Werke, 4. Ausgabe, Band 22, S. 325, russ.)
       "Revolution und  Konterrevolution in  Deutschland" sowie auch die
       früher von  Engels geschriebenen  Artikel "Der magyarische Kampf"
       und "Der  demokratische Panslawismus"  (siehe Band 6 unserer Aus-
       gabe, S,  165 bis  176 und 270-286) enthalten neben der richtigen
       Einschätzung der  objektiven Rolle  der nationalen Bewegungen der
       slawischen Völker Österreichs unter den konkreten Bedingungen der
       Jahre 1848 und 1849 auch einige unrichtige Betrachtungen über das
       historische Schicksal  dieser Völker.  Engels entwickelte den Ge-
       danken, daß  diese Völker bereits nicht mehr fähig seien zu einer
       selbständigen nationalen  Existenz und daß es ihr unvermeidliches
       Los sei,  von ihren  kraftvolleren Nachbarn aufgesaugt zu werden.
       Diese Schlußfolgerung  erklärt sich hauptsächlich aus Engels' da-
       maliger allgemeiner  Vorstellung vom  historischen Schicksal  der
       kleinen Völker.  Engels war der Meinung, daß die historische Ent-
       wicklung, deren Haupttendenz unter dem Kapitalismus die Zentrali-
       sation und die Schaffung großer Staaten beinhalte, zur Aufsaugung
       der kleinen  Völker durch  die größeren Nationen führe, wie es z.
       B. der  Fall war  mit den Wallisern in England, mit den Basken in
       Spanien, mit  den Niederbretonen in Frankreich und mit den spani-
       schen und französischen Kreolen, deren Territorium von den Verei-
       nigten Staaten  von Amerika besetzt worden war. Bei der richtigen
       Einschätzung der dem Kapitalismus eigenen Tendenz zur Zentralisa-
       tion und zur Schaffung großer Staaten hat Engels eine andere Ten-
       denz nicht  berücksichtigt -  den Kampf  der kleinen Völker gegen
       die nationale  Unterdrückung und  für  ihre  Unabhängigkeit,  ihr
       Streben nach  Schaffung eines  eigenen Staatswesens.  Je mehr die
       Volksmassen in  den nationalen Befreiungskampf einbezogen wurden,
       je
       
       #XI# Vorwort
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       mehr ihre  Bewußtheit und Organisiertheit wuchsen, desto mehr be-
       kam die nationale Befreiungsbewegung der kleinen Völker, darunter
       auch der  slawischen Völker  Österreichs,  einen  demokratischen,
       fortschrittlichen Charakter und half die Front des revolutionären
       Kampfes verbreitern.  Wie die  Geschichte gezeigt  hat, haben die
       kleinen slawischen Völker, die früher zur österreichischen Monar-
       chie gehörten, nicht nur die Fähigkeit zu einer selbständigen na-
       tionalen Entwicklung,  zur Schaffung  eines eigenen  Staatswesens
       bewiesen, sondern  sind auch in die Reihen der Schöpfer der fort-
       schrittlichsten Gesellschaftsordnung aufgerückt.
       Das im vorliegenden Band veröffentlichte Werk von Marx "Der acht-
       zehnte Brumaire  des Louis Bonaparte" gehört zu den hervorragend-
       sten Schriften  des wissenschaftlichen Kommunismus. Genial sowohl
       in der  Analyse der historischen Ereignisse als auch in den theo-
       retischen Verallgemeinerungen,  ist es  gleichzeitig  ein  wahres
       Meisterwerk revolutionärer  Publizistik. In ihm hat, nach Wilhelm
       Liebknechts Worten, "der empörte Ernst eines Tacitus sich mit dem
       tödlichen Witz  eines Juvenal, dem heiligen Zorn eines Dante ver-
       einigt". ("Erinnerungen an Karl Marx," Berlin 1953, S. 122.)
       "Der achtzehnte  Brumaire des Louis Bonaparte" ist gleichsam eine
       Fortsetzung der  Arbeit "Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis
       1850" (siehe  Band 7  unserer Ausgabe).  Wie auch in jener ersten
       Schrift dienten  Marx die  von ihm entdeckten Gesetze der gesell-
       schaftlichen Entwicklung,  die materialistische Geschichtsauffas-
       sung und  die Theorie des Klassenkampfes als Schlüssel zur Erklä-
       rung der Geschichte Frankreichs während der Revolution.
       Durch die  Anwendung der  materialistischen Dialektik konnte Marx
       in  dieser  Arbeit,  die  er  unmittelbar  nach  den  Ereignissen
       schrieb, eine  klassische Analyse  der Hauptetappen der französi-
       schen Revolution  von 1848  geben, die  Gruppierung der  Klassen-
       kräfte zur  Zeit der Zweiten Republik verfolgen und wissenschaft-
       lich die  wahren Ursachen des konterrevolutionären Staatsstreichs
       von Louis  Bonaparte im  Dezember 1851  erklären. "Dies  eminente
       Verständnis  der  lebendigen  Tagesgeschichte",  schrieb  Engels,
       "dies klare  Durchschauen der  Begebenheiten, im  Moment, wo  sie
       sich ereignen, ist in der Tat beispiellos." (Siehe vorl. Band, S.
       561.)
       Am konkreten  Beispiel Frankreichs  wies Marx  auf die  Rolle des
       Klassenkampfes als  Triebkraft der Geschichte hin. Marx verfolgte
       alle wesentlichen Veränderungen in der Lage der einzelnen politi-
       schen Parteien  in den  verschiedenen Etappen  der Revolution und
       deckte so  den Klassencharakter  dieser Parteien, die verborgenen
       Triebfedern ihrer  Tätigkeit, auf.  Von gewaltigem Interesse sind
       die tiefen Gedanken, die Marx über die Rolle der politischen
       
       #XII# Vorwort
       -----
       Parteien im gesellschaftlichen Leben, über das Verhältnis der po-
       litischen und  literarischen Vertreter  dieser oder  jener Klasse
       zur Masse  dieser Klasse entwickelt. Am Beispiel der bürgerlichen
       und kleinbürgerlichen  Parteien, die sich in den Jahren der Zwei-
       ten Republik  in der  politischen Arena  Frankreichs  betätigten,
       zeigte Marx,  daß man  zwischen den Phrasen und Illusionen dieser
       oder jener politischen Partei und ihrem wirklichen Wesen grundle-
       gend unterscheiden muß. Dabei warnte er vor der vulgären Vorstel-
       lung, daß  der Ideologe  dieser oder  jener Klasse  in der Praxis
       selbst so  lebe wie  seine Klasse.  So müssen  die Ideologen  des
       Kleinbürgertums nicht unbedingt Krämer sein. Zu Vertretern dieser
       Klasse mache sie ihr theoretischer Horizont, der dem engen Rahmen
       entspricht, in  dem das  Leben des Kleinbürgertums verläuft; des-
       halb kämen  sie auch  theoretisch zu jenen Aufgaben und Lösungen,
       zu denen das Kleinbürgertum von seinen materiellen Interessen her
       praktisch  gelangt.   "Dies  ist  überhaupt  das  Verhältnis  der
       p o l i t i s c h e n   und   l i t e r a r i s c h e n    V e r-
       t r e t e r   einer Klasse  zu der  Klasse, die  sie  vertreten."
       (Siehe vorl. Band, S. 142.)
       Im  Gegensatz  zur  idealistischen  Erklärung  der  Ursachen  des
       Staatsstreiches vom 2. Dezember 1851, die alles auf die Gewalttat
       des Usurpators Louis Bonaparte und seiner Clique zurückführte und
       so die  Person des  Usurpators bewußt  oder unbewußt vergrößerte,
       hat Marx  den bonapartistischen Staatsstreich als notwendiges Er-
       gebnis der  vorhergegangenen Ereignisse betrachtet. Er sah in ihm
       den logischen  Abschluß einer  ganzen Reihe  konterrevolutionärer
       Taten der  herrschenden Bourgeoisie  in den  Jahren der Republik,
       ihrer ständigen  Angriffe auf  die demokratischen Rechte des Vol-
       kes, ihrer pausenlosen Anschläge auf die revolutionären Errungen-
       schaften. Der  Staatsstreich war  die gesetzmäßige  Folge des An-
       wachsens der  konterrevolutionären Haltung  der Bourgeoisie,  des
       Bankrotts der  feigen und  schwankenden Politik  der bürgerlichen
       Parteien, die  aus Furcht vor dem "roten Gespenst" den bonaparti-
       stischen Verschwörern  eine Position nach der anderen überließen.
       Die französische  bürgerliche Revolution  Mitte des  19. Jahrhun-
       derts entwickelte  sich im  Gegensatz zur Revolution Ende des 18.
       Jahrhunderts, wie  Marx sagte,  "in absteigender Linie"; die füh-
       rende Rolle  in der  Revolution ging mit jeder Wendung auf weiter
       rechts stehende Parteien über. "Sie befindet sich in dieser rück-
       gängigen Bewegung, ehe die letzte Februarbarrikade weggeräumt und
       die erste  Revolutionsbehörde  konstituiert  ist."  (Siehe  vorl.
       Band, S.  135.) In  diesem Marxschen Gedanken kommt die Besonder-
       heit der  bürgerlichen Revolution unter Bedingungen zum Ausdruck,
       in denen die Bourgeoisie schon als volksfeindliche, konterrevolu-
       tionäre Kraft  auftritt, während  das Proletariat noch zu schwach
       ist, um dem Angriff der Konterrevolution
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       entgegenzutreten. In einer solchen Situation zeigt sich besonders
       deutlich die  Brüchigkeit der  bürgerlich-demokratischen Ordnung,
       und es entstehen Bedingungen für Restaurationsversuche jeder Art.
       Mit großer  Eindringlichkeit zeigt  Marx die Begrenztheit und Wi-
       dersprüchlichkeit der  bürgerlichen Demokratie,  beweist er,  daß
       sie bloß  formal und dem Schein nach eine Demokratie ist. Ein an-
       schauliches Beispiel  dafür war  die Verfassung der Zweiten Repu-
       blik; jeder  ihrer Paragraphen enthielt nach Marx' treffender De-
       finition "seine  eigene Antithese, sein eignes Ober-und Unterhaus
       in sich,  nämlich in  der allgemeinen Phrase die Freiheit, in der
       Randglosse die  Aufhebung der  Freiheit". (Siehe  vorl. Band,  S.
       127.)
       Durch die  Aufdeckung der  wahren  Ursachen  der  Errichtung  des
       konterrevolutionären bonapartistischen  Regimes in Frankreich gab
       Marx eine eingehende Charakteristik des Wesens des Bonapartismus.
       Spezifisch für  sein Wesen war die Politik des Lavierens zwischen
       den Klassen,  die scheinbare Selbständigkeit der Staatsmacht, das
       demagogische Appellieren  an alle Gesellschaftsschichten, die die
       Verteidigung der  Interessen der  ausbeutenden  Oberschicht  ver-
       deckte. Indem Marx die bonapartistische Diktatur als Form der un-
       verschämten Herrschaftsmethoden  der konterrevolutionärsten  Ele-
       mente der  Bourgeoisie entlarvte,  zeigte er, daß die Bourgeoisie
       in ihrem  Bestreben, die Ausbeuterordnung aufrechtzuerhalten, die
       Macht den  zügellosesten Abenteurern übergibt und blutige Exzesse
       der Militärclique,  Benutzung der Verbrecherwelt, Erpressung, Be-
       stechung, Demagogie  und andere  schmutzige Mittel  zuläßt.  Marx
       enthüllte diese  abstoßenden Züge  des bonapartistischen  Regimes
       und prophezeite den unvermeidlichen Zusammenbruch der restaurier-
       ten,  von   tiefen  inneren   Widersprüchen  erschütterten  bona-
       partistischen Monarchie.
       Im "Achtzehnten  Brumaire des  Louis Bonaparte"  widmet Marx  der
       französischen Bauernschaft und ihrem Verhältnis zum bonapartisti-
       schen Staatsstreich große Aufmerksamkeit. Er stellt fest, daß die
       bonapartistische Agitation  unter den  Bauern Erfolg  hatte, hebt
       aber gleichzeitig  hervor, daß  die Stütze Louis Bonapartes nicht
       die revolutionäre,  sondern die  konservative  Bauernschaft  war.
       Diese Bauernschaft  gab ihm ihre Stimme, weil sie politisch rück-
       ständig, eingeschüchtert  und vom  kulturellen Leben  der  Städte
       unberührt war, weil sie infolge der Existenzbedingungen voneinan-
       der isolierter  Parzellenbauern einen  beschränkten Gesichtskreis
       hatte. Die  Politik der bürgerlichen konstituierenden und der ge-
       setzgebenden Nationalversammlung,  die in  den Bauern nur ein Ob-
       jekt sahen,  aus dem  man Steuern pressen kann, stieß die Bauern-
       schaft von  der Revolution ab und veranlaßte sie, Louis Bonaparte
       zu unterstützen. Sie unterstützten ihn um so leichter, weil
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       diese bäuerlichen  Eigentümer, die  an ihrer  Parzelle hingen, in
       der napoleonischen  Dynastie ihren traditionellen Schutzherrn sa-
       hen. Über  die Dynastie  Bonaparte schrieb Marx, die zwiespältige
       Natur der  Bauernschaft unterstreichend, "sie repräsentiert nicht
       die Aufklärung,  sondern den  Aberglauben des  Bauern, nicht sein
       Urteil, sondern  sein Vorurteil,  nicht  seine  Zukunft,  sondern
       seine Vergangenheit...". (Siehe vorl. Band, S. 199.) Bei der Ana-
       lyse der  ökonomischen Entwicklung  des Parzelleneigentums  kommt
       Marx zu  dem Schluß,  daß mit der fortschreitenden Ruinierung der
       bäuerlichen  Parzellenwirtschaft,  ihrer  wachsenden  Versklavung
       durch die  kapitalistischen Wucherer eine immer größere Masse von
       Bauern sich vom demoralisierenden Einfluß der "napoleonischen Il-
       lusion" frei  machen wird.  Die Vernunft der Bauern, ihre richtig
       verstandenen Interessen,  das Anwachsen der Widersprüche zwischen
       Bauernschaft und Bourgeoisie - das alles muß notwendigerweise die
       Bauern zur  Herstellung der Aktionseinheit mit der Arbeiterklasse
       bringen. "Sie finden also", schrieb Marx, "ihren natürlichen Ver-
       bündeten und  Führer in  dem   s t ä d t i s c h e n   P r o l e-
       t a r i a t,  dessen Aufgabe der Umsturz der bürgerlichen Ordnung
       ist." (Siehe vorl. Band, S. 202.)
       Diese Schlußfolgerung ist eine Weiterentwicklung des schon in den
       "Klassenkämpfen in Frankreich" formulierten Gedankens vom Bündnis
       der Arbeiterklasse  mit der  Bauernschaft bei führender Rolle der
       Arbeiterklasse. Im  "Achtzehnten Brumaire  des  Louis  Bonaparte"
       gibt Marx  dieser äußerst  wichtigen These,  die aus der gesamten
       Erfahrung der revolutionären Kämpfe der Jahre 1848/49 hervorging,
       eine noch umfassendere Begründung.
       Zu den wichtigsten theoretischen Verallgemeinerungen, die Marx in
       diesem Werk  gibt, gehört die geniale Darlegung des grundlegenden
       Unterschieds zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Re-
       volution. Die proletarische Revolution unterscheidet sich von der
       bürgerlichen durch  ihre grandiosen Aufgaben - sie führt zu einer
       bedeutend tieferen  Umwälzung der  bestehenden Ordnung,  zu ihrer
       radikalen Umgestaltung. Die bürgerliche Revolution ist kurzlebig,
       erreicht schnell  ihren Höhepunkt.  Die proletarische  Revolution
       unterscheidet sich  von ihr  durch ihre Gründlichkeit, sie kriti-
       siert sich  beständig selbst, ständig ist sie unzufrieden mit dem
       Erreichten, ständig bestrebt, die eigenen Fehler furchtlos aufzu-
       decken und zu berichtigen, unaufhaltsam drängt sie vorwärts.
       Eine besonders  große theoretische und politische Bedeutung haben
       die von Marx im "Achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte" aufge-
       stellten Thesen über das Verhältnis der proletarischen Revolution
       zum bürgerlichen  Staat. Marx  bereichert seine  Lehre vom Staat,
       von der  Diktatur des Proletariats durch eine Schlußfolgerung von
       gewaltiger Wichtigkeit, die er auf Grund der
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Erfahrungen und Lehren der Revolution zieht. Er deckt am Beispiel
       der Geschichte  Frankreichs das  Wesen des  bürgerlichen Staates,
       dessen charakteristischen  Züge und  verschiedenen Formen auf und
       kommt zu dem Schluß, daß alle bürgerlichen Revolutionen die schon
       zur Zeit der absoluten Monarchie entstandene militärisch-bürokra-
       tische zentralisierte  Staatsmaschine nicht  erschüttert, sondern
       immer mehr  zur Unterdrückung  der ausgebeuteten Klassen befähigt
       haben. "Alle  Umwälzungen vervollkommneten  diese Maschine  statt
       sie zu  brechen." (Siehe  vorl. Band,  S. 197.) Die proletarische
       Revolution, die  einen völlig  anderen Typus  der Macht  und  der
       staatlichen Zentralisation braucht, kann dieses seiner ganzen Na-
       tur nach parasitäre und ausbeuterische Werkzeug zur Unterdrückung
       der Massen  nicht unangetastet lassen. Marx sieht die Aufgabe der
       proletarischen Revolution  in bezug  auf die  alte Staatsmaschine
       darin, "alle  ihre Kräfte der Zerstörung gegen sie zu konzentrie-
       ren" und sie zu zerbrechen. "In diesen großartigen Ausführungen",
       schrieb Lenin,  "macht der  Marxismus im  Vergleich  zum  'Kommu-
       nistischen Manifest' einen gewaltigen Schritt vorwärts. Dort wird
       die Frage  des Staates noch äußerst abstrakt, in ganz allgemeinen
       Begriffen und  Wendungen behandelt.  Hier wird  die Frage konkret
       gefaßt, und  es wird  eine äußerst  genaue, bestimmte, praktisch-
       greifbare Schlußfolgerung gezogen: Alle früheren Revolutionen ha-
       ben die  Staatsmaschinerie vervollkommnet,  man muß sie aber zer-
       schlagen, zerbrechen. Diese Folgerung ist das Hauptsächliche, das
       Grundlegende in  der Lehre  des  Marxismus  vom  Staat."  (Lenin,
       Werke, 4. Ausgabe, Band 25, S. 378, russ.)
       Als  Grundlage  für  diese  wichtigste  Marxsche  Schlußfolgerung
       diente, wie  Lenin hervorhob, die historische Erfahrung der Revo-
       lution von  1848 bis  1851. "Die Lehre von Marx ist wie stets, so
       auch hier,  eine von  tiefer philosophischer  Weltanschauung  und
       reicher Kenntnis  der Geschichte  durchdrungene  Z u s a m m e n-
       f a s s u n g  d e r  E r f a h r u n g."  (Ebenda, S. 379.)
       Inhaltlich schließt sich an Marx' "Achtzehnten Brumaire des Louis
       Bonaparte" Engels'  Artikel "Die wirklichen Ursachen der verhält-
       nismäßigen Inaktivität der französischen Proletarier im vergange-
       nen Dezember" an. In diesem Artikel werden ebenfalls die Ursachen
       für die  Errichtung des  bonapartistischen Regimes in Frankreich,
       sein Wesen  und die  ihm eigenen  Widersprüche bloßgelegt. Engels
       weist die  Versuche bürgerlicher  Schriftsteller und Journalisten
       zurück, die Schuld am Staatsstreich auf das französische Proleta-
       riat abzuwälzen.  Er legt  dar, daß  die im  Juni  1848  besiegte
       Arbeiterklasse infolge der konterrevolutionären Haltung der Bour-
       geoisie entwaffnet war und deshalb die reale Möglichkeit verloren
       hatte, die  Errichtung der  bonapartistischen Diktatur zu verhin-
       dern, und hebt gleichzeitig hervor, wie
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       unversöhnlich sich  das Proletariat  zu dieser  Diktatur verhielt
       und daß  es an  der schnellsten  Wiederherstellung der demokrati-
       schen Freiheiten interessiert war.
       Die gemeinsam  von Marx  und Engels  verfaßte Schrift "Die großen
       Männer des  Exils", die  zu Lebzeiten  der Verfasser nicht veröf-
       fentlicht wurde,  ist ein  gegen die Führer der kleinbürgerlichen
       Demokratie, in erster Linie gegen ihre deutschen Vertreter - Kin-
       kel, Ruge,  Heinzen, Struve und andere - gerichtetes Pamphlet. In
       ihm setzten Marx und Engels die Entlarvung der Ideologie und Tak-
       tik der  verschiedenen kleinbürgerlichen Strömungen fort, mit der
       sie schon vor der Revolution 1848 begonnen hatten. Das Hauptziel,
       das sie  damit verfolgten,  bestand in der Verteidigung der Selb-
       ständigkeit und  Reinheit der  ideellen und taktischen Positionen
       des Proletariats,  in der  Bewahrung der  Arbeiterklasse vor  dem
       schädlichen Einfluß  der  kleinbürgerlichen  Illusionen  und  der
       kleinbürgerlichen Ideologie  überhaupt. Außerdem  sollte das Pam-
       phlet auf die zahlreichen verleumderischen Ausfälle der kleinbür-
       gerlichen Führer  gegen die  proletarischen Revolutionäre antwor-
       ten.
       Das Pamphlet  "Die großen  Männer des Exils" ist mit seiner glän-
       zenden Anwendung  aller Methoden  der politischen  Satire  -  der
       schonungslosen Verspottung  des Gegners, der Zuspitzung besonders
       widerlicher Seiten  der kritisierten Erscheinung - eine harte An-
       klage gegen  die Laster  des deutschen Kleinbürgertums und seiner
       politischen und  literarischen Vertreter. Mit wahrhaft künstleri-
       scher Ausdruckskraft zeichnen Marx und Engels eine Porträtgalerie
       der "großen  Männer" der  deutschen kleinbürgerlichen Emigration.
       Schonungslos decken  sie die  armselige, philisterhafte  geistige
       Welt dieser  "großen Männer"  auf, die Flachheit und Begrenztheit
       ihrer philosophischen und politischen Anschauungen, ihre grenzen-
       lose Unbeständigkeit  in der  Politik, das  für den kleinen Bour-
       geois charakteristische  Umschwenken von einem Extrem ins andere,
       von der  kriecherischen Liebedienerei und Prinzipienlosigkeit zum
       schreienden anarchistischen pseudorevolutionären Gehabe. Marx und
       Engels lüften  den Schleier  vom Alltag  des Emigrantenlebens der
       deutschen kleinbürgerlichen Führer und zeichnen in ihrem Pamphlet
       ein abstoßendes Bild von den kleinlichen Zänkereien und Streitig-
       keiten, die unter dem Deckmantel prinzipieller Auseinandersetzun-
       gen vor  sich gingen;  sie brandmarken schonungslos jede Phrasen-
       drescherei und  Schwätzerei, die demagogische Spekulation mit Ti-
       raden von  der Revolution,  die Verwandlung der politischen Arena
       in einen  Tummelplatz des  Karrierismus, der  Klatscherei und In-
       trige. Dieser  Emigrantenlärm gab  den Regierungen den geeigneten
       Vorwand für Verhaftungen und Verfolgungen innerhalb Deutschlands.
       Die kleinbürgerlichen Führer erniedrigten und verflachten die
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       große Sache der Revolution und dienten damit den konterrevolutio-
       nären Kräften-das  ist die  Hauptlehre, die sich aus dem Pamphlet
       "Die großen Männer des Exils" ergibt.
       Als die  preußische Regierung viele Funktionäre der Arbeiterbewe-
       gung in Deutschland verhaften ließ und in Köln einen Prozeß gegen
       die Kommunisten  organisierte, richteten  Marx, Engels  und  ihre
       Kampfgenossen ihre  Anstrengungen während vieler Monate der Jahre
       1851 und  1852 darauf,  den Angeklagten Hilfe zu erweisen und die
       ehrlosen Machenschaften  zu entlarven,  deren sich die preußische
       Regierung und preußische Polizei gegen die Kommunisten bedienten.
       Im vorliegenden  Band werden  mehrere Erklärungen veröffentlicht,
       mit denen  Marx und  Engels aus Anlaß des Kölner Prozesses in der
       Presse auftraten.  Sowohl in  diesen Erklärungen  als auch in En-
       gels' Artikel  "Der Kommunisten-Prozeß  zu Köln" und besonders in
       Marx' Schrift  "Enthüllungen über den Kommunisten-Prozeß zu Köln"
       wird das faule System der Polizeiprovokationen, der Spionage, der
       falschen Aussagen  und Urkundenfälschungen,  mit deren  Hilfe der
       Prozeß fabriziert wurde, sichtbar. Diese Schrift ist ein Dokument
       von gewaltiger anklagender Kraft gegen die Hetzjagd durch Polizei
       und Justiz auf Vertreter der revolutionären Klasse, gegen die Or-
       ganisatoren  abscheulicher   Gewaltakte  gegen   fortschrittliche
       Kräfte. Vor  der ganzen Welt tritt Marx nicht nur als Verteidiger
       der Kölner  Angeklagten auf, sondern auch als Ankläger: Nicht nur
       die unmittelbaren  Organisatoren des  Prozesses überführt er ver-
       brecherischer Handlungen,  sondern er stellt das ganze bürokrati-
       sche Polizeisystem,  den ganzen verfaulenden preußischen Staat an
       den Schandpfahl.
       Marx entlarvt  schonungslos die  reaktionäre Tendenz  der preußi-
       schen  Gerichtsbarkeit,  den  Klassencharakter  der  bürgerlichen
       "Rechtspflege". In  der Person der Angeklagten stand vor dem bür-
       gerlichen Gericht  das  unbewaffnete  revolutionäre  Proletariat;
       deshalb waren  die Angeklagten  schon von  vornherein verurteilt.
       Der Kölner und andere Prozesse zeigten anschaulich, "daß die Jury
       ein Standgericht der privilegierten Klassen ist, eingerichtet, um
       die Lücken  des Gesetzes durch die Breite des bürgerlichen Gewis-
       sens zu überbrücken". (Siehe vorl. Band, S. 470.)
       In seiner  Schrift widerlegt  Marx die  verlogenen Anklagen gegen
       die Mitglieder des Bundes der Kommunisten wegen verschwörerischer
       Absichten. Er hebt hervor, daß eine verschwörerische abenteuerli-
       che Taktik mit den wahren Aufgaben der Organisierung der proleta-
       rischenPartei und  der Herausbildung  des Klassenbewußtseins  des
       Proletariats unvereinbar ist. Am Beispiel der spalterischen, des-
       organisierenden Tätigkeit  der Fraktion  Willich-Schapper beweist
       Marx, daß eine solche Taktik zur Loslösung von den
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       Massen führt,  der Arbeiterbewegung Schaden zufügt und einen gün-
       stigen Boden  für Polizeiprovokationen schafft. Dem Abenteurertum
       und Sektierertum  in der  Politik, bemerkt  Marx, entspricht  es,
       wenn der  materialistischen Weltanschauung  der Voluntarismus und
       subjektive Idealismus unterschoben und ersehnte und erträumte Be-
       dingungen für  wirkliche Bedingungen  des revolutionären  Kampfes
       gehalten werden. In der Sitzung der Zentralbehörde des Bundes der
       Kommunisten am  15. September 1850 trat Marx gegen die abenteuer-
       liche Position  der Fraktion  Willich-Schapper auf,  die zum  so-
       fortigen bewaffneten  Aufstand und  zur Machtergreifung durch das
       Proletariat aufrief;  er entwickelte den Gedanken, daß die Vorbe-
       reitung auf  die sozialistische  Revolution, und auch die Revolu-
       tion selbst,  ein langer Prozeß ist, in dessen Verlauf die Arbei-
       terklasse sich  selbst umerziehen muß. "Ihr habt 15, 20, 50 Jahre
       Bürgerkriege und  Völkerkämpfe durchzumachen,  nicht nur  um  die
       Verhältnisse zu  ändern, sondern um euch selbst zu ändern und zur
       politischen Herrschaft  zu befähigen...".  (Siehe vorl.  Band, S.
       412.)
       Nach dem  Kölner Prozeß  und der  damit in Zusammenhang stehenden
       Zerschlagung der  proletarischen Organisationen war ein Weiterbe-
       stehen des Bundes der Kommunisten faktisch unmöglich geworden. Im
       November 1852 erklärte sich der Bund auf Marx' Vorschlag für auf-
       gelöst. Der  von Marx und Engels geschaffene Bund der Kommunisten
       ging in  die Geschichte ein als Keim einer proletarischen Partei,
       als erste  Organisation proletarischer  Revolutionäre, deren pro-
       grammatisches Dokument das unsterbliche "Manifest der Kommunisti-
       schen Partei"  war. Nach  der Auflösung  des Bundes setzten Marx,
       Engels und  ihre Kampfgefährten ihre Tätigkeit zum Zusammenschluß
       des Proletariats  und zur  Verbreiterung der  Ideen  des  wissen-
       schaftlichen Kommunismus in anderer Form fort.
       Einen bedeutenden  Platz nehmen im Band die von Marx bis 18. März
       1853 für  die "New-York Daily Tribune" geschriebenen Artikel ein.
       Hauptthema dieser Artikel ist die ökonomische und politische Lage
       Englands. Die  Wirtschaft Englands  bot Marx reiches Material für
       die Erforschung  der kapitalistischen  Produktionsweise. Schon in
       diesen ersten  Artikeln für  die "New-York  Daily Tribune"  zeigt
       Marx am  Beispiel Englands  das Wirken  mehrerer ökonomischer Ge-
       setze des Kapitalismus und deckt die dem Kapitalismus eigenen Wi-
       dersprüche auf.  Marx lenkt die Aufmerksamkeit auf den zyklischen
       Charakter der Entwicklung der kapitalistischen Produktion und be-
       weist die Unvermeidlichkeit ökonomischer Krisen. Er tritt auf ge-
       gen den  falschen Optimismus  der bürgerlichen Vulgärökonomen und
       hebt hervor,  daß die  damals eingetretene  Belebung in Industrie
       und Handel  eine zeitweilige und nicht imstande ist, die absolute
       und relative Verelendung der werktätigen
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       Massen, das  Ansteigen der  Arbeitslosigkeit und  des Pauperismus
       aufzuhalten. In  dem Artikel "Erzwungene Emigration - Kossuth und
       Mazzini -  Die Flüchtlingsfrage - Wahlbestechung in England - Mr.
       Cobden" behandelt  Marx die  Frage der Übervölkerung. Wenn sie im
       Altertum, wie  Marx feststellt, durch ungenügende Entwicklung der
       Produktivkräfte hervorgerufen  wurde, so  ist es  im Kapitalismus
       "die Zunahme an Produktivkräften", die "eine Verringerung der Be-
       völkerung" verlangt  und "den  Überschuß  durch  Hungersnot  oder
       durch Auswanderung"  beseitigt. (Siehe  vorl. Band, S. 544.) Marx
       erläutert, daß  die Schöpfungs-  und  Entwicklungsgeschichte  der
       Produktivkräfte unter dem Kapitalismus die Märtyrergeschichte der
       Arbeiter gewesen  ist; um dem ein Ende zu setzen, müssen sich die
       Werktätigen dieser Kräfte bemächtigen, deren Macht sie bisher un-
       terworfen waren.
       Von großem Interesse ist der Beitrag "Wahlen - Trübe Finanzlage -
       Die Herzogin  von Sutherland  und die Sklaverei", in dem Marx auf
       eine grundlegende  Besonderheit der  ursprünglichen  kapitalisti-
       schen Akkumulation  in England  aufmerksam macht, nämlich auf die
       rücksichtslose Enteignung  der bäuerlichen  Bevölkerung durch die
       Landmagnaten, auf  ihre Verjagung  von ihrem alteingesessenen Bo-
       den. "Wenn  man vom  Eigentum je  hat behaupten  können,  es  sei
       D i e b s t a h l   - dann  ist es buchstäblich wahr vom Eigentum
       der britischen  Aristokratie. Der  Raub der Kirchengüter, die be-
       trügerische Veräußerung  der Staatsdomänen, der Diebstahl des Ge-
       meindeeigentums, die  betrügerische, von  Mord und  Totschlag be-
       gleitete Umwandlung  des feudalen und patriarchalischen Eigentums
       in modernes  Privateigentum - das sind die Rechtstitel der briti-
       schen Aristokratie  auf ihre  Besitztümer. (Siehe  vorl. Band, S.
       505.) Die  in diesem  Artikel zusammengetragenen Materialien über
       die Geschichte der Bereicherung der Familie Sutherland sowie auch
       die Unterlagen  aus mehreren  anderen in der "Tribüne" veröffent-
       lichten Artikeln verwendete Marx später im "Kapital".
       Die Mißstände  der kapitalistischen Ordnung entlarvt Marx auch im
       Artikel "Die  Todesstrafe -  Herrn Cobdens Pamphlet - Anordnungen
       der Bank  von England". Er untersucht dabei die sozialen Ursachen
       einer solchen  Erscheinung wie  das Anwachsen des Verbrechertums.
       Er prangert  den barbarischen Charakter des bürgerlichen Strafsy-
       stems an  und kritisiert  die  philosophische  Rechtstheorie  der
       Bourgeoisie, die  dieses System  gutheißt. Bei der Behandlung der
       von Kant und Hegel aufgestellten Theorie der Bestrafung hebt Marx
       als eine charakteristische Besonderheit der idealistischen Philo-
       sophie hervor, "daß der deutsche Idealismus hier, wie in den mei-
       sten anderen Fällen, nur die Gesetze der bestehenden Gesellschaft
       durch übersinnliche  Argumente sanktioniert."  (Siehe vorl. Band,
       S. 508.) Marx beweist
       
       #XX# Vorwort
       -----
       in seinem  Artikel, daß das Verbrechertum nur durch die Liquidie-
       rung der  unvermeidlich das  Verbrechen erzeugenden  bürgerlichen
       Gesellschaft wirksam bekämpft werden kann.
       In mehreren  seiner Artikel für die "New-York Daily Tribune" - so
       in "Die  Wahlkorruption", "Die  Wahlresultate" und  in anderen  -
       charakterisiert Marx  allseitig die politische Ordnung in England
       und enthüllt  das volksfeindliche  Wesen des  Regimes der bürger-
       lich-aristokratischen Oligarchie.  Er geißelt  den antidemokrati-
       schen Charakter  des englischen  Parlaments und  des Wahlsystems,
       das der Mehrheit des Volkes das Wahlrecht raubt, und zeichnet ein
       grelles Bild  von den Bestechungen und Einschüchterungen, die bei
       den Wahlen  angewandt werden.  In den  Artikeln "Die  politischen
       Konsequenzen des  kommerziellen Paroxysmus",  "Die Niederlage des
       Ministeriums", "Eine  altersschwache Regierung  - Die  Aussichten
       des Koalitionsministeriums usw. " übt Marx eine scharfe Kritik an
       der reaktionären  Politik des  Tory-Kabinetts Derby-Disraeli  und
       des ihm  Ende  1852  folgenden  Koalitionsministeriums  Aberdeen.
       Diese Politik spiegelte das Streben der oligarchischen Kreise der
       Landaristokratie und der Spitzen der Bourgeoisie wider, das Mono-
       pol an  der Staatsmacht  in ihren Händen zu behalten und jegliche
       fortschrittliche Veränderung  im Staatsaufbau,  außer den notwen-
       digsten Zugeständnissen  an die industrielle Bourgeoisie, zu ver-
       hindern. In  mehreren seiner  Korrespondenzen behandelt  Marx die
       reaktionäre Rolle der anglikanischen Kirche.
       Eine Gruppe  von Marx' Artikeln - "Die Wahlen in England - Tories
       und Whigs",  "Die politischen  Parteien und Perspektiven" und an-
       dere -  vermittelt eine klare Vorstellung vom traditionellen eng-
       lischen Zweiparteiensystem,  das in  der wechselnden Ausübung der
       Macht durch  die Tories,  d.h. die  Konservativen, und die Whigs,
       d.h. die  Liberalen, besteht. Marx charakterisiert die Tories als
       Interessenvertreter der  Grundbesitzer und  die Whigs als aristo-
       kratische Vertreter  der Bourgeoisie. Er weist auf die beginnende
       Zersetzung der  alten  Parteien  der  bürgerlich-aristokratischen
       Oligarchie hin und stellt gleichzeitig fest, wie gemäßigt und in-
       konsequent die  oppositionellen Aktionen  der Vertreter der indu-
       striellen Bourgeoisie  - der Anhänger des Freihandels - gegen die
       Oligarchie sind. Marx deckt das Wesen der freihändlerischen Poli-
       tik auf,  nämlich "Ausschluß  des Volkes  von der  Vertretung des
       Landes und  strikte Aufrechterhaltung ihres besonderen Klassenin-
       teresses". (Siehe  vorl. Band,  S. 519.)  Er hob hervor, daß sich
       die bürgerlichen  Freihändler vor  der Arbeiterklasse  fürchteten
       und zu  einem Kompromiß  mit der  Aristokratie bereit  waren  und
       schrieb: "Lieber aber wollen sie mit dem schwindenden Gegner pak-
       tieren, als  den heranwachsenden  Feind, dem  die Zukunft gehört,
       durch Konzessionen stärken,
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       die von  mehr als  nur scheinbarer  Bedeutung sind." (Siehe vorl.
       Band, S. 344.)
       Den verschiedenen  Fraktionen der in England herrschenden Klassen
       stand, wie  Marx zeigt,  die Hauptmasse des Volkes gegenüber: das
       Proletariat und andere Schichten der Werktätigen. In seinen Arti-
       keln analysierte  Marx sorgfältig  alle irgendwie bedeutsamen Ak-
       tionen der  englischen Arbeiter  zur Verteidigung  ihrer ökonomi-
       schen Interessen, wie er auch jede Äußerung politischer Aktivität
       des englischen  Proletariats mit  besonderer Aufmerksamkeit  ver-
       folgte. Wo  immer die  Gelegenheit sich  bot, unterstützte er die
       besten, von  Ernest Jones geführten Vertreter des Proletariats in
       ihren Bemühungen, die chartistische Agitation auf neuer, soziali-
       stischer Basis  wiedererstehen zu  lassen. In  dem  Artikel  "Die
       Chartisten" weist  Marx auf  die Bedeutung des von den Chartisten
       aufgestellten Programms  für die Demokratisierung der politischen
       Ordnung Englands  hin, dessen  zentraler Punkt die Forderung nach
       dem allgemeinen  Wahlrecht war.  Dieser Artikel  zeugt davon, daß
       Marx und  Engels, die  die gewaltsame  Revolution für  das einzig
       mögliche Mittel  zur Errichtung  der Diktatur des Proletariats in
       den Ländern  des Kontinents hielten, für England unter den damals
       bestehenden Bedingungen  eine Ausnahme machten. Unter Berücksich-
       tigung der  Besonderheiten Englands  - zu  jener Zeit  fehlte ein
       entwickelter militärisch-bürokratischer  Apparat und  war England
       das einzige  Land in  Europa, in dem das Proletariat die Mehrheit
       der Bevölkerung  ausmachte -  hielten es Marx und Engels für mög-
       lich, daß die englische Arbeiterklasse die Macht auf friedlichem,
       parlamentarischem Wege  erkämpfen könne. Die wichtigste Bedingung
       zur Verwirklichung  dieser Möglichkeit  sahen sie in der Erhöhung
       des politischen Bewußtseins und der Aktivität des englischen Pro-
       letariats, in  der Einführung  des allgemeinen Wahlrechts und der
       radikalen Umgestaltung des Parlamentssystems.
       In seinen "Tribune"-Artikeln beleuchtet Marx ebenfalls eine Reihe
       von Ereignissen  auf dem  Kontinent, darunter  den Mailänder Auf-
       stand gegen  die österreichische Herrschaft im Februar 1853. Marx
       sah in dieser Bewegung das Symptom einer heranreifenden neuen re-
       volutionären Krise.  Er schätzte  das Heldentum  der Proletarier,
       die daran teilgenommen hatten, hoch ein, verurteilte aber gleich-
       zeitig  die   verschwörerische   Taktik   der   Initiatoren   der
       "improvisierten Revolutionen"  - Mazzinis  und seiner Mitkämpfer.
       "Revolutionen werden  nicht auf Befehl gemacht", hob Marx hervor.
       (Siehe vorl.  Band, S.  527.) Er  warnte die Führer der italieni-
       schen sowie der ungarischen revolutionären Emigration vor der Ge-
       fahr, daß  die nationale Bewegung durch konterrevolutionäre bona-
       partistische Kreise ausgenutzt werden könne.
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       Marx bewies  die ganze  Vergänglichkeit der Hoffnungen, daß Louis
       Bonaparte den  unterdrückten Nationen  Hilfe bringen  werde,  und
       riet den  italienischen revolutionären Patrioten, engeren Kontakt
       mit dem  Volke zu halten, in erster Linie mit dem Proletariat und
       der Bauernschaft,  denn "selbst  bei nationalen  Erhebungen gegen
       fremden Despotismus  gäbe es  solch ein  Ding  wie  Klassenunter-
       schiede, und  es seien nicht die oberen Klassen, von denen man in
       unserer Zeit  revolutionäre Bewegungen  erwarten  dürfe".  (Siehe
       vorl. Band, S. 549.)
       In den Beilagen zu diesem Band wird das Protokoll der Sitzung des
       Bundes der Kommunisten vom 15. September 1850 veröffentlicht, aus
       dem Marx in seiner Arbeit "Enthüllungen über den Kommunisten-Pro-
       zeß zu  Köln" kurz zitiert (siehe vorl. Band, S. 412/413). Dieses
       Protokoll spiegelt den Kampf von Marx, Engels und ihren Anhängern
       gegen die  abenteuerlich-sektiererischen Elemente  innerhalb  des
       Bundes der  Kommunisten wider.  Wie aus  dem Dokument ersichtlich
       ist, machte Marx alle Anstrengungen, um die Einheit des Bundes zu
       erhalten, während  die Schuld an der Spaltung allein die Fraktion
       Willich-Schapper trägt.  In den  Beilagen werden gleichfalls zwei
       Aufrufe zur  Unterstützung der in Köln verurteilten Vertreter des
       Proletariats und  ihrer Familien  veröffentlicht. Diese  Aufrufe,
       die einen kurzen Appell an die deutschen Arbeiter in Amerika ent-
       halten, den  Marx im  Namen des  Komitees zur  Organisierung  der
       Hilfe für  die im Kölner Prozeß Verurteilten verfaßte, wurden auf
       Marx' Initiative in der amerikanischen demokratischen Presse ver-
       öffentlicht.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus
       beim ZK der KPdSU
       
                                    ---
       
       Der vorliegende  achte Band  der deutschen Ausgabe enthält gegen-
       über dem  achten Band  der russischen Ausgabe zusätzlich folgende
       Beilagen: Karl  Marx, Vorwort  zur zweiten  Ausgabe  (1869)  "Der
       achtzehnte  Brumaire   des  Louis  Bonaparte",  "Kölner  Kommuni-
       stenprozeß" (Beilage 4 zu "Herr Vogt") und das Nachwort (1875) zu
       "Enthüllungen über den Kommunisten-Prozeß zu Köln"; Friedrich En-
       gels, Vorrede zur dritten Auflage (1885) "Der achtzehnte Brumaire
       des Louis  Bonaparte" und  die Skizze  "Zur Geschichte des Bundes
       der Kommunisten".
       Der Text  des vorliegenden Bandes wurde nach Originalen oder Pho-
       tokopien überprüft. Bei jeder Arbeit ist die zum Abdruck herange-
       zogene Quelle vermerkt.
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       Die von  Marx und Engels angeführten Zitate wurden überprüft, so-
       weit die  Originale zur  Verfügung standen. Längere Zitate werden
       zur leichteren  Übersicht in kleinerem Druck gebracht. Fremdspra-
       chige Zitate  und im  Text vorkommende fremdsprachige Wörter sind
       in Fußnoten  übersetzt. Die Übersetzungen der fremdsprachigen Ar-
       beiten wurden überprüft oder neu angefertigt.
       Rechtschreibung  und   Zeichensetzung  sind,  soweit  vertretbar,
       modernisiert. Der  Lautstand der  Wörter in den deutschsprachigen
       Texten wurde  nicht verändert. Alle in eckigen Klammern stehenden
       Wörter oder  Wortteile stammen von der Redaktion; offensichtliche
       Druck- oder  Schreibfehler wurden  stillschweigend korrigiert. In
       Zweifelsfällen wurde  in Fußnoten  die Schreibweise des Originals
       angeführt.
       Fußnoten von Marx und Engels sind durch Sternchen gekennzeichnet,
       Fußnoten der  Redaktion durch  eine durchgehende  Linie vom  Text
       abgetrennt und durch Ziffern kenntlich gemacht.
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen  Klammem hingewiesen
       wird; außerdem  sind ein Personenverzeichnis, ein Verzeichnis der
       literarischen und  mythologischen Namen, Daten über das Leben und
       die Tätigkeit  von Marx  und Engels, ein Literaturverzeichnis und
       eine Erklärung der Fremdwörter beigefügt.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus
       beim ZK der SED
       

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