Quelle: MEW 26.2 Theorien über den Mehrwert - Zweiter Teil


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       #528# Siebzehntes Kapitel
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       [14. Der  Widerspruch zwischen der unaufhaltsamen Entwicklung der
       Produktivkräfte und  der Beschränktheit des Konsums als Basis der
       Überproduktion. Der  apologetische Charakter  der Theorie von der
       Unmöglichkeit der allgemeinen Überproduktion]
       
       Das Wort   o v e r p r o d u c t i o n   führt an sich in Irrtum.
       Solange die  dringendsten Bedürfnisse  eines großen Teils der Ge-
       sellschaft nicht  befriedigt sind oder  n u r  seine unmittelbar-
       sten Bedürfnisse,  kann natürlich von einer  Ü b e r p r o d u k-
       t i o n  v o n  P r o d u k t e n  - i n  dem Sinn, daß die Masse
       der Produkte  überflüssig wäre  im Verhältnis zu den Bedürfnissen
       für sie  - absolut  nicht die  Rede sein. Es muß umgekehrt gesagt
       werden, daß  auf Grundlage  der  kapitalistischen  Produktion  in
       diesem Sinn  beständig   u n t e r p r o d u z i e r t  wird. Die
       Schranke  der   Produktion  ist   der  Profit  der  Kapitalisten,
       keineswegs das Bedürfnis der Produzenten. Aber Überproduktion von
       Produkten und  Überproduktion von   W a r e n    sind  zwei  ganz
       verschiedne  Dinge.  Wenn  Ric[ardo]  meint,  daß  die  Form  der
       W a r e   gleichgültig für  das  Produkt  sei,  weiter,  daß  die
       W a r e n z i r k u l a t i o n    nur  formell  verschieden  vom
       Tauschhandel, der  Tauschwert hier  nur verschwindende  Form  des
       Stoffwechsels, das  Geld daher  bloß formelles Zirkulationsmittel
       sei -  so kömmt das m der Tat auf seine Voraussetzung hinaus, daß
       die  bürgerliche   Produktionsweise  die   absolute,  daher  auch
       Produktionsweise ohne  nähere  spezifische  Bestimmung  sei,  das
       Bestimmte an  ihr mithin nur formell sei. Es darf also auch nicht
       von ihm  zugegeben werden,  daß die  bürgerliche Produktionsweise
       Schranke  für   die   freie   Entwicklung   der   Produktivkräfte
       einschließe, eine Schranke, die in den Krisen und unter anderm in
       der   Ü b e r p r o d u k t i o n  - dem Grundphänomen der Krisen
       - zutage tritt.
       ¦¦722¦ Ricardo sah aus den von ihm zitierten, gebilligten und da-
       her nachgesagten  Sätzen Smiths,  daß die  maßlosen "desires" 1*)
       nach allerhand Gebrauchswerten stets befriedigt werden auf Grund-
       lage eines  Zustandes, worin die Masse der Produzenten auf "food"
       2*) und  "necessaries" 3*),  auf das  Notwendige mehr oder minder
       beschränkt bleibt,  daß diese  größte Masse  der Produzenten also
       von dem  Konsum des  Reichtums - soweit er über den Kreis der ne-
       cessaries hinausgeht - mehr oder weniger ausgeschlossen bleibt.
       Allerdings ist letztres und in noch höhrem Grade bei der antiken,
       auf Sklaverei  gerichteten Produktion  der Fall.  Aber die  Alten
       dachten auch nicht
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       1*) "Wünsche" - 2*) "Nahrungsmittel" - 3*) "lebenswichtige Güter"
       
       #529# Ricardos Akkumulationstheorie. Kritik derselben
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       daran, das  surplus produce  in Kapital zu verwandeln. Wenigstens
       nur in  geringem Grade.  (Das ausgedehnte Vorkommen der eigentli-
       chen Schatzbildung  bei ihnen zeigt, wieviel surplus produce ganz
       brach lag.)  Einen großen  Teil des  surplus produce verwandelten
       sie in  unproduktive Ausgaben  für Kunstwerke,  religiöse  Werke,
       travaux publics 1*). Noch weniger war ihre Produktion auf Entfes-
       selung und  Entfaltung der  materiellen Produktivkräfte - Teilung
       der Arbeit,  Maschinerie, Anwendung  von Naturkräften und Wissen-
       schaft auf die Privatproduktion - gerichtet. Sie kamen in der Tat
       im großen  und ganzen nie über Handwerksarbeit heraus. Der Reich-
       tum, den  sie für  Privatkonsumtion scharrten,  war daher relativ
       klein und  erscheint nur groß, weil in wenigen Händen aufgehäuft,
       die übrigens  nichts damit  zu machen  wußten. Gab es darum keine
       Ü b e r p r o d u k t i o n,               so       gab        es
       Ü b e r k o n s u m t i o n   der Reichen  bei den  Alten, die in
       den letzten Zeiten Roms und Griechenlands in verrückte Verschwen-
       dung ausschlägt.  Die wenigen Handelsvölker in ihrer Mitte lebten
       z.T. auf  Kosten aller dieser essentiellement 2*) armen Nationen.
       Es ist  die unbedingte  Entwicklung der Produktivkräfte und daher
       die Massenproduktion  auf Grundlage der in den Kreis der necessa-
       ries eingeschloßnen  Produzentenmasse  einerseits,  der  Schranke
       durch den  Profit der  Kapitalisten anderseits, die die Grundlage
       der modernen Überproduktion.
       Alle Schwierigkeiten,  die Ric[ardo]  etc.  gegen  Überproduktion
       etc. aufwerfen, beruhn darauf, daß sie die bürgerliche Produktion
       als eine  Produktionsweise betrachten, worin entweder kein Unter-
       schied von  Kauf und Verkauf existiert - unmittelbarer Tauschhan-
       del - oder als  g e s e l l s c h a f t l i c h e  Produktion, so
       daß die Gesellschaft, wie nach einem Plan, ihre Produktionsmittel
       und Produktivkräfte  verteilt in  dem Grad  und Maß wie nötig zur
       Befriedigung ihrer verschiednen Bedürfnisse, so daß auf jede Pro-
       duktionssphäre das  zur Befriedigung  des Bedürfnisses,  dem  sie
       entspricht, erheischte  Q u o t u m  des gesellschaftlichen Kapi-
       tals falle.  Diese Fiktion  entspringt überhaupt aus der Unfähig-
       keit, die  spezifische Form der bürgerlichen Produktion aufzufas-
       sen und  letztre wiederum aus dem Versenktsein in die bürgerliche
       Produktion als die Produktion schlechthin. Ganz wie ein Kerl, der
       an  eine   bestimmte  Religion   glaubt,  in   ihr  die  Religion
       schlechthin sieht  und außerhalb  derselben  m i r  f a l s c h e
       Religionen.
       Umgekehrt wäre vielmehr zu fragen: Wie, auf Grundlage der kapita-
       listischen Produktion,  wo jeder für sich arbeitet und die beson-
       dre Arbeit  zugleich als  ihr Gegenteil,  abstrakt allgemeine Ar-
       beit, und in dieser Form gesellschaftliche Arbeit sich darstellen
       muß, die notwendige Ausgleichung
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       1*) öffentliche Arbeiten - 2*) im wesentlichen
       
       #530# Siebzehntes Kapitel
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       und Zusammengehörigkeit  der verschiednen Produktionssphären, das
       Maß und  die Proportion  zwischen denselben, anders als durch be-
       ständige Aufhebung  einer beständigen  Disharmonie  möglich  sein
       soll? Dies  ist noch  zugegeben, wenn  von den Ausgleichungen der
       Konkurrenz gesprochen  wird,  denn  diese  Ausgleichungen  setzen
       stets voraus,  daß etwas  auszugleichen ist,  also  die  Harmonie
       stets nur ein Resultat der Bewegung der Aufhebung der existieren-
       den Disharmonie ist.
       Deswegen gibt  Ric[ardo] auch das glut 1*) für einzelne Waren zu.
       Das   U n m ö g l i c h e   soll nur  in a  simultaneous, general
       glut of  the market 2*) bestehn. Die Möglichkeit 3*) der Überpro-
       duktion wird  daher nicht  für irgendeine  besondre  Produktions-
       sphäre geleugnet.  Die Unmöglichkeit  der allgemeinen Überproduk-
       tion 4*) soll in der  G l e i c h z e i t i g k e i t  dieser Er-
       scheinungen für   a l l e   Produktionssphären  und daher general
       glut of the market bestehn (ein Ausdruck, der immer cum grano sa-
       lis 5*)  zu nehmen ist, da in Momenten allgemeiner Überproduktion
       die Überproduktion in einigen Sphären stets nur  R e s u l t a t,
       F o l g e   der Überproduktion  in den  leitenden Handelsartikeln
       ist; [sie  ist] stets  nur   r e l a t i v,  Überproduktion, weil
       Überproduktion in andren Sphären existiert).
       Die Apologetik dreht dies grade ins Umgekehrte um. Überproduktion
       in den  leitenden Handelsartikeln,  in denen  allein  die  aktive
       Überproduktion sich  zeigt -  es sind dies überhaupt Artikel, die
       nur massenhaft  und fabrikmäßig  (auch in  der Agrikultur) produ-
       ziert werden  können, weil  Überproduktion existiert  m den Arti-
       keln, worin  relative oder  passive Überproduktion sich zeigt. Es
       existiert danach  bloß Überproduktion,  weil  die  Überproduktion
       nicht universell ist. Die  R e l a t i v i t ä t  der Überproduk-
       tion - daß die wirkliche Überproduktion in einigen Sphären die in
       ändern  herbeiführt  -  wird  so  ausgesprochen:  Es  gibt  keine
       u n i v e r s e l l e  Überproduktion, weil, wenn die Überproduk-
       tion universell wäre, alle Produktionssphären dasselbe Verhältnis
       gegeneinander behielten; also  u n i v e r s e l l e  Überproduk-
       tion gleich proportionale production, was die Überproduktion aus-
       schließt. Und  dies soll  gegen  die  universelle  Überproduktion
       ¦¦723¦  sprechen.   Weil  nämlich   eine    u n i v e r s e l l e
       Ü b e r p r o d u k t i o n  in dem absoluten Sinn keine Überpro-
       duktion wäre,  sondern nur  mehr als  gewöhnliche Entwicklung der
       Produktivkraft   in    allen   Produktionssphären,    soll    die
       w i r k l i c h e   Ü b e r p r o d u k t i o n,   die eben nicht
       diese nicht  seiende, sich  selbst aufhebende Überproduktion ist,
       n i c h t   existieren. Obgleich sie nur existiert, weil sie dies
       nicht ist.
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       1*) die Überfüllung - 2*) einer gleichzeitigen, allgemeinen Über-
       füllung des  Marktes -  3*) in der  Handschrift; Unmöglichkeit  -
       4*) in der Handschrift statt dieser Passage: Sie - 5*) nicht ganz
       wörtlich
       
       #531# Ricardos Akkumulationstheorie. Kritik derselben
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       Sieht man  dieser elenden Sophistik genauer zu, so kömmt sie dar-
       auf hinaus:  Z.B. es  findet Überproduktion statt in Eisen, Baum-
       wollstoffen, linens, silks, woollens 1*) etc., so kann z.B. nicht
       gesagt werden, daß zu wenig Kohlen produziert worden sind und da-
       her jene Überproduktion stattfindet; denn jene Überproduktion von
       Eisen etc.  schließt ganz  so eine  Überproduktion von Kohle ein,
       wie etwa  Überproduktion von  Gewebe die  von Garn. {Möglich wäre
       Überproduktion von  Garn gegen  Gewebe, Eisen  gegen  Maschinerie
       etc. Dies wäre immer relative Überproduktion von konstantem Kapi-
       tal.} Es  kann also nicht von der Unterproduktion 2*) der Artikel
       die Rede  sein, deren Überproduktion eingeschlossen ist, weil sie
       als Element,  Rohstoff, matière  instrumentale 3*) oder Produkti-
       onsmittel eingehn  in die  Artikel (die  "particular commodity of
       which too much may be produced, of which there may be such a glut
       in the  market, as  not to repay the capital expended on it" 4*),
       deren positive  Überproduktion eben  das fact to be explained 5*)
       ist. Sondern  es ist von andren Artikeln die Rede, welche Produk-
       tionssphären direkt  angehören, die  weder subsumiert  unter  die
       leitenden Handelsartikel,  die overproduced sind nach der Voraus-
       setzung,  noch   solchen  Sphären,   in  denen,   weil  sie   die
       v e r m i t t e l n d e   P r o d u k t i o n   für diese Sphären
       bilden, die  Produktion wenigstens so weit gegangen sein muß, wie
       in den  Schlußphasen des  Produkts -  obgleich nichts dem im Wege
       steht, daß  sie selbst  weitergegangen und innerhalb der Überpro-
       duktion daher  eine Überproduktion  stattgefunden hat.  Z.B., ob-
       gleich so  viel Kohle produziert worden sein muß, um alle die In-
       dustrien in  Gang zu  haben, worin Kohle als notwendige Produkti-
       onsbedingung eingeht,  also die  Ü b e r p r o d u k t i o n  der
       Kohle eingeschlossen ist in die  Ü b e r p r o d u k t i o n  von
       Eisen, Garn etc. (obgleich die Kohle nur proportionale produziert
       war zur  Produktion von Eisen und Garn), so ist es  a u c h  mög-
       lich, daß mehr Kohle produziert wurde, als selbst die Überproduk-
       tion in  Eisen, Garn etc. erheischte. Dies ist nicht nur möglich,
       sondern sehr  wahrscheinlich. Denn   d i e    P r o d u k t i o n
       v o n   K o h l e   u n d  G a r n  und jeder andren Produktions-
       sphäre, die  nur Bedingung  oder Vorphase  des  in  einer  ändern
       Sphäre zu  vollendenden Produkts liefert, richtet sich nicht nach
       der unmittelbaren  Nachfrage, nach  der unmittelbaren  Produktion
       oder  Reproduktion,   sondern  nach   dem     G r a d,     M a ß,
       V e r h ä l t n i s   (Proportion), worin  diese go  on extending
       6*). Und daß in dieser Berechnung das Ziel überschössen
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       1*) Leinen, Seide,  Wollwaren -  2*) in der Handschrift: Überpro-
       duktion -  3*) Hilfsstoff -  4*) bestimmten Ware,  von der zuviel
       produziert, von  der dann  ein solches  Überangebot auf dem Markt
       vorhanden sein  mag, daß das aufgewendete Kapital nicht zurücker-
       stattet wird"  (siehe vorl.  Band, S. 500, 504 und 506) - 5*) die
       zu erklärende Tatsache - 6*) fortfahren, sich auszudehnen
       
       #532# Siebzehntes Kapitel
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       werden kann,  ist self-evident  1*). Also in den andren Artikeln,
       wie z.B.  Piano-fortes, Edelsteinen  etc., ist nicht genug produ-
       ziert worden,   u n t e r p r o d u z i e r t   worden.  {Es gibt
       allerdings auch  Überproduktionen, wo  die Überproduktion  in den
       nicht leitenden  Artikeln nicht  Folge ist,  sondern wo umgekehrt
       die   U n t e r p r o d u k t i o n   Ursache der  Überproduktion
       ist, wie z.B. wenn Getreidemißwachs oder Baumwollmißwachs etc.}
       Die Abgeschmacktheit  dieser Phrase tritt recht hervor, wenn sie,
       wie Say  [95] und andre nach ihm getan haben, international ange-
       strichen wird.  Also z.B.  England hat  nicht  ü b e r p r o d u-
       z i e r t,   sondern Italien  hat  u n t e r p r o d u z i e r t.
       Hätte Italien  1. Kapital  genug, um  das  englische  Kapital  zu
       ersetzen, was  nach Italien  in der  Form  von  Waren  exportiert
       worden ist;  2.  dies  sein  Kapital  so  angelegt,  daß  es  die
       eigentümlichen Artikel  produzierte, die  das  englische  Kapital
       bedarf, teils um sich selbst, teils die aus ihm fließende Revenue
       zu ersetzen, so fände keine Überproduktion statt. Also existierte
       nicht  das   Faktum  der   wirklichen  -  mit  Relation  auf  die
       w i r k l i c h e     Produktion  in   Italien  -   existierenden
       Ü b e r p r o d u k t i o n  i n  E n g l a n d,  sondern nur das
       Faktum der   i m a g i n ä r e n    U n t e r p r o d u k t i o n
       in   I t a l i e n,   imaginär, weil  sie ein  ¦¦724¦ Kapital  in
       Italien voraussetzt  und eine Entwicklung der Produktivkraft, die
       dort nicht existiert, und weil sie zweitens die gleiche utopische
       Voraussetzung macht, daß dies  n i c h t  in Italien existierende
       Kapital grade  so verwandt  worden ist,  wie es nötig wäre, damit
       English supply and Italien demand 2*), englische und italienische
       Produktion sich  ergänzten, d.h. in andren Worten nichts [anderes
       als]: Es  fände keine  Überproduktion statt,  wenn Nachfrage  und
       Zufuhr sich  entsprächen, wenn  das Kapital so verhältnismäßig in
       allen Produktionssphären  verteilt wäre,  daß die  Produktion des
       einen Artikels  die  Konsumtion  des  ändern,  also  seine  eigne
       Konsumtion einschlösse.  Es gäbe  keine Überproduktion,  wenn  es
       keine Überproduktion gäbe. Da aber die kapitalistische Produktion
       sich nur  in gewissen  Sphären, unter gegebnen Bedingungen, Zügel
       schießen lassen  kann, so  wäre überhaupt  keine  kapitalistische
       Produktion möglich,  wenn sie  in  allen  Sphären    g l e i c h-
       z e i t i g   und   g l e i c h m ä ß i g  sich entwickeln müßte.
       Weil Überproduktion in diesen Sphären absolut stattfindet, findet
       sie relativ  auch in  den Sphären  statt, wo nicht überproduziert
       worden ist.
       Also heißt diese Erklärung der Überproduktion auf der einen Seite
       durch die  Unterproduktion auf  der andren  nichts [andres  als]:
       Wenn proportionelle  Produktion stattfände,  fände keine Überpro-
       duktion statt. Ditto, wenn Nachfrage und Zufuhr sich entsprächen.
       Ditto, wenn alle Sphären
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       1*) selbstverständlich -  2*) englisches Angebot und italienische
       Nachfrage
       
       #533# Ricardos Akkumulationstheorie. Kritik derselben
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       gleiche Möglichkeiten  der kapitalistischen  Produktion und ihrer
       Erweiterung -  Teilung der  Arbeit, Maschinerie,  Ausfuhr in ent-
       fernte Märkte  etc., massenhafte  Produktion - einschlössen, wenn
       alle Länder,  die miteinander handeln, gleiche Fähigkeit der Pro-
       duktion (und  zwar verschiedner  und sich ergänzender Produktion)
       besäßen. Also  findet Überproduktion statt, weil alle diese from-
       men Wünsche  nicht stattfinden.  Oder noch  abstrakter: Es  fände
       keine Überproduktion  auf der einen Seite statt, wenn Überproduk-
       tion auf  allen Seiten  gleichmäßig stattfände.  Das Kapital  ist
       aber nicht  groß genug,  um so  universell überzuproduzieren, und
       daher findet partielle 1*) Überproduktion statt.
       Näher betrachtet die Phantasie:
       Es wird  zugegeben, daß  in jedem   b e s o n d r e n   t r a d e
       überproduziert werden  kann. Der einzige Umstand, der Überproduk-
       tion in   a l l e n   gleichzeitig verhindern könnte, ist der An-
       gabe nach, daß Ware gegen Ware sich austauscht - i.e. recourse to
       the supposed  2*) Bedingungen of barter 3*). Aber diese Ausflucht
       ist grade  dadurch abgeschnitten, daß der trade nicht barter ist,
       und daher  der Verkäufer  einer Ware  nicht notwendig at the same
       time the  buyer of another 4*). Diese ganze Ausflucht beruht also
       darauf, von dem  G e l d  zu abstrahieren und davon zu abstrahie-
       ren, daß  es sich  nicht von  Produktenaustausch handelt, sondern
       von Warenzirkulation,  für die das Auseinanderfallen von Kauf und
       Verkauf wesentlich.
       {Die Zirkulation  des Kapitals  schließt in  sich  M ö g l i c h-
       k e i t e n   der Störungen  ein. Es  handelt sich  z.B. bei  der
       Rückverwandlung des  Geldes in seine Produktionsbedingungen nicht
       nur  darum,   das  Geld   wieder  in  dieselben  (der  Art  nach)
       Gebrauchswerte  zu   verwandeln,  sondern  zur  Wiederholung  des
       Reproduktionsprozesses essentiell  5*), daß  diese Gebrauchswerte
       wieder zu ihrem alten Wert (drunter ist natürlich noch besser) zu
       haben sind.  Der sehr  bedeutende Teil  dieser  Reproduktionsele-
       mente, der  aus Rohstoffen besteht, kann aber aus doppelten Grün-
       den steigen:   E r s t e n s   wenn die Produktionsinstrumente in
       raschrer Proportion  vermehrt werden  als Rohstoffe for the given
       time 6*)  beschafft werden  können.  Z w e i t e n s  infolge des
       variablen Charakters  der seasons 7*). Die Witterung spielt daher
       (das Wetter),  wie Tooke  richtig bemerkt [96], so große Rolle in
       der modernen Industrie. (Dasselbe gilt mit Bezug auf den Arbeits-
       lohn für  die Lebensmittel.) Die Rückverwandlung von Geld in Ware
       kann also  auf Schwierigkeiten stoßen und Möglichkeiten der Krise
       schaffen, ganz so gut wie die Verwandlung der
       -----
       1*) In der  Handschrift: universelle  - 2*) d.h.  Zuflucht zu den
       vorausgesetzten -  3*) des Tauschhandels  - 4*) zur gleichen Zeit
       der Käufer einer anderen - 6*) wesentlich - 6*) für den gegebenen
       Zeitraum - 7*) Jahreszeiten
       
       #534# Siebzehntes Kapitel
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       Ware in Geld. Soweit die einfache Zirkulation, nicht die Zirkula-
       tion des  Kapitals, betrachtet wird, finden diese Schwierigkeiten
       nicht statt.} (Es gibt noch eine Masse Momente, Bedingungen, Mög-
       lichkeiten der  Krise, die erst bei der Betrachtung der konkretem
       Verhältnisse, namentlich  der Konkurrenz  der Kapitalien  und des
       Kredits betrachtet werden können.)
       ¦¦725¦   D i e   Ü b e r p r o d u k t i o n   v o n    W a r e n
       wird  geleugnet,  dagegen  zugegeben  die    Ü b e r p r o d u k-
       t i o n   v o n   K a p i t a l.   Das Kapital besteht nun selbst
       aus Waren oder, soweit es aus Geld besteht, muß es in Waren d'une
       manière ou  d'une autre 1*) rückverwandelt werden, um als Kapital
       funktionieren  zu   können.  Was   heißt  also     Ü b e r p r o-
       d u k t i o n   v o n   K a p i t a l?   Überproduktion der Wert-
       massen, die  bestimmt sind, Mehrwert zu erzeugen (oder dem stoff-
       lichen Inhalt  nach betrachtet, Überproduktion von Waren, die zur
       Reproduktion bestimmt  werden) -  also    R e p r o d u k t i o n
       a u f   z u   g r o ß e r  S t u f e n l e i t e r,  was dasselbe
       ist wie Überproduktion schlechthin.
       Näher bestimmt,  heißt dies  weiter nichts  als daß zuviel produ-
       ziert wird  zum Zweck  der   B e r e i c h e r u n g  oder ein zu
       großer Teil des Produkts bestimmt ist, nicht als Revenue verzehrt
       zu werden,  sondern   m e h r   G e l d  z u  m a c h e n  (akku-
       muliert zu  werden), nicht  die Privatbedürfnisse ihres Besitzers
       zu befriedigen,  sondern ihm  den  abstrakten  gesellschaftlichen
       Reichtum, Geld  und mehr  Macht über  fremde Arbeit,  Kapital  zu
       schaffen -  oder diese  Macht zu  vergrößern. Dies  wird auf  der
       einen Seite  gesagt. (Ric[ardo] leugnet es. 2*)) Und auf der and-
       ren, womit  wird die  Überproduktion der  Waren erklärt?  Daß die
       Produktion ist  not diversified  enough 3*), daß bestimmte Gegen-
       stände des Konsums nicht massenhaft genug produziert worden sind.
       Daß es  sich hier nicht um den industriellen Konsum handeln kann,
       klar, denn  der Fabrikant,  der in Leinwand überproduziert, stei-
       gert dadurch  notwendig seine  Nachfrage nach  Garn, Maschinerie,
       Arbeit etc.  Es handelt sich also um den Privatkonsum. Es ist zu-
       viel Leinwand  produziert worden, aber vielleicht zu wenig Apfel-
       sinen. Vorhin wurde das Geld geleugnet, um die Scheidung zwischen
       Kauf und  Verkauf [als nicht existierend] darzustellen. Hier wird
       das Kapital  geleugnet, um  die Kapitalisten  in Leute zu verwan-
       deln, die  die einfache Operation W-G-W vollziehn und für den in-
       dividuellen Konsum, nicht  a l s  Kapitalisten, mit dem Zweck der
       Bereicherung produzieren, mit dem Zweck, den Mehrwert zum Teil in
       Kapital zurückzuverwandeln.  Aber die  Phrase, daß    z u v i e l
       K a p i t a l   da ist,  heißt ja  nichts als  daß zu  wenig  als
       R e v e n u e  verzehrt wird und verzehrt werden kann unter den
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       1*) auf die  eine oder  andere Weise  - 2*) vgl.  vorl. Band,  S.
       497/498 - 3*) nicht verschiedenartig genug
       
       #535# Ricardos Akkumulationstheorie. Kritik derselben
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       gegebnen Bedingungen.  (Sismondi.) [97]  Warum  stellt  denn  der
       Leinwandproduzent an  den Kornproduzent die Forderung, daß dieser
       mehr Leinwand  oder dieser an jenen, daß er mehr Korn konsumiere?
       Warum realisiert  der Leinwandproduzent  1*) selbst  nicht  einen
       größren Teil  seiner Revenue (Mehrwerts) in Leinwand und der far-
       mer in  Korn? Bei  jedem einzelnen wird zugegeben werden, daß ihr
       Bedürfnis des  Kapitalisierens (abgesehn von der Schranke des Be-
       dürfnisses) diesem  im  Weg  steht.  Bei  allen  zusammengenommen
       nicht.
       (Wir abstrahieren  hier ganz von dem Element der Krisen, das dar-
       aus entspringt, daß die Waren wohlfeiler reproduziert werden, als
       sie produziert wurden. Hence 2*) Entwertung der auf dem Markt be-
       findlichen Waren.)
       Alle Widersprüche  der bürgerlichen Produktion kommen in den all-
       gemeinen Weltmarktkrisen  kollektiv zum  Eklat, in  den besondren
       Krisen (dem  Inhalt und der Ausdehnung nach  b e s o n d e r e n)
       nur zerstreut, isoliert, einseitig.
       Die   Ü b e r p r o d u k t i o n   speziell hat  das  allgemeine
       Produktionsgesetz des  Kapitals zur  Bedingung, zu produzieren im
       Maß der  Produktivkräfte (d.  h. der  Möglichkeit,  mit  gegebner
       Masse Kapital  größtmöglichste  Masse  Arbeit  auszubeuten)  ohne
       Rücksicht auf  die vorhandnen  Schranken des Markts oder der zah-
       lungsfähigen Bedürfnisse,  und dies  durch beständige Erweiterung
       der Reproduktion  und Akkumulation, daher beständige Rückverwand-
       lung von  Revenue in  Kapital auszuführen, während ¦¦726¦ andrer-
       seits die  Masse der  Produzenten auf das average 3*) Maß von Be-
       dürfnissen beschränkt  bleibt und der Anlage der kapitalistischen
       Produktion nach beschränkt bleiben muß.
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       1*) In der  Handschrift: Leinwandhändler - 2*) Daher - 3*) durch-
       schnittliche
       

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