Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1972


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       Kurzanalysen, Berichte
       
       DOCKERSTREIK IN GROSSBRITANNIEN
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       Der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und gegen das reaktionäre
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       Gewerkschaftsgesetz
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       I. Die Krise des britischen Imperialismus
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       Eine hohe  Inflationsrate bei  gleichzeitigem stagnierendem Wirt-
       schaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit sind Anzeichen für die
       strukturelle Krise  des britischen  Imperialismus. Die zunehmende
       Schärfe der  Klassenauseinandersetzungen  drückt  sich  in  einer
       wachsenden Zahl von Streiks aus: in den ersten sechs Monaten 1972
       gingen 15.460.000  Arbeitstage durch  Streik verloren,  das  sind
       weit mehr als im gesamten Jahr 1971.
       
       1. Die Ursachen der Krise
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       Die Krise des britischen Imperialismus, die sich Ende der sechzi-
       ger Jahre  erheblich verschärft  hat, besteht seit langem und ist
       Ausdruck des  Verlustes seiner  einstigen  Vormachtstellung.  Die
       frühere Werkstatt der Welt wurde schon Anfang des Jahrhunderts in
       der Industrieproduktion von den USA und dem Deutschen Reich über-
       holt. Ab  Ende des 19. Jahrhunderts versuchte der britische Impe-
       rialismus den durch den Verlust seines industriellen Weltmonopols
       erlittenen Rückschlag  durch die  Festigung seiner  Position  als
       Bank- und  Handelszentrale, begleitet  von einem  übermäßig hohen
       Kapitalexport, abzuschwächen.  "Im Zeitraum  von  1906  bis  1912
       flössen jährlich  im Durchschnitt 150 Millionen Pfund Kapital aus
       England ins  britische Empire  und Ausland, aber nur noch 39 Mil-
       lionen Pfund in die britische Wirtschaft." 1) Die weitaus höheren
       Profite aus  dem Ausland wurden dort auch zum größten Teil wieder
       reinvestiert, die  Kapitalakkumulation in Großbritannien, die im-
       mer mehr  aus den  inneren Ressourcen  der britischen  Volkswirt-
       schaft bestritten  werden mußte,  ging ebenso  wie der technische
       Fortschritt im  Vergleich zu  den imperialistischen  Konkurrenten
       nur mühsam  voran.  Die  "Vorherrschaft  des  britischen  Finanz-
       kapitals brach  jedoch nach  dem 2. Weltkrieg mit dem Zerfall des
       Kolonialreiches endgültig  zusammen. Kreditfinanzierte  Rüstungs-
       importe in  Milliardenhöhe hatten  das frühere  Gläubigerland  in
       einen Schuldnerstaat verwandelt." 2) Der Versuch Großbritanniens,
       seine imperialistische  Herrschaftsposition zu  erhalten,  schei-
       terte  an   dem  Widerspruch  zwischen  imperialem  Anspruch  und
       beschränkter ökonomischer  Potenz: "Für  seine längst überfällige
       Rolle als  Weltbankier zahlt  Großbritannien mit einer wachsenden
       Verschuldung  beim   internationalen  Finanzkapital,  die  seinen
       politischen Handlungsspielraum immer mehr einengen." 3)
       Die Hauptinstrumente  zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaftspo-
       sitionen, übermäßige  - vor allem überseeische - Rüstungsausgaben
       und hoher Kapitalexport, halten die Inlandsinvestitionen der bri-
       tischen Industrie  gering und  sind damit in letzter Instanz auch
       Ursache der seit Jahren anhaltenden Stagflation. Der hohe Kapita-
       lexport, der  in den  letzten Jahren  25 bis 33% der inländischen
       Neuinvestitionen betrug,  behindert heute wie damals die überfäl-
       lige Modernisierung der britischen Industrie, die die Produktivi-
       tät und  damit die  Warenexporte steigern könnte und so zur Behe-
       bung der chronischen Währungs- und Zahlungsbilanzkrisen beitragen
       könnte.
       Die übermäßigen Militärausgaben, "die zwischen 1952 und 1956 etwa
       10% des  Bruttosozialproduktes gegenüber  6% in den übrigen NATO-
       Staaten ausmachten  und etwa 11% der Produktionskapazität der me-
       tallverarbeitenden Industrie  absorbierten," 4)  werden heute zu-
       nehmend anachronistisch. Denn die britischen Kapitalexporte flie-
       ßen immer  weniger in  die Commonwealthgebiete (und übrigens auch
       in die  EFTA-Länder), sondern verstärkt in die EWG-Länder und die
       USA. Der  veränderten Lage  hatte die  Regierung Wilson  mit  dem
       "Abbau der  Positionen östlich  des Suez"  Rechnung getragen, der
       von der Tory-Regierung mit Rücksicht auf NATO und USA aber wieder
       eingeschränkt wurde.
       Die niedrige  Investitionsquote, deren Anteil am Bruttosozialpro-
       dukt fast  ein Drittel  unter dem  westdeutschen liegt, führte zu
       einem ständig sinkendem Wirtschaftswachstum (1970: 1,5%). Bei ei-
       ner entsprechend  zurückbleibenden Produktivität und gleichzeitig
       ständig steigenden  Inflationsraten (ca.  9%) stiegen die Export-
       preise. Der Mangel an Exporterlösen verstärkte wiederum die durch
       hohen Kapitalexport  und überseeische Rüstungsausgaben verursach-
       ten Zahlungsbilanzschwierigkeiten.  Die alternative  Stärkung und
       Senkung der Nachfrage in einer Stop-Go-Politik, das traditionelle
       Instrumentarium der bürgerlichen Ökonomen, konnte die Krise nicht
       beheben. Die bei den immer häufiger werdenden Pfundkrisen auf dem
       Rücken der  Arbeiterklasse ausgetragene deflationistische Politik
       wollte mit  erhöhten Zinssätzen  und Verbrauchssteuern  den Kapi-
       talabfluß hemmen,  den Inlandsmarkt begrenzen und so den Warenex-
       port beschleunigen.  Doch die  Lösung des währungspolitischen Di-
       lemmas auf  Kosten des wirtschaftlichen Wachstums verschärfte die
       Stagflation lediglich. Der erwünschte Exportboom in den Top-Stop-
       Phasen blieb  wegen der zu geringen Produktivität und der verteu-
       erten Investitionskredite  aus, die  Inflationsrate wuchs weiter.
       In den  Go-Phasen des zyklischen Aufschwungs förderte die gestei-
       gerte Nachfrage  Importe und  Inflationen, was  wiederum die Zah-
       lungsbilanz verschlechterte. Das Kapital floß in Länder mit höhe-
       rem Zinsniveau ab.
       Daß die  Krise sich  in den  letzten Jahren  noch verschärft hat,
       zeigen folgende  Daten: Während  in den  sechziger Jahren die Ar-
       beitslosigkeit am  Ende der  Stop-Phasen die 500.000-Grenze knapp
       überschritt, wurden  es im  Winter 1971/72 über 1 Million, obwohl
       ab Juli  71 wieder  eine wachstumsorientierte  Politik  betrieben
       wurde. Mit  930.123 konnte  im August 1972 die höchste August-Ar-
       beitslosigkeit seit  1939 erreicht werden; dabei ist zu beachten,
       daß die  Arbeitslosigkeit im  Sommer  erfahrungsgemäß  wesentlich
       niedriger ist  als im Winter. Die Inflationsrate der Verbraucher-
       preise, die  aus den  oben erwähnten  Gründen vor allen Dingen in
       den Go-Phasen  steigt, betrug  von August  1970 bis  August 1971,
       also auf dem Höhepunkt der letzten Stop-Phase, nie erreichte 10%.
       
       2. Die Offensive des Kapitals
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       Diesen Problemen  hofft das britische Kapital mit einer strategi-
       schen Neuorientierung  begegnen zu können, mit dem von der Arbei-
       terbewegung kräftig  bekämpften EWG-Beitritt.  Die Tory-Regierung
       glaubt,
       - "mit einer  verstärkten internationalen  staatsmonopolistischen
       Regulierung... Zahlungsbilanz  und Währung dauerhafter verbessern
       und das  System des britischen Kapitalismus insgesamt stabilisie-
       ren zu können" 5);
       - bessere Kapitalverwertungsbedingungen und Chancen für Expansion
       durch die Integration in einen sich relativ schnell entwickelnden
       wirtschaftlichen Großraum  mit binnenmarktähnlichen Verhältnissen
       zu schaffen;
       - durch Teilnahme an multinationalen Konzernen besser mit den US-
       Trusts konkurrieren zu können;
       - daß die eintretende Verschärfung des Konkurrenzkampfes die bri-
       tische Wirtschaftsstruktur  den modernen  Erfordernissen entspre-
       chend verändert: Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit der eigenen
       Monopole, eine  verstärkte Konzentration auf die "modernen" Indu-
       striezweige und  damit eine  quasi  naturwüchsige  Anpassung  der
       Wirtschaftsstruktur an  die Erfordernisse   des wissenschaftlich-
       technischen Fortschritts;
       - daß Großbritannien durch die Integration in die EWG-Politik des
       kollektiven Neokolonialismus  die kostspielige  Sicherung  seiner
       Commonwealth-Positionen effektivieren kann.
       Die Regierung Heath versucht unter allen Umständen, die britische
       Wirtschaft konkurrenzfähig  in die  EWG einzubringen.  Die "lame-
       duck"-Politik der  Tories, das heißt die bewußte Liquidierung von
       weniger rentablen  Betrieben durch  Verweigerung von Krediten und
       Steuervergünstigungen, die, wie bei UCS (Upper Clyde Shipbuilding
       Yards =  Werft bei  Glasgow), die  strukturelle  Arbeitslosigkeit
       fühlbar verschärft,  ist Ausdruck dieses Zieles. Schrumpfung gan-
       zer Industriezweige  (wie z.B.  Schiffsbau, stahlerzeugende Indu-
       strie, Kohlenindustrie  usw.) sowie  Förderung  der  Monopolisie-
       rungsprozesse sind  weitere Mittel  dieser Politik.  Entscheidend
       ist aber die Niederhaltung der Arbeiterklasse durch eine reaktio-
       näre  Einkommenspolitik,  sogenannte  Produktivitätsabkommen  und
       eine Antigewerkschaftsgesetzgebung,  die als  ein System von Maß-
       nahmen zu  verstehen sind  und erst  im Zusammenwirken ihre volle
       Effektivität erhalten. Diese Maßnahmen sind schon von der Wilson-
       Regierung entwickelt worden, und sie werden nun von den Tories in
       verschärfter Form angewendet.
       Die Tory-Regierung  hat 7% als Höchstgrenze für jährliche Lohner-
       höhungen festgesetzt, was bei einer Inflationsrate von ca. 9% und
       dem konsequent  betriebenen Abbau  der Sozialleistungen einer er-
       heblichen Kürzung  des Realeinkommens  der Arbeiterklasse gleich-
       kommt. Sie  versucht gerade im öffentlichen Sektor diese Richtli-
       nie strikt  einzuhalten, um so beispielhaft Maßstäbe für die Loh-
       nentwicklung im  privaten Sektor  zu setzen. Nach den Niederlagen
       der Elektrizitäts-  und Postarbeiter Anfang 1971 gelang den Berg-
       arbeitern der  entscheidende Durchbruch gegen die Einkommenspoli-
       tik der  Tories. Mit ihrem sechswöchigen Streik (Anfang 1972) er-
       rangen sie nicht nur eine 20-prozentige Lohnerhöhung, sondern lö-
       sten eine  einheitliche Klassenaktion der gesamten britischen Ar-
       beiterklasse aus, was in den nachfolgenden Wochen zu einer großen
       Lohnoffensive führte 5a).
       Eine zweite  gewichtige Waffe  in den Händen der Unternehmer sind
       die sogenannten  Produktivitätsabkommen, deren Gefährlichkeit von
       der Arbeiterklasse  und vielen  ihrer Gewerkschaften zunächst gar
       nicht durchschaut  worden war.  Mit einer  einmaligen erheblichen
       Erhöhung des  Grundlohns, die  allerdings bald  von der Inflation
       aufgefressen war,  wurden den Arbeitern wichtige Errungenschaften
       abgekauft. Der in Großbritannien weit verbreitete Stücklohn ("pay
       by result")  soll durch  einen Zeitlohn  mit von  einer scheinbar
       wissenschaftlichen Arbeitsplatzbewertung abhängigen quantifizier-
       baren Leistungsnormen  ("Measured Dy Word" = MDW) ersetzt werden,
       um die Früchte des technischen Fortschrittes nicht den Arbeitern,
       sondern den Profiten zukommen zu lassen. Die hart erkämpften Kon-
       trollrechte der  Shop Stewards  (im Betrieb gewählte Arbeiterver-
       treter mit  imperativem Mandat)  über Fließbandgeschwindigkeiten,
       Arbeitsteilung, Einstellungen,  Entlassungen u.a., d.h. die voll-
       ständige Verfügung  über die Ware Arbeitskraft, werden mit dieser
       einmaligen Erhöhung  des Grundlohnes abgekauft. Eine starke Erhö-
       hung der  Arbeitsintensität und damit der Ausbeutungsrate sowie -
       und das  ist das  gefährlichste - der Entlassungen ist die Folge;
       Da während  der meist sehr langen Laufzeit dieser Produktivitäts-
       abkommen nicht  gestreikt werden  darf, beseitigen sie das tradi-
       tionelle gewerkschaftliche  Verhandlungssystem, das Recht der Ar-
       beiter, ihre kollektive Stärke zu benutzen, um ihre Löhne den In-
       flationsraten, vergleichbaren  Löhnen oder den Profitsteigerungen
       anzupassen.
       Inzwischen ist  die überwiegende  Mehrheit der britischen Gewerk-
       schafter nur  dann noch bereit, Produktivitätsabkommen zu schlie-
       ßen, wenn  Sicherheitsklauseln gegen  Entlassungen, Abbau der ge-
       werkschaftlichen Rechte usw. eingebaut sind. Von einem wachsenden
       Teil der  britischen Arbeiter  werden sie,  vor allem  wegen  der
       vielen  Entlassungen,   kategorisch  abgelehnt.  Es  haben  viele
       Streiks (im Bergbau, bei Ford usw.) während der Laufzeit von Pro-
       duktivitätsabkommen stattgefunden  und seit dem "work-in" bei den
       Upper-Clyde-Shipbuilding-Yards sind  neue Kampfformen  gegen  Ar-
       beitslosigkeit entwickelt  worden. Dort hatten schottische Werft-
       arbeiter die  Stillegung von  Teilen der Werft und die Entlassung
       von 6.000 Kollegen verhindert, indem sie den Abtransport der Pro-
       duktionsmittel verhinderten  und die Produktion unter der Leitung
       der zum  größten Teil  kommunistischen Shop Stewards weiterlaufen
       ließen. Eine  Welle  von  erfolgreichen  "work-ins"  folgte.  Das
       Scheitern eines  "work-ins" in der Motorradfabrik von BSA in Bir-
       mingham zeigte, daß in Betrieben mit vielen Produktionseinheiten,
       die in  Massenfertigung mit  einer kurzen  Fertigungszeit  herge-
       stellt werden,  ein "sit-in"  die adäquate Kampfform gewesen wäre
       6). Eine  ganze Lawine  von erfolgreichen "sit-ins" gegen Entlas-
       sungen, aber  auch für  Lohnerhöhungen,  beweist  das.  Seit  dem
       "work-in" bei UCS haben über hundert "sit-ins" stattgefunden, da-
       von allein  32 in Manchester 7). "Sit-ins" haben den Vorteil, daß
       Streikbrecher keine  Chance haben, die Belegschaft ständig zusam-
       menbleibt, deshalb  schwerer zu spalten ist und daß die Unterneh-
       mer keine  Aussperrungen vornehmen  können. Das "work-in", nur im
       Kampf gegen  Entlassungen verwendbar, demonstriert sehr eindring-
       lich das  Grundrecht der  Arbeiterklasse auf Arbeit sowie die hi-
       storische  Übergangszeit  der  Beseitigung  der  Unternehmerherr-
       schaft. Auf jeden Fall haben die Besetzungen eine Welle der Soli-
       darität hervorgerufen und den Kampf auf eine neue Stufe gehoben.
       
       3. Das reaktionäre Antigewerkschaftsgesetz
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       Die schärfste  Waffe der  herrschenden Klasse gegen die Arbeiter-
       schaft ist  das Antigewerkschaftsgesetz,  zynisch Gesetz über die
       industriellen Beziehungen  (Industrial  Relations  Act)  genannt,
       dessen wichtigste  Bestimmungen hier  kurz aufgeführt werden sol-
       len: "1.  Alle Gewerkschaften müssen, um überhaupt gesetzlich an-
       erkannt zu  werden, sich  bei einer staatlichen Registratur regi-
       strieren lassen.  Als Aufnahmebedingung  kann der Regierungsregi-
       strator jeder  Gewerkschaft irgendwelche  Klauseln  vorschreiben,
       die in  das registrierte  Gewerkschaftsstatut aufgenommen  werden
       müssen. Weiterhin  kann er  bei einem Gericht die Aberkennung der
       Registrierung einer Gewerkschaft verlangen.
       2. Tarifverträge sind  rechtlich bindend  und ihre Einhaltung ge-
       richtlich erzwingbar.
       3. Sollten  nach   Ausschöpfung   aller   Instanzenwege   dennoch
       "offizielle" Streikaktionen  drohen, kann der Arbeitsminister ein
       Nationales Arbeitsgericht  (NIRC) anrufen, um diese wegen Gefähr-
       dung der wirtschaftlichen Lage, der öffentlichen Ordnung oder der
       nationalen Sicherheit  für 60  Tage aufzuschieben. Nach diesen 60
       Tagen kann der Arbeitsminister eine  Urabstimmung über eine Frage
       anordnen, die  vom Arbeitsministerium  formuliert worden ist, und
       kann so einen Streik noch länger aufschieben.
       4. Strafandrohungen gegen  sogenannte "unfaire  Arbeitskämpfe" (=
       unfair industrial  actions): Bei Organisierung, Ausrufung, Vorbe-
       reitung, finanzieller  Unterstützung oder Androhung eines Streiks
       oder einer  anderen "irregulären  industriellen Aktion"  wie  Be-
       triebsversammlungen während  der Arbeitszeit,  Ablehnen von Über-
       stunden oder  Dienst nach Vorschrift sind folgende Strafen vorge-
       sehen: a)  Für Gewerkschafter oder andere Individuen: Geldstrafen
       bis zu  3.300 Mark verbunden mit der Androhung von Gefängnis oder
       Beschlagnahme von  Eigentum, b)  Für registrierte Gewerkschaften:
       Geldstrafen bis zu 825.000 DM verbunden mit der Androhung von Ge-
       fängnis oder  Beschlagnahme des  Gewerkschaftseigentums,  c)  Für
       nicht registrierte  Gewerkschaften: Schadenersetzung ohne Höchst-
       grenze, Beschlagnahme  von Eigentum,  hohe Gefängnisstrafen.  Die
       Regierung entzieht  den nicht registrierten Gewerkschaften jegli-
       chen Schutz  des Gewerkschaftsgesetzes,  soweit  davon  überhaupt
       noch etwas übriggeblieben ist.
       5. Regelungen,   nach denen  nur Gewerkschaftsmitglieder in einem
       bestimmten Betrieb  arbeiten dürfen  (closed shop),  werden ille-
       gal." 8)
       Schon die  Wilson-Regierung hatte  versucht ein  ähnliches,  wenn
       auch nicht so scharfes Gesetz einzuführen, war aber am Widerstand
       des linken  Parteiflügels, der  Gewerkschaften und  ihrer eigenen
       sozialen Basis  gescheitert. Wie  damals wird der Widerstand auch
       heute durch  das inoffizielle Verbindungskomitee zur Verteidigung
       der Gewerkschaften  (Liaison Committee  for the  Defence of Trade
       Unions) angeleitet.  In ihm sind Shop Stewards und Gewerkschafts-
       funktionäre organisiert,  die die  Mehrheit der britischen Arbei-
       terklasse vertreten.  Die Kommunistische  Partei hat  hier  einen
       sehr starken Einfluß. Nach riesigen Demonstrationen (etwa 200.000
       Arbeiter demonstrierten  im Februar  1971 in  London) und politi-
       schen Massenstreiks (3 Millionen folgten den Aufrufen des Verbin-
       dungskomitees, der Transportarbeitergewerkschaft TGWU und der Me-
       tallarbeitergewerkschaft AUEW) wurde auf dem Kongreß des Dachver-
       bandes der  britischen Gewerkschaften (TUC) ein Generalstreik ge-
       gen das  Inkrafttreten des Tory-Gesetzes nur knapp angelehnt. Man
       einigte sich  auf folgende  Strategie, um das Gesetz zu unterlau-
       fen: keine  Registrierung einer  Gewerkschaft bei der staatlichen
       Registratur, Boykott  der durch  das Gesetz geschaffenen Behörden
       und Gerichte, Verweigerung der Zahlung von Geldstrafen und Negie-
       rung aller Beschlüsse des Arbeitsgerichtes. Der TUC erklärte sich
       bereit, möglicherweise  entstehende Unkosten für einzelne Gewerk-
       schaften zu  übernehmen, die Kampagne gegen das Gesetz fortzufüh-
       ren und Druck auf die Labour Party auszuüben, es bei der nächsten
       Regierungsübernahme ersatzlos abzuschaffen.
       Zu einer ersten wichtigen Anwendung kam das Gesetz im Frühjahr 72
       beim Lohnkampf  der Eisenbahner. Der Nationale Arbeitsgerichtshof
       (NIRC), der  fast ausschließlich  mit  Aufsichtsratsvorsitzenden,
       bekannten Tories, früheren Kolonialoffizieren und jetzt ins Mana-
       gement abgewanderten früheren rechten Gewerkschaftsbürokraten be-
       setzt ist, ordnete eine 14tägige Abkühlungsphase an. Trotzdem kam
       es während dieser Phase zu Bummelstreiks der Lokomotivführer; das
       Gericht wagte  nicht einzuschreiten.  Am Ende der Abkühlungsphase
       mußten die  Gewerkschaften eine  Urabstimmung über  die  vom  Ge-
       richtshof absichtlich  mißverständlich formulierte  Frage, ob die
       Eisenbahner weitere  Streikaktionen  befürworteten,  durchführen.
       Das Abstimmungsergebnis  ließ die  Verordnung der Urabstimmung zu
       einem Bumerang  für die  Tory-Regierung werden:  eine - in dieser
       Höhe überraschende  - überwältigende Mehrheit stimmte für Streik,
       der aber  aufgrund von  kurz vorher  gemachten weitgehenden Zuge-
       ständnissen nicht  stattfand. Die Tories konnten jedoch ihre Ein-
       kommenspolitik ein  weiteres Mal  nicht  durchsetzen.  Die  zwei-
       felsohne größte  Auseinandersetzung mit  dem Antigewerkschaftsge-
       setz bahnte sich gleichzeitig in der Dockindustrie an.
       
       II. Die Situation in der Dockindustrie
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       Die Arbeitslosigkeit  in Großbritannien  und die  dadurch bedingt
       steigende Unsicherheit  für den Arbeitsplatz großer Teile der Ar-
       beiterklasse trifft  vor allem  einen der traditionell militante-
       sten Teile  der britischen  Arbeiterklasse, die  Dockarbeiter. Am
       Beispiel der  Dockindustrie lassen  sich Probleme  aufzeigen, wie
       sie für  große Teile der britischen Industrie zutreffen: konfron-
       tiert mit  den Erfordernissen des technischen Fortschritts sollen
       die notwendigen  Veränderungen zur  Sicherung und  Steigerung der
       Profite der Unternehmer auf Kosten der Arbeiter durchgeführt wer-
       den.
       Setzt man  die Zahl der Streiktage ins Verhältnis zu der Zahl der
       Beschäftigten, so  stehen die Dockarbeiter in den Jahren nach dem
       Kriege und  nach 1960  wieder an der Spitze aller Streikstatisti-
       ken.
       Selbst die  ständige Reduktion der Zahl der Dockarbeiter hat ihre
       Militanz bis heute nicht schmälern können.
       1956 waren  noch fast  79.000 Arbeiter  in den Docks beschäftigt,
       1967 nur  noch 57.000  und 1970  noch 44.000  Arbeiter. Im Januar
       1970 kündigte  George Cattel,  der Vorsitzende des National Ports
       Modernization Committee,  an, daß  es bis 1975 weniger als 35.000
       Docker in Großbritannien gäbe 9). Ursachen dieser ständigen Frei-
       setzung von  Arbeitskräften in  den Docks ist vor allem die soge-
       nannte Containerrevolution.
       Konnten bisher  pro Mann  30 Tonnen  Fracht in der Woche entladen
       werden, so  bewirkte die Einführung des Containersystem einen An-
       stieg auf  600 Tonnen  Fracht. Dies  bedeutet also  eine  20fache
       Mehrleistung bei gleicher Arbeitskraft.
       Eine gewisse  Sicherung für die Dockarbeiter bedeutet das von der
       Labour-Regierung nach  dem  Kriege  verworfene  Rahmengesetz  für
       Dockarbeit (Dock Labour Scheme - 1947). Dieses Gesetz besagt, daß
       nur lizensierte  Unternehmer Docker  anstellen dürfen,  denen ein
       bestimmter Mindestlohn  zusteht. Es  ist festgelegt, welche Häfen
       und welche  Tätigkeit unter  dieses Gesetz  fallen. Ein Ansteigen
       oder eine  Abnahme der  Größe der in einem Register eingetragenen
       Arbeiterschaft  bedarf  zweiseitiger  Abkommen  zwischen  Gewerk-
       schafts- und  Unternehmerseite. Die Docker haben unter diesem Ge-
       setz die  Möglichkeit einer paritätischen Mitbestimmung über eine
       Reihe wichtiger  Fragen, vor  allem aber über die Fragen von Ein-
       stellungen und  Entlassungen. Darüber  wacht eine paritätisch zu-
       sammengesetzte Dockarbeiterbehörde,  die lokale  Zweigstellen  in
       allen Häfen hat. Die Unternehmer haben immer versucht, diese Ein-
       schränkung ihrer  Machtbefugnisse rückgängig  zu machen,  und sie
       konnten auch mit Erfolg eine Ausweitung dieser Mitbestimmungsmög-
       lichkeiten durch  die Labour-Regierung  im Hafengesetz  von  1969
       verhindern 10).
       Jedoch stellten  die Unternehmer  im Gegensatz zu den Forderungen
       der Gewerkschaftstets nur ca. 70-80% der registrierten Docker an.
       Und auch  von diesen 70-80 % war nur ein Viertel dauernd beschäf-
       tigt, der Rest wurde nach jeweiliger Nachfrage für kurze Zeit an-
       geheuert. Da  der wöchentlich  garantierte Mindestlohn noch unter
       dem Grundlohn  lag und die Gelegenheitsarbeiter weder Krankengeld
       noch Altersrente  bekamen, bestand für den größten Teil der Dock-
       arbeiter eine sozial unsichere Situation 11).
       
       Der Devlin-Report
       -----------------
       
       Um aus  diesem Dilemma  der Gelegenheitsarbeiten  herauszuführen,
       vor allem aber um die Hauptprobleme der Dockindustrie, die Bewäl-
       tigung der Erfordernisse der technischen Umwälzungen und die häu-
       figen Streiks  zu lösen, legte eine von der Regierung eingesetzte
       Kommission unter  Lord Devlin 1965 einen Untersuchungsbericht vor
       12).
       Die Vorschläge von Devlin sahen in der ersten Phase eine Abschaf-
       fung des Systems der Gelegenheitsarbeit, verbunden mit der Siche-
       rung eines  Minimallohns, eines  Krankengeldes und  einer Alters-
       rente, vor.  Wurde die Abschaffung der Gelegenheitsarbeit von den
       Dockern begrüßt,  so bedeutete  die zweite  Phase der Devlin-Vor-
       schläge eine  ernsthafte Bedrohung  der bisherigen Positionen der
       Docker. Ähnlich wie alle Produktivitätsabkommen in der britischen
       Industrie versuchen diese Maßnahmen durch eine Steigerung der Ar-
       beitsintensität, Abschaffung bisheriger Kontrollrechte der Arbei-
       ter und  einer Änderung des Lohnsystems die Produktivität, sprich
       die Profite  des Kapitals  zu erhöhen.  Kurzgesagt sehen die Vor-
       schläge die Einführung der Schicht- und Wochenendarbeit, eine ef-
       fektivere Arbeitsorganisation,  die Erlangung höherer Arbeitsdis-
       ziplin und  eine Abschaffung des Stücklohnsystems zugunsten eines
       Zeitlohnsystems vor,  um bei  der Einführung des Containersystems
       einen Lohnanstieg  zu vermeiden.  Vor allem aber sollte auch ver-
       sucht werden,  die paritätischen  Beratungsgremien über  das  Ar-
       beitskräftepotential, also  eine Mitbestimmungs-  und Kontrollpo-
       sition der  Arbeiter, zu  liquidieren. Dafür wurden bestimmte Si-
       cherheitsgarantien für  die Arbeitsplätze der Docker versprochen,
       die sich  später als irreal erwiesen 13). Devlins Erwartung einer
       Entwicklung "des  gegenseitigen Vertrauens  und voll Harmonie" in
       der Dockindustrie  hat sich  nach Durchführung  der ersten vorge-
       schlagenen Maßnahmen  nicht erfüllen  können. Die Devlin-Reformen
       haben nicht  die Militanz und Solidarität der Dockarbeiter unter-
       graben können.
       Schon bei der Durchführung der ersten Devlin-Vorschläge fand 1967
       ein neunwöchiger  inoffizieller Streik statt, um eine bessere ma-
       terielle Absicherung zu erreichen. Eine Reihe von Auseinanderset-
       zungen fanden in den großen Häfen statt, als die Arbeiter zur Fe-
       stigung ihrer  betrieblichen gewerkschaftlichen  Positionen  Shop
       Stewards wählten  und um  ihre Anerkennung  durch die Unternehmer
       kämpfen mußten.
       Die Shop-Steward-Komitees gingen im wesentlichen aus den bisheri-
       gen inoffiziellen  Hafenarbeiterkomitees hervor,  die nach dem 2.
       Weltkrieg auf  Initiative der  militanten, vor allem der kommuni-
       stischen Arbeiter  entstanden  waren.  Die  Shop-Steward-Komitees
       vereinigten Mitglieder  verschiedener Gewerkschaften in den Docks
       und trugen  wesentlich dazu bei, trotz zwischengewerkschaftlicher
       Konflikte eine solidarische Haltung in den Kämpfen zu entwickeln.
       Der größte  Teil der Dockarbeiter gehört der Transportarbeiterge-
       werkschaft (TGWU)  an, ein  kleinerer Teil,  vor allem in London,
       einer eigenen  Dockergewerkschaft, der  "National Association  of
       Stevedores and  Dockers" (NASD).  Dieser Dockergewerkschaft,  oft
       auch "Blue Union" genannt, schlössen sich in der Zeit der schärf-
       sten antikommunistischen Führung unter Deakin in der Transportar-
       beitergewerkschaft, in  der es  von 1949 bis 1968 für Kommunisten
       verboten war, Funktionen zu bekleiden, viele militante Docker an.
       Diese Dockergewerkschaft gehört bis heute zu den am demokratisch-
       sten strukturierten  Gewerkschaften, in  der beispielsweise  alle
       hauptamtlichen Funktionäre  auch von den Mitgliedern gewählt wer-
       den. Auf  nationaler Ebene bildeten die Shop Stewards in den ein-
       zelnen Häfen  ein inoffizielles  Nationales Shop-Stewards-Komitee
       (National Ports Shop Stewards' Committee), das zu einem wirksamen
       Instrument der Vereinheitlichung des Kampfes auf nationaler Ebene
       wurde. Charakteristisch gerade für die Dockarbeiter als einem der
       kampferfahrensten Teile  der britischen Arbeiterbewegung ist ihre
       einheitliche  Haltung,   die  die   bürgerliche  Presse  oft  als
       "übertriebenen Sinn  für Solidarität"  hinzustellen versucht, die
       aber als  Erfahrung vieler und harter Kämpfe entwickelt wurde und
       in dem gewerkschaftlichen Slogan "Unity is Strength" (Einheit ist
       Stärke) zum Ausdruck kommt.
       Der hohe Grad der gewerkschaftlichen Militanz führte auch zu ent-
       sprechenden materiellen  Erfolgen. 1968  stieg der Durchschnitts-
       verdienst der  Docker auf  schätzungsweise Pfund Sterling 30 (240
       DM) wöchentlich. Im Ergebnis des Streiks 1967 kamen die Liverpoo-
       ler Arbeiter sogar auf Durchschnittsverdienste von Pfund Sterling
       35 (280  DM). 1968  klagten die  Unternehmer, daß  die Lohnkosten
       seit den  ersten Devlin-Maßnahmen  im Gegensatz zur Produktivität
       zwischen 30  und 40%  gestiegen seien.  Sie forderten von der Re-
       gierung für  die Durchführung  der zweiten Phase des Devlin-Plans
       Lohnleitlinien. Im  Juli 1970 stellte ein nationaler Dockerstreik
       mit der  Forderung nach einem neuen erhöhten Grundlohn den Anreiz
       der Produktivitätsabkommen und somit die Effektivität der zweiten
       Phase des  Devlin-Planes  in  Frage.  Das  Kompromißergebnis  des
       Streiks konnte  jedoch die  Einführung der weiteren Maßnahmen des
       Devlin-Planes nicht  verhindern. Immer stärker mußten sich jedoch
       die Aktionen der Dockarbeiter gegen die Auswirkungen der Rationa-
       lisierungsmaßnahmen der  Regierung richten. Ein eintägiger Streik
       von 30.000 Dockern im März 1970 richtete sich gegen die negativen
       Rationalisierungsauswirkungen und  machte als Alternative zur ge-
       genwärtigen Politik  der Labour-Regierung die vollständige Natio-
       nalisierung der  Dockindustrie mit  paritätisch besetzten Vertre-
       tungsorganen deutlich.
       Trotz der  Versprechungen der  Regierung, die Arbeitsplätze durch
       die Durchführung der Devlin-Vorschläge zu sichern, verloren schon
       während der Durchführung der ersten Phase 13.000 Dockarbeiter ih-
       ren Job:
       
       Häfen:                     registrierte Dockarbeiter   Abnahme um
                                        1969        1970
       
       London                         18.259      16.573           9,2%
       Liverpool                      11.430      10.789           7.0%
       Hull                            3.544       3.126          12,0%
       Manchester                      1.959       1.861           5,0%
       Südküste (einschl. Southampton) 1.851       1.728           7,0%
       alle Häfen                     48.785      44.588           9,0%
       _____
       Quelle: Bill Dunn: DOCKS! THE FICHT FOR JOBS, London 1972.
       
       Die obige  Tabelle zeigt,  daß in den Jahren 1969/70 die Zahl der
       Beschäftigten in  den größten  britischen Häfen  ständig gesunken
       ist -  im übrigen bei einer ständigen Steigerung der Leistung der
       Häfen.
       Um ein  zusätzliches Mittel  zur Reduzierung der Arbeitskräfte zu
       gewinnen, führten  die Dockunternehmer  1971 als  Anreiz zu einem
       freiwilligen Ausscheiden  für Dockarbeiter eine Abfindungszahlung
       bis zu  Pfund Sterling  2.330 (fast  19.000 DM)  ein 14).  Da das
       Durchschnittsalter  der  Dockarbeiter  überdurchschnittlich  hoch
       liegt, ist  die Zahl  derjenigen, die  von dieser Möglichkeit des
       Ausscheidens aus  der Dockertätigkeit  Gebrauch  machen,  relativ
       hoch 15).  Obwohl seit  den Vorschlägen  von Devlin  die Gelegen-
       heitsarbeit ebenso  wie die  Nichtbeschäftigung von registrierten
       Dockern der  Vergangenheit angehören  sollte, gibt  es immer noch
       (bis September 1972) einen ständigen Stamm von nichtbeschäftigten
       Dockern, die  in ein  Register für  zeitweilig  Nichtbeschäftigte
       (Temporarily Unattached  Register - TUR) eingetragen sind. Dieser
       Stamm von  arbeitslosen Dockern,  im August  1972 waren es 1.700,
       erhält nur  einen Mindestlohn von 20 Pfund (ca. 160 DM) die Woche
       und kann von den Unternehmern immer als eine disziplinierend wir-
       kende Reservegruppe benutzt werden.
       Die Zahl  der Beschäftigten  ist in den Docks in den letzten fünf
       Jahren um  20.000 Mann  gesunken. Nach Schätzungen des Nationalen
       Hafenrates (National Ports Council) wird sie in den nächsten drei
       Jahren um  weitere 10.000  verkleinert werden  16).  Hauptursache
       ist, wie  schon an  anderer Stelle erwähnt wurde, die immer zahl-
       reichere Errichtung  von Container-Docks,  deren Auswirkungen  in
       immer stärkerem Maße spürbar sind. Schätzungsweise werden 90% des
       Handels zwischen  Großbritannien und  Australien und 80% des Han-
       dels zwischen  Großbritannien und  den Atlantikhäfen  der USA  in
       Containern abgefertigt  werden, was für die alten Häfen eine Ver-
       minderung des Umschlags von 50% bedeutet 17).
       Mit der  Entwicklung immer  neuer Container-Docks fördern die Un-
       ternehmer die  Entwicklung von nichtregistrierten, d.h. nicht dem
       Rahmengesetz für  Hafenarbeit (Dock Labour Scheme) unterliegenden
       Häfen wie Felixstowe, Shoreham, Newhaven, Dover und viele andere.
       Durch zusätzliche  Abkommen über  Entladen und Transport der Con-
       tainer  zwischen   den  Container-Schiffahrtsgesellschaften   und
       Transportunternehmern und  der britischen  Eisenbahn  nehmen  sie
       weitere Arbeitsbereiche aus dem traditionellen, durch das Rahmen-
       gesetz geschützten Dockbereich heraus. Die Motive der Unternehmer
       sind eindeutig.
       Während innerhalb des traditionellen Dockbereichs sich die Arbei-
       ter eine  bestimmte Lohnhöhe  in harten  Auseinandersetzungen er-
       kämpft haben, werden in den neuen Container-Docks bedeutend weni-
       ger und  billigere Arbeitskräfte  eingestellt. Außerdem haben au-
       ßerhalb des  traditionellen Hafenbereichs die im Rahmengesetz für
       Hafenarbeit festgelegten  relativen Sicherheitsgarantien, wie die
       gemeinsame Kontrolle  über Einstellungen  und Entlassungen  durch
       paritätisch besetzte  Gremien, keine  Gültigkeit. Die Unternehmer
       und die Regierung haben damit auch die Möglichkeit, Hafenarbeiter
       gegen Hafenarbeiter  und Eisenbahner und andere Transportarbeiter
       gegen die  Docker auszuspielen. Im Prinzip eine Methode, die nach
       der Devise  "teile und  herrsche" immer schon von der Bourgeoisie
       gegen die Arbeiterklasse angewandt wurde.
       Die bürgerliche Presse versucht, die Dockarbeiter oft als Maschi-
       nenstürmer darzustellen,  die sich  gegen den notwendigen techni-
       schen Fortschritt  zur Wehr  setzen und  zudem nur  ihre berufse-
       goistischen Interessen  vertreten. Dabei  wird verschwiegen,  daß
       die Docker sich keineswegs gegen die Ablösung der alten, oft sehr
       gefährlichen Entladungsmethoden  durch das  moderne und rationel-
       lere Containerverfahren  wehren. Ihr  Kampf richtet sich vielmehr
       gegen die  vom kapitalistischen Profitprinzip diktierten, inhuma-
       nen Methoden bei der Einführung technischer Neuerungen, mit denen
       versucht wird,  die traditionelle  Kampfkraft der Dockarbeiter zu
       untergraben, um den technischen Fortschritt nicht zugunsten huma-
       nerer Arbeitsbedingungen  für die  Arbeiter sondern zugunsten der
       Profitsteigerungen im Interesse der nichtarbeitenden Dockeigentü-
       mer anzuwenden.
       Die zentralen Forderungen der Dockarbeiter zur Verteidigung ihrer
       Arbeitsplätze sind  deshalb: keine  Entlassungen; alle Container-
       Häfen müssen unter das Rahmengesetz für Dockarbeit fallen und nur
       registrierte Arbeiter  dürfen beschäftigt  werden; Beendigung des
       Systems der  zeitweiligen Nichtbeschäftigung (TÜR); eine 30-Stun-
       denwoche, mehr  Urlaub und  eine frühzeitigere  und höhere Rente.
       Sie sehen  dabei, daß der Kampf zur Durchsetzung dieser Forderun-
       gen verbunden  werden muß  mit dem  Kampf um  Verstaatlichung der
       Dockindustrie und der Schiffahrt.
       
       III. Der Kampf der Dockarbeiter
       -------------------------------
       
       In einem  Flugblatt des Londoner Hafen-Shop-Stewards-Komitee, das
       im Frühjahr  1972 verteilt  wurde, heißt  es: "Eure Shop Stewards
       haben ständig  darauf hingewiesen,  daß die  größte Bedrohung für
       die Arbeitsplätze  der Dockarbeiter  - neben allen neuen Ent- und
       Beladungsmethoden, die  in den  meisten Fällen  weniger  Arbeits-
       kräfte mit  höheren Leistungen  bedeuten  -  die  Anstellung  von
       nichtregistrierten Arbeitskräften in den Häfen bedeutet. Die Shop
       Stewards glauben,  daß diesen  nichtregistrierten Unternehmen der
       volle Kampf erklärt werden muß, wenn wir unsere Arbeitsplätze be-
       halten wollen."
       Das Nationale  Hafen-Shop-Stewards-Komitee hatte beschlossen, die
       ständig zunehmenden  Containerfirmen, die durch Anstellung nicht-
       registrierter, billigerer  Arbeitskräfte sich höhere Profite ver-
       sprachen, durch  Kampfmaßnahmen zu zwingen, nur registrierte Doc-
       ker anzustellen.  Die Liverpooler  Dockarbeiter begannen  mit den
       Verteidigungsmaßnahmen, indem  sie durch Aufstellen von Streikpo-
       sten bei  zwei Containerfirmen  die Verrichtung  jeglicher Arbeit
       verhinderten. Durch  diesen Boykott  (blacking) der  zwei  Depots
       sollte ein  Containerunternehmen nach  dem anderen gezwungen wer-
       den, den  Forderungen der Dockarbeiter nachzukommen. Im Juni 1972
       waren es  schließlich 87  Containerfirmen, die  durch den Boykott
       der Arbeiter betroffen waren 18).
       
       1. Der Konflikt mit dem Antigewerkschaftsgesetz 19)
       ---------------------------------------------------
       
       Die Gegner des Antigewerkschaftsgesetzes hatten immer darauf hin-
       gewiesen, daß  dieses Gesetz  von der  Tory-Regierung  geschaffen
       wurde, um  den offenen  Angriff auf den Lebensstandart der Arbei-
       terklasse und  die demokratischen  Rechte im  Interesse der herr-
       schenden Klasse  durchführen zu  können. Sie hatten dabei die von
       rechten Gewerkschaftsfunktionären  verbreitete Illusion bekämpft,
       dieses Gesetz  käme niemals zur Anwendung. Die Entwicklung bestä-
       tigte ihre Einschätzung.
       Einige Wochen  nach Inkrafttreten  des Gesetzes  klagten die zwei
       durch die  Boykottmaßnahmen betroffenen  Containerfirmen  Heatons
       und Bishops  Wharf bei  den neugeschaffenen Nationalen Arbeitsge-
       richtshof (NIRC).  Das Gericht  gab der  Klage statt und forderte
       die  Transportarbeitergewerkschaft  (TGWU-Transport  und  General
       Workers' Union)  als die größte Gewerkschaft unter den Dockarbei-
       tern auf,  eine Beendigung  der Boykottmaßnahmen  durch ihre Mit-
       glieder und  Shop Stewards anzuweisen. Grundlage dieser Entschei-
       dung war  die Auffassung  des Gerichts,  daß die Gewerkschaft für
       die Aktionen  der Shop Stewards als ihre gewerkschaftlichen Funk-
       tionäre in  den Betrieben  verantwortlich sei:  Dabei berief sich
       das Gericht  auf die  gewerkschaftliche Satzung  und das Handbuch
       für Shop  Stewards der  TGWU, in  denen ausgeführt  wird, daß die
       Shop Stewards  die volle Unterstützung und den Schutz der Gewerk-
       schaft erhalten.  Damit zeigt  sich auch in diesem Gerichtsurteil
       ein wesentliches  Ziel des Antigewerkschaftsgesetzes, nämlich die
       Gewerkschaften zu  einer Selbstdisziplinierung  ihrer  militanten
       Basis zu zwingen, um damit das Rückgrat der organisierten Gewerk-
       schaftsbewegung zu treffen.
       Die TGWU  erschien gemäß den TUC-Beschlüssen über die Nichtzusam-
       menarbeit mit den durch das Gesetz geschaffenen Institutionen we-
       der bei der Gerichtsverhandlung noch folgte sie der gerichtlichen
       Anordnung. Das  Gericht verurteilte daraufhin die Transportarbei-
       tergewerkschaft zu  einer Strafe von 5.000 Pfund (ca. 40.000 DM).
       Eine Massenversammlung  der Liverpooler Dockarbeiter unterstützte
       einmütig die  Haltung der TGWU und beschloß, trotz der Strafe ge-
       gen die  Gewerkschaft den  Boykott fortzusetzen.  Der  Arbeitsge-
       richtshof reagierte  darauf mit einer weiteren Strafe von diesmal
       50.000 Pfund  (ca. 400.000 DM) und drohte, falls die Strafe nicht
       gezahlt würde,  folge ein  Erlaß über  eine Vermögensbeschlagnah-
       mung.
       Offensichtlich eingeschüchtert  durch diese  Eskalation  der  ge-
       richtlichen Sanktionsmaßnahmen  versuchten einige  Gewerkschafts-
       funktionäre der  TGWU die Shop Stewards zu einer Aufgabe des Boy-
       kotts zu  bewegen, um  eine weitere Zuspitzung zu vermeiden. Eine
       solche Kapitulation  wurde aber von den Liverpooler Shop Stewards
       zurückgewiesen. Stattdessen  begannen in einer Reihe weiterer Hä-
       fen wie  London, Hull  und Manchester  die Dockarbeiter  mit  den
       gleichen Kampfmaßnahmen  gegen die  nichtregistrierten Container-
       firmen.
       Eine Schwächung  dieser sich  ausweitenden Kampffront der Dockar-
       beiter und  darüber-hinaus der gesamten Gewerkschaftsbewegung be-
       deutete in  dieser Situation  das Zurückweichen  des TUC-General-
       rates (Trades Union Congress - britischer Dachverband der Gewerk-
       schaften), der auf seiner Sitzung am 26. April eine Empfehlung an
       die TGWU  beschloß, die  Strafe zu zahlen. Vic Feather, der Gene-
       ralsekretär des  TUC, erklärte, es sei Hauptziel der Gewerkschaf-
       ten, eine  Neuwahl zu  erzwingen, um  durch eine Labour-Regierung
       das Gesetz  revidieren zu  lassen. Der "Morning Star", die Tages-
       zeitung der KPGB, stellte dazu fest: "Feathers Erklärung, daß die
       Durchsetzung einer  Neuwahl die  Priorität der  TUC-Politik  sei,
       zeigt, wie falsch der Rückzug des TUC-Generalrates im Kampf gegen
       das Antigewerkschaftsgesetz  ist. Denn dieses Gesetz ist der Kern
       der Tory-Politik,  und jede  Schwächung des Kampfes gegen das Ge-
       setz hilft  der Regierung, im Amt zu bleiben. Durch den Beschluß,
       sich vor dem Arbeitsgericht zu verteidigen und die Strafe zu zah-
       len, verletzt  der Generalrat  die Beschlüsse,  die von den Dele-
       gierten im  letzten Jahr gefaßt wurden, nämlich nicht mit dem Ge-
       setz oder seinen Institutionen zusammenzuarbeiten... Eine Neuwahl
       zu erzwingen  muß bedeuten, die Regierung auf allen Ebenen zu be-
       kämpfen." (2.5.72)
       Eine Reihe  von Gewerkschaften, unter anderem die Bergarbeiterge-
       werkschaft (NUM)  und die Metallarbeitergewerkschaft (AUEW), kri-
       tisierten scharf  diesen Beschluß  des TUC-Generalrates  und  be-
       zeichneten ihn  als einen  beschämenden  Verstoß  gegen  die  Be-
       schlüsse des  letzten Gewerkschaftskongresses. Das Koordinations-
       komitee für  die Verteidigung der Gewerkschaften (Liaison Commit-
       tee for Defence of Trade Unions), das jahrelang die militante Op-
       position gegen  das Antigewerkschaftsgesetz  geführt hatte,  rief
       auf, die 1. Mai-Demonstrationen unter anderem unter folgenden Lo-
       sungen zu  stellen: "Nichtzahlung der Geldstrafen durch die TGWU:
       keine disziplinarischen  Maßnahmen der  TGWU gegen  Mitglieder in
       den Docks;  sofortige Einberufung eines außerordentlichen Gewerk-
       schaftskongresses."
       Der Vorsitzende des Koordinationsausschusses erinnerte daran, daß
       eine größere Streikbewegung die Verabschiedung des Gesetzes hätte
       verhindern können.  Er schlußfolgerte  daraus: "Nur eine schnelle
       Mobilisierung der  gewerkschaftlichen  Basis  und  Massenaktionen
       kann die  Regierung zum  Halt bringen und den Generalrat zwingen,
       die beschlossene  TUC-Politik auszuführen."  20) Obwohl am 1. Mai
       Zehntausende von  Arbeitern  in  Streiks  und  gewerkschaftlichen
       Demonstrationen ihre  Zustimmung zu  den vom Koordinationskomitee
       formulierten Forderungen zum Ausdruck brachten (der 1. Mai ist in
       Großbritannien kein  gesetzlicher Feiertag), folgte die TGWU-Füh-
       rung in  ihrer Sitzung  am 1.  Mai dem  Beschluß des TUC-General-
       rates. Mit  nur einer  Stimme Mehrheit beschloß die Exekutive der
       TGWU, die  Strafe "unter starkem Protest" zu zahlen. Gleichzeitig
       forderte  die  Gewerkschaftsexekutive  die  Zurückerstattung  des
       Geldes vom TUC und drohte im Falle einer Weigerung mit der Einbe-
       haltung der  Mitgliedsgelder. Ebenso  verlangte sie, einer ähnli-
       chen Forderung  des Koordinationsausschusses und der Metallarbei-
       tergewerkschaft entsprechend, die sofortige Einberufung eines au-
       ßerordentlichen Gewerkschaftskongresses,  auf dem erneut eine ge-
       meinsame Politik  aller Gewerkschaften  unter den jetzigen Bedin-
       gungen diskutiert und festgelegt werden sollte. Als der Gerichts-
       hof am 3. Mai wieder zusammentrat erschien die TGWU erstmalig vor
       Gericht. Das  Zurückweichen der TGWU-Führung und die Akzeptierung
       der Linie  der rechten  Mehrheit im  TUC-Generalrat ist  von umso
       größerer Bedeutung,  da die  Transportarbeitergewerkschaft  nicht
       nur die größte britische Gewerkschaft ist, sondern vor allem seit
       der Wahl von Jack Jones als Generalsekretär zu den progressivsten
       Gewerkschaften gezählt werden muß 21).
       Ein Beispiel  für eine  konsequente Verfolgung der TUC-Beschlüsse
       und damit  der prinzipiellen Ablehnung der Zusammenarbeit mit In-
       stitutionen des Antigewerkschaftsgesetzes demonstrierte zur glei-
       chen Zeit  die Metallarbeitergewerkschaft  (AUEW), deren  Sektion
       der technischen  Angestellten (TASS,  früher DATA)  in einen Kon-
       flikt über  das Recht der vollen gewerkschaftlichen Organisierung
       in einem Betrieb einbezogen wurde, der dann vor das Nationale Ar-
       beitsgericht kam.  Die TASS  ignorierte mit  voller Unterstützung
       der AUEW-Exekutive  sämtliche Beschlüsse  und Anweisungen des Ge-
       richtes und  konnte durch  Kampfmaßnahmen ihrer Mitglieder in dem
       Betrieb die Auseinandersetzung zu ihren Gunsten entscheiden.
       In der  Mitgliedschaft der  Transportarbeitergewerkschaft, in den
       Docks und  den Shop-Stewards-Komitees  stieß die Entscheidung der
       TGWU-Führung auf harte Kritik. Auf Versammlungen der Dockarbeiter
       wurde beschlossen,  den  Boykott  bestimmter  Containerfirmen  in
       vollem Umfang  fortzusetzen. Umso mehr begrüßt wurde hingegen der
       Beschluß der  Delegiertenkonferenz der  in der TGWU organisierten
       Dockarbeiter, der  einen Streik zur Unterstützung der Forderungen
       nach besserem  Mindestlohn, mehr Urlaub und nach einem verbindli-
       chen Abkommen  über das Entladen der Container durch registrierte
       Arbeiter mit einer Warnfrist von 28 Tagen ankündigte.
       Als der  Gerichshof erkannte,  daß die  Kampfentschlossenheit der
       Dockarbeiter nach  wie vor  ungebrochen war, verlangte er von der
       TGWU harte Maßnahmen gegen die Shop Stewards. Der NIRC teilte der
       Gewerkschaft anmaßend mit, daß die Liverpooler Stewards bei einer
       Fortsetzung des  Boykotts sich  "des Vertrauens  der Gewerkschaft
       und ihres Amtes unwürdig erweisen würden". Obwohl das Gericht re-
       alistisch voraussah,  daß ein  Entzug der  gewerkschaftlichen Zu-
       stimmung für  die Shop Stewards "zu einem Streik und damit zu ei-
       nem großen  Schaden für  die Wirtschaft  führen könnte", sei dies
       nur ein  kurzfristiges Risiko. Wichtiger sei, meinte das Gericht,
       "daß wir  ein ordentliches  System der  industriellen Beziehungen
       herstellen" 22).
       
       2. Die Vereinheitlichung des Kampfes
       ------------------------------------
       
       In den  Kampf der  Dockarbeiter gegen das Antigewerkschaftsgesetz
       alle Teile  der Arbeiterklasse einzubeziehen, durch Druck die Ge-
       werkschaftsführungen zu  einer konsequenten,  militanten  Politik
       gegen das  Gesetz zu  zwingen und eine einheitliche Kampffront zu
       errichten -  das waren  die zentralen  Aufgaben, die sich für die
       britische Arbeiterbewegung stellten.
       Eine Mehrheit  im TUC-Generalrat hatte trotz dieser Situation die
       Einberufung eines Sonderkongresses abgelehnt.
       Das Koordinationskomitee für die Verteidigung der Gewerkschaften,
       das schon im Kampf gegen die Gesetzesvorlage die wichtigste Rolle
       in der Zusammenfassung aller militanten Kräfte der Gewerkschafts-
       bewegung gespielt hatte, veranstaltete am 10. Juni eine nationale
       Konferenz, auf  der über  die oben  genannten Aufgaben diskutiert
       und beschlossen  werden sollte. In den Fabriken und Bergwerken/in
       den Schiffswerften  und auf den Docks wurden von den Gewerkschaf-
       ten Delegierte  zu dieser Konferenz in London gewählt. Über 1.200
       Delegierte aus  91  Shop-Stewards-Komitees,  50  Trades  Councils
       (lokale Gewerkschaftskartelle),  31 Distriktkomitees  der Gewerk-
       schaften und  über 300  Gewerkschaftsgruppen repräsentierten  die
       kampferfahrensten und  militantesten Teile  der britischen Arbei-
       terbewegung. Shop Stewards von den Upper-Clyde-Schiffswerften und
       aus dem  Bergbau werteten  die Erfahrungen der zwei bedeutendsten
       und erfolgreichsten Aktionen der britischen Arbeiterklasse in den
       letzten Jahren  aus. Vertreter  der Dockarbeiter, Eisenbahner und
       der TASS-Mitglieder berichteten der Konferenz über ihre Erfahrun-
       gen mit  dem Antigewerkschaftsgesetz und riefen zur aktiven Soli-
       darität auf.
       Entgegen den  Empfehlungen einiger trotzkistischer "Ratgeber" der
       Arbeiterbewegung, die den Hauptwiderspruch gerne zwischen der ge-
       werkschaftlichen Basis  und einer  "Gewerkschaftsbürokratie" kon-
       struieren, machte  die Konferenz  deutlich, daß es aktuelles Ziel
       der militanten  Gewerkschafter  ist,  die  Gewerkschaftsführungen
       durch den  Druck der organisierten Bewegung zu einer konsequenten
       Opposition gegen  das Antigewerkschaftsgesetz  zu zwingen und den
       politischen Einfluß des rechten Flügels innerhalb der Arbeiterbe-
       wegung zurückzudrängen.
       Die Konferenz  verabschiedete eine  Erklärung, in der die Analyse
       der gegenwärtigen  Situation  mit  der  Bestimmung  der  nächsten
       Kampfziele verbunden  wird: "Das  Antigewerkschaftsgesetz wird in
       genau der  Weise angewandt,  wie das Koordinationskomitee es war-
       nend vorhergesehen  hat. Sein  Ziel wird  immer offensichtlicher,
       nämlich die  Gewerkschaftsbewegung zu lahmen, ihre Fähigkeit, die
       Interessen der  Gewerkschafter zu  schützen und durchzusetzen, zu
       zerstören und  vor allem die Shop Stewards jeglicher Macht zu be-
       rauben mit  dem Ziel,  sie in  zahme Puppen einer zentralisierten
       Bürokratie zu  verwandeln. In dieser Situation ist das Zurückwei-
       chen der  Mehrheit des  TUC-Generalrates ein Verrat an den Inter-
       essen der  Bewegung. Zu  diesem Zeitpunkt  großer Gefahr  für die
       Existenz unabhängiger  Gewerkschaften ... ist diese Konferenz von
       Delegierten aus  Shop-Stewards-Komitees, Gewerkschaftsgruppen und
       Trades Councils  entschlossen, alles  in ihrer Kraft liegende bei
       der Mobilisierung einer Bewegung in einem umfassenden Kampf gegen
       das Antigewerkschaftsgesetz  zu tun, um es bis zum Zeitpunkt sei-
       ner Aufhebung unwirksam zu machen. Die Schwerpunkte einer solchen
       Kampagne müssen sein:
       1. jegliche Einmischung  in industrielle Angelegenheiten oder An-
       weisungen an  Gewerkschaften oder Gewerkschafter durch irgendwel-
       che Institutionen des Gesetzes zu ignorieren und standzuhalten;
       2. Solidaritätsmaßnahmen einschließlich  von Arbeitskampfaktionen
       mit den  Gewerkschaften, Shop-Stewards-  oder Arbeitergruppen  zu
       organisieren, die durch den Staat angegriffen sind;
       3. die gesamte  Bewegung mit allen Formen des Kampfes einschließ-
       lich nationaler Streikaktionen gegen das Gesetz einzubeziehen."
       Die Erklärung  hebt vor  allem die standhafte Haltung der Dockar-
       beiter im  Kampf gegen  das Gesetz hervor. Die Delegierten versi-
       chern weiter,  die Führungen  aller Gewerkschaften unter Druck zu
       setzen, um  die beschlossene  Politik der Nichtzusammenarbeit mit
       den Institutionen des Gesetzes durchzuführen. In diesem Zusammen-
       hang fordern  sie erneut  die Einberufung  eines Sonderkongresses
       des TUC  und die  Beendigung jeglicher Gespräche und Formen aller
       Zusammenarbeit mit der Regierung. Abschließend ruft die Konferenz
       zu nationalen  Streikaktionen am  Tag des  TUC-Kongresses auf, um
       die Kampfbereitschaft  der Arbeiter  gegen das Gesetz deutlich zu
       machen 23).
       
       3. Erste Erfolge
       ----------------
       
       Wenige Tage  nach der  Konferenz kam  es zu einer Auseinanderset-
       zung, die  sich zu  der bisher größten Machtprobe zwischen Regie-
       rung und  Gericht und  den Dockarbeitern seit der Wirksamkeit des
       Antigewerkschaftsgesetzes entwickelte.
       Ein Containerunternehmen, das durch die Docker boykottiert wurde,
       reichte gegen  drei leitende Shop Stewards, u.a. gegen die Kommu-
       nisten Bernie  Steer, Sekretär  und Vic  Turner, Vorsitzender des
       Nationalen Hafen-Shop-Stewards-Komitees, eine Klage beim Nationa-
       len Arbeitsgerichtshof  ein. Die  Arbeiter weigerten  sich jedoch
       vor Gericht  zu erscheinen,  das sie anwies, die Boykottmaßnahmen
       sofort zu beenden.
       Die Shop  Stewards ignorierten nach wie vor die gerichtlichen An-
       weisungen, Als  sich erneut die Dock-Delegierten der TGWU trafen,
       streikten am  14. Juni 30.000 der 42.000 britischen Dockarbeiter,
       um ihre Bereitschaft zur Durchsetzung ihrer Forderungen zu demon-
       strieren. Die Konferenz entsprach jedoch nicht diesem eindeutigen
       Votum, sondern  schob die  Streikaktionen um weitere sechs Wochen
       heraus.
       Überraschend faßte zur gleichen Zeit ein Berufungsgericht den Be-
       schluß, die  bisherige 55.000  Pfund-Strafe gegen die TGWU zu wi-
       derrufen, wobei  das Gericht  entgegengesetzt zum  NIRC  argumen-
       tierte, die Gewerkschaften seien für die Aktionen ihrer Shop Ste-
       wards nicht verantwortlich.
       Nach dieser  Entscheidung des  Berufungsgerichtes, durch  die das
       NIRC wahrscheinlich seine Autorität verletzt fühlte und durch den
       wachsenden Widerstand  der  herausgefordert,  entschied  der  Ge-
       richtshof, hart durchzugreifen und die Festnahme der drei Docker-
       führer anzuordnen.  In einer Erklärung zu diesem Beschluß glaubte
       der Vorsitzende  des Gerichtes, Sir John Donaldson, sich mit sei-
       nem aristokratischen  Humor über  ein Transparent  mit  der  Auf-
       schrift "Steht  auf ihr  Arbeiter" (Arise  ye Workers),  das  die
       Dockarbeiter bei  den Streiks  mit sich führten, mokieren zu müs-
       sen. Er kommentierte, es sei "ein wenig altmodisch" und "sehr un-
       passend".
       Die Dockarbeiter demonstrierten nach der Herausforderung des NIRC
       dem arroganten Sir John die Aktualität der Losung. Zur Unterstüt-
       zung der  durch Verhaftung  bedrohten drei Londoner Shop Stewards
       wurde die  Arbeit in  allen  wichtigen  Häfen  niedergelegt.  Die
       Dockergewerkschaft  NASD   erklärte  den  Streik  für  offiziell.
       Arbeiter des  großen Autokonzerns British Leyland solidarisierten
       sich spontan durch Arbeitsniederlegungen. In unzähligen Betrieben
       drohten die  Belegschaften mit  Streik im  Falle einer Verhaftung
       der drei Gewerkschafter.
       Der Boykott des Containerunternehmens wurde fortgesetzt. Tausende
       von Dockarbeitern versammelten sich an dem Containerdepot zur Un-
       terstützung der  Streikposten und, um den Gerichtsvollzieher, der
       die Verhaftung  durchführen sollte,  zu empfangen. Die spontanen,
       machtvollen Solidaritätsaktionen  zeigten ein schnelles Ergebnis:
       statt des  Gerichtsvollziehers kam die Nachricht, die Haftbefehle
       seien aufgehoben. Die Arbeiter hatten damit der Regierung und dem
       Gericht eine empfindliche Niederlage bereitet.
       Falsch wäre  es sicherlich, die Aufhebung der 55.000 Pfund-Strafe
       und der  Haftbefehle durch  das Berufungsgericht mit der Existenz
       einer letztlich doch "unabhängigen, unparteiischen" Justiz zu er-
       klären. Offensichtlich  handelt es sich bei diesem unterschiedli-
       chen Vorgehen  um zwei  verschiedene  Taktiken  der  herrschenden
       Klasse. Versucht  das Nationale Arbeitsgericht, (NIRC) durch dra-
       konische Maßnahmen den Widerstand der Arbeiter zu brechen und die
       Gewerkschaftsführungen zu einer Disziplinierung der Shop Stewards
       zu zwingen,  so handelt  es sich  bei der  Entscheidung des Beru-
       fungsgerichts um  die Absicht,  den Konflikt  mit der solidarisch
       reagierenden Arbeiterklasse  nicht durch  eine weitere Eskalation
       von staatlichen  Maßnahmen zu  verschärfen, sondern  die  Gewerk-
       schaftsführungen durch  ihre flexiblere  Taktik zu  einer Aufgabe
       der Politik  der strikten Nichtzusammenarbeit mit den Institutio-
       nen des Antigewerkschaftsgesetzes zu gewinnen.
       Wichtig für  die Arbeiterklasse  war jedoch vor allem die erneute
       Erfahrung, daß durch eine konsequente Haltung gegenüber dem reak-
       tionären Gesetz  und durch einheitliches Handeln die Regierung zu
       Zugeständnissen gezwungen werden kann.
       An den  darauffolgenden Tagen  erzielten die Dockarbeiter weitere
       Erfolge im  Kampf um  ihr Recht  auf Arbeit.  Die Containerfirmen
       Chobham Farm und Bishops Wharf stimmten in einem Abkommen zu, daß
       sämtliche Containerarbeiten  in Zukunft von registrierten Dockern
       verrichtet würden  und den  jetzigen  Arbeitskräften  andere  Ar-
       beitsplätze garantiert  seien. Damit  wurde auch erneut deutlich,
       daß die  Dockarbeiter ihre Arbeitsplätze nicht auf Kosten anderer
       Arbeitergruppen erhalten  wollen, sondern  daß der  Kampf um  das
       Recht auf Arbeit im Interesse der gesamten Arbeiterklasse liegt.
       
       4. Der Sieg über die Tory-Regierung
       -----------------------------------
       
       Kein Dockarbeiter hatte sich wohl nach dem ersten Erfolg im Kampf
       gegen das  Antigewerkschaftsgesetz der  Illusion hingegeben,  die
       Tory-Regierung ließe  nun das  Gesetz in  der  Schublade  liegen.
       Nachdem einige  Wochen später ein Containerunternehmen erneut ein
       Verbot der  Boykottmaßnahmen vom  NIRC gefordert  hatte  und  die
       Dockarbeiter sich  selbstverständlich wiederum weigerten, den An-
       ordnungen dieses  Gerichtes Folge zu leisten, erließ das Arbeits-
       gericht am  21. Juli einen Haftbefehl gegen fünf Führer der Dock-
       arbeiter, unter  ihnen wieder Bernie Steer und Vic Turner vom Na-
       tionalen Hafen-Shop-Stewards-Komitee.  Einige  Stunden  nach  Be-
       kanntwerden der Nachricht marschierten Tausende von Dockarbeitern
       aus den  Häfen und  protestierten gegen  die Verhaftung. Am Abend
       streikten 26.000 Docker. Am nächsten Tag standen sämtliche briti-
       sche Häfen  still. Die Arbeiter kündigten an, bis zur Freilassung
       ihrer Kollegen zu streiken.
       Die ersten  Reaktionen bewiesen, daß die Regierung ihr Ziel nicht
       erreicht hatte,  die Docker zu isolieren und die öffentliche Mei-
       nung gegen sie zu wenden, um dann dem Gericht Spielraum zu geben,
       die gesamte  Macht des  Antigewerkschaftsgesetzes gegen sie anzu-
       wenden. Die LKW-Fahrer, die von Containerfirmen beschäftigt waren
       und von  denen einige  in der Auseinandersetzung um Arbeitsplätze
       gegen den  Kampf der  Docker aufgetreten  waren,  solidarisierten
       sich spontan und traten gemeinsam mit ihren Kollegen in den Docks
       in den  Streik. Diese Reaktion beweist am deutlichsten das Schei-
       tern der Taktik der Regierung.
       Die Kommunistische  Partei rief  in einer ersten Erklärung zu so-
       fortiger aktiver  Solidarität auf.  Die fünf  Dockarbeiter hätten
       nichts anderes  getan, als  die beschlossene  Politik der organi-
       sierten Gewerkschaftsbewegung auszuführen. "Der TUC muß die volle
       Stärke der gesamten Bewegung mobilisieren einschließlich nationa-
       ler Streikaktionen. In dieser Auseinandersetzung kann und muß die
       Arbeiterklasse siegreich sein." 24)
       Der stellvertretende  Generalsekretär  der  Metallarbeitergewerk-
       schaft, Ernie  Roberts, rief  zu einheitlichen Kampfaktionen auf:
       "Wenn Gewerkschafter durch das kapitalistische Gesetz angegriffen
       sind, ist  es Zeit für alle Arbeiter, unabhängig von allen Diffe-
       renzen zur Verteidigung zusammenzustehen." 25)
       Es setzte eine enorme Solidarisierungswelle in allen Teilen Groß-
       britanniens ein.  Am Wochenende waren sämtliche Dockarbeiter, die
       Beschäftigten bei  allen nationalen  Tageszeitungen, die  gesamte
       Arbeiterschaft in den walisischen Bergwerken und Stahlwerken, die
       Londoner Busfahrer und Arbeiter aus allen Bereichen der Industrie
       in den Streik getreten. Am Anfang der nächsten Woche verbreiterte
       sich die  Streikwelle in  immer größeren Bereichen der Industrie.
       Selbst Teile der Londoner Lehrerschaft traten in den Ausstand.
       Der Aufruf  zur Solidarität fand ebenso ein internationales Echo.
       Französische, westdeutsche  und niederländische Hafenarbeiter be-
       schlossen, britische  Schiffe zu boykottieren. Die Internationale
       Transportarbeiter-Föderation (ITWF)  rief  ihre  sechs  Millionen
       Mitglieder auf, die Streikaktionen der britischen Kollegen zu un-
       terstützen.
       Nachdem am  Dienstag Tausende von Arbeitern in einer Massendemon-
       stration zum  Sitz des  Nationalen Arbeitsgerichts  zogen und die
       Freilassung ihrer  fünf Kollegen  forderten, beschloß am Mittwoch
       auf Antrag  von Hugh Scanion, dem Präsidenten der AUEW, der Gene-
       ralrat des TUC, am kommenden Montag den Generalstreik auszurufen,
       falls die Docker nicht aus dem Gefängnis entlassen würden.
       Einige Stunden  später gab  das Nationale Arbeitsgericht in einer
       mit langen  juristischen Erläuterungen  versehene  Erklärung  be-
       kannt, die fünf Docker würden sofort auf freien Fuß gesetzt. Tau-
       sende von  Arbeitern, von denen viele aus allen Teilen des Landes
       kamen und  Tag und  Nacht vor  dem  Pentonville-Gefängnis  demon-
       striert hatten,  empfingen die fünf befreiten Dockarbeiter. Diese
       wurden in einem Triumphzug durch die Straßen getragen, die Inter-
       nationale singend.
       Die reaktionäre  Tory-Regierung hatte nichts unversucht gelassen,
       diese Niederlage  zu vermeiden. Vor allem hatte sie versucht, die
       Solidarität und  Einheit im  Kampf der britischen Arbeiter zu un-
       tergraben. Die  'Fleet-Street-Presse' bezeichnete  die Dockführer
       als "Bolschewisten". Ein scharfsinniger Tory-Abgeordneter hatte -
       allerdings keine  sehr originelle  Leistung - herausgefunden, daß
       die ganzen  Streikaktionen "eine  rote Verschwörung"  seien.  Die
       britische Arbeiterklasse  hatte diese  Spaltungsversuche  erfolg-
       reich abgewehrt. Für sie war die Erkenntnis der Notwendigkeit der
       Einheit eine  Erfahrung, die  sie  in  vielen  Kämpfen  gesammelt
       hatte. Lawrence Daly, der Generalsekretär der Bergarbeitergewerk-
       schaft, unterstrich  in einem Artikel im "Morning Star" diese Er-
       fahrung: "Ich stimme voll der Erklärung Bernie Steers zu, der bei
       seiner Entlassung sagte, 'wir wären immer noch im Gefängnis, wenn
       es nicht  diese Aktionen  der Arbeiterklasse gegeben hätte.' Ein-
       heit war  der Schlüssel  des Sieges in unserem eigenen Streik An-
       fang des  Jahres, und sie war ebenso Schlüssel zum Erfolg im Fall
       der fünf Docker."
       Die Rolle  der Kommunisten  und vor allem ihrer Tageszeitung, dem
       "Morning Star",  für die Entwicklung der Einheit und Militanz der
       Arbeiterklasse wird von weiten Teilen der organisierten Arbeiter-
       bewegung anerkannt.  Nachdem der "Morning Star" während des Höhe-
       punktes der  Streikbewegung drei  Tage nicht  erscheinen  konnte,
       wurde  auf   Gewerkschaftsversammlungen,  von  leitenden  Gewerk-
       schaftsfunktionären und  vielen Shop  Stewards gefordert, das Er-
       scheinen des  "Morning Stars"  als einziger  Tageszeitung während
       jeder Streikbewegung  zu gewährleisten,  da dies die beste Unter-
       stützung für die Streikenden sei.
       An dem  Tag, an  dem die  Regierung ihre  Niederlage  eingestehen
       mußte und  die fünf  Docker auf  freien Fuß gesetzt wurden, wurde
       jedoch gleichzeitig  durch die Entscheidung des Obersten Gerichts
       des Oberhauses  (Law Lords) deutlich, daß der Kampf gegen das An-
       tigewerkschaftsgesetz noch  längst nicht zu einem endgültigen Er-
       folg geführt  hatte. Die  Lord-Richter erneuerten durch Aufhebung
       der Entscheidung  des Berufungsgerichtes  vom  Juni  die  55.000-
       Pfund-Strafe gegen die TGWU.
       Der TUC-Generalrat  hatte nach der Freilassung der Docker die An-
       kündigung des Generalstreiks zurückgezogen.
       Nicht zuletzt durch das Urteil der Lord-Richter bestärkt, forder-
       ten jedoch die Bergarbeitergewerkschaft (NUM) und viele Shop-Ste-
       wards-Komitees, dennoch,  diesen  Streik  gegen  das  Antigewerk-
       schaftsgesetz durchzuführen. In einer Einschätzung des erfolgrei-
       chen Kampfes  zur Befreiung  der Dockerführer  zog  der  "Morning
       Star" die notwendigen Schlußfolgerungen für den weiteren Kampf:
       "Die 'Pentonville-Fünf'  sind zu  Recht wie  Helden bei ihrer Be-
       freiung begrüßt worden. Sie sind mutig für die gewerkschaftlichen
       Prinzipien eingetreten...
       Indem die TGWU vor Gericht erschien, hat sie sich keinen Gefallen
       erwiesen, sondern  sich harte  Strafen und  hohe Kosten eingehan-
       delt. Wenn  der TUC und die TGWU entsprechend den Beschlüssen des
       letzten Gewerkschaftskongresses gehandelt hätten, wäre das Gesetz
       schon vollständig  vernichtet. Die letzten Tage haben den Weg, um
       dies zu  erreichen, gezeigt:  durch den  Einsatz  der  ungeheuren
       Stärke der  Arbeiterklasse im Streik... In jeder Fabrik, an jedem
       Arbeitsplatz, in jeder Organisation der Arbeiterklasse sollte der
       Druck auf  den TUC  verstärkt werden,  um solche  Aktionen durch-
       zuführen und sämtliche Gespräche mit den Tories abzubrechen."
       
       5. Beginn und Verlauf des Dockerstreiks
       ---------------------------------------
       
       Einen Tag  nach der  Freilassung der fünf Shop-Stewards fand eine
       Konferenz der  Dock-Delegierten der  TGWU statt.  Zur  Abstimmung
       stand der  Report eines  Komitees, das unter dem gemeinsamen Vor-
       sitz von Lord Aldington und Jack Jones (Generalsekretär der TGWU)
       eine Kompromißlösung  ausgearbeitet hatte,  die einen  Streik der
       Docker verhindern sollte. Dieser Report sah eine Erhöhung der Ab-
       findungszahlungen für  freiwillig ausscheidende  Docker von 2.300
       auf 4.000 Pfund sowie einen kompletten Einstellungsstopp vor. Die
       Abschaffung des  Registers für zeitweilig Nichtbeschäftigte (TUR)
       und die  Eingliederung der unter dieses Register fallenden Docker
       in die  Transportunternehmen der Häfen wurde lediglich empfohlen,
       jedoch nicht  abgesichert. Die  anderen Hauptforderungen, die das
       Nationale Hafen-Shop-Stewards-Komitee aufgestellt hat, Schutz vor
       Entlassungen, Recht  auf  Arbeit  in  Containerdepots  für  regi-
       strierte Docker  und Eingliederung  der nichtregistrierten  Häfen
       unter das  "Dock Labour  Scheme", waren  nicht erfüllt worden. So
       lehnten die  Delegierten den  Report trotz eindringlicher Appelle
       von Jack  Jones mit  38 zu  28 Stimmen  (bei 18 Enthaltungen) ab.
       Ihre Kampfbereitschaft  war noch  zusätzlich durch den Erfolg der
       erkämpften Freilassung  der fünf  Shop Stewards  sowie durch ihre
       Empörung über  die Entscheidung  des  Oberhauses,  nun  doch  die
       55.000 Pfund  Strafe gegen  die TGWU  zu verhängen, erheblich ge-
       steigert worden. Die Streikfront stand in allen registrierten Hä-
       fen vom  ersten Tag an geschlossen. Die Internationale Transport-
       föderation rief zum Boykott aller britischen Schiffe auf und die-
       ser Aufruf  wurde überall, in Frankreich, Holland, Belgien, Däne-
       mark, Norwegen  und Schweden  befolgt. Am  9.8.72  kamen  Gewerk-
       schaftsvertreter aus  Holland, Belgien  und Dänemark  nach London
       und bekräftigten  ihre Solidarität  und Unterstützung. Nur in der
       BRD wurde gegen den Willen vieler Hafenarbeiter Streikbrucharbeit
       verrichtet. Die  ÖTV begründete  das damit, daß sie "an die Frie-
       denspflicht gebunden" sei 26).
       In Großbritannien  weigerten sich  die Eisenbahner  in den Eisen-
       bahnhäfen, zusätzliche  Arbeit zu übernehmen, um die Docker nicht
       zu schwächen. Die Docker aus den großen Häfen, vor allem aus Hull
       und London, fuhren zu Tausenden in die kleinen nichtregistrierten
       Häfen wie  Ramsgate, Folkstone, Sandwich und Richborough, um dort
       wirksame Streikposten  gegen Streikbrecher  aufzubauen. Diese be-
       standen zu  einem nicht unwesentlichen Teil aus Schülern und Stu-
       denten, die dort ihre Ferienarbeit verrichteten. Auf der Fahrt in
       diese Häfen  wurden die gemieteten Busse der Docker von der Poli-
       zei gestoppt  und oft an der Weiterfahrt gehindert. Viele Bus-Un-
       ternehmen weigerten  sich, Busse an die "fliegenden Streikposten"
       zu vermieten.  Daß die  Docker aus Hull daraufhin aus ihrem eige-
       nen, ohnehin sehr knappen Streikfonds einen Bus kauften, um damit
       einen Transportdienst für ihre Streikposten zu errichten, mag ein
       Indiz für  ihre Kampfbereitschaft  sein. Diese  war im  Laufe des
       Streiks durch die Erfahrungen, die die Streikenden über die Funk-
       tion des bürgerlichen Staates und seiner Organe, wie Militär, Po-
       lizei und  Justiz machten,  weiter angewachsen. Obwohl Tory-Mini-
       ster MacMillan  zunächst beteuert hatte, daß die Regierung keinen
       nationalen Notstand  ausrufen wolle  27), tat  sie es  dann doch:
       seit dem 10.8.72 flog die britische Luftwaffe Güter zu den Orkney
       und den  Shetland Inseln  (westlich von Schottland), nachdem sich
       Docker in  Glasgow geweigert  hatten, die Fährschiffe zu beladen.
       Die Unterstützung,  die der  Staat in Großbritannien an die Fami-
       lien streikender  Arbeiter auszahlen  muß (die meisten britischen
       Gewerkschaften sind  nicht in  der Lage, Streikgelder zu zahlen),
       wurde den  Dockern an der Merseyside von den Behörden gestrichen.
       Sie hätten  die Arbeit wieder aufgenommen und seien deshalb nicht
       berechtigt, die  Familienunterstützung zu  empfangen. Die  Docker
       hatten lediglich  ein Schiff  mit Medikamenten entladen sowie die
       Ausschiffung eines  Schiffes, das 600 Kinder aus sozial schwachen
       Familien in  den Urlaub  bringen sollte,  ermöglicht. Das hierfür
       empfangene Geld  hatten sie,  um zu  dokumentieren, daß  sie sich
       keineswegs als  Streikbrecher verstanden,  an Wohltätigkeitsfonds
       überwiesen. Daß  der Staat  diese humanitär motivierte kurze Wie-
       deraufnahme der  Arbeit mit der Entziehung der Familienunterstüt-
       zung bestrafte,  verbitterte die Docker so, daß sie in Bootle das
       Hauptbüro des Sozialamtes stürmten.
       Diese Aktion  wie andere  Zusammenstöße der  Streikposten und der
       Polizei nutzte  die bürgerliche Fleet-Street-Presse zu einer ver-
       leumderischen Hetzkampagne  gegen die Docker, um sie vom Rest der
       britischen Arbeitsplätze  zu isolieren.  Ihnen  wurde  unsoziales
       Handeln vorgeworfen,  da sie sich weigerten, Versorgungsgüter für
       die Großbritannien  vorgelagerten nördlichen  Inseln und  Ölbohr-
       türme zu  verladen. In Wirklichkeit hatten die Docker in Aberdeen
       freiwillig diese  notwendigen Versorgungsgüter verladen und dabei
       ausdrücklich auf jede Bezahlung verzichtet. Sie stoppten die Ver-
       ladung erst,  als die  Behörden ihnen auf Grund dieser Arbeit die
       Familienunterstützung entzogen. Eine riesige Aufmachung erfuhr in
       der bürgerlichen  Presse eine  Anti-Streik-Demonstration  von  30
       Hausfrauen. Auf  diese Weise  lenkte sie  die Aufmerksamkeit  von
       denen ab,  die für  die Vernichtung von Unmengen von Obst und Ge-
       müse wirklich verantwortlich waren: Auf einem Treffen des Alding-
       ton/Jones-Komitees weigerte  sich ein Teil der Transportunterneh-
       mer weiterhin,  registrierte Docker einzustellen. So verlegte die
       TGWO die  geplante Delegiertenkonferenz,  die  den  Streik  hätte
       beenden können.
       
       6. Streikabschluß
       -----------------
       
       Diese  Delegiertenkonferenz  fand  am  16.8.72  statt,  nahm  die
       zweite, überarbeitete  Fassung mit  53 zu  30 Stimmen  an und vo-
       tierte damit  für eine Beendigung des Streiks. Das Abstimmungser-
       gebnis ist  aber insofern  irreführend, als  die 30  Nein-Stimmen
       30.000 Docker,  die 53  Ja-Stimmen lediglich  knapp 15.000 Docker
       repräsentierten. Alle  Delegiertenderkleinen, nicht registrierten
       Häfen, die  sich auf  der letzten Delegiertenkonferenz der Stimme
       enthalten  hatten,  stimmten  nun  gegen  die  Weiterführung  des
       Streiks.
       Das Nationale  Hafen-Shop-Stewards-Komitee erließ  Stunden später
       einen Aufruf, weiterzustreiken, da der Report nur Versprechungen,
       jedoch keine  Garantien zur  Erfüllung ihrer  4  Hauptforderungen
       enthalte:
       1. Der Report  spricht zwar  von einem  Schutz gegen Entlassungen
       und von  der Verpflichtung,  Arbeiter aus stillgelegten Betrieben
       auf die anderen zu verteilen, aber die folgenden 3 Punkte zeigen,
       daß das  kaum mehr als ein Versprechen ist, um die Docker zu täu-
       schen:
       a) Die Zahl der Docker ist in den letzten Jahren trotz aller Ver-
       sprechungen von  61.000 auf  45.000  (oder  weniger)  zusammenge-
       schrumpft.
       b) Einige der  größten Container-Unternehmen  haben aus ihrer Ab-
       lehnung des Reports nie einen Hehl gemacht.
       c) Das 'National  Ports Council'  hat am gleichen Tag, an dem die
       Delegiertenkonferenz stattfand, bekanntgegeben, daß in spätestens
       drei Jahren  mindestens 10.000 Entlassungen notwendig werden 28).
       Dafür wurde  zynisch die  Schaffung von 290 Arbeitsplätzen inner-
       halb des nächsten Jahres angekündigt.
       2. Die nichtregistrierten Häfen werden nicht wie gefordert, unter
       das 'Dock Labour Scheme' gebracht. Es ist lediglich eine Untersu-
       chung durch das 'National Ports Council', eben jene Körperschaft,
       die die weiteren 10.000 Entlassungen angekündigt hat, versprochen
       worden.
       3. Einige Container-Unternehmen  weigern sich  immer noch,  regi-
       strierte Docker einzustellen. Der Report gibt keine Garantien ge-
       gen den Widerstand der Unternehmer.
       4. Die Abschaffung  des Registers  für zeitweilig  Unbeschäftigte
       wird weiterhin  nur empfohlen.  Es bestehen  allerdings  Anhalts-
       punkte dafür, daß dies auch geschehen wird.
       Nach der  Entscheidung  der  TGWU-Delegierten-Konferenz  stürmten
       verbitterte Docker  eine Pressekonferenz von Jack Jones, stellten
       ihn zur Rede und zwangen die bürgerliche Presse zum Verlassen des
       Saales. Selbst  die kommunistischen  Führer  der  Shop  Stewards,
       Bernie Steer und Vic Turner konnten einige Docker nicht davon ab-
       halten, Jack  Jones tätlich  anzugreifen. Die  bürgerliche Presse
       nutzte diese Vorfälle zu einer Hetzkampagne ohne gleichen, so daß
       der Inhalt  des Aldington/Jones-Reports immer mehr in den Hinter-
       grund der  öffentlichen Diskussion  rückte. Ablehnung des Reports
       wurde mit Befürwortung der Tätlichkeiten gegen Jack Jones gleich-
       gestellt, Burnie  Steer und Vic Turner als 'bolschewistische Auf-
       wiegler' zu  Gewalttätigkeiten verteufelt, um so die Stimmung ge-
       gen die radikalen Gewerkschafter anzuheizen.
       Dies war  nicht ohne  Einfluß auf die etwa 60%-Mehrheitsentschei-
       dung für  Beendigung des Streiks, die am folgenden Tage auf Urab-
       stimmungen in  Hull und  Leeds fiel.  Die meisten kleineren Häfen
       votierten auch für die Wiederaufnahme der Arbeit. Das konsequente
       Eintreten für den Report durch Jack Jones selbst mag hierbei auch
       eine Rolle gespielt haben. Denn Jack Jones hatte nach jahrelanger
       reaktionärer, antikommunistischer  Führung den  Vorsitz der  TGWU
       übernommen, im  März 71  zu einem  politischen Streik  gegen  das
       Anti-Gewerkschaftsgesetz aufgerufen  und in  fast jeder  Rede die
       Notwendigkeit  der  innergewerkschaftlichen  Demokratie  und  der
       Teilnahme der  Shop Stewards an den Entscheidungsprozessen gefor-
       dert. Er  genießt bei  vielen Dockern  deshalb eine Menge Respekt
       und Autorität.  Die berechtigte  Kritik, die viele aktive Gewerk-
       schafter an  seiner Person  wegen seines Verhaltens gegenüber dem
       NiRC leisteten,  wird sich  wohl nach  den Auswirkungen des jetzt
       geschlossenen Abkommens  verstärken. Nach  den Entscheidungen von
       London und  Hull machten  die Docker aus Liverpool, wo 8.000 ein-
       stimmig (!)  für die  Weiterführung des  Streiks gestimmt hätten,
       und aus  Manchester ihre  ursprüngliche Entscheidung wieder rück-
       gängig. So  wurde der  Streik zu  einem Zeitpunkt beendet, als er
       für die  britische Wirtschaft  stärker spürbar  wurde und ständig
       wachsende Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß zeigte.
       Der erzielte Abschluß bedeutet zwar ganz bestimmt keinen Sieg für
       die Unternehmer  und ihre Regierung, läßt aber wichtige Forderun-
       gen der  Docker unerfüllt  und wird damit keineswegs zum Rückgang
       der Auseinandersetzungen  in der Dockindustrie führen. Diese Ein-
       schätzung bewahrheitete  sich schon am ersten Tage der Wiederauf-
       nahme der  Arbeit, an  dem die  Union Cold Store Company 87 regi-
       strierte Docker  entließ. Vor einem anderen Betrieb dieser Firma,
       der sich weiterhin weigert, registrierte Docker einzustellen, zo-
       gen erneut  Streikposten auf,  um den Boykott dieses Betriebes zu
       gewährleisten. Genau  diese Art  von Aktion hatte jedoch den Kon-
       flikt ausgelöst.
       
  <<<  Klaus Pickshaus
       
       _____
       1) Joachim Grüner:  GROSSBRITANNIEN UND  DIE EWG, DWI-Forschungs-
       heft, 4/1970, Berlin (DDR), S. 19/20.
       2) Paul Oehlke: "Zur politisch-ökonomischen Bedeutung des Gewerk-
       schaftsgesetzes in  Großbritannien", in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND
       INTERNATIONALE POLITIK, 4/1971, Köln, S. 385.
       3) D. Albers. W. Goldschmidt, P. Oehlke: KLASSENKÄMPFE IN WESTEU-
       ROPA, Frankreich  - Italien  - Großbritannien,  Hamburg 1971,  S.
       198.
       4) Paul Oehlke, a.a.O., S. 386.
       5) Joachim Gruner, a.a.O., S. 57.
       5a) Vgl. dazu:  Paul Oehlke:  "Der Bergarbeiterstreik in Großbri-
       tannien", in: SOPO 17, April 72, S. 1 ff.
       6) Vgl. Ken  Coates: "Fabrikbesetzungen  in Großbritannien",  in:
       EXPRESS INTERNATIONAL vom 18.2.72, S. 8.
       7) Vgl. Finley Hart: "New Forms of Struggle", in: LABOUR MONTHLY,
       8/1972, S. 376.
       8) Dieter Raulf: "Der Kampf der britischen Linken", in: MARBURGER
       BLÄTTER, 6/7/1971, Marburg, S. 16.
       9) Bill Dunn: DOCKS! THE FICHT FOR JOBS, London 1972.
       10) Vgl. Tony Topham: "The Ports Bill, Joint Control and Rationa-
       lization", in: TRADE UNION REGISTER, London 1970, S. 153 ff.
       11) Vgl. KLASSENKÄMPFE IN WESTEUROPA, a.a.O.,  S.  239.
       12) FINAL REPORT  OF THE  COMMITTEE OF INQUIRY under the Rt. Hon.
       Lord Devlin  into certain  matters concerning  the Port Transport
       Industry, London 1965, Cmnd. 2734.
       13) Vgl. B. Nicholson: "The First Year of Devlin: a Review of the
       Docks", in: TRADE UNION REGISTER, London 1969, S. 211 ff.
       14) Dunn, a.a.O., S. 3.
       15) Vgl. STATISTIK ZUR ALTERSSTRUKTUR DER DOCKARBEITER BEITOPHAM,
       a.a.O., S. 161.
       16) THE TIMES, 17.8.1972, S. 13.
       17) Dünn, a.a.O., S. 5.
       18) Mündliche Mitteilung  von Bernie Steer, Sekretär des Nationa-
       len Hafen-Shop-Stewards-Komitee, 9.6.72.
       19) Der folgende Bericht wurde im wesentlichen nach Schilderungen
       des LABOUR RESEARCH, Juni-August 1972 und des MORNING STAR zusam-
       mengestellt.
       20) MORNING STAR, 1.5.72.
       21) Nach einer  inoffiziellen Mitteilung eines Gewerkschaftsfunk-
       tionärs der TGWU hat die Haltung von Jack Jones in der fraglichen
       Sitzung der Exekutive den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.
       Eine Untersuchung  der politischen  innergewerkschaftlichen  Ent-
       wicklung kann an dieser Stelle jedoch nicht geleistet werden.
       22) THE TIMES, 13.5.72.
       23) MORNING STAR, 12.6.72.
       24) MORNING STAR, 22.7.72.
       25) Ebenda.
       26) Vgl. UNSERE ZEIT - Zeitung der DKP, 1.9.72, S. 8.
       27) Vgl. THE TIMES, 28.7.72.
       28) Vgl. THE TIMES, 17.8.72.
       
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